Vertical Drama: Vom Amateurfehler zum Nachfolger von 16:9?

Vertical Drama sieht die TV- und Streaming-Branche als „Next Big Thing“. Doch was steckt wirklich hinter diesem Trend?

Wer mit seiner Handy-Kamera früher Hochkant-Videos aufgenommen hat, wurde belächelt. Heute ist es eher umgekehrt: Die junge Generation nimmt Clips hochkant auf. Wer sein mobiles Endgerät zum Filmen dreht, wird als Boomer eingeordnet. Das greifen auch Streaming-Anbieter und TV-Sender auf. Der neue Trend nennt sich „Vertical Drama“ und erobert längst nicht mehr nur soziale Netzwerke.

Gehört 16:9 jetzt zum alten Eisen?

Dabei sieht es so aus, dass 16:9 als Bildformat eigentlich eher dem menschlichen Sichtfeld entspricht und somit immersiver und „natürlicher“ wirkt. Deswegen hat es sich auch als Standard für aktuelle TV-Geräte etabliert. Anders jedoch bei Smartphones, die zunehmend die Mediennutzung von jungen Menschen prägen. Letztere konsumieren viele Videos auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube im vertikalen Format. Denn die Drehung des Geräts, nur um ein kurzes Video anzusehen, ist vielen im Alltag zu nervig.

Hochkant-Videos haben damit nun plötzlich Vorteile: Sie passen zum Format, das viele Konsumenten wählen. Gerade Kinder und Jugendliche nutzen für das Gros ihres Medienkonsums inzwischen das Smartphone. Die Folge: Hochkant-Videos werden für sie zum Standard. Doch nicht nur das Bildformat ändert sich. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt und komprimierte, kürzere Videos mit hoher Informationsdichte werden zum Standard. Sogenannte Mikro-Dramen oder auch Vertical-Dramen sind daraus hervorgegangen.

Vertical Drama als neuer Trend

Vertical Dramas nutzen deutlich kürzere Mini-Episoden als bei klassischen TV- und Streaming-Anbietern üblich. Einzelne Folgen sind oft nur wenige Minuten lang, denn sie sind als „Snacks“ für Zwischendurch konzipiert. Die Komplexität der Inhalte ist gering, sie lassen sich extrem schnell konsumieren – und wieder vergessen. Fast-Food für zwischendurch eben. Das mag Cineasten sauer aufstoßen, doch Medienunternehmen müssen sich an der wirtschaftlichen Realität orientieren.

Folgerichtig gibt es bereits auf diversen Plattformen viele Vertical-Dramen, die ein Millionenpublikum begeistern. Und auch Disney+ und Netflix liebäugeln bereits mit entsprechendem Content. 16:9 ist nicht mehr der universelle Standard und wir werden wohl in den nächsten Jahren vermehrt erleben, wie sich die Inhalte wandeln.

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QuelleDWDL.de
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller.
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