Umweltministerin fordert schlechtere Streaming-Qualität für das Klima

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Eine schlechtere Streaming-Qualität auf mobilen Endgeräten soll beim Klimaschutz helfen
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Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) fordert eine schlechtere Streaming-Qualität auf Smartphones und Tablets um die Umwelt zu schonen. Doch ergibt ihr Vorschlag überhaupt Sinn?


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„Muss eigentlich für jedes Handy die Bildschirmauflösung für Filme so hoch sein?“, so die Frage von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) in BILD. „Wir können das mit dem menschlichen Auge gar nicht wahrnehmen. Kann man das nicht ein wenig runtersetzen? Dann haben wir das gleiche Erlebnis am Handy, aber es wird weniger Strom verbraucht“ so Schulze weiter. Das Weltklima retten, dafür sind wir auch, jedoch müssen die Vorschläge auch Sinn ergeben. Frau Schulze hätte auch verlangen können, dass effektivere Codecs wie dem bereits verfügbaren AV1 oder den noch in der Entwicklung befindlichen VVC (h.267) eingesetzt werden. Jedoch haben die Unternehmen selbst Interesse daran, ihre Datenraten so niedrig wie möglich zu halten und sobald sich die entsprechenden Codecs etabliert haben, werden diese auch zum Einsatz kommen.

Google & Co. stehen auf Öko

Fest steht, Unternehmen wie Netflix, Google (Youtube) oder Amazon (Prime Video) setzten bereits seit Jahren auf erneuerbare Energien. Nicht, weil das so gut bei den Kunden ankommt, sondern weil es auf lange Sicht günstiger ist. Dabei produzieren die Tech-Giganten einen Großteil ihrer erneuerbaren Energie selbst, z.B. durch große Solaranlagen auf den Bürogebäuden und Datencenter oder durch große Parks mit hunderten von Windrädern.

Netflix soll für bis zu 15% des weltweiten Internettraffics verantwortlich sein
Netflix soll für bis zu 15% des weltweiten Internet-Traffics verantwortlich sein

Ist Netflix schädlich fürs Klima?

Netflix ist für rund 15% des weltweiten Internettraffics verantwortlich. Sehen wir uns deshalb einmal den Streaming-Service einmal genauer an. Netflix hat in seinem letztjährigen ökologischen Bericht angegeben, den eigenen Stromverbrauch zu 100% durch erneuerbare Energie abzudecken. Jedoch ist das nur die halbe Wahrheit. Der größte Anteil der verbrauchten Energie fällt nämlich bei externen Dienstleistern wie der AWS Cloud (Amazon Web Services) oder der Google Cloud an. Im Vergleich, Netflix hat „intern“ rund 94.000 MWh Strom verbraucht, extern jedoch ganze 357.000 MWh. Auf die letzte Zahl entfallen zum größten Teil die Infra- und Serverstrukturen für das Streaming.

Google Top – Amazon Flopp

Die Google Cloud (Youtube) deckt seinen Energieverbrauch laut Angaben des Unternehmens mit 100% erneuerbarer Energie ab. Dabei setzt Google vor allem auf Windenergie und hat dazu riesige Windparks erstellt. Selbst Greenpeace hat dem Unternehmen dafür in ihrem Bericht (Januar 2017) eine A-Bewertung gegeben. Somit ist auch ein Teil des Netflix-Traffics mit einer guten Ökobilanz zu bewerten. Anders sieht es dagegen bei den AWS aus. Das Unternehmen verfolgt angeblich das Ziel, bis zu 100% seines Energieverbrauchs durch erneuerbare Quellen abzudecken. 2018 lag der Wert jedoch erst bei 50 Prozent. AWS macht jedoch keine genaue Angabe darüber, wie viele MWh das Unternehmen in 2018/2019 verbraucht hat. Es werden lediglich neue Projekte (Wind- und Solarstrom) angeteasert, die die weltweite Gewinnung von erneuerbarer Energie auf rund 2.900.000 MWh ansteigen. An diesem Verbrauch sind jedoch nicht nur Streamingdienste, sondern auch CMS-Systeme für Unternehmen, Webseiten usw. beteiligt. Auf jeden Fall besteht hier noch Nachholbedarf.

Fazit

Es ist etwas schwer den Vorschlag von Fr. Schulze zu bewerten. Wir denken nicht, dass eine Reduzierung der Streaming-Qualität in Deutschland die „Welt“ retten kann. Dafür ist das Thema Streaming und Digitalisierung zu weit fortgeschritten. Eine Antwort oder Alternative, wie sich Datenmengen effektiv senken lassen, haben wir zu diesem Zeitpunk jedoch auch nicht. Lediglich die Integration neuerer Codecs könnte die Bandbreite zum Teil deutlich reduzieren (bis zu 50% gegenüber HEVC – h.265).

13 KOMMENTARE

  1. Was soll man dazu sagen,unsere Politiker leben in einer anderen Realität und geben Ratschläge über Themen ab von denen Sie so gut wie keine Ahnung haben ,Das ist halt so wenn das Parteibuch bestimmt wer den Posten bekommt,das hatten wir schon mal,das Konstrukt hieß DER und ist von Volk zum Teufel gejagt worden,ich weiß es bin Jahrgang 59.

  2. Digitale Videoscheiben?! Blu Ray usw..? Die kosten natürlich Energie und Ressourcen, bei der Herstellung…und dann der Müll in 20 Jahren…

    • Das Streaming verbraucht durch die Entfernungen sehr viel mehr Energie als das Abspielen von Digitalscheiben und diese brauchen nur einmal pro Besitzer hergestellt zu werden. Da Digitalscheiben beim Abspielen weder mechanischen noch magnetischen Schaden nehmen, können zumindest die gepressten Versionen (also fast alle legalen) praktisch beliebig oft abgespielt und deutlich mehr als 20 Jahre alt werden, wenn man halbwegs vernünftig damit umgeht.

      • Das stimmt nicht ganz,wollte neulich meinen ersten Iron Man auf Blu-ray anschauen da sagt der UHD Player nicht lesbar, also soviel zum Thema ewig abspielbar.Übrigens die Scheibe hat keine sichtbaren Schäden.

  3. Ich fordere schlechtere Bezahlung für unsere Politiker. Das würde dann direkt einen richtig dicken Batzen für den Klimaschuttz ergeben

    • Glaube ich kaum. Dann würden die nur noch korrupter und täten gar nichts mehr für den Umweltschutz. 🙁
      Gegen Politiker hilft nur abwählen.

  4. Ja ne, ist klar. Erst führen wir dir 5G Mikrowellendauerbestrahlung ein damit jeder auch garantiert einen Gehirntumor gratis bekommt und dann reduzieren wir die Datenraten um den Planeten zu retten. Macht total Sinn!

  5. Warum subventioniert das Umweltministerium nicht einfach digitale Videoscheiben? Die verbrauchen weniger Strom als Streaming.

  6. Herr lass es Hirn Regnen für die ganz Dummen. Im Umweltministerium. Das was die nimmt will ich auch. Mein Gott wer regiert diese Land. Die Geistig umnachteten.

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