Bad Boys for Life auf 4K Blu-ray im Test: Ein audiovisueller Leckerbissen

Inhalt (75%)

17 Jahre. Genau so lange ist es her, dass Will Smith und Martin Lawrence in Bad Boys 2 gemeinsam auf Verbrecherjagd gingen und Drogenboss Johnny Tapia zur Strecke brachten.
In 17 Jahren kann viel passieren. Fast drei US-Präsidenten könnten ihre volle Amtszeit absolvieren. Ein Neugeborenes wird zum (fast) Erwachsenen und Porsche ist mittlerweile drei Modelle des 911 weiter in der Zukunft. Apropos Porsche: Der Zuffenhausener Automobilhersteller dürfte Bad Boys for Life nicht unwesentlich unterstützt haben, wenn man sieht, wie werbewirksam das jüngste Modell des „Plattkäfers“ bereits in der Intro-Sequenz in Szene gesetzt wurde.

Aber zurück zu Bad Boys 3. Es ist tatsächlich wahr geworden, was Fans seit fast 20 Jahren erhofften: Mike und Marcus sind zurück. Bereits 2008 und 2009 wurde relativ deutlich berichtet, dass man mit einem Drehbuch beschäftigt sei. Immer wieder wurde jedoch auch auf die Kosten verwiesen. Immerhin waren Will Smith und Michael Bay damals nicht die günstigsten Vertreter ihrer Zunft. Verspätungen um Verschiebungen um Hinauszögerungen folgten. Bis 2017 der damalige Regisseur absprang und Lawrence verkündete, dass das Ganze nicht mehr stattfinden solle. Story zu Ende.

Ein gewisser deutscher Sportwagenhersteller dürfte über das Product Placement begeistert sein

Oder eben doch nicht. Denn Sony Pictures organisierte mit den beiden Belgiern Adil El Arbi und Bilall Fallah zwei junge und frische Typen als Regisseure, die gemeinsam in Belgien mehrere kleine Genrewerke fabriziert hatten.  In die Hände gespielt haben dürfte der Produktion, dass Will Smith mittlerweile nicht mehr ganz so teuer bezahlt wird und Michael Bay sich lediglich als Cameo-Darsteller einfand. Auf diese Weise sank das Budget (ausgehend vom zweiten Teil) von 130 Mio. Dollar auf schlanke 90 Mio. Dollar. Und weil 2020 bis dato so ein Corona verkorkstes Kinojahr war, stellen die knapp über 400 Mio. Dollar Einspiel von Bad Boys for Life den bisher erfolgreichsten Film des Jahres dar. Glückwunsch an die beiden Herren aus Belgien. Und wenn man sich das Spektakel so anschaut, ist auch klar, warum der Film abgeräumt hat. Denn Michael Bay vermisst man beispielsweise zu keiner Zeit. Und das liegt nicht (nur) daran, dass Bilall und Adil den Look der beiden Vorgänger und des berühmten Regisseurs 1:1 übernommen haben.

Vielmehr gelingt es ihnen, frischen Wind in den Film zu hauchen. Fast schon hemmungslos kann man ihren Erzählstil beschreiben, der sich zudem eines überraschend witzigen Drehbuchs bedient. Letzteres ist umso erstaunlicher als dass die gut 15 Jahre Zeit, in der man das Skript immer wieder angefasst, geändert und umgeschrieben hat, auch genau in die verkehrte Richtung hätten gehen können. Tatsächlich jedoch hat man die Zeit genutzt, die verstrichenen Jahre der beiden Cops selbstironisch zu reflektieren. Die Macho-Attitüde des ersten und zweiten Teils wird immer wieder gebrochen, wenn Mike und Marcus auf junge Kollegen treffen, deren Hintergründe auf völlig anderen Rollenbildern aufbauen. Das ist im Sinne der persönlichen Missverständnisse zwischen den Figuren selbst dann noch unterhaltsam, wenn die Integration der Spezialeinheit „AMMO“ nur als unglücklich und dünn betrachtet werden kann.

Auch wenn Martin Lawrence gefühlt 25kg schwerer ist, sind sie immer noch ein duftes Team: Mike und Marcus

Dafür harmonieren Lawrence (trotzdem er sichtlich außer Form ist) und Smith immer noch wunderbar zusammen. Ihre gemeinsamen Momente sind so herrlich oldschool, dass man sich sofort 20 Jahre in der Zeit zurück versetzt fühlt. Für die Szenen in Marcus‘ Nissan Quest möchte man die beiden wirklich knutschen. Auch die Sequenz, in der in Parallel-Montagen gezeigt wird, wie Mikes Alltag nach der Genesung gegenüber Marcus‘ Rentnerdasein aussieht, hält ein paar echt gute Gags bereit. Und sogar die emotionalen Momente überzeugen, wenn bspw. klar wird, dass Mike nichts anderes im Leben hat als sein phrasenhaftes Bad Boys for Life.

