Der Sony Bravia 9 II setzt sich im großen LCD-TV-Shootout von HDTVTest gegen die Spitzenmodelle von TCL, Hisense, Samsung und LG durch. Sonys True-RGB-Fernseher gewinnt sechs von acht Disziplinen. Ausgerechnet beim Local Dimming muss sich der Bravia 9 II jedoch einem klassischen Mini-LED-TV geschlagen geben.
Für Sony ist es bereits der zweite große Erfolg in diesem Jahr. Beim TV-Shootout von Value Electronics setzte sich der Bravia 9 II bereits gegen die RGB-LCD-Konkurrenz von Samsung und LG durch. Beim neuen Vergleich von HDTVTest war das Teilnehmerfeld jedoch deutlich breiter aufgestellt. Vincent Teoh von HDTVTest ließ fünf der derzeit spannendsten Premium-LCD-Fernseher gegeneinander antreten. Neben dem Sony Bravia 9 II waren der TCL X11L, Hisense UR9S, Samsung R95H und LG MRGB95 mit dabei. Damit mussten sich die neuen RGB-LCDs auch gegen einige der besten klassischen Mini-LED-Konzepte behaupten.
Sony Bravia 9 II gewinnt den großen LCD-TV-Shootout 2026

Am Ende setzt sich Sony mit 35,59 Punkten relativ deutlich durch. Wirklich spannend ist aber der zweite Platz. Der TCL X11L kommt auf 31,45 Punkte und bleibt damit noch vergleichsweise nah am Bravia 9 II. Dahinter fällt das Feld deutlich auseinander. Hisense landet mit 24,95 Punkten auf Rang drei, gefolgt von Samsung mit 24,12 Punkten und LG mit 22,26 Punkten.
| Platz | LCD-Fernseher | Gesamtwertung |
|---|---|---|
| 1. | Sony Bravia 9 II | 35,59 Punkte |
| 2. | TCL X11L | 31,45 Punkte |
| 3. | Hisense UR9S | 24,95 Punkte |
| 4. | Samsung R95H | 24,12 Punkte |
| 5. | LG MRGB95 | 22,26 Punkte |
Bemerkenswert ist vor allem, dass Samsung, Hisense und LG trotz ihrer neuen Hintergrundbeleuchtungen mit getrennten roten, grünen und blauen LEDs deutlich zurückliegen. TCL setzt beim X11L dagegen weiterhin auf SQD Mini LED – und kommt Sony damit am nächsten.
TCL X11L schlägt Sony beim Local Dimming

