Rundfunkbeitrag: Diskussionen auch in anderen Ländern

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Rundfunkgebühren: In vielen Ländern Gegenstand von Diskussionen
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Der aktuelle Rundfunkbeitrag ist immer wieder Gegenstand kritischer Diskussionen. Während die öffentlich-rechtlichen Sender sich als essentiell für die Demokratie betrachten, gibt es Gegenstimmen, welche gerade undemoktratische Strukturen bemängeln. Doch nicht nur in Deutschland läuft die Diskussion über staatliche Programme.


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ARD, ZDF, Deutschlandfunk und Co. wünsche sich ab 2021 einen höheren Beitrag. Dass die öffentlich-rechtlichen Anbieter es nicht so mit dem Sparen haben, ist einerseits bekannt. Andererseits könnte man anführen, dass die Kosten durch die Inflation steigen. Die ganze Sache ist ein zweischneidiges Schwert, da (bis auf wenige Ausnahmen wie Hartz-IV-Empfänger) jeder Haushalt den Beitrag mitfinanzieren muss – ob das Programm nun genutzt wird oder nicht. So hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk mittlerweile ein Relevanz-Problem.

Denn gerade Jugendliche und junge Erwachsen wenden sich immer stärker vom linearen Fernsehen ab und der öffentlich-rechtliche Rundfunk macht ein Programm, das an ihnen vorbeigeht. Als Gegenmaßnahme leisten sich die Sender ein immer umfangreicheres Online-Angebot, das auch auf kommerziellen Plattformen wie YouTube stattfindet. Wie man das bewertet, muss jeder selbst entscheiden.

Doch nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern gibt es öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen. In Norwegen wurde mittlerweile beschlossen, dass das Angebot in Zukunft direkt über Steuern finanzier wird. In der Schweiz wiederum sinkt der Rundfunkbeitrag stark, statt, wie voraussichtlich in Deutschland, zu steigen. In Österreich wiederum stand der ORF schon fast vor dem Aus bzw. einer enormen Verkleinerung. Durch den Bruch der Regierung, werden die Karten dort aber nun neu gemischt.

Öffentlich-rechtliches Programm muss sich fortwährend rechtfertigen

Auch in Frankreich stehen Umstellungen an, denn man will sich die britische BBC zum Vorbild nehmen. So operieren bei unseren Nachbarn France Télévisions und die Hörfunksender von Radio France noch separat, man will sie aber wohl unter ein Dach bugsieren. Auch in Frankreich ist der Rundfunkbeitrag dabei aber deutlich niedriger als in Deutschland. Im Herbst 2019 soll dort ein Reformvorschlag diskutiert werden.

In Italien steht der staatliche Rundfunk Rai stark in der Kritik, da die rechtspopulistische Regierung dort immer stärker die Fäden zieht. In Großbritannien wiederum steht die BBC für Qualität und gilt europaweit eher als positives Beispiel, zumindest was die produzierten Inhalte betrifft – und das obwohl die jährlichen Gebühren ebenfalls niedriger sind als in Deutschland (ca. 172 Euro im Jahr pro Haushalt ab 2020).

In Dänemark steht aktuell ebenfalls eine Umstellung an: Statt mit einer Haushaltsabgabe will man den Rundfunk zukünftig über Steuern finanzieren. Das neue Finanzierungsmodell soll ab 2021 / 2022 gelten. In Norwegen will man schon zum Jahreswechsel 2019 / 2020 ans Werk gehen und auf die Finanzierung des NRK mit Steuergeldern umstellen. In Norwegen lagen die Gebühren sogar höher als in Deutschland und bei mehr als 300 Euro pro Haushalt im Jahr. Die neue Steuer soll bei 170 Euro pro Person liegen und ab dem 18. Lebensjahr gelten.

