Titan Army P276MS im Test: Mini-LED und 275 Hz zum erstaunlich kleinen Preis

Der Titan Army P276MS will zeigen, wie viel Gaming-Monitor man inzwischen für vergleichsweise kleines Geld bekommen kann. In unserem Test schauen wir uns an, wie sich der QHD-Monitor mit Mini-LED im Alltag und beim Gaming schlägt und wo seine Grenzen liegen.

Mini-LED-Monitore sind längst nicht mehr ausschließlich in der absoluten Oberklasse zu finden. Wie weit die Technik inzwischen preislich nach unten gerutscht ist, zeigt der Titan Army P276MS ziemlich eindrucksvoll. Der 27-Zoll-Monitor kombiniert eine QHD-Auflösung mit einem schnellen Fast-IPS-Panel, einer Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung mit 180 Dimming-Zonen und einer Bildwiederholungsrate von bis zu 275 Hz.

Der KTC P276MS QHD-Mini-LED-Monitor bei uns im Test.
Der KTC P276MS QHD-Mini-LED-Monitor bei uns im Test.

Das liest sich für einen vergleichsweise günstigen Gaming-Monitor erst einmal ziemlich beeindruckend. Natürlich bekommt man dafür keinen OLED-Ersatz und auch keinen Mini-LED-Monitor mit vierstelliger Anzahl an Dimming-Zonen. Titan Army konzentriert sich beim P276MS vielmehr auf die Punkte, die für Gamer tatsächlich interessant sind, und spart dafür an einigen anderen Stellen.

27 Zoll und QHD sind weiterhin eine gute Kombination

Mit seinen 27 Zoll und 2.560 × 1.440 Pixeln trifft der P276MS unserer Meinung nach ziemlich genau den Sweet Spot für einen klassischen Gaming-Schreibtisch. Die daraus resultierende Pixeldichte von rund 109 ppi sorgt für eine angenehm scharfe Darstellung, ohne die Grafikkarte so stark zu fordern wie ein 4K-Monitor.

Gerade bei einem Bildschirm mit 240 oder 275 Hz ist das sinnvoll. Entsprechend hohe Frameraten lassen sich in QHD je nach Spiel und Grafikkarte deutlich leichter erreichen als in nativer 4K-Auflösung. Gleichzeitig wirkt das Bild klar schärfer als auf einem Full-HD-Monitor gleicher Größe. Das verbaute Fast-IPS-Panel bietet zudem die für IPS typischen großen Blickwinkel und eignet sich dadurch nicht nur fürs Gaming, sondern auch problemlos für den normalen Desktop-Einsatz.

Mini-LED macht beim Bild den eigentlichen Unterschied

Trotz überschaubarer Anzahl an Mini-LED-Dimming-Zonen schafft der KTC P276MS ein überzeugendes Kontrastbild darzustellen. Es hängt jedoch sehr von den Inhalten ab, wie gut diese Interpretiert werden können.
Trotz überschaubarer Anzahl an Mini-LED-Dimming-Zonen schafft der KTC P276MS ein überzeugendes Kontrastbild darzustellen. Es hängt jedoch sehr von den Inhalten ab, wie gut diese interpretiert werden können. Auf diesem Testbild war subjektiv z.B. kein Blooming erkennbar, jedoch mit der Kamera sichtbar.

Der interessanteste Punkt des P276MS ist die Hintergrundbeleuchtung. Titan Army setzt auf Mini-LED mit insgesamt 180 einzeln steuerbaren Dimming-Zonen. Dadurch können dunkle Bildbereiche stärker abgedunkelt werden, während helle Elemente gleichzeitig mit hoher Leuchtkraft dargestellt werden. Gerade bei kontrastreichen Spielen und HDR-Inhalten gewinnt das Bild dadurch sichtbar an Tiefe. Helle Lichtquellen, Explosionen, Reflexionen oder Sonnenlicht setzen sich deutlich stärker vom restlichen Bild ab als auf einem klassischen IPS-Monitor ohne vernünftiges Local Dimming.

Die 180 Dimming-Zonen sollte man allerdings realistisch einordnen. Sie reichen nicht aus, um kleine helle Objekte perfekt vom dunklen Hintergrund zu trennen. Ein weißer Mauszeiger, Sterne oder helle Untertitel können deshalb einen sichtbaren Lichtschein um sich herum erzeugen. Dieses Blooming gehört grundsätzlich zu den Einschränkungen von Mini-LED-Displays. Hochwertigere Modelle mit deutlich mehr Zonen arbeiten hier präziser. Trotzdem ist der Unterschied zu einem normalen IPS-Monitor sichtbar und keineswegs nur ein Feature fürs Datenblatt.

HDR kann hier tatsächlich etwas bewirken

Im HDR-Betrieb zeigt der KTC P276MS in Kombination mit dem Quantum-Dot-Farbfilter, was er kann.
Im HDR-Betrieb zeigt der KTC P276MS in Kombination mit dem Quantum-Dot-Farbfilter, was er kann.

