Fernsehpiraterie: Immer mehr illegale Streams in Deutschland

Der Branchenverband Vaunet hat sich die illegalen Fernseh-Streams in Deutschland betrachtet. 2022 griffen deutlich mehr Zuschauer als zuvor zu derlei Optionen.

Vaunet (Verband Privater Medien) attestiert einen möglichen Umsatzschaden von 1,8 Mrd. Euro. Allerdings sollte man solche Summen immer mit Vorsicht betrachten, da nicht jeder „Schwarzseher“ auch wirklich ein potenzieller Kunde ist. Berücksichtigt sind in der Studie im Übrigen illegale Übertragungen linearer TV-Inhalte, also nicht Downloads von etwa Kinofilmen oder das Streaming selbiger.

Gesellschaftlicher Schaden durch TV-Piraten?

Der Branchenverband behauptet, dass auch ein gesellschaftlicher Schaden entstehe: Dem Staat seien 390 Mio. Euro an Steuern und Sozialabgaben durch die illegalen Abrufe entgangen. Auch diese in den Raum gestellte Summe sollte man natürlich mit einiger Vorsicht betrachten. So ist natürlich die Agenda von Vaunet klar: Man fordert striktere Regeln und Bestrafungen sowie effektive Maßnahmen zur Eindämmung illegaler Live-TV-Nutzung.

Vaunet ist besorgt über die zunehmende Fernsehpiraterie.
Vaunet ist besorgt über die zunehmende Fernsehpiraterie.

5,9 Mio. Menschen in Deutschland haben laut der Studie von Vaunet im letzten Jahr regelmäßig illegale, lineare TV-Streams abgerufen. Man geht von einer hohen Dunkelziffer auf, da bei solche Umfragen bzw. den Antworten die soziale Erwünschtheit eine erhebliche Rolle spielt. Es sei dabei nicht nur die Anzahl der Menschen angestiegen, die grundsätzlich illegale TV-Streams nutzt, auch die Nutzungsfrequenz habe zugenommen. 72 % der Nutzenden geben an, mindestens einmal pro Woche illegale TV-Streams zu beanspruchen. 2018 waren das „nur“ 54 %.

Fernsehpriraterie: Jüngere hissen häufiger die Totenkopfflagge

Wenig überraschend: Am häufigsten nutzt die Altersgruppe der 24-33-Jährigen illegales TV-Streaming. Dabei dominieren männliche Zuschauer. Allerdings ist das größte Wachstum spannenderweise eher bei älteren Zuschauern zu verzeichnen. Dabei wird alles Mögliche an Geräten für den Abruf eingespannt – von Streaming-Playern über Notebooks bis hin zu Smartphones und Tablets.

Um die Ergebnisse der Studie zu ermitteln, wurden im Übrigen online 550 Nutzer befragt. Diese Daten wurden mit passiven Messungen der Onlineaktivitäten von über 2.700 Nutzenden kombiniert. Die Befragung fand bereits vom 12. bis 18. Juli 2022 statt. Schwerpunkt des Gutachtens und der Analyse sind illegal verbreitete, lineare Free- und Pay-TV-Streams.

Vaunet mahnt, dass 91 % der Nutzenden laut Umfrage auf legale Angebote ausweichen würden, wenn die illegalen Möglichkeiten nicht mehr erreichbar wären. Immerhin 45 % geben an, sie würden auch den Geldbeutel zücken und dann dafür zahlen.

QuelleVaunet
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

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18 Kommentare
  1. Ist Spotify nicht grandios? Mehr als man braucht, bei einem Anbieter.
    Das wird es beim Film nicht geben. 1 Million Filme. Auf einer Serverfarm, so groß wie Mecklenburg.
    Ich weiß auch nicht.
    Die Riesenleinwand ist geil. Ich vermisse es, drei Stunden lang rauchend in der Videothek zu stehen und nur mit einem Snickers nach Hause zu gehen. Gern würde ich über die ÖR schimpfen, aber man kann sie nicht mehr sehen.
    Vielleicht gründe ich mit meinen Tausend Discs einen gemeinnützigen Tauschring.
    1.Kino, 2. nach 2 Monaten Disc, nach weiteren 2 bis 4 Monaten Stream.
    Filmtheater sollten olle Kamellen in Urfassung abrollen lassen. Star Wars IV mit Staub drauf, dann zur Strafe J. Dielmann.
    Ich weiß wirklich nicht.

  2. Wie viele es schon geschrieben haben – je mehr Streaming Dienste und mehr Krägen die gesstopft werden wollen, desto mehr wird wieder Piraterie betrieben. Wenn man sich das mal anschaut, was sie die letzten Jahre geschafft haben war das wirklich erstaunlich. Ich habe mal ein sehr heftiges Chart gesehen (finds grad leider nicht) das die Industrie mit dem aufgekommenen Streaming die Piraterie im Grunde besiegt hatte. Das war die „Waffe“ /Idee gegen die Pirateristen… Tjo… Wenn man dann die Taschen halt wieder nicht voll bekommt, braucht man sich nicht wundern. Selbst wäre die aktuelle Situation anders, würde sich trotzdem nicht jeder alles holen können, weil gerade in dem letzten Jahr die Dinger wie frisch gegossener Rasen gesprossen ist und jeder die Rechte der Filme exclusiv für seinen eigenen Dienst haben möchte.
    Mal sehen, wies da weitergeht, bin gespannt.

