„Deathloop“ im Test: Ein PS5-Exklusivtitel lässt es krachen

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Deathloop bringt die PlayStation 5 ordentlich in Schwung.
Deathloop bringt die PlayStation 5 ordentlich in Schwung.

In dieser Woche ist mit „Deathloop“ ein frischer Exklusivtitel für die PlayStation 5 erschienen. Im Test schauen wir uns an, ob hier ein echter Kracher oder doch eher ein laues Lüftchen vorliegt.

Entwickelt wurde „Deathloop“ von Arkane Studios. Letztere gehören zu Bethesda Softworks und damit zu Microsoft. Hier liegt also die äußerst ungewöhnliche Situation vor, dass eine Microsoft-Tochter einen Exclusive für die direkte Konkurrenz veröffentlicht. Freilich liegt die Ursache darin, dass der Deal mit Sony noch vor der Übernahme durch die Redmonder ausgehandelt wurde. „Deathloop“ ist jedoch nur Konsolen-exklusiv auf der PlayStation 5 verfügbar. Auch PC-Gamer dürfen sich also bereits austoben.

In den bisherigen Trailern erweckte man den Eindruck, dass „Deathloop“ ein Rogue-lite sein könnte. Elemente aus diesem Genre sind vorhanden: Protagonist Colt versucht einer Zeitschleife zu entkommen. Geht er drauf, beginnt er den ewig gleichen Tag von neuem. Seine Ausrüstung geht dabei flöten. Allerdings behält er zuvor gesammelte Informationen. Die Spielwelt wird allerdings nicht zufallsgeneriert, sondern wurde von Hand gestaltet.

Das ist auch gut so, denn „Deathloop“ spielt auf einer mysteriösen Insel. Dort tummeln sich besessene Forscher und dekadente Aristokraten, die ihr Dasein in der Zeitschleife als Untersterblichkeit verstehen. Das Design spiegelt die typischen Tugenden der Arkane Studios wider, die insbesondere durch die Marke „Dishonored“ ihre Fans gefunden haben. So lässt sich zwar nicht jedes Gebäude in der Spielwelt betreten, die 1960er-Jahre Ästhetik, Steampunk und futuristische Dystopie mischt, aber jeder neue Raum, den man betritt, wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Grafik und Sound von „Deathloop“

Dabei ist „Deathloop“ allerdings kein Technikkracher wie etwa ein „Ratchet & Clank: Rift Apart“. Größtenteils könnte man sich das Game auch gut auf der letzten Konsolengeneration vorstellen. Zumal die Performance auf der PS5 in zwei von drei Modi eher zu wünschen übrig lässt: Nur der Performance-Modus, der mit einer recht aggressiven dynamischen Auflösung läuft, ist komplett flüssig. Mit 60 fps kann man hier angenehm durch die Gegend ballern oder auch schleichen.

Colt wird in "Deathloop" auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.
Colt wird in „Deathloop“ auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Immer wieder mogeln sich aber detailarme Umgebungstexturen in die Spielwelt und die Charaktermodelle der Gegner sehen sehr nach Last-Gen aus. Generell gibt es aber eine schöne Weitsicht und immer wieder beeindruckende Panoramen in der Spielwelt zu sehen. Vor allem reißt es hier das Art-Design heraus, denn der eigenständige Mix aus 1960er-Optik und Science-Fiction-Elementen macht Laune. Wer hier aber auf eine visuell beeindruckende Next-Gen-Erfahrung gehofft hatte, wird möglicherweise etwas ernüchtert sein.

Die Soundkulisse weiß zu gefallen: Die Sprecher von Colt und Julianna gehen voll in ihren Rollen auf, aber auch weitere Charaktere wie die Visionäre sind sowohl in der deutschen Synchronisation als auch der englischen Originalversion sauber vertont. Bei der Musik ist es wiederum so, dass das, was man hört, 1a zur Stimmung passt. Allerdings wiederholt sich die Musik oft und kann als etwas verhalten beschrieben werden. An den Soundeffekten hatten wir hingegen nichts zu meckern. Waffen haben ordentlich Wumms und Arkane bindet auch den Lautsprecher des DualSense für Audiologs und Funksprüche gekonnt ein.

Wir brauchen eine Infusion bitte!

Auch wenn Colt in der Welt von „Deathloop“ grundsätzlich nach seinem Ableben seine Ausrüstung einbüßt, gibt es ein paar Kniffe: So findet man in der Spielwelt ein Material namens Residuum. Zwar geht dies am Ende des Tages verloren, wenn man es nicht benutzt, doch mit dem raren Gut lassen sich Infusionen starten. Man pumpt das Material also in ausgewählte Ausrüstung und erhält sie sich so dauerhaft. Das gilt auch für die Spezialfertigkeiten, die man erbeuten kann – von Julianna und den Visionären. Dadurch kann Colt also mächtiger werden und zunehmend härtere Herausforderungen bezwingen.

