Friedhof der Kuscheltiere 4K Blu-ray im Test: Remake mit Schwächen beim Bild

Inhalt (60%)


Stephen King mag seinen Friedhof der Kuscheltiere nicht. Eigentlich findet er ihn sogar „schrecklich“ und viel zu „düster“. Noch heute sagt er, dass das Manuskript irgendwo in einer Schublade liegen würde, wenn er nicht aus einem ungeliebten Autoren-Vertrag herauskommen hätte wollen. Die erste Verfilmung des Romans indes begleitete er zumindest mit einem Screenplay (sowie einem Cameo-Auftritt) und war auch sonst recht angetan von Mary Lamberts Adaption.

Aus heutiger Sicht muss man aber ganz klar sagen: Die 1989er Film-Realisation ist kein wirklich guter Horrorfilm. Okay, es gibt einen halbwegs überzeugenden Milo Hughes als wiederkehrendes Baby Gage und diese eine Achillessehnen-Szene ist schmerzhaft anzuschauen. Ansonsten gehört der Film aber wirklich auf den Trash-Friedhof der 80er – am besten ohne Chance auf Wiederbelebung. Schauspieler, Effekte und Produktionsbudgets sind allerdings über die Jahre (oft) hochwertiger geworden und spätestens nach einer Stephen-King-Renaissance mit Adaptionen von Der dunkle Turm und einer Neuverfilmung von Es gelangten auch seine anderen älteren Werke wieder in den Fokus. Bereits 2010 gab es schon die Idee, Friedhof der Kuscheltiere neu aufzulegen und 2017 übernahm dann Paramount Pictures die Produktion.

Was vollziehen die Kids da für eine Prozession?

Bevor der Film aber als Remake auch die deutschen Kinos erreichte, hörte man schon von bösen Kommentaren via sozialer Netzwerke über eine vermeintlich drastische Änderung innerhalb der Story. Denn die beiden Regisseure Kölsch und Widmeyer entschlossen sich gemeinsam mit ihren Drehbuchautoren, nicht Baby Gage sondern die heranwachsende Tochter Ellie in den Mittelpunkt zu stellen – ein Skandal!

Naja, zumindest unter eingefleischten King-Fans. Der Autor selbst nahm es gelassen und antwortete im Hinblick auf die Hate-Postings in einem Interview, dass er die Reaktionen der Leute für „verrückt [nuts]“ hält. „Man könne die Route 301 nach Tampa nehmen oder die Route 17 … über beide gelangt man nach Tampa!“ Und damit liegt er richtig. Zumal es für das heutige Publikum einfacher ist, wenn eine Elfjährige die Rolle spielt als ein Dreijähriger. Schon rein aus Glaubwürdigkeitsgründen bezüglich geforderter Gewaltsituationen.

Außerdem kommt so das intensive Vater-Tochter-Verhältnis noch besser zum Tragen. Adäquat besetzt ist das Reboot von Friedhof der Kuscheltiere ohnehin. Denn mit Jason Clarke sowie John Lithgow als Jud sind die beiden männlichen Hauptrollen schon mal hochwertiger besetzt als damals. Auch die beiden Kinderdarsteller schlagen sich gut und Amy Seimetz als Mutter ist eine wesentlich bessere Schauspielerin als Denise Crosby.

Ein ziemlich zerlauster Artgenosse

Den Segen von King hatten die Regisseure also. Dass es am Ende nur so halb geklappt hat, mit der künstlerischen Umsetzung des Films, liegt eher daran, dass man sich in den letzten zwanzig Minuten darauf beschränkt, gängige Horrorklischees zu bedienen. Was eigentlich gut und atmosphärisch begann, leidet später darunter, nicht aus dem üblichen Genre-Einerlei heraus zu kommen. Was fehlt ist die Tiefe und die Bindung zu den Figuren. Obwohl alle Darsteller ihre Sache sehr gut machen, fehlt es dem Zuschauer am Mitfieber-Faktor, weil die innerfamiliären Dramatiken und Verbindungen zu kurz kommen. Dämonen aus der Vergangenheit, Differenzen im Glauben an das, was nach dem Tod kommt, ein Kindergeburtstag, der nette ältere Nachbar – manchmal hat man das Gefühl, der 2018er Friedhof der Kuscheltiere klappert alle notwendigen Stationen nur ab.