Eine Disziplin geht überraschend an TCL. Bei „Local Dimming und Dark Scene Performance“ schlägt der X11L den deutlich teureren Bravia 9 II. Getestet wurden unter anderem eine sehr dunkle Szene aus „The Batman“ sowie das anspruchsvolle Sternenfeld aus „Life“. Gerade hier kann TCL seine mehr als 10.000 Dimming-Zonen ausspielen. Kleine helle Bildbereiche bleiben sehr leuchtstark, während der restliche Bildschirm weitgehend dunkel bleibt. Beim Sternenfeld aus „Life“ überzeugte der X11L die Jury damit sogar stärker als der Sony. Ein gutes Beispiel dafür, dass RGB-Hintergrundbeleuchtung allein noch keine Garantie für das beste Local Dimming ist.
| Kategorie | Sony Bravia 9 II | TCL X11L |
|---|---|---|
| Local Dimming / dunkle Szenen | 4,14 | 4,36 |
| Farbgenauigkeit | 4,76 | 3,95 |
| HDR | 4,57 | 4,07 |
| Bewegungsdarstellung | 4,21 | 3,64 |
| Bildhomogenität | 4,86 | 3,71 |
| Videoverarbeitung | 4,33 | 3,86 |
| Heller Raum / Reflexionen | 4,57 | 3,43 |
| Ab-Werk-Abstimmung | 4,14 | 4,43 |
Bei Farben und HDR spielt Sony seine Stärken aus
Danach übernimmt Sony das Kommando. Bei der Farbgenauigkeit wurden Rec.709, DCI-P3 sowie Farben innerhalb von BT.2020 überprüft. Zum Einsatz kamen unter anderem Szenen aus „Mulholland Drive“, „The Sound of Music“ und „Speed Racer“. Der Bravia 9 II erreicht starke 4,76 Punkte und setzt sich hier klar vom TCL X11L mit 3,95 Punkten ab. Sony profitiert dabei erneut von seiner sehr guten Farbabstimmung und Bildverarbeitung. Eine möglichst große Farbraumabdeckung bringt schließlich wenig, wenn die Farben am Ende nicht dort landen, wo sie laut Quelle hingehören.
Auch bei HDR hat Sony die Nase vorn. HDTVTest nutzte sowohl Szenen mit Highlights bis 1.000 Nits als auch anspruchsvolles Material mit bis zu 4.000 Nits. Sony erreicht 4,57 Punkte, TCL folgt mit 4,07 Punkten. Das zeigt einmal mehr, warum die reine Spitzenhelligkeit bei einem Fernseher noch lange nicht alles ist. Entscheidend ist ebenso, was der Fernseher aus dem HDR-Signal macht und ob helle Details erhalten bleiben.
Sony dominiert bei Bewegung und Videoverarbeitung
Auch bei der Bewegungsdarstellung gewinnt der Bravia 9 II. Bei 24p-Filmmaterial lagen die Geräte noch recht nah beieinander. Größere Unterschiede gab es bei 50-Hz-Material wie Fußball. Hier profitierte Sony von MotionFlow und einer variablen Form der Black Frame Insertion. Die Bewegungsschärfe lässt sich dadurch verbessern, ohne dass das für klassische Schwarzbildeinfügung typische starke Flimmern auftreten muss.
Ebenfalls wichtig: die Videoverarbeitung. Denn im Alltag schaut wohl niemand ausschließlich perfekt gemasterte 4K Blu-rays. HDTVTest prüfte deshalb unter anderem 10-Bit-Farbverläufe mit „Nosferatu“, stark komprimiertes SDR-Material sowie das Upscaling einer 1080p-Blu-ray von „Skyfall“. Auch hier landet Sony mit 4,33 Punkten vorne.
Das passt zu dem, was Bravia-Fernseher seit Jahren auszeichnet. Vor allem normales TV-Material, Streaming mit niedrigerer Bitrate oder ältere Blu-rays profitieren von einer guten Signalverarbeitung deutlich stärker als ohnehin schon hochwertiges 4K-Material.
5 von 5 Punkten für Sonys Entspiegelung
Sehr stark fällt auch die Bewertung im hellen Raum aus. Eigentlich wollte Vincent Teoh zusätzlich die maximale SDR-Helligkeit vergleichen. Wegen des bewölkten Wetters und der entsprechend geringen Raumhelligkeit wurde darauf jedoch verzichtet. Stattdessen lag der Fokus auf Reflexionen und dem Kontrast bei Umgebungslicht. Und hier liefert der Bravia 9 II das beste Ergebnis des gesamten Shootouts. Bei der Reflexionsunterdrückung vergaben alle Juroren die volle Punktzahl von 5 Punkten. Sonys „Immersive Black Screen Pro“-Beschichtung scheint also tatsächlich zu funktionieren und nicht nur ein weiterer Marketingbegriff zu sein. Gerade in normalen Wohnzimmern dürfte das durchaus Gewicht haben. Schließlich schauen die wenigsten Nutzer ausschließlich abends im komplett abgedunkelten Raum.
TCL besitzt ab Werk das genauere Bild

