HARD POWDER 4K Blu-ray im Test: Harter Kerl – mäßiger Film

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Weit entfernt von Weichschnee: HARD POWDER auf 4K Blu-ray teilt mächtig aus
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2014 brachte der norwegische Regisseur Hans Petter Moland mit der schwarzen Komödie „Einer nach dem anderen“ einen ziemlich bösen Rache-Actioner ins Kino gebracht, dem schnell ein kleines Kult-Label anhaftete. Wie es so oft geschieht, wird auch Amerika auf solche Filme aufmerksam und denkt darüber nach, sie für das eigene Publikum neu aufzubereiten. Dies durfte nun Moland selbst mit einem etwas größeren Budget und geballter Starpower gleich selbst tun.

Leider wurde der Start des Films von einer als rassistisch gebrandmarkten Äußerung Neesons überschattet, die er während eines Interviews mit der britischen Independent tätigte. Außerdem gab es Ressentiments der Kinogänger gegenüber der von Neeson dargestellten Rolle, die viele als abgeklatscht empfanden. Immerhin hatte der Darsteller durch seine 96-Hours-Filme immer wieder in ähnlich gelagerten Filmen agiert. Doch wer Hard Powder dann doch eine Chance gibt, der wird bald merken, dass hier zwei Dinge komplett anders sind:

Nels nimmt seine Feinde ins Visier

Zum einen ist die Story durchzogen von schwarzem Humor, der vor allem durch sarkastische Sprüche und eben solche Tötungen zum Tragen kommt. Der Tenor ist komplett anders als in den drei Taken-Filmen. Das machen schon Szenen deutlich wie jene in der Leichenhalle, während des Hochpumpens der Liege – typisch trockener skandinavischer Humor.

Zum anderen ist die Geschichte hier komplexer angelegt. Denn es bleibt nicht bei der simplen Rache, die durch das auslösende Ereignis ihren (moralisch scheinbar gerechtfertigten) Gang nimmt und bis zum Ende nicht hinterfragt wird. In Hard Powder hat der Vergeltungs-Feldzug des Nels Coxman Konsequenzen. Und die verschweigt der Film bei allen schwarzhumorigen Einlagen nicht. Coxman, der seine Emotionen nach dem Verlust des Sohnes nicht ausdrücken kann, sucht sein Heil darin, den Verantwortlichen zur Strecke zu bringen – eine komplett andere Reaktion als jene seiner Frau. Und eine, die nicht nur seine eigene Familie (oder was davon übrig ist) zerstören und beeinflussen wird.

Ohnehin ist es erstaunlich, dass man hier vor allem auch die innerfamiliären Dynamiken des Bösewichts beleuchtet. Das Geschehen ist viel öfter bei Viking und dessen Erziehungsproblemen mit dem eigenen Filius als bei Nels und seiner Frau Grace. Weil Tom Bateman den Trevor schön fies gibt und dessen Verzweiflung ob Sorgerechts- und Ernährungsfragen für Lacher sorgt, ist das aber kein Schaden – im Gegenteil.

Viking liest seinem Sohn die Leviten

Obendrauf agiert Domenick Lombardozzi als Vikings rechte Hand „Mustang“ fernab von sonstigen Klischees entsprechender zweiter Männer in der Reihe der Schergen. Und Emmy Rossum (Shameless) gibt eine herrlich prinzipientreue Polizistin ab, die sich gerne mal mit dem erfahrenen und SEHR liberalen Kollegen „Gip“ rauft. Darstellerisch ist also schon mal alles im Lot und der Sarkasmus sitzt an den meisten Stellen pointiert. Außerdem ist das Setting klasse. Gedreht in den kanadischen Rockies kann man sich an den idyllischen Landschaften verschneiter Berge kaum satt sehen. Auch die Schneisen, die Coxman mit dem Schneepflug in die Landschaft schlägt, sind beeindruckend.

Was Hard Powder am Ende etwas fehlt, ist Tempo. Ab und an wirkt der Film etwas redselig und lässt das Pacing vermissen. Bis die unglücklichen Verquickungen zum Chaos führen und das Tempo etwas forciert wird, vergeht relativ viel Zeit. Zeit, die „nur“ mit den drei ersten Rache-Akten von Nels gefüllt wird. Die fallen zwar durchaus originell aus und scheuen auch nicht vor deutlichem Einsatz von Blut zurück, doch insgesamt hätte gerade die erste Stunde etwas mehr Straffung vertragen.

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Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

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