Ad Astra auf 4K Blu-ray im Test: Nimmt uns Brad Pitt auf eine spannende Reise ins All?

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Test Ad Astra 4K Blu-ray
Im Test: Das Science-Fiction-Abenteuer Ad Astra auf 4K Blu-ray
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Ad Astra ist der Terrence Malick unter den SciFi-Filmen. Wenn man sich diesen Satz kurz auf der Zunge zergehen lässt, ist bereits klar, dass man hier keineswegs einen Science-Fiction-Actioner erwarten sollte. Nach zahlreichen Genrefilmen, die in den letzten Jahren eine gewisse Renaissance im klassischen SciFi-Genre ausgelöst haben (Gravity, Passengers, Life oder auch Arrival), hatte die Bekanntgabe, dass Brad Pitt in einem Weltall-Film mitspielen würde, für hohe Erwartungen gesorgt – und viele Zuschauer letztlich enttäuscht. Denn Ad Astra ist einfach überhaupt nicht das, was man zunächst vielleicht annimmt oder sich gewünscht hatte. Mit vielen Elementen, die man ansonsten eben von den Filmen Malicks kennt (wie beispielsweise die selbstreflexiven Monologe, die fließenden Bilder oder die gedehnt gesprochenen Dialoge), verfolgt Regisseur James Gray seinen bisher eingeschlagenen Weg. Und der ist weit mehr Independent und Arthaus als Blockbuster-Mainstream. Weiß man um diese Tatsache, lässt man entweder die Finger von Ad Astra oder wendet sich ihm umso aufgeschlossener zu.

Ohnehin ist relativ schnell klar, dass SciFi hier nur die Oberfläche bietet für eine Geschichte, die ganz offen von Jospeh Konrads Heart of Darkness inspiriert ist – also eher ein Apocalypse Now im Weltraum. Die Figur des Roy ist unverkennbar dem Willard nachempfunden, während Vater Clifford möglicherweise in Colonel Kurtz seine Entsprechung findet. Beinahe meditativ geraten die Selbstreflexionen, an denen Roy den Zuschauer auf seinem Weg durchs All immer wieder teilhaben lässt. Dieser Ingenieur, der zum Astronauten wird, begeht nicht nur eine Reise zum Mond, zum Mars und final zum Neptun, sondern vor allem eine ins eigene Ich. Während dieser ganzen verstreichenden Zeit hat er die Möglichkeit nachzuforschen, wo seine Gefühle hin sind und was das Verschwinden des Vaters mit ihm angestellt hat.

Roy ist einer der besten und kontrolliertesten Angestellten bei SpaceCom

Schon zu Beginn gibt es eine Szene, die bezeichnend ist: Roy referiert in Vorbereitung auf die Reise zu den Sternen seine pragmatische und betont ruhige Gefühlslage. Er würde nur pragmatische Entscheidungen treffen und sich nicht von unwichtigen Dingen ablenken lassen. Beim Wort „unwichtig“ verlässt seine Frau gerade (scheinbar für immer) das gemeinsame Heim, während Roy kühl und gelassen hinterher schaut. Wirklich emotional scheint er schon lange nicht mehr gewesen zu sein. Er selbst sagt, dass sein Äußeres Ich, sein Verhalten nur eine Fassade ist – eine Show für die Anderen; seine Frau wirt ihm vor, selbstzerstörerisch zu sein.

Im Laufe der folgenden zwei Stunden begleiten wir Roy auf diesem Weg in seine Gefühlswelt, was bereits eine Herausforderung ist. Unabhängig davon, dass Brad Pitt eine herausragende, sehr erwachsene Leistung bietet, die durchaus oscarwürdig ist, findet man nur sehr schwer in diesen Kerl hinein, der sich hinter einer Mauer aus Rationalität versteckt. Nach und nach pellt Ad Astra dann aber eine Schicht nach der anderen von diesem emotionslosen Block herunter. Wir erfahren, dass Roy eine tiefe Wut empfindet und dass er nicht so sein möchte wie sein Vater. Immer mehr gibt der Film von seiner Hauptfigur preis und Pitt macht das wirklich hervorragend. Leider trägt das aber nicht dauerhaft über die zwei Stunden. Oftmals entstehen doch zähe Phasen – vor allem ab der Ankunft auf dem Mars. Hier scheint das Drehbuch nicht so recht weiter gewusst zu haben und es beginnt, sich im Kreis zu drehen. Und dabei haben wir noch nicht einmal von den Logikproblemen gesprochen: Muss Roy wirklich zum Mars, um von dort eine Botschaft zu senden? Hätte man das Ganze nicht auf der Erde aufnehmen, zum Mars schicken und von dort weiterleiten können? In den etwas zähen Momenten auf dem Mars hat man „leider“ genug Zeit, um seine Gedanken in eine solche Richtung zu lenken.

Eine Reise zu seinem Vater, eine Reise ins Ich

Außerdem fallen bei der Konzentration auf die Person des Roy gesellschaftskritische Aspekte wie der Kampf um Ressourcen oder das „Weltenfresser“-Syndrom, das er anspricht (und damit meint, dass die Menschen auf dem Mond einfach so weiter machen wie auf der Erde), komplett hinten rüber – einmal kurz erwähnt und wieder vergessen. Da passt es, dass die Episode mit den Weltraumpiraten und die (zugegebenermaßen spektakuläre) Verfolgungsjagd auf dem Erdtrabanten wie ein Fremdkörper in der Geschichte wirkt. Auch die für die Story vollkommen irrelevante Episode auf der norwegischen Forschungsstation (und damit der Zwischenfall mit den Primaten) wirkt wie ein Zugeständnis an den Mainstream-Gucker. Während diese beiden Szenen zwar wirklich spannend geraten sind, passen sie einfach nicht zum Rest und bewirken eine Unentschlossenheit.

Sie offenbaren gleichzeitig, wie dünn die Story eigentlich ist. Dennoch: Als meditatives SciFi-Drama hat Ad Astra seinen Reiz und kann vor allem aus optischer Sicht vollkommen überzeugen – und zwar auch (und vor allem) bei der Verfolgungsjagd der Mond-Rover. Gedreht in den Dumont Dunes in der Mojave-Wüste, nutzte man eine Kombination aus 35mm-Kamera mit regulärem Film und einer parallel montierten Digitalkamera, die nur das Infrarot-Spektrum aufnahm. Beide Kameras zeichneten den gleichen Ausschnitt auf und die Ergebnisse wurden in der Postproduktion übereinander gelegt. Das Resultat sind Bilder, auf denen der Himmel extrem dunkel ist, während Objekte kontraststark erscheinen – die Illusion im Film ist perfekt. Optik, Intimität und Schauspiel – das sind die Stärken von Ad Astra, den man sicherlich lieben oder hassen wird. Dazwischen ist nicht viel Spielraum.

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