14 KOMMENTARE

  1. Wieso kann nicht jeder selbst entscheiden was er sehen will oder hören. Es gibt soviel Private Anbieter. Diese scheiss ARD und ZDF sind abgefrakt. Die wollen doch nur ihren Arsch im Stuhl halten. Jörg

  2. Nach Beitragsvolumen sind die Deuzschen Rindfunkanstalten die Größten der Welt. Technisch hinken Sie extrem hinterher. Ich höre gerade eine Radiosendung über elektronische Musikbei einem Privatsender, die es in genau diesem Format bei den Öffentlich-Rechtlichen geben müsste. Da gibt es einen Kulturauftrag. Klassische Musik kann ich rund um die Uhr hören…

    Die Zuschauer laufen uns weg.Lasst uns die Preise erhöhen!!! :))

  3. Der Rundfunkbeitrag sollte über steuern finanziert werden, so sehe ich das nämlich auch, wieso müssen wir pro haushalt das extra bezahlen, wenn man das direkt über steuern bezahlen kann und sich die Sender bei der Regierung rechtfertigen müssen warum man mehr geld will.

    • Über eine Steuerfinanzierung wäre der ÖRR faktisch genau das, was ihm von manch dubioser Seite bisher zu Unrecht vorgeworfen wird: echtes, von der Politik unmittelbares abhängiges und manipulierbares Staatsfernsehen. Das ÖRR-Prinzip würde so komplett ausgehebelt und kompromittiert. Ich empfehle, einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des ÖRRs zu werfen, wie er finanziert wird, wer die Entscheider sind und welchen Sinn das Ganze hat.

      Es gibt genug berechtigte Kritik am ÖRR. Aber darum dessen vollständige Abschaffung oder Ersetzung durch ein größeres Übel zu fordern, könnte man doch besser bestehende Mängel ausmerzen und das eigentlich sinnvolle System verbessern. Wenn man in einem Haus eine schimmelige Wand hat, reißt man ja auch nicht den ganzen Bau ab, sondern bekämpft gezielt den Mangel.

      • Danke für deine objektiv korrekte Meinung zum Thema. Leider ist es heutzutage in, dass alles billiger oder noch besser gratis sein muss. Was im Detail dahinter steckt, interessiert die Wenigsten.

        Aber dann jammern, wenn der Job flöten geht.

  4. Thorsten! Weil sie dann pleite gehen. Die Klienten die diese Sender gucken sind Ur Alt und haben von Smartcarden keinen plassen schimmer. Und mal ehrlich für was brauche ich ein Staatsfernsehen doch nur um die Menschen zu indoktrienieren und zu manipulieren mehr nicht. Die gehören einfach abgeschafft. Aber dann kann man ja keine fetten Pensionen mehr zahlen. Das ist ein Selbstbedienungs Laden ohne Gleichen. Und Neutrale Bericht Erstattung gibt doch schon lange nicht mehr. Aber in DDR gab es ja auch ein Staats gelegten Rundfunk. Ist hier nicht anders. Und Reporter die ihre Freie Meinung sagen werden entlassen oder gezwungen zu gehen. Soviel zum Thema Demokratie in dieser DDR 2.0

    • Immer diese Verallgemeinerungen und Schwarzseherei. Wieder einer der einfach nur DAGEGEN ist und wahrscheinlich nicht weiß, wovon er redet, weil er ist ja DAGEGEN und schaut deswegen nichtmal rein. Ich wage mal arg zu bezweifeln, dass die in der DDR überhaupt Sendungen ausgestrahlt hätten, die derart mit der deutschen Politik und Wirtschaft ins Gericht gehen, wie es einige Formate der ÖR machen – wenn auch oft eher mit Humor, zur besseren Verdeutlichung. Bei den Privaten findet man sowas nichtmal im Ansatz.

      • Welcher Vorteil ergibt sich aus mit Humor „verharmlosender“ Kritik, wenn daraus keine Konsequenzen gezogen werden. Die Konsumenten regen sich temporär auf und haben es bei der nächsten Wahl wieder vergessen, wer für gewisse Umstände zuständig war. Es wird zwar auf die Missstände aufmerksam gemacht, aber meiner Meinung nach verharmlost der Humor den Sachverhalt und lässt einen mit dem Gedanken zurück, dass man ja sowieso nichts daran ändern könnte.
        Ich halte die Institution eines öffentlichen Rundfunks für sehr wichtig. Es gibt allerdings auch einige Kritikpunkte: Kosten/Nutzen Verhältnis von Intendanten und Formaten, Kritiken und fehlende Konsequenzen, Anzahl der Betrachtungswinkel, Einflussnahme der Politik.

