Dolby Atmos: Mittlerweile kein Qualitätsmerkmal mehr? (Update)

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Dolby Atmos ziert mittlerweile selbst Einstiegs-TVs.
Dolby Atmos ziert mittlerweile selbst Einstiegs-TVs.

Dolby Atmos gilt aktuell als Qualitätsmerkmal im Audio-Bereich. Doch das wird zunehmend verwässert, denn mittlerweile werden selbst Low-End-TVs mit der Unterstützung des Tonformats beworben.

Update: Vestel und Dolby haben sich zur veröffentlichten Pressemitteilung geäußert. Es sei noch nicht von Vestel spezifiziert, bei welchen Produkten und Marken Dolby Atmos zum Einsatz kommt und somit sei die Annahme, dass jetzt auch Low-End-TVs auch mit Dolby Atmos 3D Sound aufwarten können nicht korrekt. Es stimmt laut Vestel, dass Dolby Atmos für bestimmte 4K Fernseher ausgerollt wird, jedoch betrifft dies nicht die günstigen Einstiegsgeräte. Das 3D-Sound-Feature würde bei Modellen mit schwacher Sound-Ausstattung auch wenig Sinn ergeben.

Originalbeitrag: Ohnehin ist es so eine Sache, wenn High-End-Fernseher damit werben, dass ihre Lautsprecher Dolby Atmos wiedergeben können. In der Tat gibt es mittlerweile Fernseher, die gute integrierte Speaker mitbringen. Allerdings steht die Qualität natürlich dennoch weit hinter dedizierten Anlagen mit AV-Receivern und Lautsprechersystemen oder Soundbars zurück.

Doch nun wirbt sogar mittlerweile Vestel, spezialisiert auf Einstiegs-Fernseher unter Marken wie Hitachi, Panasonic, Toshiba und Co. mit Dolby Atmos für seine TV-Lautsprecher. Allerdings ist anzumerken, dass die Dolby-Atmos-Unterstützung hier auch darauf verweist, dass die Fernsehgeräte das 3D-Tonformat verarbeiten können, um es an externe Wiedergabegeräte zu schleusen.

Dolby Atmos
Dolby Atmos ist mittlerweile quasi omnipräsent

Als 2017 die ersten TVs mit Dolby Atmos erschienen sind, war das Tonformat noch für Premium-Modelle reserviert. Nun lässt sich da nicht mehr wirklich eine Grenze ziehen, denn Vestel nutzt Dolby Atmos für seine diversen Marken, zu denen des Weiteren sogar auch Finlux, Grundig, JVC, Strong und Thomson zählen. Per se ist diese Demokratisierung aber natürlich zu begrüßen – nun gibt es quasi Dolby Atmos für alle.

Dolby Atmos ist nicht gleich Dolby Atmos

Dabei ist Dolby Atmos ohnehin ein vielschichtiges Thema: Etwa nutzen die Streaming-Anbieter wie Disney+, Amazon Prime Video und Netflix verlustbehaftetes Dolby Atmos, das auf Dolby Digital Plus basiert. Das verlustfreie Dolby Atmos, basierend auf Dolby TrueHD, gibt es in erster Linie über Ultra HD Blu-rays. Zudem gibt es noch virtuelle Varianten wie Dolby Atmos for Headphones.

Selbst Smartphones werden mittlerweile mit der Unterstützung von Dolby Atmos beworben, sodass die Frage bleibt, ob die Verbreitung des Formats mittlerweile den Status als Qualitätsmerkmal verwässert hat. Denn wir sind der Meinung: Wer wirklich „echten“ 3D-Sound mit Kanälen von oben genießen will, kommt um Deckenlautsprecher nicht drumherum.

QUELLEFlatpanels HD
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

35 KOMMENTARE

  1. Erinnert mich an das traurige Ende von THX. Nur dass es hier sehr viel schneller voranzuschreiten scheint.
    Mich hat der Zusatz „DolbyAtmos“ noch nie getriggert. Insbesondere nicht 900 Kanäle in einem Heimkino. Da steckt der Widerspruch schon im Satz.
    Kino sollte Kino bleiben und Heimkino Heimkino.
    Ich bin schon der glücklichste Mensch, wenn meine UHDs mit den bestmöglichen Tonspuren für zuhause in deutsch/englisch daherkommen: DolbyTrueHD oder DTS HDMA. Und dass in feinstem 5.1. Mehr braucht kein Mensch.

