Überwachung durch den Fernseher: Widerspruch bleibt wohl oft wirkungslos

Hersteller von Smart-TVs sammeln zwar Daten, erlauben euch aber, ein Opt-out durchzuführen. Doch oft bleibt der Widerspruch wohl wirkungslos.

Zumindest haben das die Forscher von Watching the Watchers in einigen Tests herausgefunden. Untersucht wurden die US-Versionen von 12 Fernsehgeräten der Hersteller Amazon, Hisense, LG, Roku, Samsung, Sony, Supersonic, TCL, Vizio und Westinghouse. Da LG z. B. für alle Smart-TVs webOS nutzt, Samsung Tizen und Amazon Fire TV, sollten die Ergebnisse der einzelnen Modelle auch auf andere Smart-TVs mit dem gleichen Betriebssystem übertragbar sein.

Roku, Samsung und Vizio fallen negativ auf

Während ein Opt-out von ACR (Automated Content Recognition) bei den meisten Herstellern offenbar funktioniert hat, fielen Roku, Samsung und Vizion negativ auf. Denn selbst nach dem Widerspruch zur Datenerhebung durch die Nutzer wurden einfach weiterhin Daten an die ACR-Endpoints übertragen. Das checkten die Forschenden in verschiedenen Szenarien wie etwa in einer First-Party-Streaming-App.

Smart-TV mit zwei großen Kunststoffohren als Symbol für mögliche Überwachung und das Mithören von Gesprächen durch Fernseher.
Hört der Fernseher heimlich mit? Unsere Fotomontage verdeutlicht die Datenschutzbedenken rund um moderne Smart-TVs.

ACR sorgt dafür, dass regelmäßig während der TV-Nutzung im Hintergrund Screenshots angefertigt werden. Anhand der Daten kann erkannt werden, welche Inhalte ihr konsumiert. Diese Informationen sind nicht nur für die TV-Hersteller wertvoll, um eure Präferenzen auszuwerten, sondern auch für Werbepartner. Das umfangreiche Tracking wurde erst kürzlich sowohl bei LG als auch bei Samsung analysiert und kritisiert.

Jeder Hersteller nutzt ACR unterschiedlich

Die Forscher räumen dabei jedoch ein, dass jeder TV-Hersteller ACR etwas anders einbindet. Dennoch wirft es Fragen auf, dass auch nach einem expliziten Opt-out der Nutzer bei einigen Hersteller offenbar weiterhin ACR-Daten übertragen wurden. Ihr solltet jedoch beachten, dass US-TVs getestet worden sind. Das Verhalten könnte also in Europa, wo strengere Datenschutzgesetze gelten, durchaus abweichen.

Zudem konnten die Autoren wegen der Verschlüsselung der Datenübertragungen nicht auswerten, welche Daten konkret weiterhin über den Äther geschickt worden sind. Dass aber eben überhaupt unverändert Daten an die ACR-Endpoints wanderten, ist mindestens verdächtig. Es wäre zudem nicht das erste Mal, dass TV-Hersteller die Opt-out-Angaben der Nutzer ignorieren. 2017 wurde der US-Hersteller Vizio bei diesem Vorgehen ertappt.

Im Ergebnis empfehlen die Forscher, Smart-TVs möglichst nicht online zu schicken und externe Streaming-Player zu verwenden, die kein ACR ausführen. Man will den Herstellern aber nicht direkt Absicht unterstellen: Dass das Opt-out mutmaßlich nicht respektiert wurde, könnte schließlich auch an Bugs liegen. Für die Nutzer würde es das aber natürlich nicht besser machen.

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André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller.
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