Zwei der traditionsreichsten Namen der Consumer Electronics Show werden auf der CES 2027 fehlen. Sony und Panasonic haben angekündigt, auf einen eigenen Auftritt in Las Vegas zu verzichten. Beide Hersteller waren seit der ersten CES im Jahr 1967 regelmäßig vertreten und ihr Rückzug steht aktuell symbolisch dafür, wie stark sich nicht nur die Messe, sondern der gesamte Entertainment-Markt gerade verändert.
Bei Sony kam die Entwicklung für uns nicht vollkommen überraschend. Bereits auf der CES 2026 verzichtete der Sony-Konzern auf einen klassischen eigenen Messestand und auch davor hatte das Unternehmen Probleme, die Halle zu füllen. Da wurden schon einmal riesige Bühnen nur dem Thema Sony Honda Mobility gewidmet mit dem inzwischen eingestellten Elektroauto-Projekt Afeela. 2027 sollen nun auch Sony und die verbundenen Unternehmen komplett fehlen. Als Begründung verweist der Konzern auf seine veränderten Schwerpunkte. Unterhaltung, geistiges Eigentum und Technologien für Content-Produzenten hätten inzwischen einen höheren Stellenwert.
Sony und Panasonic ziehen sich nach rund 60 Jahren zurück

Damit endet zumindest vorerst eine Ära. Sony und Panasonic gehörten seit 1967 praktisch zum Inventar der CES. Panasonic soll den Veranstalter bereits im Sommer darüber informiert haben, 2027 auf einen eigenen Stand zu verzichten. Der Hersteller begründet den Schritt unter anderem damit, dass sich die Möglichkeiten zur Präsentation neuer Produkte und Technologien verändert hätten. Künftig wolle man stärker auf spezialisierte Branchenveranstaltungen und gezieltere Events setzen (Eine Chance für die IFA?).
Interessant ist dabei vor allem der Zeitpunkt. Beide japanischen Traditionshersteller bauen ihr TV-Geschäft derzeit grundlegend um. Sony hat gemeinsam mit TCL die neue Gesellschaft für das Home-Entertainment-Geschäft beschlossen. TCL hält daran 51 Prozent, Sony 49 Prozent. Entwicklung, Produktion, Vertrieb und weitere Bereiche sollen künftig gemeinsam organisiert werden. Der Start ist für April 2027 vorgesehen. Mehr dazu hatten wir bereits in unserem Beitrag zum großen Sony-TCL-Deal rund um BRAVIA zusammengefasst.
Bei Panasonic ist die Konstruktion etwas anders. Skyworth übernimmt in zahlreichen Regionen unter anderem große Teile von Entwicklung, Fertigung, Marketing, Vertrieb und Logistik der Panasonic-Fernseher. Panasonic selbst bringt weiterhin seine Bildverarbeitung, Qualitätsstandards und insbesondere bei hochwertigen OLED-Modellen Entwicklungs-Know-how ein. Auch dazu hatten wir euch bereits in diesem Beitrag abgeholt: Panasonic-TV-Neustart mit Skyworth ab 2027.
Panasonic kehrt gleichzeitig nach Kanada zurück

Fast schon paradox wirkt deshalb eine weitere Entwicklung. Während Panasonic der CES in den USA fernbleibt, kehren Panasonic-Fernseher gerade wieder offiziell auf den kanadischen Markt zurück. Im August wurde ein neues OLED- und QD-Mini-LED-Line-up für Kanada angekündigt. Auch dort erfolgt die Vermarktung im Rahmen der Kooperation mit Skyworth.
Ist Politik ein Grund für den CES-Rückzug?
Ganz ausschließen lässt sich der Faktor Politik natürlich nicht. Handelskonflikte zwischen den USA, Kanada und China sowie neue Zölle verändern Lieferketten und Kostenstrukturen erheblich. Einen Zusammenhang mit der CES-Absage haben Sony oder Panasonic bislang aber nicht hergestellt. Naheliegender ist deshalb eine andere Erklärung. Für Hersteller klassischer Entertainment- und TV-Produkte verliert eine gigantische Messe womöglich an Bedeutung. Produktvorstellungen lassen sich heute über eigene Events, Händlerveranstaltungen, YouTube, Social Media oder spezialisierte Fachmessen deutlich besser verbreiten.

Gleichzeitig verschieben sich die Schwerpunkte der CES selbst. Die Veranstalter stellen für 2027 unter anderem KI, Robotik, Smart Home, Energie, Fahrzeugtechnologien und Mobility in den Mittelpunkt. Fernseher, AV-Technik und klassisches Home Entertainment sind zwar weiterhin vertreten, dominieren die Messe aber längst nicht mehr so deutlich wie früher. Das ist unter anderem auch der Grund (inkl. der politischen Entwicklung in den USA), wieso wir mittlerweile auch der CES fernbleiben.

