Flash Gordon auf 4K UHD im Test: Bunt und kontrastreich

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Kult-Klassiker im Test:
Kult-Klassiker im Test: "Flash Gordon" auf 4K Blu-ray

Inhalt (70%)

Flash! Ah-ah. Savior of the Universe! Was Queen da 1980 mit ihrem ersten Soundtrack-Album ablieferten, war eine sehr ungewöhnliche Mischung aus Kompositionen, in denen vor allem der Synthesizer eine große Rolle spielte. Der Titelsong ist eines von zwei Stücken, in dem überhaupt gesungen wird. Aber WAS ist das für Titelsong. Eine Hymne. Und sie ist eigentlich hochwertiger und professioneller produziert als der Film an sich. Denn wenn man EINS über Mike Hodges‘ Flash Gordon sagen kann, dann, dass er schon zu seiner Uraufführung als Trashfilm durchging. Und nur als das. In einer Zeit, in der das Imperium zurückschlug oder Superman zum zweiten Mal die Welt rettete, standen Max von Sydow, Sam J. Jones und Ornela Muti in Pappkulissen rum, die vermutlich sogar eine Folge Star Trek verschmäht hätte. Aber wie das so ist mit Trashfilmen. Oft werden gerade die Dinger, die von Beginn an von jedem verrissen werden, später mal zum Kult. Die Betonung liegt auf „oft“, nicht immer. Jedenfalls ist das bei „Cats“ eher unvorstellbar. Aber zurück zu Flash Gordon.

Seit 1934 kannte man den muskulösen Helden, der in einigen Tageszeitungen als Comicstrip erschien. Alex Raymond hatte die Figur erfunden und dabei so eine Art Gegenentwurf zum 1929 etablierten Buck Rogers abgeliefert. Mike Hodges, der auf seiner Vita damals immerhin zwei britische Krimiklassiker mit Michael Caine stehen hatte (Malta sehen und sterbenJack rechnet ab), war allerdings nur die fünfte! Wahl bei der Besetzung des Regisseurs. Und selbst Hodges hielt sich lange nicht für den richtigen Mann.

Wurde durch „Flash Gordon“ zum Kultbesucher auf Conventions: Sam J. Jones

Erste Wahl vom damaligen Kult-Produzenten Dino de Laurentiis war tatsächlich Federico Fellini. Es kam jedoch nie dazu. Danach trug Laurentiis die Idee noch bei Nicolas Roeg und Sergio Leone vor. Während Roeg bereits ein gutes Jahr Arbeit in den Film gesteckt hatte, dann beim Produzenten aber nicht auf Gegenliebe mit seinen Vorschlägen stieß, verneinte Western-Ikone Leone die Regie, da er das Drehbuch für zu weit weg von der Originalstory hielt. Am Ende ging der Auftrag dann an Mike Hodges. Wenn ihr euch jetzt fragt, wer die Nummer Fünf im Spiel der möglichen Regisseure war … Nun, ein gewisser George Lucas hatte seinerseits mal Interesse an dem Stoff bekundet. Da er aber selbst produzieren wollte und die Rechte von Laurentiis nicht bekam, drehte er (quasi aus Trotz) seinen Star Wars – in dem sich ein ganzer Haufen an Motiven aus Flash Gordon finden lässt.

Hodges realisierte dann das Drehbuch, was zu einem Film führte, der sich nur selten ernst nimmt und über das Genre ein wenig lustig macht. Das war zwar so gar nicht das, was die Vorlage auszeichnete, aber letztlich der Auslöser für den folgenden Kultfaktor. Und der ist erstaunlich. Trotz, bzw. gerade wegen seiner etwas billig wirkenden Optik und dem bisweilen hölzernen Spiel rangiert Flash Gordon bei zahlreichen Regisseuren und Filmemachern ganz weit oben in der Alltime-Favoriten-Liste. Unter SciFi-Fans gilt der Film als „guilty pleasure“ und selbst Hauptdarsteller Sam J. Jones hat sich mittlerweile wieder mit ihm versöhnt. Immerhin hatte er sich mit Laurentiis zerstritten und die Produktion ziemlich abrupt nach Ende der Dreharbeiten verlassen – ein Grund, warum er selbst nicht mehr für die Nachsynchronisation eines Teils des Films zur Verfügung stand. Außerdem war die Nominierung der Goldenen Himbeere sicher auch nicht gerade das, was er sich erhofft hatte. Spätestens seit seinen Gastauftritten in Ted und Ted 2 weiß man aber, dass er zu seinem nicht sonderlich talentierten Auftritt im Film steht und ihn selbstironisch betrachten kann.

