Reform des Rundfunkbeitrags: Der wahre Knackpunkt sind die Inhalte

6
Rundfunkbeitrag
Rundfunkbeitrag: Einfach für alle (?)

Der Rundfunkbeitrag ist für viele Deutsche ein omnipräsentes Ärgernis. So ist der Unmut in der Bevölkerung gewachsen, seit die Umgestaltung zu einer Haushaltsabgabe erfolgt ist. Nun gibt es zur Reformierung des Modells einen neuen Vorschlag von insgesamt sechs Bundesländern. Allerdings wäre es womöglich sinnvoll, weniger die Kosten, als vielmehr einmal die Inhalte ins Zentrum zu rücken.


Anzeige

Wir hatten ja bereits darüber berichtet, dass aktuell auch das Bundesverfassungsgericht den Rundfunkbeitrag argwöhnisch beäugt. Nun haben die deutschen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hamburg, Thüringen und Sachsen Ideen für Reformen des Modells von ARD und ZDF vorgetragen. Ob die Öffentlich-Rechtlichen von den Vorschlägen begeistert sein dürften, ist zu bezweifeln.

So soll das neue Gesamtkonzept für ARD, ZDF und Deutschlandradio nicht nur den Rundfunkanstalten mehr Verantwortung zusprechen, sondern auch die Inhalte endlich stärker auf den Prüfstand stellen. Denn nicht nur die freien Privatsender, auch viele Bürger monieren, dass die öffentlich-rechtlichen Sender hohe Summen für eine Unterhaltungsprogramme ausgeben, welche problemlos auch von den wirtschaftsorientierten Privatsendern finanziert werden könnten. Zumal die Qualität des Unterhaltungsangebots von ARD und ZDF oft stark zu hinterfragen ist.

Eine andere, geplante Änderung dürfte für Kontroversen sorgen: Der Rundfunkbeitrag solle nicht alle vier Jahre in der Höhe neu debattiert, sondern indexiert werden. Das würde bedeuten, er wäre an die Inflationsrate gekoppelt. Als Ausgangsbasis würde man 17,20 Euro pro Monat hernehmen wollen. 2021 würde dann voraussichtlich eine Anhebung auf 17,86 Euro anstehen. Da vielen Deutschen der Beitrag schon jetzt zu hoch erscheint, dürfte jener Vorschlag für Spannungen sorgen.

Sollte sich die oben genannte Idee durchsetzen, müsste sich auch die Rolle der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) wandeln. Jene ermittelt aktuell den Finanzbedarf der Sender und macht Vorschläge zur Höhe des Rundfunkbeitrags. Die KEF könnte dann stattdessen überprüfen, ob ARD, ZDF und Co. wirtschaftlich mit den Beitragsgeldern haushalten. Denn auch daran bestehen oft Zweifel seitens unterschiedlicher Lager.

Zur Debatte steht auch ein Fokus auf die inhaltlichen Bereiche Information, Kultur und Bildung. Die Unterhaltung solle stärker in den Hintergrund rücken, weil jener Bereich ohnehin durch private Anbieter mehr als ausgefüllt sei. Denn neben den Privatsendern wären da ja auch noch Streaming-Anbieter wie Amazon Prime Video oder Netflix. Einen Mangel an Entertainment dürfte also kaum ein Deutscher beklagen.

Inhaltlich umstrukturieren statt immer nur Sparen?

Spartenprogramme wie ZDFneo, One, Kika, Tagesschau24, Phoenix oder ZDFinfo sollte man laut den sechs Bundesländern eventuell streichen oder zumindest zusammenlegen. Ob diese vorgeschlagenen Reformen aber umgesetzt werden, diskutieren die Verantwortlichen erst einmal vorab am 13. Juni bei der nächsten Sitzung der Rundfunkkommission. Viele Deutsche befürworten sogar eine Abschaffung des aktuellen Rundfunkmodells, das gerade aus Sicht jüngerer Generationen als obsolet gilt.

So übt man auch oft Kritik daran, dass weder die eigentlich festgehaltene wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender in der Praxis noch gegeben sei. Was sich leider auch in den Inhalten widerspiegele. Die alternativen Modelle sind vielfältig und beschreiben von einer kompletten Abschaffen bis zu einer starken Eindampfung der Strukturen vielerlei Szenarien. Aufgrund der enormen Verstrickungen, sind allzu drastische Veränderungen in den nächsten Jahren aber nicht zu erwarten.

Reform des Rundfunkbeitrags: Der wahre Knackpunkt sind die Inhalte
3 (60%) 1 Bewertung[en]
QUELLEDigital Fernsehen
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

6 KOMMENTARE

  1. Sehr sehr viele Leute weit unter 60 schauen öffentlich rechtliche und selbst für die die es nicht selber schauen ist es sehr relevant in einer Gesellschaft zu leben, wo es (weitgehend) unabhängige Medien gibt!
    Und das Medium Fernsehen, das jüngere angeblich nicht mehr gucken, ist auch kein Argument. Kann man alles längst auf dem Tablet schauen. Wichtig sind die Redaktionen und Verlage, die Übertragungsmedien verschmelzen schon lange.
    Das versorgen der Bevölkerung mit Informationen darf niemals komplett dem freien Markt unterworfen sein, wer bei uns damit Geld verdienen will muss eben Konkurrenz durch den ÖR akzeptieren oder sich was anderes suchen um reich zu werden! Ich möchte keine Verhältnisse wie in Italien oder USA! Und auch jemanden der Inhalte über/für wirtschaftlich weniger interessante Gruppen bietet wollen wir hier haben, das ist ein Teil unserer sozialen Gesellschaft! Über Unterhaltung in großem maße kann man ja gerne streiten. Interessanter Weise gehen die großen Sparvorschläge aber Richtung Tagesschau24, Phönix etc.
    Total falsch!
    Über ÖR reden und verbessern gerne, sparen auch. Kaputtsparen, bashen oder abschaffen, nein Danke!!!!!!!