HDR wird mittlerweile auf beinahe jedem Gaming-Monitor beworben. Beim P276MS steckt dahinter zumindest mehr als nur die Fähigkeit, ein HDR-Signal entgegenzunehmen. Titan Army gibt eine maximale HDR-Helligkeit von bis zu 1.200 cd/m² an, während im SDR-Betrieb bis zu 450 cd/m² erreicht werden sollen. Die 1.200 cd/m² sind dabei als Spitzenwert zu verstehen und nicht als Helligkeit, die dauerhaft auf dem gesamten Bildschirm anliegt.

Hier noch eine HDR-Demo-Szene, die Kontrast und Farbe perfekt in Einklang bringt.
Hier noch eine HDR-Demo-Szene, die Kontrast und Farbe perfekt in Einklang bringt.

Durch die Kombination aus hoher Spitzenhelligkeit und Local Dimming wirken HDR-Inhalte deutlich dynamischer als auf günstigen Monitoren ohne lokale Dimmung. Besonders helle Effekte heben sich sichtbar vom restlichen Bild ab. An die Präzision eines OLED-Monitors oder eines teuren Mini-LED-Modells mit mehreren hundert oder tausend Zonen kommt der P276MS nicht heran. Für seine Preisklasse kann sich die HDR-Darstellung aber durchaus sehen lassen.

Kräftige Farben dank Quantum Dots

Auch beim Gaming schafft es der Mini-LED-Monitor Farben und Kontraste stark darzustellen. Überraschend gut in dieser Preisklasse.
Auch beim Gaming schafft es der Mini-LED-Monitor Farben und Kontraste stark darzustellen. Überraschend gut in dieser Preisklasse.

Zusätzlich setzt Titan Army auf eine Quantum-Dot-Schicht. Laut Hersteller werden 100 Prozent des sRGB-Farbraums sowie jeweils rund 99 Prozent von DCI-P3 und Adobe RGB abgedeckt. Vor allem in farbintensiven Spielen und bei HDR-Inhalten sorgt das für kräftige Rot-, Grün- und Blautöne. Das Panel arbeitet mit 8 Bit + FRC, was in dieser Preisklasse absolut üblich ist.

Für den normalen Windows-Betrieb sollte man allerdings darauf achten, nicht dauerhaft einen zu großen Farbraum auf klassische sRGB-Inhalte anzuwenden. Webseiten, Logos oder Hauttöne können sonst schnell etwas übersättigt wirken. Für gelegentliche Foto- und Videobearbeitung ist der P276MS ebenfalls interessant. Wer professionell arbeiten möchte, sollte sich jedoch nach einem anderen Modell umsehen. Der Fokus liegt unserer Auffassung nach deutlich beim Gaming.

240 Hz sind Standard, 275 Hz gibt es per Overclocking

Das RGB-Hintergrundlicht ist ein nettes Goodie. Dieses verändert sich jedoch nicht in Abhängigkeit der angezeigten Inhalte. Man kann das Licht jedoch manuell steuern/ändern.
Das RGB-Hintergrundlicht ist ein nettes Goodie. Dieses verändert sich jedoch nicht in Abhängigkeit der angezeigten Inhalte. Man kann das Licht jedoch manuell steuern/ändern.

Der P276MS arbeitet nativ mit bis zu 240 Hz und lässt sich über das Bildschirmmenü auf maximal 275 Hz übertakten. Schon die regulären 240 Hz sorgen für eine sehr flüssige Darstellung. Gerade wer bislang mit 60, 75 oder 144 Hz unterwegs war, bekommt einen deutlich sichtbaren Unterschied zu sehen. Die zusätzlichen 35 Hz sind dagegen eher ein Bonus für ambitionierte Spieler und im normalen Betrieb deutlich weniger relevant.

Adaptive Sync beziehungsweise AMD FreeSync wird ebenfalls unterstützt. Dadurch lässt sich die Bildwiederholungsrate des Monitors an die von der Grafikkarte gelieferten Bilder anpassen, wodurch Tearing und störende Ruckler reduziert werden können.

Für die volle Bildwiederholungsrate muss DisplayPort genutzt werden

Das OSD des KTC P276MS QHD-Mini-LED-Monitor. Wer das Maximum aus dem Modell holen möchte, sollte auf den DisplayPort-Anschluss setzen.
Das OSD des KTC P276MS QHD-Mini-LED-Monitor. Wer das Maximum aus dem Modell holen möchte, sollte auf den DisplayPort-Anschluss setzen.

Bei den Anschlüssen gibt es einen wichtigen Punkt zu beachten. Der P276MS besitzt zweimal HDMI 2.0 und einmal DisplayPort 1.4. Über HDMI konnten wir bei einer Auflösung von 2.560 × 1.440 Pixeln maximal 144 Hz auswählen. Das ließ sich sowohl unter Windows als auch über die entsprechenden Einstellungen der Grafikkarte reproduzieren. Wer 240 oder 275 Hz nutzen möchte, muss den Monitor deshalb über DisplayPort 1.4 anschließen.