  2. Was soll dieses ständige Vestel Bashing? Außerdem vorher Mal informieren: Vestel ist türkisch und Grundig ist türkisch, es sind aber 2 unterschiedliche Firmen und Hersteller. Ein Grundig TV kommt nicht von Vestel sondern von Arcelik!

  3. Da Dolby Atmos nichts mit einer guten Abmischung zutun hat und nicht einmal 3D (Höhen-) Effekte garantiert sind… fehlt mir seit jeher das Qualitätsmerkmal.

    Die Auromatic wäre das schon eher, als Upmixer 😀

    • Ich handhabe das mit der Auromatic oder je nachdem mit Neural:X tatsächlich nicht anders.
      Unterm Strich haben gefühlt 95 % aller Filme eine katastrophale Atmos-Mischung, bezogen auf den Einsatz der Höhenlautsprecher. Da sind dann nur wenige Minuten auf die Höhenkanäle abgemischt. Teilweise fliegen in manchen Filme Flugzeuge etc. über einen rüber. Aber die Höhenlautsprecher bleiben trotzdem still. Da fragt man sich halt ernsthaft was das soll. Klar, die Studios wollen den Aufwand für eine gute Tonspur oft nicht bezahlen. Und am Ende ist dann auch eine „3D“ Tonspur eben zum großteil doch nur eine normale 2D Tonspur.

      Da ist es schon echt lachhaft, wenn ein Upmixer wie Auromatic da ein besseres „3D Sound-Erlebnis“ on-the-fly errechnet. Natürlich gibt es dann wieder Leute die sagen, dass das ja gar nicht natürlich ist und nicht den Creators Intend wiedergibt. Aber ich sage mal so: Scheiß auf den Creators Intend, wenn einem eine lachhafte „3D“ Tonspur vorgesetzt wird. Wenn ein Flugzeug im Film über mich fliegt hat der Sound von oben zu kommen. Wenn der Creators Intend nun sagt, dass das nicht so ist, ist es Schwachsinn.

      Ich bin da auch schon immer kurz davor, dass ich mir Filme mit einer schlechten 3D Tonspur nicht kaufen. Nur würde ich dann kaum noch Filme kaufen. Weswegen ich es in solchen Fällen noch von der Qualität der 2D Ebene abhängig mache. Meistens ist die ja dann gut, dann wird der Film meistens irgendwann gekauft wenn er etwa günstiger ist. Anschließend kommt wie gesagt die Auromatic oder Neural:X drüber und fertig. Was die Upmixer so leisten ist halt echt nicht von schlechten Eltern. Wo bleiben eigentlich die KIs für die Ton-Menschen, die den Ton von 2D in 3D „in Ruhe“ Upmixen. Damit müssten die Ergebnisse dann ja nochmals deutlich überlegen sein. Gerade im Vergleich zu den meisten „nativen“ „3D“ Tonspuren.

  4. Atmos ist ja grundsätzlich bis DD abwärtskomaptibel, sodass jedes Dolby-fähige Gerät es abspielen kann.
    Die Bezeichnung Atmos-fähig vedient ein Gerät genau dann, wenn es die qualitativ besseren DD+ oder TrueHD Daten und die Atmos Metadaten verarbeiten kann.
    Alle Geräte, die den Sound nicht mit 3D-Lautsprecherkonfigurationen wiedergeben können, müssen dann downmixen.
    Natürlich stimmt es, dass die Qualität immer von der Quell-Aufnahme abhängig ist, aber das gilt für alle anderen Soundformate auch.
    Unter optimalen Umständen ist TrueHD basiertes Atmos aber wirklich eins der besten Soundformate.
    THX ist dagegen gar kein Soundformat, sonder eine Reihe von Qualitätszertifikaten mit hohen Mindeststandards.

  5. Dolby Atmos war nie ein Qualitätsmerkmal, sondern schon immer nur ein Tonformat, also ein rein technisches Merkmal. Der Sound in einem Dolby Atmos Container kann auch schlecht sein.
    Es ist eine Funktion, kein Attribut für Qualität.
    Und wenn ein Gerät Dolby Atmos decodieren kann und vielleicht auch direkt wiedergeben kann, dann ist das techn. Merkmal erfüllt und kann dann auch angegeben werden.
    Um was anderes geht es hier nicht und sehe damit auch keinen Grund einer Diskussion.

  6. Ist es nicht mehr. Seit vielen Monaten schon nicht mehr.
    Mittlerweile ist doch jedes 2-3 Handy, Tablet, Soundbar mit diesem Logo ausgestattet.
    Dolby verdient mit der Zertifizierung eben gutes Geld. Mit einem Qualitätsmerkmal hat das Logo selbst nichts mehr zu tun.

