Netflix: Beschwerden über schlechte 4K-HDR-Qualität häufen sich

36
Die Reencodierung von 4K Titeln auf Netflix zeigt, dass die Bildqualität darunter leidet
Die Reencodierung von 4K Titeln auf Netflix zeigt, dass die Bildqualität darunter leidet

Nach der neuen Codierung und Reduzierung der Bitrate für Videostreams, häufen sich Beschwerden der Netflix-Abonnenten, dass die Qualität von Filmen und Serien in 4K/HDR abgenommen hat!

Netflix hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein komplettes Portfolio an hochauflösenden 4K Inhalten, zum Teil mit High Dynamic Range (HDR), neu zu encodieren. Bislang wurden Filme uns Serien in 4K Auflösung mit HDR und/oder HFR (High Frame Rate) mit festen Bitraten von 8, 10, 12 oder 16 Mbps auf Netflix präsentiert. Mit einem neuen Algorithmus, der jeden Titel bzw. jede Szene einzeln bewertet, soll die Bitrate an den gezeigten Inhalt angepasst werden. Das spart dem Videostreaming-Schwergewicht Bandbreite und senkt im Endeffekt die Betriebskosten (Netflix hostet über Amazon Web Services). Jedoch ist das Ergebnis nicht unbedingt zufriedenstellend.

Beschwerden der Abonnenten häufen sich

In einem Beitrag im Netflix Technology Blog wurde die neue Codierung ausführlichst präsentiert und mit überzeugenden Vergleichsbildern „beworben“. Es ergab sich der Eindruck, dass die Qualität nicht unter der neuen Encodierung des Videomaterials leidet – ganz im Gegenteil. Die Qualität sollte in Szenen, die aufgrund der festen Bitrate nicht alle Details zeigen konnten, zum Teil deutlich steigen. Die Realität sieht dann aber doch etwas anders aus, wie es sich aus den Beschwerden der Abonnenten herauslesen lässt.

Bei diesem Vergleichsbild bleibt die Qualität zwischen One Shot (5,91 Mbit/s) und Original (16 Mbit/s) gleich.
Bei diesem Vergleichsbild bleibt die Qualität zwischen One Shot (5,91 Mbit/s) und Original (16 Mbit/s) gleich.

Gute Idee schlecht umgesetzt

Wie immer handelt Netflix nicht aus „Liebe zu seiner Kundschaft“, sondern aus einer wirtschaftlichen Motivation heraus. Weniger Bandbreite bedeutet weniger Kosten, was am Ende logischerweise positiv auf die Bilanz niederschlägt. Positiver Nebeneffekt: Abonnenten hätten von der Neukodierung der Filme und Serien auf Netflix ebenfalls profitiert. Videostreaming über mobile Daten mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop hätten weniger Internetvolumen benötigt. Z.B. könnten Animationsfilme mit meist gleichbleibender Qualität und hoher durchschnittlicher APL mit um die 1.8 Mbit/s statt mit 7.5 – 15 Mbit/s bei gleicher Qualität gestreamt werden – so zumindest die Theorie von Netflix. Jedoch ist die Praxis von der „gleichen Qualität“ weit entfernt.

Das Gesicht der Schauspielerin zeigt in der One-Shot-Variante weitaus weniger Details, als wäre sie mit einem Fotofilter "glattgezogen" worden.
Das Gesicht der Schauspielerin zeigt in der One-Shot-Variante weitaus weniger Details, als wäre sie mit einem Fotofilter „glatt gezogen“ worden.

4K Bildqualität auf Netflix verschlechtert sich

Ein aufmerksamer Nutzer (Reddit /YourPostsAreRetarded) hatte bereits zur Vorankündigung von Netflix ein paar Screenshots von Serien in 4K Qualität mit 16 Mbit/s angefertigt, nur um diese mit den neuen „One-Shot“-encodierten Varianten zu vergleichen. Das Ergebnis ist zum Teil erschütternd schlecht. Gesichter von Schauspielern sehen aus, als wären sie mit einem Instagram-Filter „glatt gezogen“ worden. Die angefertigten Screenshots könnt ihr unter diesem Link einsehen und euch selbst eine Meinung zu bilden, wie „gut“ die neu kodierten Titel sind. In anderen Szenen ist die Qualität dagegen subjektiv unverändert, trotz über 60% geringerer Bitrate. Fest steht, das Versprechen der besseren Qualität trotz geringerer Bitrate kann Netflix nicht einhalten und zum Teil verringert sich der Detailgrad.