Für einen Gaming-PC ist das grundsätzlich kein großes Problem, sollte vor dem Kauf aber bekannt sein. Wer ausschließlich HDMI nutzen kann, bekommt zwar weiterhin einen schnellen QHD-Monitor, kann dessen eigentliches Potenzial aber nicht vollständig ausschöpfen. Bei der restlichen Ausstattung zeigt sich, wo Titan Army den Preis niedrig hält. USB-C, USB-Hub oder KVM-Switch fehlen. Ein 3,5-mm-Audioausgang ist vorhanden, ebenso eine VESA-Aufnahme mit 100 × 100 mm für Monitorarm oder alternative Halterungen.

Die Reaktionszeitangaben sollte man nicht zu ernst nehmen

Die Anschlüsse des KTC P276MS: Zwei HDMI 2.0-Ports sowie ein DisplayPort 1.4 und ein Audio-Ausgang (3.5mm Klinke).
Die Anschlüsse des KTC P276MS: Zwei HDMI 2.0-Ports sowie ein DisplayPort 1.4 und ein Audio-Ausgang (3.5mm Klinke).

Titan Army bewirbt den P276MS unter anderem mit 1 ms MPRT. Auf der Produktseite taucht teilweise sogar eine Angabe von 0,001 ms GtG auf. Solche Werte sollte man nicht überbewerten. Ohne nachvollziehbare Messmethode sagen sie relativ wenig darüber aus, wie schnell das Panel im Alltag tatsächlich arbeitet.

Für Gamer ist letztlich wichtiger, dass Bewegungen bei hohen Bildraten sauber dargestellt werden und die gewählte Overdrive-Stufe nicht zu starkem Overshoot führt. Wie bei vielen Gaming-Monitoren ist die aggressivste Einstellung deshalb nicht automatisch die beste Wahl.

Stärken und Schwächen des Titan Army P276MS

Positiv Negativ
  • Sehr gute Kombination aus 27 Zoll und QHD-Auflösung
  • 240 Hz nativ und bis zu 275 Hz per Overclocking
  • Mini-LED-Hintergrundbeleuchtung mit 180 Dimming-Zonen
  • Sichtbarer Mehrwert bei HDR-Inhalten
  • Großer Farbraum dank Quantum Dots
  • Adaptive Sync / FreeSync
  • DisplayPort 1.4 und zwei HDMI-Eingänge
  • VESA 100 × 100 mm
  • Sehr starkes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Über HDMI sind bei QHD maximal 144 Hz möglich
  • Blooming durch die begrenzte Zahl an Dimming-Zonen
  • Kein USB-C, USB-Hub oder KVM-Switch
  • Marketingwerte bei den Reaktionszeiten wenig aussagekräftig

Testfazit Titan Army P276MS

Auch ein Rücken kann entzücken: Der KTC P276MS liefert viel in seiner Preisklasse. Wer ein Grafik-Wunder erwartet, welches Geräte im 300-400 Euro-Segment schlägt, muss etwas realistischer denken.
Auch ein Rücken kann entzücken: Der KTC P276MS liefert viel in seiner Preisklasse. Wer ein Grafik-Wunder erwartet, welches Geräte im 300-400 Euro-Segment schlägt, muss etwas realistischer denken.

Der Titan Army P276MS ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit Mini-LED-Technik inzwischen in niedrigere Preisklassen vorgedrungen ist. Gegen teurere Mini-LED- oder OLED-Monitore muss sich das Modell natürlich geschlagen geben. Dafür fehlen ihm schlicht die große Anzahl an Dimming-Zonen, die perfekte Schwarzdarstellung und teilweise auch die umfangreichere Ausstattung. In seiner eigentlichen Preisklasse sieht das aber ganz anders aus.

Die Kombination aus QHD-Auflösung, 240 Hz, optionalen 275 Hz, kräftigen Farben und einer Mini-LED-Beleuchtung bietet einen klaren Mehrwert gegenüber vielen klassischen IPS-Gaming-Monitoren. Besonders bei HDR-Inhalten zeigt sich, dass die 180 Dimming-Zonen trotz ihrer Grenzen mehr sind als nur ein Marketingargument.

PC-Spieler sollten lediglich darauf achten, den Monitor über DisplayPort 1.4 anzuschließen. Über HDMI 2.0 ist bei QHD bereits bei 144 Hz Schluss. Wer einen bezahlbaren Gaming-Monitor sucht und neben einer hohen Bildwiederholungsrate auch Wert auf eine deutlich bessere HDR-Darstellung legt, bekommt mit dem P276MS ungewöhnlich viel Displaytechnik fürs Geld. Für uns ist der Titan Army P276MS deshalb ein nahezu unschlagbarer Mini-LED-Einstieg für Gamer.

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Dominic Jahn
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