Joker auf 4K Blu-ray im Test: Das erhoffte Meisterwerk?

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Joker auf 4K Blu-ray im Test
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Nur wenige Figuren aus dem DC-Comicuniversum bieten eine so dankbare Grundlage für eine Filmfigur wie der Joker. Neben ihm verblasste schon ein (wahrlich nicht schlechter) Christian Bale als Batman. Die Faszination, die von diesem clownsgesichtigen Charakter ausgeht, hat schon Jack Nicholson und Heath Ledger zu absoluten Höchstleistungen getrieben und beim Publikum für frenetischen Jubel gesorgt. Umso gespannter durfte man sein, nachdem sich heraus kristallisierte, dass es eine neue Verfilmung geben würde, die sich ausschließlich um die Figur des zukünftigen Batman-Nemesis dreht.

Als Regisseur Todd Phillips für sein Projekt grünes Licht bei Warner bekam, stand führ ihn fest, dass es nur einen Hauptdarsteller geben konnte: Joaquin Phoenix. Und wer Phoenix‘ Filme kennt; wer weiß, dass er sich gerne die außergewöhnlichen Rollen mit den kaputten, angeschlagenen, von Dämonen verfolgten Typen spielt, der ahnt, dass Joker alles andere als eine übliche Comicverfilmung ist. Zweifelsfrei ist es die uncomichafteste aller Comic-Verfilmungen.

Arthur Fleck leidet unter unkontrollierten Lachanfällen

Und sie dreht sich um Phoenix. Der Schauspieler ist zentraler Mittelpunkt des Films. Seine Performance IST der Film. Es ist absolut nicht weit hergeholt, wenn man Phoenix‘ Interpretation der Rolle des Arthur Fleck als den Travis Bickle der Comic-Figuren bezeichnet und Joker damit als den Taxi Driver unter den DC-Filmen. Sogar für die legendäre „Redest-du-mit-mir“-Szene gibt es hier eine Entsprechung. Man sollte um den Fakt wissen, dass der eigentliche Joker, wie wir ihn kennen, lediglich die letzten 20-25 Minuten des Films ausmacht. Zuvor sehen wir zu, wie dieser Arthur Fleck zu dem wurde, was wir als Clownsgegner von Batman kennen. Wir bekommen Einblicke in das Leben eines Verlierers, der stetig am Rande eines Nervenzusammenbruchs ist. Eines Mannes, der die Schwelle zur Psychose eigentlich schon lange überschritten hat und dessen unkontrollierte Lachanfälle nur Ausdruck seiner inneren Leere sind. Joker ist das Porträt eines geistig labilen Charakters, kein Heldengemälde.

Viele Kritiker warfen Joker vor, eine Entschuldigung für Gewalt zu liefern. Eine Rechtfertigung für Mord. Viele sahen in Arthur Fleck einen Psychopathen. Was wiederum andere Kritiker dazu veranlasste, sehr deutlich zu machen, dass das Stereotyp, es gebe einen kausalen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Gewalt, falsch ist. Was man Joker aber vorwerfen kann, ist tatsächlich, dass er manipulativ mit den Gefühlen des Zuschauers umgeht. Denn die Intensität, mit der Phoenix spielt und die Art, wie man ihm Unheil widerfahren lässt, führt zu einem hohen Maß an Mitgefühl für seine Person. Todd Phillips häuft Schmach um Schmach, Kränkung um Kränkung an, um seinen Protagonisten am Ende vor einem gigantischen Berg aus Demütigung stehen zu lassen. Kein Wunder, dass Arthur diesen lieber einreißt als ihn zu erklimmen und zu überwinden. Man kann nachvollziehen, was aus Fleck wird und fragt sich allen Ernstes, ob man in der gleichen Situation ähnlich gehandelt hätte. Und wenn die Büchse der Pandora einmal geöffnet ist …

Arthur darf in der Show seines Idols auftreten

Auf der anderen Seite kann es beim Zuschauer natürlich auch auf totale Ablehnung stoßen. Nicht wenige verließen den Kinosaal. Einige sicherlich, weil sie angewidert von dieser Anhäufung an Elend waren. Andere aber auch deshalb, weil sie keine Lust darauf hatten, sich der manipulativ eingesetzten Selbstmitleids-Tirade noch länger auszusetzen. Und so ganz Unrecht haben sie damit nicht. Denn was selbst die großen Fans des Films zugeben müssten: Es hätten auch weniger Ereignisse ausgereicht, um den Weg von Fleck zu Joker nachzuzeichnen. Zwischendurch denkt man schon mal, dass Phillips es übertreibt, nur um auch noch dem letzten Zuschauer einzubläuen, dass es für Arthur keinen anderen Ausweg mehr gegeben hat. Diese streckenweise repetitive Erzählweise lässt das Geschehen schon mal zäh werden. Glücklicherweise wird das von der tollen Kameraarbeit, dem vorzüglichen Setdesign und dem wirklich großartigen Score etwas aufgefangen. Das Zusammenwirken dieser drei Faktoren sorgt mit Phoenix‘ Darstellerleistung trotz einiger erzählerischer Mankos (bspw. der schwach charakterisierten Beziehung zwischen Arthur und seiner Mutter) für einen gelungenen Film – allerdings für einen, zu dem man eine gewisse kritische Distanz (zumindest in der Rückbetrachtung) einnehmen sollte.