Gleichzeitig kompensiert er den Mangel an Tiefe mit ein paar gelungenen Splatter-Effekten und einigen leider ziemlich misslungenen CGI-Effekten. Was man sich bspw. bei der visuellen Umsetzung des Unfalls gedacht hat, wissen wohl nur die Geldgeber, die dem Trickstudio hier den Finanzhahn abgedreht haben müssen, bevor man mit dem Rendern fertig gewesen ist.

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Bildqualität (70%)

Friedhof der Kuscheltiere wurde volldigital aufgenommen. Am Ausgang lagen 2.8K und 3.4K an. Von dieser Auflösung wurde aber nach allen recherchierbaren Quellen auf ein 2K-Digital-Intermediate herunter gerechnet. Die UHD ist also nur eine hochskalierte Fassung des Films und bekam zusätzlich einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum sowie die höhere Bilddynamik nach HDR10 und Dolby Vision.

Im laufenden Bild fällt bei HDR10 relativ stark die andere Farbgebung auf, die deutlich ins Grüne tendiert. Neutrale Oberflächen werden so sichtbar eingefärbt. Himmelshintergründe, Asphalt, aber auch Gesichter wirken durchweg weniger natürlich. Zwar ist die BD im Vergleich rot-rosiger auf Gesichtstönen, aber das wirkt am Ende natürlich als das Grün der UHD. HDR10 ist zudem in dunkleren Szenen durch die leichte Grüneinfärbung etwas weniger dynamisch als die BD.

In den dunklen Szenen fehlt es der UHD in beiden HDR-Varianten an kräftigem Schwarz

Auch Spitzlichter hat man schon prägnanter gesehen. Während der Begräbnis-Szenen auf dem stockfinsteren Friedhof reicht es kaum für ein prägnantes Funkeln im Weiß der Augen oder durch die Lichtreflexionen von Knöpfen. Dolby Vision revidiert den anderen Look, den man über HDR10 zu sehen bekommt, zwar nicht vollständig, hebt aber die Kontrastflanken an und reduziert das Grün deshalb ein wenig. Hauttöne und Hintergründe sind wieder etwas natürlicher und in den dunklen Friedhofszenen ist die Durchzeichnung etwas besser. Dennoch dürften auch hier die meisten den Look der Blu-ray bevorzugen. Denn so richtig knackig schwarz können beide UHD-Varianten nicht.

In puncto Auflösung ist zudem keine große Veränderung sichtbar. Close-ups von Gesichtern, Schriften und andere fein detaillierte Bildanteile wirken nur marginal schärfer.

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Tonqualität (85%)

Wie von Anbieter Paramount bekannt und gewohnt, gibt’s nur höchst selten verlustfreie deutsche Tonspuren. Das gilt leider auch für Friedhof der Kuscheltiere, der nur in Dolby Digital vorliegt, während die Originalspur bereits auf der Blu-ray mit Dolby Atmos aufwartet. Grundsätzlich hört man im direkten Vergleich zum einen, dass die Lautstärke der hiesigen Fassung angehoben werden muss. Zum anderen sind einige feine Geräusche wie die Klaviermusik zu Beginn etwas belegter und spielen weniger frei. Davon abgesehen werden die Surrounds aber aktiv eingebunden und der Truck zu Beginn rauscht ziemlich vehement am Zuschauer vorbei. Auch der Sub greift zwischendurch aktiv uns spürbar ins Geschehen ein, wenn der sterbende Victor Louis am Arm packt oder später noch einmal überraschend auftritt. Dazu ist die Räumlichkeit bspw. bei Rachels zweitem Flashback in die Vergangenheit exemplarisch hoch. Auch das Wispern auf dem Friedhof sowie die Stimmen, die Louis hört, werden zum akustischen Highlight. Da auch die Dialoge viel Volumen haben und die Dynamik erstaunlich gut ist, könnte man beim Hören fast meinen, es mit einer verlustfreien Tonspur zu tun zu haben. Von allen Dolby-Digital-Spuren des Anbieters der letzten Monate/Jahre gehört die von Friedhof der Kuscheltiere mit Abstand zu den Besten.

Während der Friedhofs-Szenen gibt es immer wieder tolle 3D-Sounds für die Fans des Originaltons

Und dennoch hat sie gegen die englische Fassung das Nachsehen. Diese ist in sämtlichen Effektszenen druckvoller und noch dynamischer. Sie erlaubt sich praktisch keine Fehler und liefert ein durch und durch beeindruckendes Szenario ab. Von den glasklaren Musik-Sequenzen über die brutal vorbei donnernden Trucks bis hin zu den Grusel-Sounds. Und dann ist da ja noch die Höhen-Ebene der Atmos-Fassung.