Max von Sydow und Ornella Muti in fantastischen Kleidern

Und das durchaus zu Recht. Denn selbst wenn man die Trickeffekte heute wirklich nicht mehr ernsthaft ansehen kann (im Gegensatz zu jenen aus Star Wars), kann man mit dem Film selbst seinen Spaß haben. Natürlich erfordert das eine gewisse Leidenschaft für platte Dialoge, billige Kulissen und krasses Overacting. Aber spätestens, wenn Max von Sydow als Ming der Grausame in einem schier unglaublichen Kostüm auf der Bildfläche erscheint, ist es um kritische Distanz eh geschehen. Man muss das lieben oder hassen. Dazwischen gibt’s nichts. Hier geht’s auch zu keiner Zeit um bedeutungsschwangere Bilder, versteckte Botschaften im Subtext oder philosophisch-existenzielle Fragen. Diese Felder überließ Flash Gordon seinen prominenteren Genre-Kollegen. Nein, Hodges‘ Film ist Unterhaltung pur. Nichts, worüber man nachdenken muss. Einfach etwas, dessen kunterbunte, teils scheinbar einer Lava-Lampe entsprungene Optik man genießt und sie für das, was sie ist, feiert. Angefangen bei den unglaublich fantasievollen Kostümen, den absurd-kruden Kreaturen (Affenmenschen, Falkenmenschen oder Amphibienmenschen) und einer erklecklichen Anzahl an bekannten Schauspielern (unter anderem Ornella Muti und Ex-James Bond Timothy Dalton), die einfach mal aus reiner Spaß an der Freude agieren.

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Bildqualität (85%)

Flash Gordon wurde 1980 natürlich analog und dazu noch im Technicolor-Verfahren aufgenommen. Zum 40. Jubiläum ließ Studiocanal vom Original Negativ in 4K scannen. Im Anschluss wurden Mängel wie Kratzer, Schmutz und Flackern beseitigt und anhand von vorherigen digitalen Referenzen sowie 35-mm-Prints das Color Grading vorgenommen. Ein wenig Trickserei (VFX-Arbeit) wurde dann noch vorgenommen, um die Seile/Fäden zu beseitigen, an denen Raumschiffe und Darsteller durch den Film flogen. Das Ergebnis wurde von Mike Hodges abgesegnet. Man mag kritisieren, dass man sich zu diesem Schritt entschloss, da für viele Fans gerade die sichtbaren Seile/Fäden einen gewissen Charme versprühten. Fakt ist: Flash Gordon ist lange nicht der erste Film, bei dem man sich zu diesen nachträglichen Bearbeitungen entschloss.

Bunt kann die UHD-BD!

In puncto Schärfe, Kontrast und Farbintensität kann schon die ebenfalls auf dem neuen Remaster basierende Blu-ray überzeugen. Die UHD-BD kann’s aber in allen Belangen noch etwas besser. Schwarz ist hier noch mal sichtbar knackiger und die goldenen Applikationen auf den Kostümen strahlen um die Wette. Dazu ist das im Film vorherrschende Rot durchweg satter und die Körnung noch einmal feiner/filmischer. War’s über die neue Blu-ray schon schön bunt, wird’s jetzt noch bunter und noch neonhafter. Dazu ist das All in einigen Szenen derart knackig schwarz, dass man auch über die leichten Bildschwankungen in dunklen Bereichen hinweg sehen kann. Sterne funkeln dennoch hell und kräftig und Feuerfackeln bieten bei gleichzeitig toller Durchzeichnung und ohne jedes Überstrahlen mehr Varianz im Feuerschein. Dolby Vision ist in diesem Fall nicht spektakulär anders, sondern in Summe vielleicht etwas ausgewogener und bilddynamisch noch ein wenig stimmiger. Beide HDR-Varianten überzeugen und liefern gegenüber der bereits guten Blu-ray noch mal eine sichtbare Steigerung.