      • Naja ganz ehrlich, dann sollte man halt die Lizenzen zum Ausstrahlen der Filme nicht gleich schon 4 Wochen nach dem Kinostart an die Dienste geben. Die Studios sollten halt zunächst erst einmal mit den Discs noch einmal Geld verdienen und das Streaming dann erst ein paar Monate später befeuern.
        Also ich kaufe mir derzeit auch noch gerne UHDs für meine Sammlung, wenn sie es auch Wert sind. Aber wenn ich dann schon wieder sehe, das man Deutschland sehr gerne ausspart, was Atmos etc angeht, bzw. dann auch die Tonspuren auf die Discs legt nur das Atmos drauf steht, braucht man sich nicht wundern, wenn da auch weniger verdient wird.

        • Also sind die wohl nicht ganz so geldgierig, wenn sie nicht jede Möglichkeit nutzen. Und ich habe den Eindruck, es gibt deutlich mehr deutsche Tonspuren in lossless Formaten als in den meisten anderen Sprachen. Natürlich nicht im Vergleich zu Englisch, aber wer das als Filmfan nicht kann, ist wirklich selbst schuld.

          • Ja ne, die Leute kaufen ja trotzdem, egal welche Tonspur…
            Ich nehme auch ne Englische Tonspur, wenns gutes Atmos /Auro 3D wäre, aber selbst da passiert ja nix auf den Heights. Das find ich halt ne sauerei und Frechheit.
            Unterstütze daher ganz viel von Turbine. Die machens wenigstens gescheit und haben den Aufpreis dann auch verdient.

  3. Man kann doch nicht verlangen dass die Leute sich 20 streaming Dienste im Monat zulegen. Das ist einfach nicht mehr drin.
    Wenn man alleine überlegt was man nur für live fussball bezahlen muss um alles sehen zu können. Das ist einfach nicht mehr machbar.
    Bei jedem streaming Sender läuft dann ein bis zwei Serien die man unbedingt sehen möchte.
    Noch schlimmer manche Serien laufen staffeln bei unterschiedlichen Anbietern staffel 1 bei rtl+ 2 bis 3 bei Netflix 4 bis 5 Disney + und die neueste Staffel bei sky. So ähnlich bei the Good doctor zur Zeit.
    Das ist doch einfach nur bescheuert.
    Und dann sendet paramount + nur in hd und stereo Ton was absolut nicht mehr zeitgemäß ist. Findet das so noch einer gut?

    • Man kann aber die Streamingdienste monatlich wechseln und verpasst dann mittelfristig auch nichts, wenn man im Durchschnitt 3-4 davon auf einmal abonniert hat.

  4. Ich wüsxte nicht mal, was ich per Piratensender gucken sollte, da das tv Programm per se uninteressant geworden ist.
    Geld wäre hier nicht mal das Problem, sondern die derzeit angebotenen Sendungen und shows, die nicht mal interessant genug für illegalen Bezug sind.

    Allein deshalb ist der bezifferte angebliche Schaden unglaubwürdig

    • Ich denke das geht es vor allem um Pay Tv und da um Fußball und Sportübertragungen, normales Free TV und die ÖR kann man doch sowieso zu einem Großteil kostenlos streamen.

  5. Ich habe da so einen Freund der sich die Sachen auch runterlädt, weil die Qualität bei Paramount+, Joyn und Wow unterirdisch ist und man die Sachen im Netz mit 4K/DolbyVision/Atmos findet… Aber ist wohl eher die Ausnahme

  6. Wundert mich nicht.

    In letzter Zeit ist ja wirklich zu beobachten, dass jedes Medienunternehmen sein eigenes Süppchen kochen will und Inhalte einfach von anderen Diensten abzieht bzw. Lizenzvereinbarungen auslaufen lässt. z.B. Discovery Inhalte unter dem gemeinsamen Dach von Joyn = Discovery+ = 2 Abos nach Übergangsphase über Gutschein für Alt- und Neukunden um wie gehabt alle Inhalte schauen zu können.

    • Ja, die Video-Contentindustrie hat es, wie zuvor die Musik-Contentindustrie die erst auf die Nase fallen musste, nicht verstanden. Gier raubt halt auch denen den Verstand. Die Ernüchterung hat aber bereits eingesetzt und daher wird die Konsolidierung in den nächsten 1-2 Jahren starten. Überbleiben werden meiner Meinung nach Netflix, Disney und Amazon. Alle anderen können dann ihren Content bei diesen Playern anbieten. Oder Netflix bzw. Amazon schwingen sich doch noch zu so etwas wie Spotify im Musikbusiness auf.

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