Zoff um Messung der Einschaltquoten: Das lineare Fernsehen bröckelt

18
Die Messung der Einschaltquoten sorgt aktuell in den USA für Streit
Die Messung der Einschaltquoten sorgt aktuell in den USA für Streit

In den USA streiten sich aktuell diverse Fernsehsender um die Erfassung der Einschaltquoten. Deutlich wird daran auch das bröckelnde Modell des linearen TVs.

Stein des Anstoßes ist Nielsen: Die Nielsen Ratings sind in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten das wichtigste Kriterum für Unternehmen bzw. Agenturen, die Werbespots in TV-Sendungen schalten wollen. Da hängen also freilich enorme Einnahmen für die Fernsehsender an diesem Aspekt. Die US-Networks bemängeln nun, dass die Einschaltquoten von Nielsen in Zeiten der Pandemie generell zu niedrig eingestuft worden seien.

Ein Konsortium von TV-Sendern verlangt nun also eine unabhängige Überprüfung der Nieseln Ratings. Da hat auch das sogenannte Video Advertising Bureau Stellung bezogen. Das ist in den USA eine Branchenvertretung, die quasi die Brücke zwischen den TV-Sendern und den Werbeschaltenden schlägt. Auch jene Organisation wirft Nielsen vor, dass die Einschaltquoten nicht korrekt erfasst worden seien. Man habe sich der Pandemie nicht in einer Messmethodik angepasst und daher zu geringe Quoten ausgewiesen.

Nieseln bestreitet die Vorwürfe und gibt an, weiterhin realistische Angaben getätigt zu haben. Dennoch lassen die Sender nicht locker und fordern, dass rückwirkend die Angaben zu den Einschaltquoten ab März 2021 geprüft werden sollten. Diesen Auftrag möchte man Ernst and Young übertragen.

Das lineare Fernsehprogramm ist ein Auslaufmodell

Der Zwist zeigt, wie sehr die linearen Fernsehsender von den Werbeeinahmen abhängen und wie hoch der wirtschaftliche Druck geworden ist. Insbesondere jüngere Menschen haben immer weniger Interesse am klassischen Fernsehprogramm. Selbst wenn klassische Sender mit ihren Inhalten noch konsumiert werden, geschieht das immer häufiger über Mediatheken und nicht mehr über das zeitlich lineare Programm. Das hat zu neuen Herausforderungen bei der Erfassung der Einschaltquoten geführt.

Die Rolle des Fernsehens wird nicht von heute auf morgen komplett verändert, langfristig ist aber damit zu rechnen, dass die lineare Ausstrahlung immer weiter an Relevanz verliert. Das ist auch in Deutschland bereits zu sehen, da sowohl die Privatsender als auch die öffentlich-rechtlichen Anbieter mehr und mehr Geld in ihre Online-Angebote pumpen.

QUELLEHollywood Reporter
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

18 KOMMENTARE

  1. Der Erfolg könnte für die Streaming-Anbieter zum Problem werden, denn beim klassischen gesendeten Fernsehen ist es egal, wie viele Zuschauer dabei sind, aber beim Streaming muss für jeden Zuschauer eine Verbindung aufgebaut werden, die den Anbieter Bandbreite kostet. Wenn die maximal mögliche Bandbreite aufgebraucht ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: man schränkt die Datenrate und damit die Qualität ein oder man weist Zuschauer im Anmeldeprozess ab.

    Somit ist die Zuschauerzahl bei Streaming durch die zur Verfügung stehende Bandbreite begrenzt. Auch sollte die Internetverbindung stabil sein, sonst macht es für den Kunden keinen Spass.

    Die Bundesliga musste für diesen Fakt schon Lehrgeld bezahlen, als Zuschauer, die dafür bezahlt hatten, den Anbieter an die technischen Grenzen gebracht haben.

    Für die Anbieter ist das System praktisch, denn sie müssen nur das Programm auf einem Datenbanksystem bereitstellen und die Zugangsberechtigungen gut überwachen, damit man auch auf seine Kosten kommt. Im Moment kämpfen die Streaming-Anbieter gegen den Verleih von Zugangsvoraussetzungen, also das ist auch nicht so ohne.

    Wird ein Programm gar nicht oder nur sehr selten abgerufen, kann man die in den Datenbanksystemen per se vorhandene Löschautomatik aktivieren, die diese Programme aus dem Bestand automatisch entfernt.

    Es ist also auf kurze Sicht ein verhältnismässig preiswertes System, das die Bereitstellung einfach macht, aber das funktioniert, wie beschrieben, nur so lange, bis die maximal mögliche Bandbreite und gleichzeitig die minimal erwünschte Qualitätsstufe (minimale Datenmenge, die übertragen werden muss, damit der Kunde noch ein anständiges Bild und Ton geliefert bekommt) erreicht ist.

    Das System Streaming wird also an seine Grenzen stossen und das Internet, dessen Zuverlässigkeit man nicht unter Kontrolle hat das grosse Risiko.

    Mal sehen, wie lange das Geschäftsmodell funktionieren wird!

  2. Es gibt wahnsinnig viele tolle Inhalte bei den öffentlich Rechtlichen! Allerdings gucke auch ich 90 Prozent davon in den Mediatheken. Dass diese Zahlen in die Quote eingerechnet werden sollten, ist daher schon legitim.

