Netflix vs. Synchronsprecher: Einigung steht, aber die Kritik bleibt

Netflix lag mit den deutschen Synchronsprechern wegen einer KI-Klausel im Clinch. Doch der Bundesverband Schauspiel verweist auf eine bisherige Einigung.

So hatten wir darüber berichtet, dass Netflix inzwischen offenbar von Sprechern verlangt, einer KI-Klausel zuzustimmen. Damit legt der Streaming-Dienst quasi fest, dass er das eingesprochene Material ohne weitere Vergütungen z. B. zum Training von Sprachmodellen einsetzen kann. Namhafte deutsche Synchronsprecher weigerten sich daher weiterhin für die Plattform zu arbeiten. Jetzt meldet sich der Bundesverband Schauspiel (BFF) geradezu mahnend zu Wort.

Synchronsprecher seien laut BFF abgesichert

So verweist man auf seine Einigung mit dem Streaming-Dienst. Offen ist, ob damit bereits erzielte Kompromisse von 2025 oder ergänzende Übereinkünfte gemeint sind. Es geht aber wohl eher um den alten Deal, welchen man nochmal ins Rampenlicht rückt. Denn die bestehende Einigung wurde von anderen Branchenverbänden als unzureichend bzw. in Teilen rechtswidrig bemängelt. Das bestreitet der BFF und versteht den Deal vielmehr als rechtlich absichernd. Man habe verbindliche, faire und angemessene Schutzregeln ausgehandelt. Mit Netflix habe man also einen generellen Rechtsrahmen abgesteckt. Dieser sei die Basis für künftige Kollektiv-Vereinbarungen.

Netflix bereitet sich schon auf KI-Synchros vor.
Netflix bereitet sich schon auf KI-Synchros vor.

Laut BFF habe man dadurch die Voraussetzung für künftige Vergütungen von KI-Stimmen, geschaffen. Zudem sei die Nutzung des Materials zu KI-Zwecken nur zulässig, wenn die Sprecher zustimmen. Das gelte sogar selbst dann, wenn die KI-Stimme der ursprünglichen Stimme nicht direkt gleiche. Jetzt müsse man gemeinsam die nächsten Schritte gehen und konkrete Regeln zur Vergütung ausarbeiten.

BFFS sieht Kooperation mit Netflix als notwendig an

Der BFFS kritisiert nun wiederum die Aufrufe anderer Verbände nicht mit Netflix zu arbeiten als nicht zielführend. Auf dieser Basis gingen den Synchronsprechern nur Aufträge verloren und niemand habe etwas davon. Den Einsatz von KI in der Synchronbranche werde man nicht durch Blockaden verhindern können. Letztendlich wird KI schon teilweise eingesetzt und wird nicht wieder verschwinden. Man müsse nach gemeinsamen Wegen suchen.

Wie die Zukunft der deutschen Synchronbranche aussehen wird, muss die Zeit zeigen. Werden weiterhin Menschen daran arbeiten oder wird irgendwann künstliche Intelligenz, möglicherweise gar mit lizenzierten Originalstimmen der Schauspieler, übernehmen?

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QuelleBFFS
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller.
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8 Kommentare
  1. Das Thema scheint mir mal wieder zu sehr „ganz oder gar nicht“ diskutiert zu werden und beide Parteien stellen ihre eigenen top Prioritäten in den Vordergrund. Die Interessen der Konsumenten stehen hinten an und werden nur berücksichtigt, wenn es in der Diskussion den eigenen Argumenten dient.

    Ich halte eine individuelle, Umsatz (oder Abrufzahl) basierte Regel für Verträge für sinnvoll, die allen Drei Parteien Vorteile bringen würde. Dabei würde der Einsatz von KI Synchronisation an den kommerziellen Erfolg geknüpft werden. Z.b. wenn eine Staffel einer Serie produziert, synchronisiert und veröffentlicht wurde, der geringe Erfolg zwar ausreicht um die Serie fort zu setzen, aber eine Synchronisierung für ausländische Märkte sich nicht lohnen würde,…. die Situation gibt es ja öfter und die Inhalte dann bestenfalls mit Untertiteln im Original Ton. Dann würde halt jetzt eine Klausel greifen nach der die Stimmen der original Synchronsprecher per KI genutzt werden und die Synchronsprecher bekommen z.B. 5% von ihrer eigentlichen Gage, ohne etwas dafür tun zu müssen.

    • Ich persönlich denke, dass es langfristig so laufen wird, dass reine KI-Synchros die aktuellen Synchros ablösen werden. Die Original-Darsteller werden dann über Vertragsklauseln ihre Stimmen lizenzieren, die dann in andere Sprachen übertragen werden. Vorteil für dt. Zuschauer, die Synchros nutzen, wäre, dass es möglich wäre, die Original-Intonation des Schauspielers zu übernehmen und auch dessen authentische Stimme zu hören. Es wäre also sogar die originalgetreuere Variante.

      Dass Synchronsprecher das sehr bescheiden finden, ist absolut verständlich. Ich denke aber, diese Entwicklung wird sich langfristig ergeben, schon weil die produzierenden Studios damit viel Geld sparen könnten.

        • Allein aus finanziellen Gründen halte ich das für extrem wahrscheinlich. Netflix hat ja seine Gründe, warum man die Rechte haben will, mit den Stimmen der Sprecher zu arbeiten. Die KI-Modelle will man ja nicht aus Jux und Dollerei trainieren.

          • Logisch , daß überhaupt nix aus Jux und Dollerei passiert. KI verbraucht enorm viele Ressourcen und Energie. Emittiert auch jede Menge C02. z.B alleine nur die Werbung erzeugt 5% der globalen C02 Emissionen. Dazu gibt es noch Insta,TikTok usw…von anderem fange ich gar nicht erst an – aber das alles ist ja super und hilfreich, und spart iwas – nur eben nicht an der Umwelt.

            • Wenn Synchronsprecher, Dialogregisseure und Co. ins Studio karren, aufzeichnen, Dateien transferieren, etc. erzeugt das formal auch alles Emissionen, also so einfach ist es dann auch wieder nicht. Ich fände es für die Sprecher auch schade und habe da Sympathie, dass sie diese potenzielle, existenzbedrohende Entwicklung natürlich ablehnen. Würde man aber die Originalstimmen der Darsteller lizenzieren, ihre Betonung und Co. erfolgreich übernehmen und dann auch mit weiteren Tools die Lippenbewegungen anpassen (geht ja schon), würde man allerdings eine Übertragung ins Deutsche erreichen, die objektiv näher ans Original käme. Die Verantwortung läge dann noch stärker bei der Dialogregie und Übersetzung.

              Die Zeit muss zeigen, in welche Richtung es da gehen wird. Aber Konzerne sind da eigentlich immer gleich: Wenn sie die Kosten drücken und die Margen steigern können, dann machen sie das. Deswegen ist es aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, bis menschliche Sprecher wohl durch KI ersetzt werden.

          • Die Synchronsprecher haben m. E. aber auch ein Druckmittel in der Hand. Wenn sich in Deutschland jeder Sprecher weigern würde, seine Stimme „zu verkaufen“, wird hier nichts mehr synchronisiert, die Leute gehen nicht mehr ins Kino bzw. gucken nicht mehr Netflix und Co. und den US-Studios geht eine Menge Geld flöten. Würden dann noch andere Synchronstudios in anderen Ländern dem Beispiel folgen, wäre das ein ziemlich großer Umsatzausfall, denn O-Ton-Gucker sind hierzulande in der Minderheit.

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