Man sollte allerdings nicht mit dem allerstärksten Bösewicht rechnen. Zwar hat man beiden Antagonisten ein ziemlich knackiges Gewaltpotenzial ins Drehbuch geschrieben, was vor allem Jacob Scipio Gelegenheit zu ein paar sehr eleganten Kampf- und Killszenen gibt, Figurenzeichnung ist aber erst einmal nicht das Ding von Isabel Aretas und ihrem Sohnemann. Dafür hält sich das Drehbuch eine durchaus dicke Überraschung für das Finale auf, was ja auch nicht die schlechteste Variante ist. Wo wir aber gerade bei „aufheben“ sind: Abgesehen vom Intro und ein paar kurzen Actionmomenten wartet Bad Boys for Life mit seinen beiden intensivsten Actionszenen bis deutlich in die zweite Filmhälfte hinein.
Das mag dem einen oder anderen Fan der Serie nicht ganz so gefallen, wird aber dann immerhin mit zwei wirklich packenden Momenten belohnt, von denen die Verfolungshatz nach 75 Minuten vielleicht sogar noch die virtuosere und witzigere Sequenz ist. Was Bilall und Adil hier abfackeln, steht den bay’schen Filmen in nichts nach und wird natürlich von den ständigen Zickereien zwischen den beiden Hauptfiguren ergänzt.

Was allerdings (neben dem dreisten Porsche-Werbefilm-Gehabe) kolossal nervt, sind Burnetts immer wiederkehrende Gottesanbetereien. Spätestens beim zweiten Mal verdreht man die Augen und beim dritten Mal hat man ein „Jetzt reicht’s aber mal“ auf den Lippen. Zudem wirkt die marvel’sche Mid-Credit-Sequenz ein bisschen gewollt und aufgesetzt.

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Bildqualität (90%)

Bad Boys for Life wurde mit einer ganzen Reihe von digitalen Kameras aufgenommen. Entsprechend unterschiedlich waren die Auflösungen am Ausgang, die von 2.8K bis 8K reichten. Ob’s an der Varianz unterschiedlicher Auflösungen lag oder andere Gründe hatte: Für das Digital Intermediate wurde auf 2K runtergerechnet, bevor für die UHD wieder hochskaliert wurde.

Da auch das Bad-Boys-Sequel mit dem IMAX enhanced Label versehen ist, kommt auch hier ein Bildverbesserungs-Algorithmus zum Einsatz, bei dem das Material entrauscht wird. Dies geschieht nach den Maßgaben der jeweiligen Filmemacher. Während dieses von Rauschen befreite Bild auf sämtlichen TVs wiedergegeben wird, schalten IMAX-Enhanced-zertifizierte Fernseher zusätzlich noch in einen kalibrierten Wiedergabemodus. Derzeit sind das allerdings nur bestimmte Sony-TVs.

Die UHD differenziert Farben hervorragend

In der Praxis zeigt sich ziemlich zügig, dass hier zwar ebenfalls dezent gefiltert wurde, aber wachsartig weiche Gesichter weitgehend ausbleiben. Zumindest so lange, wie es die nicht ohnehin schon schwächer fokussierten Einstellungen sind. Tatsächlich ist während der dunklen Szenen sogar immer noch ein leichtes Rauschen erkennbar, allerdings weniger als über die BD (100’00). Dafür kann die UHD von Allem noch etwas mehr. Sie übertreibt’s mit den Farben noch mehr, sie hebt die Kontraste noch einmal sichtbar an und sie packt das Schwarz noch mal eine Stufe niedriger, auf dass die Bilddynamik wirklich extrem gespreizt erscheint.

Wirklich spritzig geraten zudem die Spitzlichter, die der Blu-ray deutlich den Rang ablaufen. Wenn es Nacht wird in Miami glänzen und strahlen die Laternen und hell erleuchteten Hochhäuser um die Wette (31’10). Klar ist, dass auch das Bild der UHD gewollt stilisiert ist. Klar ist auch, dass die Ultra-HD das mit HDR noch dramatischer hinbekommt. Wer auf diesen Look steht, wird zur vollsten Zufriedenheit bedient. Der Disk kann man jedenfalls keinen Vorwurf machen, dass Bad-Boys-Filme nun mal aussehen wie Bad-Boys-Filme.

