Sind Pixelfehler bei LCD oder OLED ein Garantiefall? Leider nicht immer!

Sind Pixelfehler bei LCD und OLED-Displays ein Garantiefall und kann man den Hersteller zu einem Austausch oder Reparatur verpflichten? Wir klären für euch dieses wiederkehrende Problem.

Ihr habt es vielleicht schon einmal gehört oder musstet euch selbst einmal mit dem Thema Pixelfehler beschäftigen. Es gibt eigentlich nichts Schlimmeres, als einen defekten Bildpunkt auf einem nagelneuen, gekauften Display. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um ein Smartphone, Monitor oder einen neuen Fernseher handelt. Wer den Defekt einmal entdeckt hat, wird in den meisten Fällen auch an diesem stören, selbst wenn dieser am Rand und somit nicht im unmittelbaren Sichtfeld liegt. Vor allem wer wechselnden Content konsumiert, dem wird ein kaputter Pixel oder Subpixel unangenehm auffallen. Stellt dieser Umstand einen Defekt dar, den der Hersteller beheben muss?

Umtausch oder Reparatur? Kommt drauf an…

Die Antwort auf diese Frage kann, wie so oft, nicht definitiv mit Ja oder Nein beantwortet werden. Denn auch im Fall eines scheinbaren Defekts, greift eine ganz klare Reglementierung, die von der ISO (International Organization for Standardization) in der wissenschaftlichen Schrift Nr. 9241-307 „Pixelfehlerklassen und deren Einstufung der TFT-Displays“ festgelegt wurde. Diese definiert 5 Fehlerklassen, in die Panels bei der Inspektion im Werk eingegliedert werden. Folgende Klassierungen sind möglich:

Pixelfehlerklassen laut ISO

Pixelfehlerklasse 0 2 3 4
Heller Pixel 0 1 2 5 50
Dunkler Pixel 0 1 2 15 150
Heller Subpixel 0 1-2 1-5 bis 50 bis 500
Dunkler Subpixel 0 1-5 1-10 bis 50 bis 500

 

Die Klasse 0 stellt ein perfektes Panel dar, welches in der Regel auch nur durch Selektierung erreicht wird. Bei Klasse Nr. 1 handelt es sich um industrielle Displays, die unter anderem in medizinischem Equipment, bei der Luftsicherung oder ähnlichem zum Einsatz kommen. Bei der Klasse 2 angekommen, befinden wir uns bei den Geräten, die wir als Ottonormalverbraucher beziehen – also Smartphones, Laptops, Fernseher, Monitore usw. Klasse 3 kann nur noch als B-Ware verkauft und verwendet werden, während Klasse 4 in der Regel verschrottet wird.

Sehen wir und die Pixelfehlerklasse 2 einmal etwas genauer an. Laut Vorgaben der ISO darf ein Display pro 1 Million Bildpunkten zwei dauerhaft leuchtende (helle) oder zwei dauerhaft deaktivierte (defekte) Pixel besitzen. Bei den defekten Subpixeln, also den roten, grünen, blauen oder weißen Farbdioden, dürfen sogar 1-5 dauerhaft leuchten, oder 1-10 dauerhaft defekt sein. Vor allem die defekten Subpixel, dürften nur den wenigsten Nutzern auffallen, wenn diese den Bildschirm für Streaming, Fernsehen oder Gaming nutzen. Die farbliche Abweichung, hält sich nämlich je nach Content mehr oder weniger in Grenzen.

Hersteller orientieren sich an Pixelfehlerklasse

Ein TV-Gerät mit 4K-Auflösung besitzt über 8 Millionen Bildpunkte. Ein 8K-Modell sogar über 33 Millionen. Rechnen wir also diese Werte auf, dann wären bis zu 16 helle oder tote Pixel im „Rahmen“ der Pixelfehlerklasse 2. Bei 8K-Geräten und den Subpixeln sind es noch weitaus mehr. Viele Unternehmen, unter anderem auch LG Electronics, die mit ihren OLED-Displays sich im High-End-Segment niedergelassen haben, verweisen in ihren Garantiebestimmungen auf die Pixelfehlerklasse ISO 9241-307. Damit legen sie fest, dass Pixelfehler, die sich im Rahmen befinden, keinen Garantiefall darstellen und infolgedessen keine Reparatur oder Umtausch nach sich ziehen.

Nervig wird es, wenn mehrere tote Bildpunkte nebeneinander auftauchen. Das erhöht jedoch auch die Chance eines Fehlerbehebung durch den Hersteller (innerhalb der Garantiezeit)
Nervig wird es, wenn mehrere tote Bildpunkte nebeneinander auftauchen. Das erhöht jedoch auch die Chance eines Fehlerbehebung durch den Hersteller (innerhalb der Garantiezeit)
|| Bild: Hifi-Forum

Bedeutet im Umkehrschluss. Wer nur wenige Fehler bei den Bildpunkten oder Subpixeln feststellt, muss wohl damit leben. Wer Glück hat, hat ein so schlechtes Panel erwischt, dass dieses außerhalb der Spezifikationen liegt und somit ein Umtauschrecht besteht.

Hersteller zeigen sich bei Pixelfehlern oft kulant

Die Hersteller orientieren sich an den Vorgaben der ISO, setzen diese aber nicht bis zur absoluten Grenze um. Einem Kunden, der sich einen High-End-TV mit OLED-Display gönnt, dem kann man auch keine 16 dauer-leuchtenden Pixel zumuten. Die Hersteller legen hier wohl eigene Richtlinien fest, an denen sich der Kundendienst orientieren kann. Ein neuer TV mit nur einem oder zwei defekten Pixel wird in der Regel keinen Umtausch/Reparatur nach sich ziehen. Über diesem Wert sehen die Chancen schon besser aus. Hier handhabt es jeder Displayhersteller wohl etwas anders.