  3. Das wirklich interessante (die paar Beiträge) kann man sich zeitversetzt tatsächlich in der Mediathek oder als Aufnahme anschauen.
    Ansonsten sollte man den öffentlichen oder den privaten durch Ignoranz zeigen, was man vom Inhalt oder den ständigen Wiederholungen hält.
    Wobei; dass lineare TV wegen Wiederholungen kritisieren und aber beim streaming begrüßen…ist ziemlich absurd!

    • Wie kann man das vergleichen? Beim Streaming gibt es keine Sendetermine, also wie kann man da von Wiederholungen sprechen? Der Vorteil ist ja gerade, dass man viel mehr Feiheit darin hat, wann man was guckt und wie oft.

      • Na ja, dass Angebot von Netflix und Co besteht zu 90% (meine Vermutung) aus alten Filmen und Serien, die man schon im linearen TV gesehen hat.
        Die TV-Sender wiederholen so oft, dass man eigentlich schon die Dialoge mitsprechen kann
        und die Streamer fügen neu hinzu, was vor Monaten schon einmal lief.

        Aber jeder gerne wie er will, aber meine Vorstellung von Unterhaltung ist das nicht, wenn man bedenkt wie viele Titel im Jahr neu veröffentlicht werden, aber nicht den Weg ins Programm finden (bei Musik im Radio ist das ähnlich, da wird auch immer das gleiche rauf und runter gespielt, uns entgeht dadurch so viel Neues an Musik).

        • Gerade in den letzten 3-5 Jahren hat Netflix so verdammt viele Originals rausgehauen, vor allem haufenweise Serien. Und diese liefen noch NIE im Free TV, auch nicht im Pay TV. Sondern eben nur bei Netflix.

          Und überhaupt: ich habe doch nicht ALLES dort angebotene im Free TV gesehen, auch nicht 90%, nicht mal im entferntesten…

          Deine Theorie stimmt vorne und hinten nicht…

          • Deine Sicht. Vielleicht bist du jünger und konntest es deshalb nicht, vielleicht hast du auch noch andere Hobbys?
            Vielleicht stimmt meine Vermutung auch nicht, wenn ich aber das Angebot von Netflix als ganzes betrachte , dann ist da im Verhältnis wirklich nicht viel neues oder besser gesagt: wenig das mich interessiert und tatsächlich bis zu Ende schaue.
            Von Netflix verabschieden werde ich mich aber nicht, obwohl das erst gestern für mich teurer wurde.

          • Das Problem bei Netflix-Eigenproduktionen ist doch, dass mittlerweile nur noch Ramsch kommt, der optisch was hermacht, inhaltlich aber Schrott ist. Und wenn doch mal was interessantes kommt, kann man sich sicher sein, dass die zweite Staffel schlecht wird und die dritte nicht mehr kommt. Warum? Weil Serien mit jeder Staffel Zuschauer verlieren – mit neuen Serien erhofft man sich aber neue Abonnenten. Das System ist das Problem.

            • Das sehe ich total anders. Die meisten Netflix-Eigenproduktionen, die ich gesehen habe, haben mir gut gefallen.

        • „Na ja, dass Angebot von Netflix und Co besteht zu 90% (meine Vermutung) aus alten Filmen und Serien, die man schon im linearen TV gesehen hat.“
          Da irrst Du Dich aber gewaltig. Die Menge der Exclusives ist so groß, dass ein normal arbeitender Mensch garantiert nichts gucken muss, was er schon kennt. Wahrscheinlich sind die Eigenproduktionen noch nicht die Mehrheit, aber selbst die anderen Inhalte kann man rein mengenmäßig nicht alle schon mal irgendwo gesehen haben, selbst wenn man nicht zu arbeiten bräuchte.

          • Sei doch nicht so kleinlich
            Ich differenzier mal eben: kann schon sein, dass viele Netflix -Originals im Angebot sind, aber es kann auch sein, dass viele davon einfach „Ramsch“ sind, wie Karlchen schreibt. Diese Lückenfüller sind vielleicht toll fürs Angebot, aber bestimmt nicht zum gucken.
            Ich habe sicher nicht jeden Film gesehen (möchte ich auch gar nicht, weil bis jetzt klappt das mit dem Niveau noch ganz gut bei mir, sodass ich lieber nix schaue als jeden Mist.
            Das wäre auch ziemliche Lebenszeitvergeudung.
            Ich bleibe dabei Netflix besteht für mich aus „kenn ich schon“ und „interessiert mich nicht“…und die paar wie z. B. Das Damenqambit (sehr gut) überzeugen mich nicht.
            Aber, wie gesagt: jeder wie er will und wenn alles gut ist, dann ist alles gut.

            • Die große Mehrheit der Netflix-Inhalte, die ich kenne, sind m. E. alles Andere als Ramsch. Im Durchschnitt sind die um Längen besser als Fernsehproduktionen früherer Jahrzehnte.

  4. Deswegen will auch das deutsche GEZ-Fernsehen den sogenannten Staatsvertrag noch überarbeiten, dass damit Internetauftritte legitimiert und vom deutschen Michel bezahlt werden müssen. Sonst könnten die ihre Zwangsbeiträge auf Dauer keinem mehr vermitteln.

  5. Ich schaue nur die Heute Show, Grünwalds Freitagscomedy und Aktenzeichen XY über die Mediathek. Ansonsten nur DVD, Blu-Ray und 4K filme. Also von mir aus kann man das Fernsehen abschalten. Einzig WM und EM spiele für Fußball.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte trage deinen Kommentar ein
Bitte trage deinen Namen hier ein