Netflix mit Neuausrichtung: Mehr Emmys, weniger Trash

Bei Netflix gibt es das nächste Beben. Denn bei den Inhalten scheint der Streaming-Dienst eine 180-Grad-Wende vorzubereiten.

Man erinnere sich zurück: Es gab eine Zeit, in der Netflix z. B. mit Serien wie „House of Cards“ oder den ersten Staffeln von „Stranger Things“ als das nächste HBO gehandelt wurde. Doch in den letzten Jahren ging der Streaming-Dienst mit seinen Filmen und Serien immer mehr in die Breite. Dabei kam vielfach die Kritik auf, dadurch seien auch wesentlich mehr inhaltlich flache Produktionen entstanden. Die dafür verantwortliche Managerin, Bela Bajaria, muss nun unvermittelt ihren Hut nehmen.

Netflix will zurück zu mehr Qualität

Unter Bajaria stellte sich Netflix inhaltlich breiter auf, was zuletzt aber eher negative Konsequenzen hatte. Beispielsweise haben Untersuchungen gezeigt, dass die meisten Zuschauer Serien des Streaming-Dienstes bereits nach einer Staffel wieder abbrechen. Generell hat sich Netflix in den Augen vieler Zuschauer wohl von einer Alternative zu HBO eher zu seinem zweiten RTL 2 entwickelt. So zeigt der Streaming-Dienst mittlerweile auch viel Reality- und Trash-Formate wie „Love is Blind“, „Too Hot to Handle“ oder „Perfect Match“.

Zuletzt sorgte in der Führungsetage offenbar auch für Unmut, dass Netflix bei den Emmys gegen Konkurrenten wie Apple TV oder HBO Max kein Land sehen konnte. Die prestigeträchtigen Preise, mit denen sich Streaming-Dienste und TV-Sender gerne schmücken, sind wichtig fürs Image. Entsprechend soll Netflix seiner Content-Chefin Bela Bajaria auch relativ unvermittelt den Laufpass gegeben haben. Die Managerin soll selbst überrascht gewesen sein. Sie arbeitete rund 10 Jahre für den Streaming-Dienst.

Peter Rice soll es für Netflix richten

Intern gab es dabei wohl schon lange Spannungen, da viele Mitarbeiter bei Netflix nicht mehr der Führung durch Bajaria zufrieden gewesen sein sollen. An ihre Stelle tritt nun Peter Rice, was angeblich bei Netflix für Jubel auf den Gängen sorgte. Rice kann auf eine erfolgreiche Karriere als Chef von Fox Searchlight zu Zeiten von Hits wie „Slumdog Millionaire“ oder „Little Miss Sunshine“ zurückblicken. Bis 2022 arbeitete er später als TV-Manager bei Disney. Später produzierte er Filme wie „28 Years Later“ oder jüngst „The Social Reckoning“.

Eine besondere Stärke von Rice ist es, dass er sowohl mit dem TV- als auch dem Film-Geschäft ausgiebige Erfahrungen gesammelt hat. Bekannt ist der Manager für eine Herangehensweise, die Qualität über Quantität stellt. Es bleibt abzuwarten, ob und wie er das bei Netflix durchsetzen kann. Denn Netflix will wohl weiterhin eine möglichst breite Masse erreichen, aber offenbar nicht mehr ganz so flach vorgehen, wie in der letzten Zeit.

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QuelleDeadline
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller.
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