Massenphänomen illegales TV-Streaming: Jährliche Schäden in Milliardenhöhe?

Die Fernsehsender laufen Sturm: Angeblich verursacht illegales TV-Streaming in Deutschland jährlich Schäden in Milliardenhöhe.

So unterstellt der Branchenverband Vaunet, dem z. B. die RTL Gruppe und ProSiebenSat.1 angehören, dass im letzten Jahr durch illegales TV-Streaming in Deutschland ein Schaden von rund 2,4 Mrd. Euro entstanden sei. Die Konsequenz: Man fordert härteres Vorgehen gegen solche Streams – z. B. indem Hoster verpflichtet werden, derartige Inhalte noch während sie laufen, direkt zu entfernen. Allerdings hat die ganze Rechnung einen gewaltigen Haken.

Milliardenschaden entspricht wohl einer Milchmädchenrechnung

So ist die besagte Summe arg „zusammengeschustert“. Sie basiert auf passiven Messungen von Onlineaktivitäten von 2.500 Menschen sowie einer losen Meinungsumfrage. Dazu kommt, dass man offenbar jeden illegalen Stream 1:1 als verlorene Einnahme gewertet hat. Das ist natürlich unrealistisch, denn nur ein Bruchteil derjenigen, die illegale Streams konsumieren, hätte bei Nichtverfügbarkeit dieser Empfangswege tatsächlich für die legale Variante den Geldbeutel geöffnet.

RTL+ erhöht ab Januar 2026 saftig die Preise.
RTL ist etwa bei Vaunet Mitglied.

Dass der Branchenverband Vaunet ausgerechnet jetzt auf die verlorenen Einnahmen durch Piraterie hinweist, berücksichtigt sind dabei im Übrigen nicht Downloads oder illegales Streaming von On-Demand-Inhalten, könnte berechnet sein. So haben die privaten Fernsehsender ohnehin mit Einnahmeverlusten zu kämpfen. Denn Werbetreibende entdecken immer stärker Streaming-Plattformen wie Disney+, Netflix oder Prime Video als Plattformen für sich. Dafür ziehen sie natürlich Budgets aus dem linearen Programm ab.

Vaunet zeigt mit dem Finger auf verlorene Steuereinnahmen

Deswegen zeigt Vaunet auch nicht nur mit dem Finger auf die Einnahmeverluste der eigenen Mitglieder, sondern jongliert mit weiteren Summen. Demnach sei auch ein vermeintlicher Schaden von 542 Millionen Euro durch verlorene Steuern und Sozialabgaben entstanden. Der Direktschaden der betroffenen Medienunternehmen summiere sich auf rund 1,5 Milliarden Euro, weitere Teilbeträge entfielen auf vor- und nachgelagerte Wertschöpfungsstufen.

Man geht sogar noch weiter und spricht von TV-Piraterie als „Massenphänomen“, das angeblich die Medienvielfalt bedrohe. Wir möchten dabei betonen, dass auch wir derlei illegales Verhalten ablehnen. Die Rechnungen des Branchenverbandes wirken auf uns, wenn wir die Erhebungsmethoden und die Datenbasis betrachten, jedoch eher kurios.

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André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller.
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