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Tonqualität (60%)

Der Ton der 2010er Blu-ray lag in 2.0 dts-HD-Master vor und lief trotz variabler Bitrate meist mit etwas unter 1 Mbps. Unabhängig von der Bitrate klang er wirklich schlecht. Wohl auch aus dem Grund, dass es sich bei den 2.0-Spuren um gedoppelte Mono-Spuren handelt, nicht um echtes Stereo. Dazu wirken Dialoge gerade in den Actionszenen spitz und etwas überhöht, während der geniale Queen-Soundtrack sowie der Synthie-Score über die Maßen muffig und dumpf tönt. Dynamik sucht man vergebens und Feinzeichnung ist ihm ein Fremdwort. Ganz anders der O-Ton, der in 5.1 dts-HD-Master vorlag und erstaunlich räumlich wirkte. Stimmen sind klar auf dem Center abgelegt und Soundeffekte werden sehr direktional platziert.

Allerdings tönt das Ganze fast ein bisschen zu offen und ist noch dazu etwas höhenbetont. Vor allem Queens Titelsong klingt ein wenig überspitzt. Die neue Blu-ray wurde akustisch überarbeitet. Zwar liegt auch sie in dts-HD-Master 2.0 vor, doch dieses Mal gibt es Stereoeffekte. So fallen die glühenden Gesteinsbrocken bei 5’42 hörbar wechselnd links und rechts zu Boden. Obendrauf läuft die Scheibe durchschnittlich mit ~1,4-1,5 Mbps, was einer Zunahme um die Hälfte (ausgehend von der 2010er Disk entspricht). Allerdings bleiben leider vor allem die Dialoge weiterhin Mono. Das darf man (im direkten Vergleich vor allem mit der alten Stereo-Fassung der DVD) kritisieren, da man sicher die Möglichkeit gehabt hätte, hier entsprechend komplett auf Stereo zu gehen. Allerdings wird dieser Lapsus vermutlich nur die Wenigsten wirklich stören. Jene, die die DVD-Fassung nicht kannten, bemerken das Problem vermutlich nicht einmal. Wirklich echte Dynamik kann aber auch die neue Abmischung nicht. Allerdings klingt die Synchro homogener, Stimmen sind weniger aufgeregt und der Soundtrack gelingt bisweilen ebenfalls etwas räumlicher.

Der deutsche Ton ist leider nur in den Soundeffekten Stereo, nicht aber in den Dialogen

Der O-Ton kommt erneut in dts-HD-Master mit 5.1 Spuren. Dennoch hat man auch an ihm Hand angelegt. Queens Titelsong wirkt zunächst dünner und ist bei Weitem nicht mehr so offensiv auf die Rearspeaker gelegt. Soundeffekte, die ihm unterlegt sind (bspw. das Blitzgeräusch während der Einblendung von Brian Blesseds Namen) wurden stärker in den Hintergrund gedrängt. Was während des Titelsongs noch etwas verwundert, ist bald Gewöhnungssache. Was die neue Abmischung derweil deutlich besser/intensiver macht, ist die Einbindung des LFE-Kanals. Die herabfallenden Meteoritenbrocken fallen nun nicht mehr nur mit einem undynamischen Platschen, sondern bekommen richtig Tiefbass-Unterstützung. Die Differenz zur alten Fassung der bisherigen Blu-ray ist frappant. Gleiches gilt für praktisch sämtliche Actionszenen wie den Flugzeugabsturz nach 12 Minuten oder die finale Schlacht, die allesamt viel wuchtiger erscheinen. Was also anfänglich noch etwas verwirrend wirkt, ist in Summe am Ende stimmiger und dynamischer.