  5. Warum werden die nicht einfach verschlüsselt, und wer gucken will, kauft sich eine Smartcard dafür
    Das wäre für mich gerechter als was jetzt der Fall ist

  6. Naja, dafür zahlen wir „nur“ € 17,50 wenn man schon mit anderen Ländern vergleicht, in der Schweiz sind das € 27,50, in Dänemark € 27,91 usw. Okay, dafür leben in Deutschland auch wesentlich mehr Bürger die zahlen müssen, aber dafür ist das Angebot um ein vielfaches Größer. Und einen direkten Einfluss auf’s Programm durch Politiker und Parteien ist so auch nicht möglich. Man siehe nur Polen, Ungarn, Türkei und so langsam auch in Italien. Und immer sind es die Rechten die sowas fordern. Ich schaue und nutze gern das Angebot der öffentlich rechtlichen Sender, ob TV oder Radio oder Mediatheken. Und die Privaten bezahlt man übrigens auch, nur indirekt über Produkte die man kauft die dort ihre Werbung schalten. Und gerade bei den Privaten hat es immer wieder direkte Einmischung durch Politiker gegeben, siehe 90er Jahre, Bundeskanzler Kohl und SAT 1. Und wer mir jetzt kommt die öffentlich rechtlichen Sender seien nur Mainstream Medien und keine freie Medien, der solch sich auch weiterhin seine „möchtegern“ Nachrichten bei RT, Sputnik und YouTube weiter anschauen.

    • Einfluss der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es auch in Deutschland, es stimmt aber, dass er nicht ganz so offensichtlich stattfindet – es werden eher „bequeme“ Leute auf die entsprechenden Stellen gesetzt – man kann die Nähe des ÖRs zur Politik auch gut nachvollziehen, wenn man die Besetzung diverser Gremien mal so durchgeht und sich anschaut wie so manche Verwandschaftsbeziehungen der Mitarbeiter ausfallen.

      Trotzdem reden wir hier aber in der Tat von einem deutlich geringeren Ausmaß an Verflechtungen als etwa in Russland und der ÖR berichtet auch oft kritisch über die Regierung. Wirklich unabhängig ist der ÖR jedoch nicht, vielmehr gibt es da eine Symbiose mit der Politik – beispielsweise ist er ÖR auch die wichtigste, mediale Plattform für die Regierung und die Politik im Allgemeinen. Deswegen besteht z. B. auch kein großer Wunsch danach das System zu verändern, weil man ein enormer Nutznießer der angebotenen Bühne ist.

      Das kann man halt gut finden oder nicht, ich selbst bin auch nicht grundsätzlich gegen einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, finde aber die aktuelle Struktur nicht in Ordnung und nicht zeitgemäß.

    • Es ist immer komisch das wenn Leute vom öffentlichen Rechtlichen weggehen sich beschweren das eine unabhängige Berichterstattung nicht möglich war. Bekanntes Beispiel ist z.b Günther Jauch der sowohl im Privaten und auch im öffentlichen Moderiert hat. Er hatte auch bemängelt das er nicht unabhängig agieren konnte. Die enorme Verschwendung der Gelder ist auch ein richtiges Ärgernis. Da verdient ein Moderator mehr als unsere Bundeskanzlerin. Eine Tatort Folge kostet dort 1,4 Millionen und ist keine Hollywood Produktion. Ich schaue weder Privat noch öffentliches Fernsehe aber das private kann ich abstellen und das öffentliche nicht. Eine Mitbestimmung was mit unseren Geldern passiert wäre mal ein Anfang um eine wirkliche Unabhängigkeit zu erreichen (Demokratische Abstimmungen).

  7. Kein Land der Welt leistet sich so viele Rundfunkanstalten auf Kosten des braven Steuerzahlers, jeweils mit teurer Managementstruktur, eigenem Internetauftritt, eigener Mediathek, eigener Produktion von Inhalten wie Filmen, Serien, etc. Wichtigtuerei für immer weniger Zuschauer. Und dann muss noch die teure GEZ finanziert werden, obwohl das Geld fast kostenlos im Rahmen der Einkommenssteuer eingezogen werden kann (wie z.B. in Frankreich). Leider gibt es diesbezüglich keine Demokratie.

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