Bad Boys for Life auf 4K Blu-ray im Test: Ein audiovisueller Leckerbissen

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Bad Boys For Life 4K Blu-ray im Test
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17 Jahre. Genau so lange ist es her, dass Will Smith und Martin Lawrence in Bad Boys 2 gemeinsam auf Verbrecherjagd gingen und Drogenboss Johnny Tapia zur Strecke brachten.
In 17 Jahren kann viel passieren. Fast drei US-Präsidenten könnten ihre volle Amtszeit absolvieren. Ein Neugeborenes wird zum (fast) Erwachsenen und Porsche ist mittlerweile drei Modelle des 911 weiter in der Zukunft. Apropos Porsche: Der Zuffenhausener Automobilhersteller dürfte Bad Boys for Life nicht unwesentlich unterstützt haben, wenn man sieht, wie werbewirksam das jüngste Modell des „Plattkäfers“ bereits in der Intro-Sequenz in Szene gesetzt wurde.

Aber zurück zu Bad Boys 3. Es ist tatsächlich wahr geworden, was Fans seit fast 20 Jahren erhofften: Mike und Marcus sind zurück. Bereits 2008 und 2009 wurde relativ deutlich berichtet, dass man mit einem Drehbuch beschäftigt sei. Immer wieder wurde jedoch auch auf die Kosten verwiesen. Immerhin waren Will Smith und Michael Bay damals nicht die günstigsten Vertreter ihrer Zunft. Verspätungen um Verschiebungen um Hinauszögerungen folgten. Bis 2017 der damalige Regisseur absprang und Lawrence verkündete, dass das Ganze nicht mehr stattfinden solle. Story zu Ende.

Ein gewisser deutscher Sportwagenhersteller dürfte über das Product Placement begeistert sein

Oder eben doch nicht. Denn Sony Pictures organisierte mit den beiden Belgiern Adil El Arbi und Bilall Fallah zwei junge und frische Typen als Regisseure, die gemeinsam in Belgien mehrere kleine Genrewerke fabriziert hatten.  In die Hände gespielt haben dürfte der Produktion, dass Will Smith mittlerweile nicht mehr ganz so teuer bezahlt wird und Michael Bay sich lediglich als Cameo-Darsteller einfand. Auf diese Weise sank das Budget (ausgehend vom zweiten Teil) von 130 Mio. Dollar auf schlanke 90 Mio. Dollar. Und weil 2020 bis dato so ein Corona verkorkstes Kinojahr war, stellen die knapp über 400 Mio. Dollar Einspiel von Bad Boys for Life den bisher erfolgreichsten Film des Jahres dar. Glückwunsch an die beiden Herren aus Belgien. Und wenn man sich das Spektakel so anschaut, ist auch klar, warum der Film abgeräumt hat. Denn Michael Bay vermisst man beispielsweise zu keiner Zeit. Und das liegt nicht (nur) daran, dass Bilall und Adil den Look der beiden Vorgänger und des berühmten Regisseurs 1:1 übernommen haben.

Vielmehr gelingt es ihnen, frischen Wind in den Film zu hauchen. Fast schon hemmungslos kann man ihren Erzählstil beschreiben, der sich zudem eines überraschend witzigen Drehbuchs bedient. Letzteres ist umso erstaunlicher als dass die gut 15 Jahre Zeit, in der man das Skript immer wieder angefasst, geändert und umgeschrieben hat, auch genau in die verkehrte Richtung hätten gehen können. Tatsächlich jedoch hat man die Zeit genutzt, die verstrichenen Jahre der beiden Cops selbstironisch zu reflektieren. Die Macho-Attitüde des ersten und zweiten Teils wird immer wieder gebrochen, wenn Mike und Marcus auf junge Kollegen treffen, deren Hintergründe auf völlig anderen Rollenbildern aufbauen. Das ist im Sinne der persönlichen Missverständnisse zwischen den Figuren selbst dann noch unterhaltsam, wenn die Integration der Spezialeinheit „AMMO“ nur als unglücklich und dünn betrachtet werden kann.

Auch wenn Martin Lawrence gefühlt 25kg schwerer ist, sind sie immer noch ein duftes Team: Mike und Marcus

Dafür harmonieren Lawrence (trotzdem er sichtlich außer Form ist) und Smith immer noch wunderbar zusammen. Ihre gemeinsamen Momente sind so herrlich oldschool, dass man sich sofort 20 Jahre in der Zeit zurück versetzt fühlt. Für die Szenen in Marcus‘ Nissan Quest möchte man die beiden wirklich knutschen. Auch die Sequenz, in der in Parallel-Montagen gezeigt wird, wie Mikes Alltag nach der Genesung gegenüber Marcus‘ Rentnerdasein aussieht, hält ein paar echt gute Gags bereit. Und sogar die emotionalen Momente überzeugen, wenn bspw. klar wird, dass Mike nichts anderes im Leben hat als sein phrasenhaftes Bad Boys for Life.

Man sollte allerdings nicht mit dem allerstärksten Bösewicht rechnen. Zwar hat man beiden Antagonisten ein ziemlich knackiges Gewaltpotenzial ins Drehbuch geschrieben, was vor allem Jacob Scipio Gelegenheit zu ein paar sehr eleganten Kampf- und Killszenen gibt, Figurenzeichnung ist aber erst einmal nicht das Ding von Isabel Aretas und ihrem Sohnemann. Dafür hält sich das Drehbuch eine durchaus dicke Überraschung für das Finale auf, was ja auch nicht die schlechteste Variante ist. Wo wir aber gerade bei „aufheben“ sind: Abgesehen vom Intro und ein paar kurzen Actionmomenten wartet Bad Boys for Life mit seinen beiden intensivsten Actionszenen bis deutlich in die zweite Filmhälfte hinein.
Das mag dem einen oder anderen Fan der Serie nicht ganz so gefallen, wird aber dann immerhin mit zwei wirklich packenden Momenten belohnt, von denen die Verfolungshatz nach 75 Minuten vielleicht sogar noch die virtuosere und witzigere Sequenz ist. Was Bilall und Adil hier abfackeln, steht den bay’schen Filmen in nichts nach und wird natürlich von den ständigen Zickereien zwischen den beiden Hauptfiguren ergänzt.

Was allerdings (neben dem dreisten Porsche-Werbefilm-Gehabe) kolossal nervt, sind Burnetts immer wiederkehrende Gottesanbetereien. Spätestens beim zweiten Mal verdreht man die Augen und beim dritten Mal hat man ein „Jetzt reicht’s aber mal“ auf den Lippen. Zudem wirkt die marvel’sche Mid-Credit-Sequenz ein bisschen gewollt und aufgesetzt.

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3 KOMMENTARE

  1. Also der Film ist echt klasse geworden! Von vorn bis hinten… Fand jetzt auch die Gebet Szenen nicht nervig…
    Schöne Rezension von euch!!! Macht weiter so.

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