Disney+ verspricht bei Standard und Premium zwar weiterhin „werbefreie Filme und Serien“. Komplett frei von Werbung ist künftig aber auch das teuerste 4K-Abo nicht mehr. Disney erlaubt sich ausdrücklich Werbeeinblendungen, Promotions und Sponsoring in mehreren Bereichen seiner Plattform.
Wer beim Disney+-Premium-Abo monatlich 15,99 Euro zahlt, erwartet eigentlich eine klare Gegenleistung: Filme und Serien in bis zu 4K UHD, Dolby Atmos, vier parallele Streams – und vor allem keine Werbung. Auf der deutschen Disney+-Website steht bei Premium auch weiterhin „werbefreie Filme und Serien“. Der entscheidende Zusatz versteckt sich jedoch in der Fußnote. Dort heißt es, dass alle Abo-Optionen Werbeaktionen und Sponsoring von Disney beinhalten. Ebenso könne Werbung vor oder nach der Wiedergabe sowie in Kanälen, Live- und Wie-Live-Übertragungen, bei Sonderereignissen und in On-Demand-Inhalten von Drittanbietern auftauchen. Das gilt ausdrücklich nicht nur für das günstige Abo „Standard mit Werbung“, sondern auch für Standard und Premium. Betroffene Kunden werder derzeit wohl über diese Änderung informiert.
„Werbefrei“ gilt bei Disney+ nur noch eingeschränkt

Disney nimmt damit eine bemerkenswerte Trennung vor. Klassische Filme und Serien sollen im Standard- und Premium-Abo zwar ohne klassische Werbeunterbrechungen laufen, sobald Inhalte aber in einem Kanal, als Live-Event, als zeitversetzte Live-Übertragung oder von einem Drittanbieter angeboten werden, ist Werbung offenbar auch für zahlende Premium-Kunden möglich.
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Gerade bei Live-Formaten, Sport, besonderen Events oder künftig stärker integrierten Partnerinhalten dürfte der Konzern Werbung ausspielen können, ohne das Premium-Abo offiziell in ein „Abo mit Werbung“ umbenennen zu müssen. Für Zuschauer bleibt es trotzdem Werbung und zwar trotz eines Aufpreises von aktuell 15,99 Euro im Monat beziehungsweise 159,90 Euro im Jahr.
Disney+ Premium: Weniger Qualität dafür Werbung?
Gerade für Heimkino-Fans verliert das Premium-Abo seit einiger Zeit an Wert, bzw. hat diesen eigentlich komplett eingebüßt. Disney+ hat bereits HDR, Dolby Vision und 3D aus dem Angebot gedrängt, Apple AirPlay 2 aus der App entfernt und liefert einzelne Inhalte inzwischen nicht einmal mehr zuverlässig in 4K UHD aus. Das teuerste Abo behält damit zwar seinen Premium-Namen, aber immer weniger der technischen Vorteile, für die viele Abonnenten ursprünglich bereit waren, mehr zu bezahlen.
Jetzt kommt mit dem erweiterten Spielraum für Werbung der nächste Schritt hinzu. Disney kann seine zahlenden Kunden damit weiter monetarisieren, ohne offen zu erklären, dass das Premium-Abo künftig nicht mehr vollständig werbefrei ist. Statt die Bild- und Tonqualität, die Geräteunterstützung und die Kundenzufriedenheit wieder in den Mittelpunkt zu stellen, wirkt das aktuelle Verhalten wie der Versuch, aus jedem bestehenden Abonnenten noch mehr Umsatz herauszuholen und damit die Aktionäre glücklich zu machen. Aber okay, wenn eine Strafzahlung von über 100 Millionen US-Dollar droht, muss das Geld ja irgendwoher kommen.