Auch in dieser Szene, nimmt der Detailgrad deutlich ab, zu erkennen im Gesicht der Hauptdarstellerin
Auch in dieser Szene, nimmt der Detailgrad deutlich ab, zu erkennen im Gesicht der Hauptdarstellerin

Einsparung auf Kosten der Qualität

Netflix aktualisiert nach und nach sein Angebot und erst wenn ein Großteil der Inhalte umgestellt wurde, können wir das gesamte Ausmaß der Umstellung erfassen. Jedoch verheißen die ersten Beispiele nichts Gutes. Netflix spart hier wieder auf Kosten der Qualität. Abonnenten die im Premium-Angebot 15.99 Euro für 4K Qualität mit HDR (High Dynamic Range) und 3D Sound zahlen, bekommen eine zum Teil deutlich schlechtere Videodarstellung geboten. Übrigens: Der neue Algorithmus wurde bereits auf das komplette SD- und HD-Portfolio angewandt. Habt ihr vielleicht Beispiele für uns, welche 4K-Videos jetzt eine schlechtere Qualität liefern? Schreibt uns gerne einen Kommentar!

36 KOMMENTARE

  1. Das ist erst der Anfang! Sobald Streaming alle anderen Programmquellen vernichtet hat, hat man freie Hand und wird weitere kostendämpfende Massnahmen ergreifen, gegen die sich die Kundschaft dann nicht mehr wehren kann.

    Das wird damit beginnen, dass wie im Kino, die Filme vernichtet werden, wenn die Zugriffszahlen niedrig und die Qualität wird dann durch die Load Balancer noch weiter begrenzt, denn es ist bei Streaming gegenüber klassischem gesendeten Fernsehen nicht egal, wie viele Zuschauer gerade schauen, denn jeder kostet Bandbreite!

  2. Deswegen kommt für mich das ganze Streaming nicht in Frage es wird nichts eine Scheibe ersetzen. Ich mein wenn man 3000 € plus für ein High-End Fernseh rausgibt dann will ich auch die maximale Bildqualität alles andere kann ich mir auch einen HD-Ready Fernseher kaufen.

    • Nur kommt inzwischen nicht jede Serie und auch nicht jeder Film auf UHD raus.

      Auch nicht die guten, vor allem bei Serien wird das immer schlimmer, selbst Game of Thrones hat ja Ewigkeiten gebraucht um jetzt endlich auf UHD raus zu kommen und das ist nur ein Beispiel…
      Und ich warte doch nicht bei jeder Serie Jahre! ob die dann evtl. auch mal für die Disc raus kommt.

      Dann schmeisse ich doch Streaming an, auch bei meinem 4000€ Fernseher (77CX). Klingt komisch, ist aber so…

  3. Preise erhöhen, Qualität verschlechtern. Solange die Leute zahlen ist doch alles gut. Das sind 15 Euro im Monat die ich mir spare. Da kann ich mir auch eine DVD anschauen, die Qualität ist die gleiche.

  4. Dann ist das jetzt der Moment von 4K auf HD zu wechseln bei Netflix. Die werdens nur merken wenn die 4K Abos abgekündigt werden. 4K machte und macht sowieso nur Sinn auf UHD Scheiben. Streaming bringts einfach (noch) nicht.

  5. Ja die nachlassende Qualitätauf Netflix kann ich leider auch bestätigen. Ich sehe gerade La Revolution in 4K+HDR und es sieht eher wie hochskaliertes und stark komprimiertes FHD Material aus.

    Weiß jemand wo und wie man sich beschweren kann? Gibt es eine Email Adresse?