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Tonqualität (95%)

Bad Boys for Life kommt über die Blu-ray mit unkomprimierten dts-HD-Master-Spuren für beide Sprachen. Und beide Sprachen langen ordentlich zu. Es beginnt schon mit dem Blitz des Produzenten-Teams und wenn dann die fetten Beats zur Intro-Sequenz pumpen, hat der Subwoofer im äußersten Tiefbassbereich wirklich gut zu tun. Die Momente, in denen der 911 mitunter brutal in akustische Szene gesetzt wird, reißen sämtliche Dynamik-Messlatten und wenn er mal kurz über den Sand flitzt, bitzelt dieser fast einzeln greifbar aus den Rears. Ähnlich wirkungsvoll geht es beständig in jeder der Actionszenen zu. Und immer wieder sind es die Motorengeräusche der diversen Fahrzeuge. Vor allem auch die Motorräder, die nach 75 Minuten über die Bildfläche rattern, sind satt vertont.

Geht es mit Explosionen weiter, kommt durchaus Fundament hinzu, da der Subwoofer weiterhin satt hinunter spielt (78’52). Die zahlreichen Schießereien sind angefüllt mit Querschlägern, präzisen direktionalen Schüssen und wuchtigen Einlagen bei größeren Kalibern. Die Stimmen bleiben in dem Gewirr der Actionszenen dennoch gut verständlich und wirken nie zu dünn. Auch die Filmmusik spielt hervorragend mit, weshalb der dts-HD-Master-Mix zu den derzeit ausgewogensten und dynamischsten überhaupt gehört. Die deutsche Fassung ist im Tiefbass zudem schon über die Blu-ray etwas zupackender und voluminöser als die englische Version.

Wenn geschossen wird, geht’s auf der deutschen Tonspur richtig zur Sache

Bad Boys for Life erhält, wie zahlreiche Sony-Veröffentlichungen, für die UHD ein Upgrade auf immersiven 3D-Sound fürs Englische. Da die Disk mit IMAX enhanced ausgestattet ist, bedeutet das in diesem Fall: DTS:X. Wer über eine IMAX-enhance-fähige Kette verfügt, bekommt also auch hier (analog zu Jumanji: Next Level und Zombieland 2) ein spezielles Bass-Management (von dem allerdings keiner so genau weiß, was es macht und wie es funktioniert). Alle anderen bekommen die reguläre Subwoofer-Ausgabe – sollte man meinen. Doch wie schon bei Jumanji: Next Level, so ist auch hier zu hören und zu spüren, dass der Tiefbass der herkömmlichen dts-HD-Spur der Blu-ray definierter, satter und weiter in den Keller reichend ist als über die DTS:X-Fassung, wenn diese NICHT über eine IMAX-enhanced-Kette abgespielt wird.

Selbst wenn man bei der UHD von der US- auf die deutsche Fassung wechselt, merkt man das. Denn der Tiefbass der Synchro spielt mindestens auf dem Niveau (wenn nicht, wie oben erwähnt, noch etwas besser) wie jener der englischen dts-HD-Master-Spur. Tatsächlich kommt hier noch hinzu, dass der Sub über die DTS:X-Fassung polternder und undifferenzierter agiert. Er mischt scheinbar mehr höhere Frequenzanteile hinzu und kappt dafür jene aus dem tiefsten Keller ab. Und es beschränkt sich dieses Mal nicht nur auf den Sub. Auch die generelle Soundkulisse ist leiser und weniger knackig. Die DTS:X-Fassung ist hörbar weniger dynamisch als ihre dts-HD-Master-Pendants. Ärgerlich für Fans des O-Tons, die hier nicht nur lauter machen, sondern dennoch auf Dynamik und Tiefbass verzichten müssen.

Das Finale hält reichlich Action parat. Leider schwächelt die englische DTS:X-Spur auf Nicht-IMAX-enhanced-Ketten

Nach einer gewissen Anhebung der Lautstärke (zirka 3 dB) macht aber auch die DTS:X-Fassung noch einigermaßen Spaß. In puncto Räumlichkeit ohnehin. Und ebenso bezogen auf die Höhen-Aktivität. Mit dem Simpson-Bruckheimer-Blitz vor dem eigentlich Film fängt’s schon mal ganz gut an, was die Atmos-Aktivität angeht. Dazu gesellen sich die Polizeisirenen im Intro, die mal leiser und mal lauter über die Heights kommen und nach 1’35 von einem Helikopter ergänzt werden. Auch in der Szene der Gefängnis-Wäscherei gibt’s räumliche Atmosphäre durch austretende Dämpfe und wenn nach 5’55 die Sirene losgeht, schaut man unweigerlich erst einmal nach oben.