Einen zweiten Sieg kann TCL bei der Bildabstimmung ab Werk verbuchen. Die Fernseher wurden dafür zurückgesetzt und anschließend im jeweils besten HDR-Filmmodus bzw. Filmmaker Mode betrieben. Die Energiesparfunktionen waren deaktiviert. Der TCL X11L kommt auf 4,43 Punkte, der Sony Bravia 9 II auf 4,14 Punkte. Verantwortlich dafür ist unter anderem Sonys ab Werk verwendeter modifizierter Judd-Weißpunkt, der etwas bläulicher ausfällt als D65. Der als Referenz verwendete Sony BVM-HX3110 war dagegen auf D65 kalibriert. Dadurch lag der TCL näher am Referenzmonitor als der Bravia 9 II. Vincent Teoh spricht diesen Punkt im Video sogar ausdrücklich an. Sony hatte offenbar vorgeschlagen, auch den Referenzmonitor mit seinem werkseitigen Weißpunkt zu betreiben. Teoh blieb jedoch bei D65, wie es auch in der professionellen Produktion üblich ist.
HDTVTest vergleicht mit einem professionellen Referenzmonitor
Auch der Ablauf des Shootouts ist erwähnenswert. Die Fernseher wurden maskiert, damit die sieben Juroren möglichst nicht erkennen konnten, welches Modell sie gerade bewerten. Als Referenz diente der professionelle Sony BVM-HX3110, der unter anderem in der Film- und Postproduktion eingesetzt wird. Gesucht wurde damit nicht der Fernseher mit dem auf den ersten Blick spektakulärsten Bild, sondern das Modell, das der professionellen Referenz möglichst nahekommt.
Bewertet wurden acht Bereiche:
- Local Dimming und dunkle Szenen
- Farbgenauigkeit
- HDR-Wiedergabe
- Bewegungsdarstellung
- Bildhomogenität
- Videoverarbeitung
- Darstellung im hellen Raum und Reflexionsunterdrückung
- Bildgenauigkeit mit den Werkseinstellungen
Gerade deshalb finde ich solche Shootouts deutlich spannender als den reinen Vergleich von Messwerten. Spitzenhelligkeit, Dimming-Zonen und Farbraumabdeckung sind wichtig. Am Ende muss daraus aber auch ein gutes und möglichst originalgetreues Bild entstehen.
Sony bestätigt das Ergebnis des ersten TV-Shootouts 2026

Besonders interessant ist der Vergleich mit dem ersten großen TV-Shootout 2026 von Value Electronics. Dort gewann der Sony Bravia 9 II ebenfalls die LCD-Kategorie und setzte sich vor Samsung R95H und LG MRGB95 durch. Bei HDTVTest mussten sich die drei RGB-LCDs nun zusätzlich TCL und Hisense stellen. Und genau das verändert die Einordnung etwas.
Der TCL X11L landet direkt auf Platz zwei und schlägt Sony sogar bei der Schwarzdarstellung. Gleichzeitig liegen Hisense, Samsung und LG relativ deutlich hinter dem Bravia 9 II. Eine moderne RGB-Hintergrundbeleuchtung allein reicht also noch lange nicht für den Sieg. Wer noch einmal einen Blick auf das vergangene Jahr werfen möchte, findet in unserem HDTVTest TV-Shootout 2025 den damaligen Vergleich zwischen Sony, Samsung, LG und Panasonic.
Jetzt muss der Sony Bravia 9 II gegen die besten OLED-TVs antreten

Der Sieg im LCD-Shootout ist für Sony allerdings nur die halbe Miete. Der Vergleich war das Halbfinale des diesjährigen HDTVTest-Shootouts. Im Finale trifft der Bravia 9 II auf den LG G6, den Samsung S99H beziehungsweise S95H sowie den Sony Bravia 8 II. Besonders spannend dürfte das Duell mit dem Samsung S99H werden. Beim Shootout von Value Electronics hatte Samsung mit seinem QD-OLED Sonys siebenjährige OLED-Siegesserie beendet und sich dort zum besten OLED-TV des Modelljahres 2026 gekürt.
Jetzt bekommen wir also genau das Duell, auf das wir seit Vorstellung der neuen RGB-LCD-Generation gewartet haben: Kann ein High-End-LCD bei der reinen Bildqualität tatsächlich mit den besten OLED-Fernsehern mithalten oder sie sogar schlagen? Nach dem Halbfinale sollte man den Bravia 9 II jedenfalls nicht unterschätzen. TCL zeigt zwar eindrucksvoll, was mit extrem vielen Dimming-Zonen möglich ist. Sony holt sich den Sieg jedoch über das Gesamtpaket aus Farben, HDR, Bewegungsdarstellung, Videoverarbeitung, Bildhomogenität und Entspiegelung. Vielleicht endet das TV-Jahr 2026 damit in einer durchaus ungewöhnlichen Konstellation: Samsung stellt den besten OLED-TV – und Sony versucht, sich mit einem LCD-Fernseher den Gesamtsieg zurückzuholen.