  6. Jo Star Trek Discovery sieht grausam aus wenn man näher drangeht.. ich war schwer enttäuscht die Tage. Altered Carbon sieht noch ein Stück besser aus finde ich, aber trotzdem ist das Lichtjahre von 4K weg das man sich erwartet… Wenn das so weiter geht bin ich nach alle den Jahren weg.

      • Dann wars Bly Manor. Ich habe gerade nochmal nachgeschaut, bei mir steht bei Discovery und bei Bly Manor gar nicht HD oder 4K dran. Sondern nur Dolby Vision. Ist das noch bei jmd?

        • Schon wieder falsch 🙂

          Bly Manor gucke ich auch gerade, dort sagt mir die Info Taste 15,8Mb/s, also keine Drosselung und ja: 4K liegt bei mir hier vor, keine Ahnung was da bei dir schief läuft,

          • Was heißt hier schief laufen und falsch? Bei Netflix steht bei diesen 2 Serien die Info nicht dran, ob es 4K oder HD ist, ganz einfach eigentlich. Wenn Bly 4K ist sieht es erbärmlich aus.

  7. Kann mir jemand bitte sagen wie der Film beim ersten Vergleichs-Bild heißt?
    Glaub nämlich dass ich den Film noch nicht kenne 🙁

    Wäre dankbar für eine Antwort 🙂

  8. Da kann eigentlich kein Vergleichsbild mit „vorher“ mithalten. Ich fand die Qualität von Netflix ja immer noch ganz in Ordnung, zwar nicht so gut wie die Konkurrenz, aber native 4K/DV-Produktionen sahen doch weiterhin ansprechend aus. Leider werden solche Beschwerden wenig bewirken, 95% der Nutzer sehen das doch gar nicht.

  9. Mich stört es, dass ich auf meinem 2016 Oled bon Lg sämtliche Serien die in GB hergestellt werden Dolby Vision nur in HDR ausgegeben wird

    • Apple TV+ läuft aber nur auf dem Apple TV 4K mit 40Mbit/s… auf den anderen Vertriebskanälen (Smart TV, Fire TV) läuft es mit weitaus geringerer Bitrate. Also auch keine so geile Entscheidung.

      • Ist das ein Fakt? Gibts dazu eine Quelle? Habe einen 77CX von LG und bilde mir ein, dass dort die Bitrate auch do hoch ist.

        Lasse mich aber auch vom Gegenteil überzeugen, technisch kann ich das nicht kontrollieren. Die Info Taste funzt nur bei Netflix.

        • Jetzt suche ich wie ein blöder im Google und finde natürlich nicht mehr, wo ich das gelesen habe. Es war aber eine der Seiten, die ich öfters besuche. Via Google finde ich nichts heraus, weil „Apple TV 4K“ „Apple TV+“ zu ähnlich sind und in Kombination mit Bitrate bzw. Fire TV findet man nur Vergleiche und die Bitraten-Reduzierung zum Corona-Start oder die Meldung das Apple TV+ die höchste Bitrate von allen Streamingdiensten hat.

            • Gerade selbst getestet. Komme auf der Apple TV App auf dem Fire TV nicht über 12.000 kbit/s hinaus. Hab verschiedene Inhalte getestet „See“, „The Morning Show“ usw. Direkter Vergleich zwischen Apple TV 4K und Fire TV Stick 4K liefert auch subjektiv zwei unterschiedliche Qualitätsstufen.

            • Hiermit Bestätige ich Dominic Jahn Aussage zu 100%. Vor Corona lief appletv+ auch am firetv mit ca. 30mbit. AppleTV und Netflix hat corona einige millionen mehr in den rachen geschoben! Das wollen sie jetzt mit den Tricks weiterspielen. Die TV App bitraten von appletv+ habe ich noch nirgends gelesen aber man kann es sich vorstellen. Der Kunde ist da kein König mehr.

              Habe letztens mal enola holmes gesehen mit dv und hd. Bitrate ca. 5 – 7mbit. Bild war nicht gut.

