Streit mit Netflix eskaliert: Viele deutsche Synchronstimmen verweigern die Zusammenarbeit

Netflix liegt weiterhin mit deutschen Synchronsprechern im Clinch. Viele Sprecher verweigern inzwischen komplett die Zusammenarbeit.

Wir hatten schon über diesen Zwist berichtet. Letzten Endes geht es darum, dass die deutschen Synchronsprecher als Standard in neuen Verträgen einer Klausel zustimmen sollen, die es Netflix erlaubt, ihre Stimmaufnahmen für KI-Training zu verwenden – ohne zusätzliche Vergütung. Einige Sprecher haben sich dem ergeben, andere verweigern sich. Die Folgen sind für deutsche Zuschauer oder besser Zuhörer bereits spürbar.

Viele Hollywood-Schauspieler müssen bei Netflix ohne die bekannten Sprecher auskommen

So erhalten etwa die Schauspieler Russell Crowe, Jason Momoa, Gerard Butler und Jennifer Lopez in kommenden Produktionen neue Stimmen. Stammsprecher wie Martin Umbach, Matti Klemm, Anne Vielhaben und Natascha Geisler arbeiten aktuell nicht mehr mit Netflix zusammen. In sozialen Netzwerken haben die Sprecher ihre deutschen Fans bereits darauf eingestimmt, dass sie in kommenden Filmen und Serien ihre Stimmen bei Netflix nicht mehr hören werden.

Dabei verweisen die Synchronsprecher auf den aus ihrer Sicht künstlerischen Aspekt ihrer Arbeit, der durch künstliche Intelligenz ersetzt zu werden drohe. Ihrer Ansicht nach könne KI Stimmen zwar gut imitieren, nicht aber die menschliche Seele, die drohe, verloren zu gehen.

Kritiker deutscher Synchronisationen verweisen indes oft darauf, dass es bei Synchronisationen in erster Linie um eine Verständnishilfe und nicht um künstlerische Interpretationen gehe. Das Handwerk und eine möglichst originalgetreue Umsetzung sollten im Vordergrund stehen. Die ließe sich mutmaßlich sogar besser mit KI erreichen, wenn diese etwa die Originalstimmen der Darsteller übernehmen kann.

Netflix geht es ums Geld

Wirtschaftsunternehmen interessiert diese Debatte ehrlicherweise nicht, da geht es knallhart ums Geld. Und dass eine KI-Synchro günstiger wäre als eine mit menschlichen Sprechern, ist eindeutig. Insofern sind die Sorgen der Sprecher nachvollziehbar, die nicht aktiv und unentgeltlich noch dazu beitragen wollen, sozusagen das eigene Grab zu schaufeln.

Die Zukunft muss zeigen, ob KI langfristig menschliche Synchronsprecher ersetzen wird oder ob sich Vertriebe weiterhin Sprecher leisten können und wollen. Netflix jedenfalls will bisher nicht einlenken und hält an seiner Klausel fest.

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QuelleGolem
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller.
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