Paramount gibt einen Ausblick darauf, wie sich das Unternehmen nach der 111 Milliarden US-Dollar-Übernahme von Warner Bros. Discovery im Kinomarkt positionieren wird. Geplant sind über 30 Kinofilme im Jahr – mindestens 15 von jedem Filmstudio.
Der Übernahmekrimi von Warner Bros. Discovery neigt sich dem Ende zu. Nachdem Paramount sein Angebot nochmals nachgebessert hatte und Netflix aus dem Übernahmepoker ausgestiegen ist, scheint eine Übernahme durch Paramount (Skycance Corp.) nahezu sicher. Jetzt müssen eigentlich nur noch die US-Behörden grünes Licht geben und schon ist der Weg frei für die neue Firmierung. Die bekannten Namen der Filmstudios werden mit großer Wahrscheinlichkeit erhalten bleiben, da diese nicht nur in Hollywood, sondern weltweit einen sehr hohen Wiedererkennungswert besitzen. Um die Kosten für die Übernahme wieder einspielen zu können, verrät Paramount bereits, was es in den kommenden Jahren so plant. Zum einen sollen 30 und mehr Filme pro Jahr ins Kino gebracht werden.
Paramount & Warner Bros.: 40 Prozent mehr Kinofilme
30 Kinofilme im Jahr hören sich nicht allzu viel an. Wenn man jedoch bedenkt, dass das Jahr nur 52 Wochen hat und in den Sommermonaten weniger Leute ins Kino stürmen, ist die Planung von 30+ Filmen im Jahr doch überaus mutig. Noch mutiger wirkt das Vorhaben, wenn man sich einmal die durchschnittliche Anzahl der Kinoreleases der beiden Filmstudios ab 2022 ansieht. In den vergangenen Jahren hatte Paramount um die 8-9 Filme im Jahr ins Kino gebracht, Warner Bros. konnte mit 10-12 Filmen etwas mehr Aufmerksamkeit generieren. 30 Kinofilme würden laut der aktuellen Zahlen einer Steigerung von rund 40 Prozent entsprechen.

Kinofans dürften sich somit auf zwei bis drei Highlight-Veröffentlichungen pro Monat von Paramount/Warner Bros. freuen. Dabei werden bekannte Marken der Filmstudios wie „Der Herr der Ringe“, „Game of Thrones“, „Transformers“, „Star Trek“, „Harry Poter“, „SpongeBob SquarePants“ sowie das DC-Comics-Universum (Superman, Batman…) sicherlich eine große Rolle spielen. Wir vermuten nicht, dass das neue Unternehmen von Anfang an große Risiken eingehen wird, sondern erst einmal auf die starken Marken setzt. In der Regel handelt es sich bei über 80 Prozent der Kinofilme ohnehin um Fortsetzungen, Spinn-Offs oder Neuauflagen bekannter Marken, und so wird man als Kinogänger vielleicht gar keine großen Veränderungen wahrnehmen.
Filme sollen erst nach 3–4 Monaten im Videostreaming landen
Als positives Signal werten wir auf jeden Fall, dass Paramount/Warner Bros. seine Kinofilme mindestens 45 Tage exklusiv in den Lichtspielhäusern zeigen möchte, mit der Option, das exklusive Zeitfenster zu erweitern, wenn ein Titel überdurchschnittlich gut läuft. Oft setzen auch bekannte Regisseure und Schauspieler ein erweitertes Kinofenster voraus, wie z.B. James Cameron, Christopher Nolan oder Tom Cruise. Nach dem Kinofenster soll der Titel erstmals in die Zweitverwertung gehen via Video-on-Demand und parallel (oder meist etwas später) auch als physischer Video-Release auf DVD, Blu-ray und 4K Ultra HD Blu-ray. Erst rund 60–90 Tage nach dem Ablauf des Kinofensters, sollen die Filme dann auf Videostreaming-Plattformen wie Paramount+ oder HBO MAX landen (sofern die beiden Plattformen nicht bis dahin vereint wurden). Das Ganze könnte der „Ach, den Film schaue ich mir ein paar Wochen später im Videostream an“-Mentalität entgegenwirken, die vor allem von Unternehmen wie Walt Disney mit den Verkürzungen ihrer Kinozeiträume + paralleler Veröffentlichung auf Disney+ vorangetrieben wurde.
Hat „Para-Bros.“ von Walt Disney gelernt?
Mit über 30 Kinofilmen pro Jahr, dem Ausbau der Premium-TV-Studios und der optimierten Verwertung des Backkatalogs und Sportangebots (hauptsächlich in den USA) möchten die „Para-Bros.“ in den kommenden Jahren so richtig durchstarten. Wir sehen in dieser sehr optimistischen Planung auch ein gewisses Risiko. Denn viel heißt nicht automatisch gut. Das Phänomen konnten wir seinerzeit bei der Übernahme von Marvel (2009), Lucasfilm (2012) und 21st Century Fox (2019) durch Walt Disney beobachten. Die Masse an Film- und Serienproduktionen, die parallel für Kino und Videostreaming vorangetrieben wurden, brachte nämlich nur wenige Highlights hervor. Serien wurden oft nach nur einer Staffel eingestellt und verschwanden dann sogar im digitalen Nirvana. Entsprechend musste sich Walt Disney wieder einbremsen. Wir können nur hoffen, dass Paramount und Warner Bros. aus diesem Negativbeispiel bereits ihre Lehre für die nahe Zukunft gezogen haben.


30 Filme im Jahr sind gar nicht so viel. Wenn man bedenkt, dass sie alte Filme nur immer wieder neu drehen. Kreativität und Originelles wirds da nicht geben.