Der Schwierigkeitsgrad von „Deathloop“ ist ohnehin sehr fair: Erst wenn Colt dreimal das Zeitliche segnet, beginnt der Tag von vorne. Ein erstes Versagen führt also nicht direkt zu einem kompletten Reset. Manuell speichern kann man allerdings nicht: So wollte Arkane wohl verhindern, dass man nach einer misslungenen Schleichaktion direkt den letzten Spielstand lädt.

Schleichen und Gegner im Stillen meucheln ist dann meistens auch die bessere Wahl. Zumal sich die Feuergefechte an der PS5 eher holprig spielen. Regelmäßig feuerten wir ins Leere, da sich die Waffensteuerung zu träge anfühlte. Da macht es mehr Spaß, sich mit einer der übernatürlichen Fähigkeiten hinter Gegner zu teleportieren oder unsichtbar einen nach dem anderen Feind ins Jenseits zu befördern, während dessen Kumpels sich nur fragend umschauen können.

„Deathloop“: Die Story ist nur eine Randnotiz

Etwas Potenzial hat „Deathloop“ bzw. Entwickler Arkane auch bei der Geschichte verschenkt. An sich verbirgt sich hinter Colts Vergangenheit und der ganzen Geschichte der Insel eine spannende Story. Allerdings ist jene extrem dröge erzählt. Man wühlt sich durch Texte und Audiologs, statt die Story aktiv zu durchleben. Das funktioniert in einem interaktiven Medium mehr schlecht als recht. Wir sind uns sicher, viele Gamer werden die Logs und Texte nur als Randnotizen wahrnehmen. Schöner wäre es gewesen, durch erweiterte Cutscenes die Atmosphäre zu stärken oder aktiv manche Szene zu erleben, die man nur dröge in Texten nachliest.

"Deathloop" hat eine spannende Story, die aber leider vorwiegend durch dröge Audiologs und Texte erzählt wird.
„Deathloop“ hat eine spannende Story, die aber leider vorwiegend durch dröge Audiologs und Texte erzählt wird.

Highlights sind daher die Begegnungen mit Julianna, welche versucht einem jeden Tag zur Hölle zu machen, indem sie unerwartet auftaucht. Ihr könnt dabei entscheiden, ob sie ein NPC bleibt oder eure Freunde bzw. fremde Mitspieler in ihre Rolle schlüpfen dürfen. Und auch ihr könnt Julianna verkörpern und die Partien anderer Zocker infiltrieren. Das ist eine durchaus interessante Multiplayer-Idee. Zumal sich durch die Infiltrationen auch neue Kostüme und Waffen freischalten lassen.

Colt muss übrigens nicht nur Julianna fernhalten, sondern hat das Ziel alle acht Visionäre auf der Insel an einem Tag auszuschalten. Nur dann kann der Loop durchbrochen werden. Schnell killt man dann auch die ersten Vertreter. Doch erst mit der Zeit entdeckt man effizientere Methoden, um die speziellen Gegenspieler auszuschalten oder gleichzeitig an einen Ort zu locken.

Fazit

„Deathloop“ ist ein Shooter mit Action-Adventure und Stealth-Elementen geworden, der aber daran scheitert zur absoluten Oberklasse aufzuschließen. Dazu sind die Feuergefechte zu holprig. Dass die an sich gute Story weitgehend durch Audiologs und Texte erzählt wird, animiert zum Weiterklicken. Zumal nach den ersten Spielstunden eine gewisse Monotonie einkehrt, da man sich zwar zu verschiedenen Tageszeiten aber eben doch immer wieder durch nur vier relativ überschaubare Areale bewegt.

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„Deathloop“ wirkt dabei wie eine Mischung aus „Hitman“ und „Dishonored“ lässt aber die spielerischen Freiheiten beider Spieleserien vermissen. Das macht man mit einer gewissen Coolness teilweise wieder wett. Unser Fazit klingt nun am Ende womöglich sehr kritisch. Doch „Deathloop“ ist trotz seiner Ecken und Kanten ein eigenständiger Genremix geworden, der kurzweilig exzellent unterhält. Wir vermuten aber, dass der Titel nicht so lange im Gedächtnis bleiben wird, wie die großen Vorbilder wie „Hitman“. Agent 47 weiß da doch mit mehr Wiederspielwert und noch hübscheren Sandbox-Levels zu überzeugen. Wer allerdings ohnehin die etwas „kantigen“ Games von Arkane schätzt, ist hier absolut an der richtigen Adresse.

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

1 KOMMENTAR

  1. Wollte es eigentlich auf der Ps5 kaufen aber ich warte noch ein bisschen da es ja nächstes Jahr auch auf der Series X im Gamepass erscheint.
    Es ist ja nur Zeitexclusiv.

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