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10 KOMMENTARE

  1. Wir sollten uns doch wieder auf das verständigen, um das es hier doch eigentlich geht. Der Film als solches. Ob das Bild Hi Tech oder weniger gut ist, kann doch nur bei der Auswahl der Variante hilfreich, oder auch nicht sein? Das ist doch auch völlig von der Ausstattung der eigenen Anlage bei jedem Einzelnen hier abhängig. Timo gibt eine persönliche Bewertung, gesehen mit seiner Technik und seinem Eindruck des Streifens. Jeder ist doch wohl in der Lage sich, wenn er den Film zu Hause sieht, selbst ein Urteil zu fällen. Und damit sollte man auch in der Lage sein, Timos Meinung zur Kenntnis zu nehmen. Und mehr nicht.

  2. Hier wird sich so sehr über das Selbstmitleid und das Verständnis über Gewalt ausgelassen ohne die Gegenseite zu betrachten. Nein, das was Arthur hier durch macht zeigt das was unsere heutige Gesellschaft durch Mobbing und Ausgrenzung mit einem Menschen machen kann. Es sollte eher als Warnung an unsere Gesellschaft gesehen werden. Man erntet was man säht. Und ja, es ist kein übertriebener Selbstmitleid, es ist das was diese Menschen tatsächlich empfinden und durch machen. Was aber nicht die Gewalt entschuldigen darf, sie aber erklärt.

  3. Interessant, dass Bild und Ton hier nur mit 80 bewertet werden.
    Andere Reviews (u.A. von John Archer von Forbes) beschreiben sowohl Bild, als auch Ton als „reference grade“.

    Finde ich tatsächlich interessant, dass die Meinung hier so stark auseinander geht. Oder hat die US Version (die benutzt John Archer) ein komplett anderes Master als die deutsche Version? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

    Muss ich mir dann wohl mal selber kaufen und selbst ein Bild von machen.

    • Nicht jedes Review scheint bisweilen so genau hingesehen zu haben.
      Alleine die deutlichen Unschärfen, bzw. fast schon leichten Doppelkonturen während der Murray Franklin Show vor dem Finale (man beachte hier De Niros Gesicht) haben hier zu einer Abwertung geführt. Dazu ist die Durchzeichnung in dunklen Szenen nicht perfekt. Und tatsächlich wirken fein(st)e Details in der Tiefe des Bildes gegenüber der BD teils sogar etwas schlechter aufbereitet. Dafür fehlen allerdings die Artefakte rund um Schriften und Objekte, welche die BD bei näherem Hinsehen offenbart. In Summe fehlt hier zu einem Referenzbild dennoch ein Stück.

      • Ist ja auch nicht nur John Archer der das so getestet hat.
        Deswegen war ich ja auch gerade verwundert. Hab es jetzt dank Corona nicht mehr pünktlich in den Markt geschafft, um mir den Film selber zu kaufen. Aber dann werde ich ihn wohl in der nächsten Zeit online bestellen ^^ Sofern er dann noch ankommt.

          • Die Gefahr hat man natürlich immer.
            Mir ist es hier halt besonders aufgefallen, dass
            speziell in den USA und GB die UHD BR ziemlich gut bewertet wurde. Im AVS Forum hat die bspw. auch exzellent abgeschnitten.
            Die deutschen Reviews (areadvd oder eben hier) sind da tatsächlich wesentlich schlechter.

            Unterm Strich kann das ja eigentlich nur heißen, dass die Leute im Außland entweder keine Ahnung haben oder wir hier echt ein qualitativ schlechteres Medium serviert bekommen haben als in anderen Ländern.

            Bei Areadvd wurde sogar klar gesagt:
            „[…]insgesamt bietet der Film leider nur eine dürftige Bildqualität[…]“

            AVS Forum sagt:
            „It comes to Blu-ray from Warner Brothers Home Entertainment featuring faithful, reference quality video […]“

            Forbes:
            „[…]shade and color nuance of this singular vision reproduced pretty much perfectly on this reference grade 4K Blu-ray release.“

            hdmoviesourcebluray:
            „This will more than likely be 2020’s REFERENCE disc, I know it’s early but I’d be shocked in anything in 2020 is going to be the beauty of this movie.“

            highdefdiscnews.com:
            „Joker has one excellent looking 4K visual presentation well-worthy of a perfect 5 rating for video quality.“

            thedigitalbits:
            „Video Grade: A+“

            ultrahd.highdefdigest.com:
            „All things considered, this is a gorgeous and recommended upgrade over the Blu-ray.“

            http://www.hidefninja.com:
            „The video transfer is perfect and so is the audio.“

            blurayreviews.ch (CH Version?):
            „Durchgehend hervorragendes, auf 4K-Master basierendes Referenzbild.

            Ich finde das alles sehr mysteriös. Kann mir eigentlich nicht erklären, wieso bei so vielen Reviewern die Disc dann so gut abschneidet. Aber hierzulande dann scheinbar deutlich schlechter ist. Dass es kleine Differenzen gibt ist ja normal. Aber in dem Fall geht es wohl relativ stark auseinander.

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