            • Ich schaue gerade, wie ich die Bitraten bei den integrierten Apps von LG und Samsung (Smart TVs) herausfinden kann. Aber auch hier ist der subjektive Eindruck, dass die Bitrate reduziert wurde. Jetzt kann man sicherlich Unterschiede erkennen,
              aber ich möchte auch anmerken, dass man hier zum Teil wirklich genau hinschauen muss. Ich finde immer noch, dass der Apple TV Stream auf einem hohen Niveau ist, auch auf externen Geräten.

          • Der 4K Stick ist aber auch der denkbar schlechteste Vergleich. Das ist ein 40€ Stick, der kein Atmos kann (nein, Jack Ryan alleine reicht nicht) und der kein wirkliches 24p beherrscht (nein, Frame Switching nur bei Prime reicht nicht),

            Ich denke da sind die SmartTVs besser aufgestellt, erst recht die Oberklasse wie Qled, C9, CX etc.

          • Vielleicht weißt noch die URL der Webseite auf der Du die Info gelesen hast. Dann geh auf archive.org und gibst sie ein und wählst einen Snapshot aus dem ungefähren Zeitraum aus. So habe ich schon mal Handbücher gefunden zu Hardware, die nicht mehr verkauft wird.

            • Mir hilft das Archiv jedoch nichts, wenn ich nicht mehr weiß wo es genau war. Ich kann jedoch bereits bestätigen, dass es auf dem Fire TV 4K sicherlich keine 40Mbit/s sind. Habe ich über das Deveolper-Menü ausgelesen. Ich werde da aber noch einmal checken, nicht das es
              am WLAN lag (auf der anderen Seite liefert der Apple TV 4K über das gleiche 5G WLAN ja eine erhöhte Bitrate aus). Unterschiede sind subjektiv erkennbar, jedoch zum Teil nur bei Standbildern.

        • Ich arbeite nun 20 Jahre als Senior in der Postproduktion und Qualitätskontrolle für Filme und Serien für Filmvertriebe, globale services und öffentliche TV Sender. Wir, die das Thema studiert haben und von höchsten stehen als Experten geschult und zertifiziert wurden, achten hier auf jeden einzelnen Pixel und so viel mehr. Die Produktionen alleine mit ihren etlichen Mitarbeitern, die das ganze studiert haben, angefangen von der Kamera bis hin zum grading.. und dann wird das ganze in die Waschmaschine gesteckt und gestreamt, oder in schlecht kalibrieren Kinos mit alten Projektoren gezeigt oder am Fernseher zu Hause, wo es auch nochmal ziemlich stark codiert wird. Man fragt sich schon wozu man sich die Arbeit macht, um den Zuschauern ein tolles Erlebnis zu bieten. 4K ist dabei gar nicht mal so relevant. Ein uncodiertes HD File sieht hier bei uns sogar schärfer und besser aus als das was man über TV oder streaming als 4K bekommt. Es ist ein Irrsinn.. kein Mensch bräuchte Zuhause einen 4K Fernseher, da er die Schärfe mit entsprechend Abstand gar nicht sehen kann, genauso wenig wie ein originales leichtes Bildrauschen. Fürs Kino macht 4K oder 8K durchaus Sinn bei der großen Leinwand. Das Rauschen und die Unschärfe die man Zuhause sieht kommt allein vom Encoding fürs streamen, ob Netflix oder TV. Uncodiertes HD am heimischen TV wäre ein tolles Aha Erlebnis, da würde keiner mehr codiertes 4K anschauen wollen.. vllt sollte Netflix daher lieber mal die HD streams etwas höher encoden.

      • Das ist auch mir neu.
        Wäre natürlich ein ziemlicher Biatchmove von
        Apple.

        Aber ich nutze deren Kram sowieso zu selten.

        • die Qualität ist schon ganz ordentlich bei Apple TV.
          Bin nun wahrlich kein Apple Jünger, aber ich hatte in einige Folgen mal testweise reingeschaut (einige 1. Folgen lassen sich ja ohne Abo ansehen) – und das sieht schon ganz ordentlich aus.

          Ein riesen Problem habe ich mit Netflix auch nicht, sehe Disney+ und Apple tv aber auch deutlich vor Prime und Netflix, was die Qualität angeht.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte trage deinen Kommentar ein
Bitte trage deinen Namen hier ein