Disney+ sorgt erneut für Ärger bei Heimkino-Fans. Der Streamingdienst hat in mehreren EU-Ländern Dolby Vision und 3D-Inhalte deaktiviert. Damit verlieren Abonnenten erneut genau die Qualitätsoptionen, mit denen Disney+ jahrelang für sein Premium-Erlebnis geworben hat. 4K und HDR10 sollen weiterhin verfügbar bleiben, doch wer einen gewissen Qualitätsanspruch an seinen Medienkonsum besitzt, wird sich über diese Entwicklung nicht freuen!
Der Grund für die Einschränkungen liegt in einem Patentstreit mit InterDigital. Laut FlatpanelsHD betrifft die aktuelle Maßnahme elf EU-Länder. Hintergrund ist eine Entscheidung der Mannheimer Lokalkammer des Einheitlichen Patentgerichts. Disney muss demnach erneut Anpassungen an der Verfügbarkeit bestimmter Videoformate vornehmen. Für Kunden ist das Ergebnis aber vor allem eines: weniger Leistung bei gleichbleibendem Abo-Preis. Bereits Anfang des Jahres hatten wir darüber berichtet, dass Disney+ Qualitätsfeatures wie HDR10+, Dolby Vision HDR und 3D-Filme entfernt hat. Damals wirkte das Ganze zunächst wie ein lokales bzw. technisches Problem, später verdichteten sich jedoch die Hinweise auf eine lizenzrechtliche Auseinandersetzung.
Dolby Vision weg: HDR10 bleibt nur der kleinste Trost

Mit HDR10 liefert Disney+ weiterhin eine ordentliche Möglichkeit, Filme, Serien und Dokumentationen mit erweitertem Dynamikumfang zu präsentieren. Und auch wenn viele Nutzer Dolby Vision automatisch mit einer sichtbar besseren Bildqualität gleichsetzen, dürfte der Unterschied je nach Inhalt, TV-Gerät und Mastering geringer ausfallen, als es das Logo zunächst vermuten lässt. Dolby Vision nutzt dynamische Metadaten und kann vor allem bei Geräten mit begrenzter Spitzenhelligkeit Vorteile bringen. Auf hochwertigen TVs mit sauberem Tone Mapping dürfte der Wegfall dagegen nicht zwangsläufig zu einem drastischen Qualitätseinbruch führen.
Egal wie groß der Qualitätsunterschied auch ausfallen mag, Nutzer, die sich für das teure Premium-Abo entschieden haben, haben auch den Anspruch auf die beworbenen und damals angebotenen Qualitätsstufen. Was man auch immer über Dolby Vision halten möchte, Disney+ hat eine Verpflichtung seinen Abonnenten gegenüber und dieser sollte das Unternehmen auch nachkommen. Bleibt nur zu hoffen, dass in einem weiteren Schritt nicht auch noch HDR10 entfernt wird, wie es im Februar dieses Jahres schon einmal der Fall war.
3D-Filme ebenfalls betroffen
Neben Dolby Vision sind laut FlatpanelsHD auch 3D-Inhalte betroffen. Das ist nur für Besitzer einer Apple Vision Pro relevant. Disney+ hatte sich hier als einer der wichtigsten Content-Partner positioniert und ausgewählte Filme in 3D bereitgestellt. Darunter befanden sich Titel wie „Avatar“, „Avatar: The Way of Water“, mehrere Marvel-Blockbuster, Pixar-Filme und Star-Wars-Inhalte. Dass ausgerechnet diese 3D-Filme nun erneut verschwinden bzw. in betroffenen Regionen nicht verfügbar sind, ist besonders schade. Denn Disney+ war einer der wenigen Streamingdienste, die 3D überhaupt noch einmal relevant gemacht haben. 3D ist im klassischen Heimkino zwar längst zur Nische geworden. Neue 3D-TVs gibt es nicht mehr, UHD‑Blu‑rays mit 3D existieren ebenfalls nicht. Trotzdem hatte Disney+ in Verbindung mit der Apple Vision Pro zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer geliefert.
Patentstreit statt technischer Fehler!

Offiziell sind solche Einschränkungen für Kunden schwer zu durchschauen. Mal ist von technischen Problemen die Rede, mal von Anpassungen aufgrund gerichtlicher Verfahren. FlatpanelsHD verweist jetzt erneut auf den Patentstreit mit InterDigital. Dieses Unternehmen hält Patente im Bereich Videotechnologien, die für die Verteilung von hochwertigen Videoformaten wie Dolby Vision oder 3D relevant sind, und konnte vor Gericht offenbar eine einstweilige Verfügung gegen Disney erwirken. Für Endkunden wird es nur wenig Verständnis für diese gerichtliche Auseinandersetzung geben, wenn das bezahlte Abonnement nicht die gleiche Leistung bringt, wie damals beworben. Apropos beworben: Disney+ hat wohl wieder damit begonnen, die Qualitätsfunktionen in den betroffenen Ländern aus den AGBs und Hilfeseiten zu entfernen.
Was Nutzer jetzt prüfen sollten
Wer Disney+ nutzt, sollte aktuell direkt am TV-Gerät oder Zuspieler prüfen, welches Format tatsächlich ausgegeben wird. Viele Fernseher zeigen beim Start eines Films kurz an, ob Dolby Vision, HDR10 oder SDR aktiv ist. Alternativ lässt sich das häufig über die Info-Taste der Fernbedienung oder über das Bildmenü kontrollieren. Bei vielen TV-Geräten wird kurz eingeblendet, wenn es sich um einen HDR10 oder Dolby Vision-Stream handelt. Wenn die Dolby Vision-Kachel schon in der Übersicht des Inhalts nicht aufgelistet ist, ist diese wohl entfernt worden (ggf. mit einem App-Update). Voraussetzung ist natürlich, dass euer Wiedergabegerät grundsätzlich Dolby Vision unterstützt. Es könnte ggf. noch helfen, auf einen alternativen Player (Streaming-Player etc.) umzusteigen. Hier sollte man jedoch darauf achten, die App nicht automatisch zu aktualisieren, da dadurch Dolby Vision entfernt werden könnte. Zudem könnte es noch regionale Unterschiede geben, die man berücksichtigen muss.
Disney+ ist jetzt nicht gleich unbrauchbar. 4K und HDR10 sind weiterhin besser als ein kompletter Rückfall auf SDR. Aber der Premium-Anspruch bekommt erneut Kratzer. Und genau das ist das Problem: Der Dienst verlangt Premium-Preise, hat diese auch über Jahre hinweg immer wieder erhöht, liefert aber in Europa nicht mehr durchgehend Premium-Features. Und was kann man machen, wenn man betroffen ist? Gerne das Abo kündigen und dem Unternehmen zeigen, dass man als (ehemaliger) Kunde auch Macht besitzt.

