Netflix ist das neue Fernsehen – mit den guten wie den schlechten Seiten

Netflix hat sich lange Zeit als Gegenpol zum traditionellen Fernsehen positioniert. Doch inzwischen verschwimmen vielmehr die Unterschiede.

Gestartet ist Netflix in Deutschland 2014, also als der Streaming-Dienst in den USA bereits Marktführer gewesen ist. Seitdem hat man auch hierzulande erfolgreich Abonnenten an sich gebunden. Zuschauer fühlten sich angezogen von einer Plattform, die ihnen werbefrei und auf Abruf ihre Lieblingsserien und -filme anbieten konnte. Doch wo einst die Unterschiede zum klassischen Fernsehen dominierten, wachsen mittlerweile eher die Gemeinsamkeiten.

Netflix setzt auf Werbung und Live-Übertragungen

Beispielsweise bietet auch Netflix mittlerweile einen werbefinanzierten Tarif mit reduzierten monatlichen Gebühren an. Obendrein zeigt man immer mehr Live-Übertragungen und wildert im Bereich Sport. Man konkurriert da mit Geboten auf die Übertragungsrechte und die Werbekunden immer stärker mit dem klassischen Fernsehen. Mittlerweile denkt man bei der Plattform sogar darüber nach, eines der größten Alleinstellungsmerkmale fallenzulassen.

So warb Netflix einst offensiv damit, dass ganze Serienstaffeln stets auf einen Zug beim Streaming-Dienst aufschlagen. Das hat man ohnehin schon etwas aufgeweicht und bei manchen Formaten z. B. eine Season in mehrere Teile aufgesplittet. Doch inzwischen stellt man fest, dass viele Zuschauer nach nur einer Staffel bereits wieder abspringen. Die Abstände zwischen den Seasons sind zu groß. Zudem hat man Probleme, die Abonnenten dauerhaft immer wieder zum Einschalten zu bewegen. Auch Netflix könnte, wie z. B. HBO Max, Apple TV oder Prime Video, daher damit anfangen, neue Serienepisoden im Wochentakt zu veröffentlichen.

Netflix arbeitet konservativ, nicht innovativ

Netflix kann es sich dabei auch gar nicht mehr leisten, in einer Nische Innovationen zu pushen oder disruptiv zu sein. Vielmehr muss man in Zeiten, in denen der Aktienkurs innerhalb eines Jahres um rund 40 % eingebrochen ist, ein möglichst breites Publikum ansprechen und so tief im Mainstream eintauchen wie nur möglich. Letzten Endes wird die Plattform genau deswegen den klassischen Fernsehendern, zu denen es sich einst als Alternative aufstellte, immer ähnlicher.

RTL und ProSiebenSat.1 wollen mit eigenen Plattformen wie RTL+ und Joyn kontern, doch wie sich das alles auf lange Sicht entwickelt, muss sich zeigen. In Ländern wie Frankreich integriert Netflix nämlich auch bereits regionale Fernsehsender in seine App. Eventuell kommt dieses dort bereits sehr erfolgreiche Modell auch nach Deutschland? Als Rundum-App dürfte sich Netflix sicherlich selbst gut gefallen.

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QuelleDWDL.de
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller.
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