Pixelfehler bei Displays die exessiv genutzt werden, wie z.B. bei einem Arbeitsmonitor oder Smartphone können ganz schön nerven
Pixelfehler bei Displays die exessiv genutzt werden, wie z.B. bei einem Arbeitsmonitor oder Smartphone können ganz schön nerven

Es gibt auch Verkaufsversprechen, nach dem Displays immer getauscht werden, sofern sie einen defekten Pixel oder Subpixel aufweisen. Dabei handelt es sich entweder um Profi-Equipment oder Geräte, die in Masse gefertigt werden und bei denen in Umtausch des Displays sich nicht allzu schwer auf die Verkaufskalkulation (z.B. Smartphones) auswirkt.

Wieso werden „defekte Displays“ geduldet?

Doch wieso gibt es überhaupt so eine Einstufung? Wird es den Hersteller hier nicht zu einfach gemacht? Ja und Nein. Etablierten Display-Standards, deren Herstellungsprozesse auf das Maximum optimiert wurden, wird damit ein gewisser Spielraum eingeräumt, den sie vielleicht nicht benötigen. Bei neuen Entwicklungen, wie z.B. den neuen QD-OLED-Panels von Samsung Display, kommt diese Pixelfehlerklasse wie gerufen. Denn die Hersteller müssten sonst bei der Eingangsinspektion (Incoming Inspection) noch mehr Displays in den Müll schmeißen. Als B-Ware können und werden solche neuen Panels sicherlich nicht von Samsungs Endkundensparte oder einem Dritthersteller angenommen.

Das sorgt wiederum dafür, dass die Kosten für die Produktion von Displays nicht in die Höhe schießen. Zudem spielt auch der ökologische Aspekt eine Rolle, wenn Panels mit kleineren Fehlern nicht aussortiert, sondern in den Handel gebracht werden.

Können Fehlerpixel behoben werden?

Schwarze, also tote Pixel können nicht wiederbelegt oder repariert werden. Bei einem Pixelfehler im Subpixel, bei dem nur eine Farbe nicht funktioniert, gibt es zumindest eine kleine Chance diesen wieder zu aktivieren. Hier muss an der Stelle des defekten Subpixels ein häufiger Farbwechsel über einen längeren Zeitraum vorgenommen werden. Kostenlose Software oder Videos findet man über deine schnelle Google-Suche (Undead Pixels) zuhauf.

Augen auf, beim Displaykauf

Jetzt ist es so, dass der Fachhandel und lokale Elektronikhändler in puncto Pixelfehler die Nase vorn haben. Ein TV-Gerät im Ausstellungsraum kann in der Regel vorab inspiziert werden, um dieses auf tote oder immer leuchtende Pixel zu überprüfen. Dafür eignen sich übrigens am besten Bilder oder Videos, die vollflächig die Farben Weiß, Schwarz, Rot, Grün, Gelb, Magenta, Blau oder Cyan abbilden, um auch Subpixel-Fehler zu identifizieren. Hier gelangt ihr z.B. zu einem browserbasierten Pixelfehler-Test.

Und noch ein kleiner Tipp am Rande: Bevor ihr ein Display auf Unregelmäßigkeiten testet, reinigt dieses doch anhand der Vorgaben der Hersteller. Denn Staub oder Rückstände können die Darstellung einzelner Pixel beeinflussen und sehen am Ende vielleicht wie ein Pixelfehler aus.

Dominic Jahn
Dominic Jahnhttps://www.4kfilme.de
Couch-Streamer, TV-Umschalter & Genuss-Cineast. Eine gute Serie oder Film lässt sich durch nichts ersetzen. Am liebsten im Originalton, gerne auch in 3D! Paypal-Spende für die 4KFilme-Kaffeekasse

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7 Kommentare

  1. Ich hatte bei einem gebraucht erworbenen 4K-Fernseher von Panasonic nach dem Transport mehrere (und stark störende) tote Pixel, aber nach ein paar Tagen hat sich das glücklicherweise von selbst gegeben. Eine Erklärung dafür habe ich nie gefunden.

  2. Man könnte auch einen teuren TV oder Monitor im Internet bestellen und bei einem Pixelfehler einfach vom 14 Tägigen gesetzlichen Rückgaberecht Gebrauch machen ohne Angaben von Gründen. Dafür ist es natürlich Sinnvoll rasch nach Erhalt das Display auf Pixelfehler hin zu überprüfen.

  3. Alles Gut mit dem OLED.

    Doch manchmal hat mir Netflix schon ganz schön Angst eingejagt z.B. bei Schauen eines Films wie „Army of the Dead“ mit ihren toten Kamera Pixeln 🙂

    • Kam das auch bei anderen Netflix-Inhalten vor?
      Bei Army of the Dead lag das meines Wissens an einer unregelmäßigen Kameralinse, die Zack Snyder absichtlich verwendet hat, damit das Bild nicht zu perfekt sauber aussieht.

      • Kam schon bei einigen Netflix Produktionen die weitaus vor Army Of The Dead mit denselben RED 8K Kameras gedreht wurden.
        Hat mich ehrlich gesagt gewundert dass das den Leuten vor Snyder’s katastrophalem Katastrophenfilm noch nie so wirklich jemandem aufgefallen ist.
        Aber es gibt bei AotD halt keinen vernünftigen Inhalt, der von solchen Fehlern ablenken könnte. ^^

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