Once Upon a Time in Hollywood auf 4K Blu-ray im Test: Oldschool-Film mit oldschool-Bild

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Tarantinos vorletzter Film
Tarantinos vorletzter Film "Once Upon A Time In Hollywood" auf 4K Blu-ray im Test © Bild: Sony Pictures Home Entertainment – Alle Rechte vorbehalten!
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Da ist er nun, der neunte und möglicherweise vorletzte Kinoflm von Quentin Tarantino. Wobei die Gerüchteküche immer wieder neue Vermutungen zutage fördert, nach denen der Kultregisseur möglicherweise jetzt schon Schluss machen könnte. Ob es nun bei neun Filmen bleibt oder er doch noch einen dritten Kill Bill hinterher schiebt oder einen R-Rated Star Trek oder einen Horrorfilm …? Die Zeit wird es zeigen.

Once Upon a Time in Hollywood ist das vermutlich wildeste Potpourri aus fiktiven und real existierenden Figuren, das die Filmindustrie je gesehen hat. Der Regisseur zelebriert wie nie zuvor seine Liebe an das Kino und die Popkultur im Generellen. Dieses Mal knöpft er sich dabei die Zeit der Geburt des New Hollywood vor. Jene Filmgeneration, die die „Goldene Ära“ ablöste und durch Filme wie Bonnie & Clyde oder vor allem Easy Rider geprägt war. Vor dem Hintergrund des Protests der Hippies gegen das Establishment, das mit Verspätung von der Filmindustrie reflektiert wurde, gestaltet Tarantino aber keinen launigen Abgesang auf das klassische Kino Hollywoods. Vielmehr betreibt er kulturellen Revisionismus.

Der Darsteller und sein Stuntman sind ein eingespieltes Team © Bilder: Sony Pictures Home Entertainment – Alle Rechte vorbehalten!

Und dafür nutzt er geschickt zwei unterschiedliche Erzählstränge. Zum einen ist da jener der Hauptfigur Rick Dalton. Der alternde Darsteller von Western aus der guten alten Zeit fürchtet, den sich ankündigenden Wandel in Hollywood nicht mitgestalten zu können. Andere Filme hätten aus ihm eine tragische Figur gemacht und gezeigt, wie er daran scheitert, in dem neuen, düsteren Hollywood Fuß zu fassen. Tarantino aber fügt Once Upon a Time in Hollywood eine märchenhafte zweite Ebene hinzu (man beachte alleine den Filmtitel). Parallel zu Daltons Story fokussiert er auch die Geschichte von Sharon Tate. Deren Schicksal ist wiederum untrennbar verbunden mit Charles Manson und dessen Anhängern. Was in der Realität auch heute noch als Wendepunkt der Geschichte Hollywoods zu einer schmutzigeren und ernsteren Filmkultur bezeichnet wird -- nämlich die Morde der Manson-Familie -- kehrt Tarantino durch seine Abwandlung um. Für ihn (und für Dalton) geht die Sache ganz anders aus -- und das hat dem Regisseur durchaus die Kritik eingebracht, er schädige das Andenken der damaligen Opfer oder sei anmaßend.

Once Upon a Time in Hollywood markiert die erste Zusammenarbeit zwischen Tarantino und Pacino © Bilder: Sony Pictures Home Entertainment – Alle Rechte vorbehalten!

Innerhalb seines Filmmärchens funktioniert der Entwurf aber blendend. Nicht nur, dass die Morde seinerzeit den Wandel in Hollywood beeinflussten, gaben die in einer Art Hippie-Kommune lebenden Manson-Anhänger Hollywood indirekt die Schuld an ihren Aktionen. Once Upon a Time in Hollywood ist natürlich auch ein Film über Eitelkeiten -- verletzte und bestätigte. Während man dem zunehmend stotternden Dalton zusieht, wie er nach und nach im Selbstmitleid zu versinken droht, weil ihn vermeintlich keiner mehr sehen will, begleiten wir Tate in eine Kinovorstellung ihres eigenen Films. Während sie „unverschämterweise“ die Dame am Ticketschalter erst davon überzeugen muss, dass sie einer der Stars ist, die in diesem Film mitspielen, wird ihr Blick während der Vorführung zufriedener, je mehr das Publikum von ihrer Darstellung überzeugt ist. Ja, das Schauspielleben ist geprägt von der Sucht nach Anerkennung und Liebe. Und Tarantino wagt es, das Ganze in sonnendurchflutetes Licht zu tauchen und humorvoll zu betrachten.

Cliff hat eine undurchsichtige Vergangenheit © Bilder: Sony Pictures Home Entertainment – Alle Rechte vorbehalten!

Gleichzeitig bietet sein jüngster Film alles, was man von ihm erwartet und noch ein bisschen mehr. Das Set- und Produktionsdesign ist schlicht sensationell und erforderte langwierige Planung und Absprachen mit den entsprechenden Verantwortlichen oder Geschäftsbesitzern. Da Once Upon a Time in Hollywood extrem häufig Außenszenen nutzt, musste hier alles stimmen -- von den Ladenschildern über die Werbeanzeigen, Leuchtreklamen bis hin zu den Fahrzeugen, der Kleidung und den Interieur der Geschäfte. Selbstredend hat der Regisseur auch wieder die perfekt passende Musik zu alldem gefunden und die bekannten Namen auf der Darstellerliste würden ausreichen, um fünf andere, prominent besetzte Filme zu realisieren.

Dennoch ragen Brad Pitt und Leonardo DiCaprio sowie Margot Robbie als Sharon Tate heraus. Alle Drei gehen in ihren Rollen und Charakteren komplett auf. Es fällt schwer, bei so viel stimmigem Hintergrund auch die negativen Aspekte anzuführen. Natürlich ist Once Upon a Time in Hollywood aber nicht frei von Kritik. So kann man ihm eine gewisse Zähigkeit vorwerfen. Auch das Selbstreferenzielle wirkt ab und an etwas bemüht und übertrieben. So als wolle Tarantino seine an Eigenverweisen schon nicht armen Vorgängerfilme unbedingt noch einmal toppen. Bruce-Lee-Fans werden außerdem die kurze Episode zwischen Cliff und Kato etwas despektierlich finden. Tatsächlich übertreibt es Tarantino hier aber selbst für objektive Betrachter und macht aus Lee eine Art Karikatur um des Witzes Willen.

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1 KOMMENTAR

  1. Typisch Tarantino oder Christopher Nolan Abneigung gegen 3D immersive Audio wie mich das ankotzt seltsam der Film lief im Dolby Atmos wahlweise in Deutsch oder Englisch in unserem Dolby Cinema Kino gesichtet hier in München!

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