  • Deutsch: DTS-HD-Master 2.0 (60%)
  • Englisch: DTS-HD-Master 5.1 (75%)

Bonus (100%)

Das Bonusmaterial der 4K UHD-BD liegt zum Teil auf der Filmdisk selbst vor sowie auf einer zusätzlichen Blu-ray. Auf den jeweiligen Filmdisks (BD und UHD-BD) befinden sich zwei Audiokommentare. Jenen von Regisseur Mike Hodges kennt man bereits. Neu hinzugekommen ist jener von Brian Blessed, der den Prinz Vultan spielt und der sich als unglaublicher Wasserfall an Erzählungen und Dramatisierungen entpuppt. „Lost in Space: Nic Roeg’s Flash Gordon“ ist ein komplett neues Feature, das in knapp 30 Minuten noch einmal aufrollt, wie das damals mit George Lucas war, der den Film drehen wollte und warum es auch mit Nicolas Roeg dann nicht klappte. Hinter den Kulissen ist ein älteres 4:3-Feature, das ein paar Interviews mit den Darstellern und Produzent De Laurentiis bereithält.

Auf der zusätzlichen Bonus-Blu-ray findet sich dann das Interview mit Mike Hodges, das schon auf der 2010er BD vorhanden war. Auch die Episode 24 der Zeichentrickserie, die zwischen 1979 und 1982 produziert wurde, ist integriert. „Sam Jones – Der Schauspieler“ ist ein Interview, das man auf einer Convention mit dem Flash-Darsteller geführt hat. Zum 35. Jubiläum treffen sich dann einige Darsteller mit Regisseur Hodges und feiern ihr Wiedersehen. „Das Wiedersehen“ ist etwas ähnliches, allerdings vor Publikum nach einer Kinovorführung des Films. Interview mit Renato Casaro lässt wiederum den Poster-Künstler zu Wort kommen, der für die ikonischen Filmplakate zuständig war. „Brian Blessed“ zeigt noch einmal den Darsteller von Prinz Voltan, der über fünf unterschiedliche Aspekte des Films spricht. „Melody Anderson“ macht das Gleiche in drei Kapiteln mit der Darstellerin der Dale Arden. Der Soundtrack kümmert sich in drei Kapiteln um Queens Soundtrack.Auch Howard Blake, der den ergänzenden Score komponierte, kommt zu Wort. Exklusiv und ausschließlich für die Limited Coll. Ed. Blu-ray vorbehalten ist Lisa Downs Dokumentation „Life After Flash“ von 2017. In Spielfilmlänge von 93 Minuten gibt’s hier den vollen Einblick – inklusive Stimmen von Fans. Es geht (wie der Titel suggeriert) natürlich hauptsächlich um Sam J. Jones und wie er in Interviews, auf Conventions oder zu ähnlichen Anlässen seine Rolle aus heutiger Sicht sieht und präsentiert. Ebenfalls exklusiv in der Limited Coll. Ed. Blu-ray enthalten ist der Soundtrack von Queen auf CD.

Gesamtbewertung Flash Gordon (72%)

Nein, besser sah Flash Gordon noch nie aus. Das 4K-Remaster wurde sauber erstellt, bearbeitet und um ein hervorragendes Color Grading ergänzt. Mit Ausnahme einiger weniger Szenen, in denen Farbrauschen etwas Überhand nimmt, kann man sich über den 4K-Transfer überhaupt nicht beschweren. Sonstige „Mängel“ wie softe Hintergrund-Matte-Paintings oder Randunschärfen sind material-/kamerabedingt und kein Problem der BD/UHD-BD. Wer Flash Gordon also immer mal in seiner ursprünglichen Farbgewalt sehen wollte, bekommt jetzt die Gelegenheit dazu und einen hörbar besseren Sound noch obendrauf.

Flash Gordon - Limited Steelbook Edition (4K Ultra HD + Blu-ray)

Preis: 29,99 €

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 13. August 2020 Review am: 21. September 2019
Erscheinungsjahr Film: 1980 Laufzeit: 111 Minuten
Filmstudio: Studiocanal FSK: ab 12 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat:
2.35:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch DTS HD Master 2.0
Englisch DTS HD Master 5.1
High Dynamic Range:
HDR 10
Dolby Vision
Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D Testgerät Player: Panasonic UB9004

Flash Gordon Trailer:

FLASH GORDON 4K REMASTERED Trailer Deutsch | Ab 13. August als DVD, Blu-ray, UHD & Digital!

 

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