Datenkrake Fernseher: Bundeskartellamt bemängelt IT & Datenschutz von Smart TVs

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Laut Bundeskartellamt ist IT-Sicherheit und Datenschutz sind bei vielen Smart TVs Mangelware
Laut Bundeskartellamt ist IT-Sicherheit und Datenschutz sind bei vielen Smart TVs Mangelware

Wie das Bundeskartellamt festgestellt hat, verstoßen viele Smart-TV-Hersteller nicht nur gegen das Datenschutzgesetzt (DSGVO), sondern stellen des Öfteren auch eine Gefahr für die hauseigene IT dar.

Smart TVs liefern dem Nutzer gar unendliche Entertainment-Möglichkeiten. Manch einer hat das lineare Fernsehen bereit komplett gegen Streamingdienste wie Netflix, Prime Video oder DAZN eingetauscht. Dafür muss der Fernseher natürlich mit dem Internet verbunden sein. Die Nutzer zahlen für die Freiheit alles, jederzeit mit nur einen Klick abrufen zu können jedoch einen hohen Preis – meist unbewusst. Die Lieblingsbeschäftigung der Deutschen entpuppt sich nämlich als wahre Datenkrake. Die intelligenten Fernseher verfügen nämlich über unzählige Möglichkeiten personenbezogene Daten zu erheben. Und von diesen Möglichkeiten machen die TV-Hersteller in unterschiedlichem Ausmaß Gebrauch.

Sammeln was man nur sammeln kann…

Über verschiedenste Datenauswertungen können die Hersteller dann erkennen, wer genau vor dem TV sitzt. Das kann unter anderem über die App-Nutzung, Klickverhalten, Cursorbewegungen (Airmouse bei LG TVs), oder sogar biometrische Daten wie die Stimme (integrierte Mikrofone) erfolgen. In den meisten Fällen kann der Nutzer dem entgegenwirken, wenn er sich in die Untiefen der Geräteeinstellungen wagt. Doch selbst wenn die entsprechenden Dienste, die Daten erheben, deaktiviert werden, ist es noch lange keine Garantie, dass man fortan „anonym“ vor dem TV sitzt.

Huawei Vision X65
Smart-TVs wie dieses Modell von Xiaomi mit integrierter Kamera könnten ein erhöhtes Risiko für die Datensicherheit des Nutzers darstellen.

Das schlimme dabei ist, dass sich viele Nutzer vor dem Kauf eines Fernsehers, bzw. bei dessen täglicher Nutzung, über so etwas gar keine Gedanken machen. Der TV begleitet die meisten von uns schon unser ganzes Leben und in den meisten Fällen ging von der „Flimmerkiste“ keine Bedrohung aus – ganz im Gegenteil. Viele verbinden mit dem TV womöglich positive Erinnerungen.

Bequemlichkeit schlägt Datenschutz

Das Bundeskartellamt bemängelt, dass es meist einen enormen Aufwand braucht, um sich über die geltenden Datenschutzbestimmungen zu informieren. Ist der Kauf bereits erfolgt, fügen sich die Nutzer meist der „Datensammelwut“ des Herstellers, da ein Umtausch bzw. eine Rückgabe für viele ein großes Hindernis darstellt. Zudem hat man sich in der Informationsphase ja bereits mit dem neuen Fernseher und seinen tollen neuen Features bereits angefreundet. In den meisten Fällen kann der Nutzer nicht steuern, welche Daten, wie lange und in welchem Ausmaß gespeichert und ob diese auch an Dritte übermittelt werden.

Und wäre das nicht genug stellen Smart TV Geräte noch ein zusätzliches Rikiso für das hauseigene Netzwerk dar. Die IT-Sicherheit ist bei den meisten intelligenten Fernsehern immer noch mangelhaft. So ist es z.B. nicht gewährleistet, dass die Smart TVs auch noch Jahre nach einem Kauf mit Updates versorgt werden, die etwaige Sicherheitslücken schließen. Es gab wohl kein Unternehmen, dass verbindliche Angaben zur Support-Laufzeit machte – was in unseren Augen definitiv eine Kaufanregung wäre.

Wer sich einmal den kompletten Abschlussbericht durchlesen möchte, kann ihn hier herunterladen. Das Bundeskartellamt gab im Rahmen seiner Studie folgende Empfehlungen heraus:

  • Verbraucher sollten noch besser und zielgerichteter über die Möglichkeit zur extensiven Datensammlung und -verarbeitung von Smart-TVs und Internet of Things-Geräten insgesamt informiert und aufgeklärt werden.
  • Haftungsfragen beim Zusammenspiel der verschiedenen Akteure im IoT-Bereich sollten durch entsprechende gesetzliche Regelungen geklärt werden.
  • Es bedarf eines klaren gesetzlich geregelten Anspruchs des Verbrauchers auch gegenüber dem Hersteller auf Software-Updates.
  • Die verantwortlichen Unternehmen sollten verpflichtet werden, notwendige Informationen (Produktinformationen, Datenschutz, Voreinstellungsmöglichkeiten, etc.) klarer und einfacher zu vermitteln.
  • Verbrauchern sollte es leichter gemacht werden, Datenschutzstandards bei einer Kaufentscheidung zu berücksichtigen, insbesondere durch eingängige Bildsymbole.

