Teurere PS5, Switch 2 und Apple TV: Sind Preisabsprachen bei Speicherchips schuld?

Samsung, SK Hynix und Micron stehen in den USA wegen mutmaßlicher Preisabsprachen bei DRAM-Speicher und NAND-Chips unter Druck. Eine neue Sammelklage wirft den drei Speicher-Giganten vor, das Angebot künstlich verknappt und damit die Preise nach oben getrieben zu haben. Kunden leiden bereits seit Monaten unter gestiegenen Preisen für Elektronik, darunter auch beliebte Spielekonsolen, Mini-PCs oder Streaming-Player. 

Warum werden beliebte Elektronikprodukte wie die Nintendo Switch 2, PlayStation 5 (Pro), Xbox Series X|S oder der Apple TV 4K derzeit teurer, statt nach einiger Zeit am Markt günstiger zu werden? Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach und wie so oft vielseitig. In den vergangenen Monaten haben weltpolitische Ereignisse sowie Inflation, Zölle, gestiegene Produktionskosten usw. sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Man ist sich jedoch relativ einig, dass ein Bereich maßgeblich an den Preissteigerungen von Elektronikartikeln in den vergangenen Monaten beteiligt war: der Speichermarkt.

Gemeint sind Speicherchips, die in fast jedem modernen Elektronikgerät verbaut sind. RAM/DRAM, genauer gesagt Arbeitsspeicher, wird benötigt, damit Geräte Betriebssysteme, Apps, Spiele und laufende Prozesse schnell verarbeiten können. NAND Flash ist dagegen der dauerhafte Speicher, der etwa in SSDs, Konsolen, Smartphones, Streaming-Playern und Mini-PCs steckt. Werden diese Bauteile teurer, steigen die Produktionskosten vieler Geräte. Und genau das könnte erklären, warum einige Produkte derzeit nicht wie gewohnt im Preis fallen, sondern im Nachgang sogar deutlich teurer werden.

Klage gegen Samsung & Co. wegen mutmaßlicher RAM-Verknappung

Apple TV 4K auf 50- und 100-Euro-Scheinen als Symbolbild für die Preiserhöhung des Streaming-Players
Zuletzt wurde der Apple TV 4K einfach mal um zwischen 50-66 Prozent im Preis erhöht (Unverbindliche Preisempfehlung).

Im Mittelpunkt der Klage stehen die Unternehmen Samsung, SK Hynix und Micron, also die drei wichtigsten Anbieter im RAM- und NAND-Markt. Ihnen wird vorgeworfen, die Produktion klassischer Speicherlösungen wie DDR3 und DDR4 gezielt zurückgefahren zu haben. Gleichzeitig sollen mehr Kapazitäten in Richtung HBM-Speicher verschoben worden sein. HBM steht für High Bandwidth Memory und wird vor allem in KI-Beschleunigern, Servern und Rechenzentren benötigt – also alles, was dem AI/KI-Hype zuzurechnen ist. Dort sind Nachfrage und Margen aktuell deutlich attraktiver als im klassischen Konsumentengeschäft. Aus Sicht der Kläger handelt es sich aber nicht nur um eine normale Reaktion auf den KI-Boom, sondern um eine koordinierte Verknappung, die den Preisauftrieb bei Speicherchips zusätzlich verschärft haben soll. Die Klage spricht von Preissteigerungen von bis zu 700 Prozent über mehrere Jahre.

Teurer RAM und NAND-Flash werden nicht nur für Konsolen zum Problem

Preissteigerungen für Speicherchips wirken sich auch auf einfachen Arbeitsspeicher für PC und Laptop aus. Preiszuwächse innerhalb eines Jahres von bis zu 300 Prozent sind eher die Regel als die Seltenheit.
Preissteigerungen für Speicherchips wirken sich auch auf einfachen Arbeitsspeicher für PC und Laptop aus. Preiszuwächse innerhalb eines Jahres von bis zu 300 Prozent sind eher die Regel als die Sel­tenheit (im Beispiel von 80 Euro auf 320 Euro). || Screenshot: idealo

Die Entwicklung trifft den Elektronikmarkt an einer empfindlichen Stelle. Speicher gehört zu den Komponenten, die Hersteller nicht einfach weglassen können. Eine Konsole braucht schnellen Arbeitsspeicher, ein Streaming-Player benötigt internen Speicher, Mini-PCs und Notebooks sind ohne RAM und SSDs unbrauchbar. Wenn genau diese Bauteile stark im Preis steigen, wird es schwieriger, ältere oder etablierte Produkte günstiger anzubieten. Statt sinkender Preise bemerkten Kunden teils deutliche Aufschläge auf ehemals „günstige“ Preise. Das betrifft nicht nur einzelne Hersteller, sondern den gesamten Markt von Konsolen über Computer-Hardware bis hin zu Smart-TVs, Smartphones und Streaming-Geräten. Besonders kritisch ist, dass sich die Preisentwicklung nicht allein auf klassischen Arbeitsspeicher beschränkt. Auch NAND-Flash, also der Speicher für SSDs und interne Laufwerke, hat deutlich angezogen. Damit geraten gleich mehrere Produktgruppen gleichzeitig unter Druck. Die Speicherkrise ist bereits im Massenmarkt angekommen und wird von vielen Kunden so vielleicht gar nicht wahrgenommen.

Schon 2005 gab es Preisabsprachen bei DRAM

Wer nicht an eine solche „Verschwörung“ der Speicherchip-Hersteller glaubt, der sollte einmal einen Blick in die Vergangenheit wagen. Samsung bekannte sich 2005 in den USA wegen Preisabsprachen bei DRAM schuldig und zahlte damals eine Strafe in Höhe von 300 Millionen US-Dollar (Peanuts). Auch andere Hersteller wurden im Zuge der damaligen Ermittlungen belangt. Ob sich ein ähnliches Muster heute wiederholt, muss nun vor Gericht geklärt werden. Sollten sich die aktuellen Vorwürfe bestätigen, könnten Samsung, SK Hynix und Micron erneut hohe Strafen oder Schadenersatzforderungen drohen. Für Endkunden dürfte das allerdings kaum bedeuten, dass sie Geld für eine teurere Konsole, einen Apple TV 4K, einen Mini-PC oder eine SSD zurückbekommen. Wahrscheinlicher ist ein langes Verfahren, währenddessen die Hersteller weiterhin ihre Speicherchips zu steigenden Preisen im Markt anbieten.

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QuelleLAW360
Dominic Jahn
Dominic Jahn
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