  7. Ich habe bisher den Eindruck, dass sehr gut gemischte DD 5.1 Inhalte auch mit einigen (manchmal zu wenig aufwändig produzierten) DOLBY ATMOS Tonspuren mithalten können.

    Am nervigsten ist bisher aber noch die Disney+ App auf aktuellen Samsung Fernsehern: DOLBY ATMOS wird (obwohl technisch möglich: siehe Netflix und Prime Video) nicht über eARC ausgegeben.

    Brauche also trotz aktuellem SmartTV extra noch einen SmartStick im AV-Receiver, um z.B. „The Mandalorian“ in DOLBY ATMOS erleben zu können

  8. Jeder, der sich auch nur ein wenig damit befasst, hat doch für solche Marketing-Schwurbeleien nur ein müdes Lächeln übrig. Noch müder lächsle ich, wenn gejammert wird, dass das Teufelswerk deutsche Synchronisation nicht in Atmos vorliege…

  9. Richtig nett ist Dolby Atmos mit 7.1.4 System mit dickem Subwoofer von der UHD z.B. bei Ready Player One. Ich habe auch die Apple-Version zum Vergelich. Die ist ganz OK, aber nicht so wuchtig und satt wie die Scheibe. Mit Kontrastleinwand, Sonybeamer und vielen Lautsprechern ist Dolby Atmos toll, wenn der Film es hergibt! Viele Filme haben doch sehr wenig oben rum zu bieten, auch wenn Atmos drauf steht.
    Ich finde ja die ganze Diskussion zu HDR und Ton- oder Bildqualität schräg: ich selbst filme mit einer A7SIII mit Atomos Recorder mit über 1000 mbit/sec in 4:2:2 im Log-Profil in UHD. Das wird dann bearbeitet und landet abspielbar mit 60-80 mbit in einer Datei mit 4:2:0 etwas abgespeckt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Jetzt liest man aber beim Streaming HDR, UHD, Kabel für 8K mit gigantischen Transferraten etc. Was soll denn da ankommen? Die Signale kommen bei Netflix meines Wissens mit unter 20 mbit/s durch die Leitung. Mit dem Beamer sieht man dann schön trotzdem die Farbtreppenstufen, wenn man Pech hat. Aus nichts kann auch AV Receiver nicht mehr machen. HDR macht sichtbar beim Beamer schwarz schwärzer, aber alles dazwischen hat echt viel Luft nach oben. Das unkomprimierte Signal vom Denon über Lichtleiter hat auf jeden Fall noch viel Luft nach oben….Qualität gibt in erster Linie ml bei der Aufnahme eines Videos, danach sind wir noch ein ganzes Stück weg.

    • Für 8K wird man natürlich andere Bitraten benötigen. 20 Mbps werden hier in keinem Fall ausreichen. Selbst kodiert in AV1 und h.266 (VVC). Den Meisten wäre im direkten Vergleich aber wohl eh lieber, wenn man 8K Bitraten bei 4K Material erhalten würde. Bei den meisten Nutzern (bezogen auf die Displaydiagonale) würde es wahrscheinlich keinen Unterschied machen, ob Native 8K oder 8K Upscaling.

    • Sehe es immer nur bei Netflix, aber knapp 15 Mbit werden bei 4K übertragen. Die Komprimierung ist seit Jahren bei den Streamingdiensten ein Problem.
      Nicht nur im Bild, auch im Ton.
      Selbst normales DD über eine Blu Ray ist in Sachen Dynamik und Umfang den der Streamingdienste weit überlegen.
      Manchmal hat man das Gefühl, je nach Film/Serie wird noch mal separat gesteuert.
      Und was mir aktuell besonders stark auffällt, gerade bei Netflix, die Filme/Serien haben so eine Art Unschärfeeffekt an den Rändern. Also der Fokus liegt auf der Mitte, am Rand wird es wie ein Weichzeichner. Auch das ist ein rießen Problem, aber auch erst in den letzten Monaten verstärkt wurden.
      Das Handys mit 4K und Atmos oder gar DTS:X werben ist mir schleierhaft und hat nichts mehr damit zu tun was es eigentlich mal sein wollte.

      • Die Unschärfe nach außen hat nichts mit der Komprimierung zutun sondern der Kamera, dem Fokus etc. PP. Ist also so gewollt.

