Werden große Fernseher bald wieder deutlich teurer? Die chinesischen Panelhersteller BOE, TCL CSOT und HKC erhöhen die Preise für LCD-Displays. Für Samsung, LG, Sony und andere TV-Hersteller kommt das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Zudem ist die heutige Abhängigkeit von chinesischen Panelherstellern zumindest teilweise hausgemacht.
- Betroffen sind LCD-Fernseher – also auch QLED-, Mini-LED- und RGB-LED-Modelle.
- TCL CSOT und HKC erhöhen ihre Preise ab September 2026, BOE folgt im vierten Quartal 2026.
- Noch offen sind die Höhe der Aufschläge, konkret betroffene Paneltypen und mögliche Folgen für deutsche TV-Preise.
- OLED-Panels sind von den aktuellen Preiserhöhungen nicht betroffen.
BOE, TCL CSOT und HKC haben ihre Kunden über höhere Preise für LCD-Panels informiert. Zu den Abnehmern gehören unter anderem Samsung Electronics, LG Electronics und Sony. TCL CSOT und HKC erhöhen die Preise ausgewählter Panels bereits im September 2026, BOE folgt im vierten Quartal. Wie hoch die Aufschläge ausfallen, ist bislang nicht bekannt. Das Perfide daran ist, dass es keine Engpässe bei den Kapazitäten gibt, da die LCD-Fabriken wohl nur zu ca. 70 Prozent ausgelastet sind. Man verknappt sozusagen bewusst die Fertigung und somit das Angebot, und diktiert parallel höhere Preise.
Samsung und LG haben ihre LCD-Produktion aufgegeben

Für Samsung und LG rächt sich damit möglicherweise eine strategische Entscheidung der vergangenen Jahre. Beide südkoreanischen Displayhersteller haben ihre eigene Produktion großer LCD-Panels aufgegeben, nachdem chinesische Konkurrenten die Preise über Jahre immer weiter nach unten gedrückt hatten. Samsung Display leitete bereits vor Jahren den Rückzug aus der LCD-Produktion ein und verkaufte später sogar seine LCD-Patente an TCL CSOT. Auch LG Display zog sich vollständig zurück. Die letzte große LCD-Fabrik ging ebenfalls an TCL CSOT.
Die chinesischen Hersteller haben sich dadurch innerhalb weniger Jahre eine marktbeherrschende Stellung bei großen LCD-TV-Panels aufgebaut. BOE, TCL CSOT und HKC liefern zusammen rund 70 bis 85 Prozent der weltweit eingesetzten 65-, 75- und 85-Zoll-Panels. Bei Fernsehern ab 100 Zoll stammen die Panels inzwischen nahezu vollständig aus chinesischer Produktion.
Erst die Preise drücken, dann den Markt übernehmen
Damit hat sich die Situation beinahe umgekehrt. Jahrelang sorgten chinesische Panelhersteller mit aggressiven Preisen dafür, dass sich die LCD-Fabriken von Samsung und LG kaum noch profitabel betreiben ließen. Nachdem sich die koreanischen Anbieter zurückgezogen und Produktionsanlagen sowie Know-how teilweise an ihre früheren Konkurrenten abgegeben haben, verfügen BOE, TCL CSOT und HKC heute über eine enorme Marktmacht. Das betrifft längst nicht nur günstige LCD-Fernseher. Auch QLED-, Mini-LED- und neue RGB-LED-Fernseher arbeiten weiterhin mit LCD-Panels und könnten deshalb von höheren Einkaufspreisen betroffen sein.
Ob Verbraucher die Entwicklung bereits beim Black Friday zu spüren bekommen, bleibt abzuwarten. Denkbar wären weniger aggressive Rabatte oder höhere Preise bei kommenden Modellgenerationen. Spätestens mit den Fernsehern des Modelljahres 2027 dürfte sich zeigen, wie viel von den höheren Panelkosten tatsächlich bei den Kunden ankommt.