Die lebt erstmalig auf, wenn man Jud am Tiefriedhof stehen sieht, wo die Vögel plötzlich lautstark von oben zu hören sind und ein bedrohliches Grummeln ertönt. Auch während der Einlieferung des übel zugerichteten Patienten im Krankenhaus nimmt man unheimliche Geräusche aus den Heights wahr. Der Wald wird ohnehin immer wieder zum Leben erweckt: knackende und raschelnde Äste, Windgeräusche oder eben spezielle Gruselsounds. Insgesamt sorgt das für eine sehr schön immersive akustische Erfahrung in diesen Szenen.

Richtig klasse und einer der genialsten 3D-Soundeffekte seit A Quiet Place ist dann das Knarzen des Lebensmittel-Aufzugs in der Rückblende nach etwa einer halben Stunde – ein echter Gänsehaut-Effekt. Nach 45 Minuten gibt’s dann noch mal ausführliche 3D-Sounds vom kleinen Lastenaufzug mit einem Hallo-Wach-Effekt zum Schluss – sensationell und mit Sicherheit eine der kommenden Atmos-Referenz-Szenen.

  • Deutsch: Dolby Digital Plus 5.1 (85%) 2D-Betrachtung
  • Englisch: Dolby Atmos (90%) 2D-Betrachtung
  • Englisch: Dolby Atmos (65%) 3D-Betrachtung (Quantität)
  • Englisch: Dolby Atmos (90%) 3D-Betrachtung (Qualität)

Bonus (60%)

Im Bonusmaterial hat man ein alternatives Ende sowie sieben gelöschte und erweiterte Szenen untergebracht. Dazu kommen insgesamt drei Featurettes. In „Nächtliche Schrecken“ bekommen wir noch einmal drei der Hauptcharaktere zu sehen, wie sie ihren eigenen Ängsten gegenüber stehen. „Die Geschichte von Timmy Baterman“ ist auch eher eine Erweiterung des Films. Wir hören Jud Crandall zu, wie er von einem im Krieg getöteten Jungen erzählt, der über den Friedhof zurück kam. „Hinter dem Windbruch“ letztlich ist ein vierteiliges Making-of, das gut 61 Minuten läuft. Im ersten Kapitel erzählen die Darsteller und Macher ihre Verbindungen zu Stephen King. Der zweite Teil führt uns dann zu den Drehorten. Das nächste Kapitel geht näher auf einzelne Szenen ein und zeigt auch das Training mit den Tieren. Im abschließenden Teil geht’s dann um das Makeup, um das Thema Tod an sich.

Gesamtbewertung Friedhof der Kuscheltiere  (72%)

Friedhof der Kuscheltiere ist gegenüber dem 89er Erstling ein durchweg besserer und gruseligerer Streifen geworden. Die Änderungen an Kings Vorlage gehen in Ordnung und dienen dem Film spürbar. Allerdings fehlt am Ende doch die Bindung zu den Figuren und das innovative Überraschungsmoment abseits von bekannten Jumpscares. Der Sound allerdings sorgt schon über die dt. DD-Spur für Freude im Heimkino. Erst Recht großartig ist die englische Atmos-Fassung mit teils sensationellen Höhen-Effekten. Dass das Bild der UHD sich gegenüber der Blu-ray zwar farblich anders zeigt, aber nicht wirklich absetzen kann, ist schade.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 15. August 2019 Review am: 23. August 2019
Erscheinungsjahr Film: 2018 Laufzeit: 101 Minuten
Filmstudio: Paramount Pictures FSK: ab 16 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat:
2.35:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch Dolby Digital 5.1
Englisch Dolby Atmos
High Dynamic Range:
HDR 10
Dolby Vision
Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D Testgerät Player: Panasonic UB9004

Friedhof der Kuscheltiere Trailer:

Timo Wolters
Timo Wolters
Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

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3 Kommentare
  1. Das war schon bei Captain Marvel so, dass die Katze alle an die Wand gespielt hat. Vielleicht sollte man akzeptieren, dass Katzen die besseren Schauspieler sind? 😉

  2. Das Remake ist totaler Mist. Einstampfen und vergessen.
    Die Darsteller sind steif und als Familie nicht überzeugend.
    Nur die Katze konnte halbwegs überzeugen.

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