Empfehlungen vor und nach dem Kauf eines Smart TVs:

  • Vor: Prüfen Sie, ob der Hersteller eine Garantie anbietet und ob diese auch Softwarefehler mit einschließt
  • Vor: Prüfen Sie zudem, ob der Hersteller in der Vergangenheit seine TV-Modelle zuverlässig und längerfristig mit Software-Updates versorgt hat.
  • Nach: Bachten Sie bei der Ersteinrichtung und Nutzung auf datensparsame Einstellungen. Nehmen Sie Möglichkeiten wahr, der Datennutzung zu widersprechen
  • Nach: Führen Sie regelmäßig Sicherheitsupdates durch
  • Nach: Deinstallieren Sie nicht benötigte Apps
  • Nach: Insbesondere bei älteren TV-Modellen: Achten Sie darauf, wie lange noch mit einer aktiven Produkt-Unterstützung durch den Hersteller zu rechnen ist.
  • Falls sich Ihre Gerätesoftware nicht mehr aktualisieren lässt: Erwägen Sie die Trennung ihres Smart-TVs vom Internet und den Kauf eines externen Zuspielgerätes zur Nutzung von Smartfunktionen.

Zusammenfassung:

  • Smart-TVs stehen mit ihrer Anbindung an das Internet stellvertretend für viele Geräte des sog. Internet of Things
  • Smart-TV-Anbieter verstoßen teilw. gegen geltendes Verbraucherrecht – Sanktionen bleiben bislang aber weitestgehend aus
  • Smart-TVs sind sehr weit verbreitet, bieten dem Verbraucher viele Vorteile, liefern den Anbietern aber auch viele differenzierte Daten über ihre Nutzer
  • Die Aufklärung und Information der Verbraucher über Datenschutz bei Smart-TVs sollte besser und zielgerichteter werden

12 KOMMENTARE

  1. Werbung ist eine Möglichkeit Geld zu drucken und das reichlich.Bestes Beispiel, Yutube ,da läuft in einer Werbesendung noch mindestens zwei bis drei extra Trailer. Willst du das nicht dann wirst du zur Kasse gebeten. Wilkommen in der schönen neuen Welt von Smart tv, achja das wird nur gemacht um das tv Erlebnis für uns Kunden zu optimieren,Ha ha ha wers glaupt!!!

    • Wenn du Android verwendest, dann gibt es eine YT App, die dir alle Vorzüge von YT Premium anbietet, dabei aber kostenlos ist.

      Die YT App selbst ist mittlerweile eine einzige Werbekatastrophe.

      Übrigens, die App heisst: NewPipe

    • Ich gebe lieber ein paar Euro mehr im Monat für werbefreies Youtube aus. Das ist schon okay. Die behaupten ja nicht, non-profit zu sein.

  2. Das ist ja schon mehr als ein alter Hut, da hat wohl jemand die Tür zu laut geschlossen, dass die Beamten im Bundeskartellamt wach geworden sind.

  3. Mal ganz ehrlich: Hat das Bundeskartellamt das wirklich erst jetzt rausgefunden? Das ist ja nicht die erste Art potentieller Datenkrake auf den deutschen Markt.
    Und jetzt, wo es kaum noch andere Fernseher als Smart-TVs gibt, machen die sich plötzlich darüber Sorgen? Die Heuchelei in der deutschen Politik ist ja noch größer als bei den durchschnittlichen Großkonzernen.

  4. ich hoffe das Sie Samsung für diese Verstöße jetzt auch mal ordentlich verknacken und eine empfindliche Strafe aufbrummen. Dann würden ggf. die Kunden von teureren QLED TV‘s oder auch günstigen Modellen zukünftig nicht mehr mit unerwünschter Werbung zugeballert. Ich habe meine Samsung 2018er QLED Werbeschleuder vom Netz genommen und habe eine Apple TV 4K dran geklemmt.

  5. Lösung: Vom Internet trennen. Sollte für normales TV und DVDs / Blu-rays das Problem lösen.

    Wenn man streamen will, kann man den TV auch gleich ins Internet lassen, die Streaming-Boxen bieten letztlich auch keinen besseren Datenschutz.

    • „Lösung: Vom Internet trennen. Sollte für normales TV und DVDs / Blu-rays das Problem lösen.“
      Nur dass mich „normales“ TV auch nicht vor Werbung schützt, im Gegenteil. Dann ist es meistens noch Werbung, die mich nicht interessiert.

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