Wenn nach knapp 32 Minuten der Ventilator eine Fehlfunktion hat, ist man geneigt, selbst mal im Sicherungskasten nachzuschauen, so deutlich kommt das Spratzeln der Kurzschluss-Signale. Ebenso deutlich wie die Querschläger während der Schießerei nach knapp 42 Minuten. Hier geht’s dann wirklich mal rabiat zu – inklusive in Zeitlupe fliegender Projektile, die sich anhören wie anrauschende Raketen. Gleich zweimal setzt es feierliche Fanfaren nach etwas über 71 Minuten und fünf Minuten später wuscht das Feuer der Explosion sehr effektvoll über die Köpfe hinweg. In dessen Folge hören wir immer wieder Sounds während der Verfolgungsjagd und wenn der Helikopter nach 80 Minuten auftaucht und daraufhin schwere Geschütze abgefeuert werden, wird es für einige Minuten mal so richtig aktiv auf den Heights. Die Bude abreißen tut dann der Passagier-Jet nach 91’37. Hier ist Obacht mit dem Volumen-Regler gefordert.

  • Deutsch: DTS HD-Master (95%) 2D-Betrachtung
  • Englisch: DTS:X (85%) 2D-Betrachtung
  • Englisch: DTS:X (70%) 3D-Betrachtung (Quantität)
  • Englisch: DTS:X (80%) 3D-Betrachtung (Qualität)

Bonus (70%)

Das Bonusmaterial von Bad Boys for Life kommt zunächst mit knapp acht Minuten an erweiterten und alternativen Szenen. Outtakes & Patzer schließen sich an, bevor es mit dem Making-of „Fahren oder Sterben“ für 14 Minuten darum geht, die Rückkehr der Crew zum Franchise zu beschreiben und sich über die wunderbar-familiäre Stimmung am Set zu freuen. „Es ist verdammt noch mal an der Zeit“ nimmt sich dann knapp sieben Minuten Zeit, um noch mal einen Rückblick auf die vergangenen Filme zu werfen. Weitere kurze Featurettes schließen sich an und beleuchten die Stunts, das Regie-Duo sowie die Bösewichte des Films. Außerdem gibt’s „Easter Eggs“, die sich in der Offenlegung der Referenzen an die ersten beiden Teile ergehen.

Bad Boys for Life  (87%)

Bad Boys for Life hat vermutlich selbst die Macher überrascht. Mit einem Kinoeinspiel, das in Summe mehr ist als beide Vorgänger zusammen erwirtschaftet haben, hätte wohl keiner gerechnet. Der Grund ist allerdings klar: Die Zickereien von Mike und Marcus machen immer noch Spaß und die verstrichene Zeit seit dem letzten Film integriert das Drehbuch mit geschickten Seitenhieben auf verweichlichte neue Polizeiarbeit und machohafte oldschool-Methoden. Bis auf die teils weinerlichen und arg gottesfürchtigen „Anfälle“ von Marcus macht der dritte Teil durchweg Spaß.

Visuell und akustisch trifft das ebenfalls zu. Und die UHD schlägt die BD aufgrund der NOCH dramatischeren Farb- und Kontrastgestaltung. Der deutsche Ton ist spitze, die englische dts:X-Variante mit IMAX enhanced Label ist im Bass allerdings hörbar kastriert, wenn man es über nicht IMAX-enhanced-fähige Ketten abspielt.

Bad Boys for Life (4K Ultra HD) (+ Blu-ray 2D)
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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 28. Mai 2020 Review am: 04. Juni 2020
Erscheinungsjahr Film: 2019 Laufzeit: 124 Minuten
Filmstudio: Sony Pictures FSK: ab 16 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Chinesisch, Deutsch, Englisch, Japanisch
Bildformat:
2.39:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch dts HD-Master 5.1
Englisch DTS:X
High Dynamic Range:
HDR 10 Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D Testgerät Player: Panasonic UB9004

Bad Boys for Life Trailer:

 

Timo Wolters
Timo Wolters
Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

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3 Kommentare

  1. Also der Film ist echt klasse geworden! Von vorn bis hinten… Fand jetzt auch die Gebet Szenen nicht nervig…
    Schöne Rezension von euch!!! Macht weiter so.

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