„The Witcher“ bei Netflix: Ein Kommentar aus Gamer-Sicht

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"The Witcher": Der nächst Hit von Netflix?
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Netflix hat am Samstag den ersten Trailer zur kommenden Serie „The Witcher“ veröffentlicht. Die Serie basiert auf den Büchern des polnischen Autors Andrzej Sapkowski. Als Fan der Spielereihe habe ich ganz genau hingeschaut, zumal die Reaktionen auf das gezeigte Material bisher durchaus gespalten sind.


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Betonen muss man nochmals: Die Serie „The Witcher“ wird nicht auf den Games basieren. Daran hält Netflix keinerlei Rechte, darf also gar nicht zu sehr die Nähe zu den grandiosen Titeln von CD Projekt suchen. Dennoch ist klar, dass Netflix die Serie vermutlich niemals in Auftrag gegeben hätte, wäre „The Witcher“ nicht durch die Spielesaga, allen voran „The Witcher 3: Wild Hunt“, so populär geworden. Gamer sind also durchaus ein wichtiger Teil der Zielgruppe der Serie.

Über 12 Mio. Aufrufe konnte der Trailer bereits sammeln. Mit über 372.000 Likes und ca. 51.000 Likes ist die Reaktion der Community eher positiv. Es gibt aber offenbar auch viele Fans, die mit dem Gezeigten unzufrieden sind. Auch wenn man diese Meinung vielleicht nicht unbedingt teilt, so sind auch die kritischen Stimmen absolut nachvollziehbar. Doch seht euch selbst erst einmal den Trailer an.

Es fällt etwa sofort auf, dass der Soundtrack recht austauchbar wirkt, weit weg von den markanten osteuropäischen Folklore-Klängen der Games. Das bemängeln dann auch viele Kommentatoren bei YouTube – meiner Ansicht nach zurecht. Doch so ein Trailer ist nur ein Ausschnitt, man muss also mal abwarten, was in der Serie insgesamt für Musik ertönt.

Auch lautet der Vorwurf, man habe „The Witcher“ zu sehr amerikanisiert und glattgebügelt. Die Games von CD Projekt Red etwa haben ganz klar einen europäischen Einschlag, was sich sowohl in der Darstellung des Settings widerspiegelt, aber auch in der Art der Inszenierung – etwa dem unverkrampften, erwachsenen Umgang mit Sex und Erotik. Was im ersten Game noch etwas pubertär anmutete, Geralt konnte Sammelkarten für jede erfolgreiche Eroberung erhalten, war in „The Witcher 3: Wild Hunt“ ein organischer Bestandteil der Handlung. Hier muss man abwarten, wie die Serie mit dem Thema umgeht.

„The Witcher“: Zu amerikanisch?

Fans haben nun die Befürchtung, dass „The Witcher“ ein Beispiel dafür sein könnte, wie ein US-Unternehmen polnisches Kulturgut amerikanisiert. Diese Skepsis kann ich verstehen, denn als CD Projekt sich des Hexers annahm, passte das besser, denn auch das Entwicklerstudio stammt eben aus Polen. Mit viel Fingerspitzengefühl und Qualitätsbewusstsein machte man den Hexer Geralt erst international bekannt. Das führte ja später durchaus auch zu Konflikten mit dem Autor Sapkowski, welcher von CD Projekt später mehr Geld für die Nutzung seiner Schöpfung forderte. Sapowski dient bei der Serienumsetzung auch als Berater.

Bei letzterem ist aber die Frage, ob er eher auf dem Papier steht oder tatsächlich aktiv involviert ist – das kann sich von Produktion zu Produktion stark unterscheiden. Doch es gibt auch viele positive Aspekte, welche man dem ersten Trailer abgewinnen kann: Geralt wird sich offenbar wie gewohnt mit Tränken vollpumpen, was man an den letzten Aufnahmen erkennt. Auch hat Netflix offenbar reichlich Budget in die Hand genommen, denn die Landschaftsaufnahmen und Effekte wirken hochwertig.

Viele Fans sind wiederum mit einigen Casting-Entscheidungen nicht einverstanden und unterstellen eine Art Gutmenschen-Marketing, da man offenbar möglichst viele Ethnien abbilden will. Mir fiel dies im Trailer nicht negativ auf, denn wichtiger ist, dass die Schauspieler in ihre Rollen passen – und das passt soweit für mich im Trailer absolut.

Meine Meinung

Ich kann die Kritik der Gaming-Community nachvollziehen, speziell zum Soundtrack des Trailers. Dennoch finde ich, dass „The Witcher“ äußerst vielversprechend aussieht, sollte man sich am Ende nicht zu sehr in hektischem Bombast ergehen. Seit dem ersten Game lebt die Reihe nämlich gerade auch von ihren kleinen Momenten – unvergessen die Szene, als Geralt in „The Witcher 3: Wild Hunt“ in einer Taverne einer Ballade lauscht.

Und auch wenn die Serie eine Buch- und keine Filmumsetzung ist: Reden wir nicht drumherum, Netflix will die Fangemeinde der Games für sich gewinnen, alles andere wäre dumm. Auch scheint man jene Zuschauer abgreifen zu wollen, die nach dem Ende von „Game of Thrones“ nach neuem Fantasy-Material suchen. Ob „The Witcher“ da beide Arten von Fans abholt? Das muss sich noch zeigen.

Mir hat der Trailer insgesamt gut gefallen: Henry Cavill passt als Geralt, die düstere Atmosphäre stimmt und sollte man auch den gewitzten Sarkasmus des Hexers in der Serie abbilden, dann könnte hier für Fans der Bücher, der Spiele und allgemein von Fantasy-Serien etwas ganz Großes anstehen.

2 KOMMENTARE

  1. CD Red hat den Figuren der Saga ein Gesicht gegeben und ich als Spieler, der von der Serie abgeholt werden soll, finde keinen Schauspieler vom Aussehen her passend. Das ist wie immer nicht alles was zählt, aber das ist was auf den ersten Blick zählt und in dem Punkt haben sie auf der ganzen Linie versagt.

  2. Zumeist werden Soundtracks in Trailern komplett unabhängig vom eigentlich Film Soundtrack komponiert. Gerade wenn es sich noch nicht um ein bekanntes Film Franchise handelt.

    Also abwarten und Tee trinken.

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