        Ich bin da bei dir, das braucht kein Mensch, genauso künstliches Filmkorn.

  10. Tja, auf Marketing-Blabla bei HDR folgt nun Dolby Atmos. Ist in Deutschland aber ja eh Nebensache, weil viele Filme selbst auf der UHD Blu-ray nur bei der Original-Tonspur in Dolby Atmos vorliegen, obwohl man den Aufwand fürs Kino betrieben hat. Ein sehr schwaches bis erbärmliches Bild der Industrie.

    • Zumindest die Filme von Warner sind häufig mit einer deutschen Atmos Tonspur ausgestattet, sowohl auf UHD BD und auch auf itunes.
      Siehe: Mad Max, Aquaman, Justice League, Wonder Woman, etc.

      Leute die sich damit auskennen, wissen das schon einzuordnen. Für den normalen Konsumenten wird mit den ganzen Logos aber natürlich einiges an Etikettenschwindel betrieben.
      Ich schaue nun Mad Max auf meinem Dolby Atmos zertifizierten Flatscreen 😀

  11. Selbst Handys haben heute Dolby Atmos…
    Für mein nächstes 5.1.4 System wollte ich mir eigentlich 2 Handys und 2 Soundbars an die Deckenwand befestigen.

    Dolby Atmos wurde einfach zu inflationär verwendet, das ist leider wahr…

    • Die Mühe mit dem anbringen der Handys an der Decke mache ich mir gar nicht mehr.
      Ich schaue Filme direkt auf meinem Atmos Tablet 🙂
      Beste Bild und Soundqualität.

  12. Nicht nur die Abspielgeräte verwässern Atmos, vor allem auch die Quellen. Es gibt unzählige Atmos Filme, die quasi keine Deckeneffekte haben. Hier ist Atmos wohl wirklich nur ein neuer Codec, kein neues Hörerlebnis.
    Frage in die Runde: welche Filme haben wirklich richtig gute Atmos Abmischungen?

      • Wobei leider kein einziger der Filme aus meiner Sicht viel taugt :-D. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema.

        • Kein einziger?
          Whoa, bin froh nicht deinen extravaganten Geschmack zu haben, dann könnte ich ja kaum was gucken außer Schindlers Liste und Krieg und Frieden 🙂

          • Na, besonders extravagant muss das nicht sein, das sind ja alles recht stumpfe Blockbuster, die da in der Liste auftauchen und die meisten davon kamen auch generell (zurecht) entsprechend mau bei Kritikern an. Da gibt es auch diesem Bereich deutlich bessere, massenkompatible Filme.

            Aber da gings ja auch nicht um die Qualität des Inhalts, sondern der Tonspuren. Da mögen die empfehlenswert sein, das muss man ja trennen.

      • MI Fallout extra auf UHD gekauft, um dann festzustellen dass die deutsche Atmos Spur nur auf iTunes verfügbar ist xD
        Der Film wird dann aber natürlich nochmal im Original mit Atmos geschaut. Wobei ich die deutsche Synchro Stimme von Tom Cruise mag.

  13. Atmos war doch noch nie ein Qualitätsmerkmal.
    Das ist einfach nur ein Tonformat. THX war mal ein Qualitätsmerkmal.

    • Dolby ansich war noch nie ein Qualitätsmerkmal, selbst vor 20 Jahren war DTS Dolby weit überlegen, aber leider ist die Lobby dahinter nicht sehr groß.
      Mit Godzilla 1998 durfte ich mal in einem Kino „Sony Dinamic Digital Sound“ genießen, das hat mir die Liebe zum Ton verschafft. Aber leider blieb dies dank Dolby wieder auf der Strecke, jetzt hat Sony sein Format in die PS5 verfrachtet.
      Dank Star Wars 1999 haben wenigstens einige Filme von THX profitieren können.
      Wobei Dolby Atmos in den Kinos schon seine daseinsberechtigung hat, Nolans TENET fande ich im Kino brachial, oder der Score in Joker.
      Im Heimkino ist es je nach Mittel leider etwas, naja, nett.

      • Tenet wurde überhaupt nicht in Dolby Atmos produziert, auch nicht für’s Kino.
        Selbst in Atmos Säälen lief er nur in 5.1.

        • Christopher Nolan mag aus irgendeinem Grund 3D-Soundformate genauso wenig wie digitale Filmkameras. Keine Ahnung, warum.
          Aber da er so viele geniale Filme macht, verzeihe ich ihm das. Dafür gibt es ja wunderbare 3D-Sound-Upmixer.

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