  2. Meine Güte, der blöde rundfunkbeitrag soll umgewandelt werden in die Steuern – Harz4 empfänger müssen den doch eh nicht entrichten also was soll der quatsch zumal die Sender eh nicht Parteilos sind, in den Gremien sitzen leute von CDU, SPD und so weiter ist ebenso bei den Zeitungsverlagen.
    ein Verlag hat zich zeitungen und jede manipuliert bzw berichtet so, wie sie gelesen werden möchte. Sprich, jeder hat so seine Zielgruppe
    Die Bild zum Beispiel will einfach nur gelesen werden und nimmt auf nichts rücksicht. Jeder kennt sie und der großteil kann das Drecksblatt nicht ausstehen und trotzdem machen se mit jeder bemerkung wie Sche… das Blatt ist werbung dafür.
    Zurück zu dem was ich sagen wollte, der Staat kann durch eine rundfunksteuer die Öffentlich Rechtlichen prima konstant finanzieren und die Sender hätten immer den Betrag der festgelegt wurde und können sich sparen nichtzahler mit abmahnanwälten zu nerven die zusätzlich Gelder kosten, welche dann eingespart werden.

  3. „Zumal die Qualität des Unterhaltungsangebots von ARD und ZDF oft stark zu hinterfragen ist.“

    Leute, das ist kein sauberer Journalismus! Genau so kann man das bei den Privaten hinterfragen. Dieser Artikel ist derart subjektiv und geht in eine so klare Richtung, dass er besser als Kommentar gekennzeichnet werden würde.

    Im übrigen finde ich es gut, dass Ihr auch über den Tellerrand guckt, aber das ÖR-Gebashe nimmt langsam Überhand. Schön für Euch, wenn Ihr damit ein paar Klicks zusammenkratzt, aber wo hier die Verbindung zum Thema „4k“ liegen soll ist mehr als fraglich. Konzentriert Euch doch lieber auf Eure Stärken.

    • Bei den Privatsendern ist es aber so, dass die sich selbst finanzieren und tragen. Das sind Wirtschaftsunternehmen. Bei ARD, ZDF und Co. wiederum ist die Qualitätsdebatte angemessen, weil jeder Haushalt sie finanzieren muss – unabhängig davon, ob man das möchte oder mit dem Programm einverstanden ist. RTL, Pro7, Sat.1 und Co. muss man wiederum nicht finanziell fördern. Da gibt es also durchaus einen entscheidenden Unterschied.

      Es ist aber schon richtig zu hinterfragen, ob die allabendlichen Seifenopern und Herz-Schmerz-Serien von ARD und ZDF qualitativ nun so bedeutsam sind, dass sie vom Rundfunkbeitrag bezahlt werden müssen. Diese Frage kann man auch auf manchen Krimi oder so manches Melodram im Abendprogramm ausdehnen. Das können auch die Privatsender alles übernehmen – und tun es bereits.

      Ich persönlich sehe da auch ein Relevanzproblem: Es ist ja bekannt, dass der Altersschnitt bei den Zuschauern der öffentlich-rechtlichen Sender über 60 liegt. Das heißt inhaltlich ist das Programm der Sender für etwa Jugendliche völlig bedeutungslos. Das eröffnet eben auch die Frage, ob das gesamte Modell noch zeitgemäß ist. Ich persönlich fände ein extrem entschlacktes, nicht-lineares Angebot über Mediatheken, das sich einzig und allein auf Bildung, Kultur und Information beschränkt passend. Also Unterhaltung komplett streichen, lineares Fernsehen komplett streichen, dafür z. B. gezielt Dokumentationen und investigativen Journalismus fördern und bezuschussen, die sich Privatsender nicht leisten können / wollen. (Das ist meine völlig subjektive Meinung.)

  4. Die Anstrengungen ARD ZDF am leben zu halten und natürlich die Politiknahe Propagada denn Staatsfernsehen ist der ÖRR auf keinemfall , sind offensichtlich. In den oben genannten Modell würde nicht der Zwangsbeitrag reduziert, ganz im Gegenteil, viel weniger Menschen würden viel mehr Geld vom Zwangsbeitrag abkassieren bei viel weniger Leistung wenn man überhaupt von Leistung sprechen kann. Komplett plattmachen und den Bürger fragen was er sich wünscht, jeder der es haben wii soll bezahlen. Gdnau wie beim Internetvertrag, alles andere ist Mafiöse Diktatur mit Staatsunterstützung.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here