Zhiyun Smooth Q2 im Test: Kompakter Gimbal für mobile Filmemacher

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Zhiyun Smooth Q2 Test
Der Zhiyun Smooth Q2 zeigt im Test, was er kann

Wir haben von Zhiyun vor einiger Zeit bereits den Gimbal Smooth 4 getestet. Zeit ein weiteres Modell im Review genauer unter die Lupe zu nehmen: den Smooth Q2.

Der Zhiyun Smooth 4 hat uns letztes Jahr sehr gut gefallen, sieht man von der hauseigenen App des Herstellers ab, welche durch schlechte Bedienbarkeit und Fehler, wie ein konstantes Fokus-Pumpen bei Video-Aufnahmen nicht zu empfehlen gewesen ist. Nun haben wir ein Testmuster des Smooth Q2 erhalten. Dieser Gimbal ist ebenfalls für Smartphones konzipiert, das Design weicht aber stark vom Smooth 4 ab.

So ist der Zhiyun Smooth Q2 deutlich kompakter gestaltet worden und auch die Verarbeitung und der Funktionsumfang weisen Unterschiede auf. Hier kann das neue Modell sogar bei den Materialien mehr punkten, denn fast das gesamte Gehäuse besteht aus Metall und fühlt sich daher noch eine Spur wertiger an, als beim Smooth 4. Dafür kostet der neue Smooth Q2 dann auch etwas mehr. Er liegt aktuell bei 149 Euro, während es den Smooth 4 bereits für 99 Euro in Deutschland im Handel gibt.

Zhiyun Smooth Q2 Karton
Der Zhiyun Smooth Q2 wird so geliefert

Zunächst werfen wir nun mal einen Blick auf die Ausstattung und Verarbeitung, bevor wir und mit der Bedienung beschäftigen und parallel noch einmal einen Blick auf Zhiyuns offizielle App werfen. Immerhin hatte der Hersteller ja nun über ein Jahr Zeit die Funktionalität zu verbessern. Natürlich zeigen wir euch im Anschluss einige Video-Ergebnisse, die wir mit einem aktuellen Smartphone gefilmt haben bzw. genauer gesagt mit dem Xiaomi Mi Note 10. Zum Schluss ziehen wir natürlich ein Fazit mit unserem Gesamteindruck.

Ausstattung und Verarbeitung

Zhiyun spendiert im Lieferumfang des Smooth Q2 neben dem Gimbal selbst auch noch ein USB-Kabel (Typ-C) zum Aufladen, eine Handschlaufe und ein Benutzerhandbuch. Spannend: Die Halterung, in welche das Smartphone am Gimbal bugsiert wird, ist abnehmbar. Uns erschließt sich der Sinn allerdings nicht ganz, denn kaum jemand dürfte die Halterung dauerhaft an seinem Phone belassen wollen. Und um mal eben eine Aufnahme zu kontrollieren und danach weiter zu Filmen, kann man das Gerät auch im Gimbal belassen. Allerdings stört diese Möglichkeit natürlich auch nicht.

Der Zhiyun Smooth Q2 kommt ohne viel Tamtam daher
Der Zhiyun Smooth Q2 kommt ohne viel Tamtam daher

In den Gimbal passen Smartphones mit einem minimalen Gewicht von 75 g und einem maximalen Gewicht von 260 g. Die Halterung lässt sich von 65 bis auf 86 mm Breite verstellen. Bis auf wenige Ausnahmen sollten also alle aktuellen Smartphones im Zhiyun Smooth Q2 ihren Platz finden. Der Gimbal selbst wiegt 380 g und misst 204 x 102 x 41,5 mm. Mit einer Akkuladung soll er ca. 17 Stunden lang auskommen. Die Ladezeit beträgt etwa 3 Stunden.

Der Gimbal kann dabei folgendermaßen stabilisieren / sich bewegen: Pan 360°, Roll 265° und Tilt 305°. Die Bedienelemente am Gimbal sind dabei deutlich aufgeräumter und reduzierter als beim Smooth 4. Es gibt nämlich nur einen Power-Button, eine Aufnahme-Taste sowie einen kleinen Stick, der das Wechseln des Modus per Klick erlaubt und den Gimbal steuern kann. Die Haptik ist dabei dem Smooth 4 deutlich überlegen, denn nicht nur das Metallgehäuse wirkt wertiger, der Griff ist mit einer angenehen Gummierung überzogen, die Schweiß abweist. An der Rückseite gibt es keine zusätzlichen Tasten.

Zhiyun Smooth Q2 Akku
Der Akku des Zhiyun Smooth Q2 ist herausnehmbar

Doch zurück zur Verarbeitung: Die Einkerbungen in der Halterung, in welcher das Smartphone der Wahl Platz findet, sind natürlich mit einer Polsterung / Gummierung versehen, damit euer Gerät nicht beschädigt wird. Herausfallen kann es nicht, da die Halterung ziemlich stramm sitzt. Leider legt kein Gestell bei, mit dem man den Gimbal auf einer festen Oberfläche platzieren könnte – das sah beim Smooth 4 dann etwas besser aus. Wer bereits ein kleines Stativ besitzt, kann den Gimbal aber darauf montieren, denn an der Unterseite des Griffs befindet sich ein entsprechendes 1/4-20-Gewinde.

Positiv finden wir auch, dass der Zhiyun Smooth Q2 via USB Typ-C lädt. So benötigt man kein zusätzliches Kabel. Leider gibt es aktuell immer noch viele Accessoires, die auf Mikro-USB setzen. Insgesamt hinterkässt der Zhiyun Smooth Q2 also bei der Verarbeitung und Ausstattung einen tollen Eindruck.

Die App ZY Play

Auf die App ZY Play hatten wir ehrlich gesagt wenig Lust, denn im letzten Test erwies sie sich als Totalausfall. Mittlerweile ist über ein Jahr vergangen, da kann man Zhiyun also durchaus eine zweite Chance geben. Denn mit der offiziellen App sind zusätzliche Funktionen wie Zeitraffer-Aufnahmen, Gesichts- und Objektverfolgung, Zeitraffer-Videos und weitere Spielereien möglich.

Die App Zhiyun Play
Die App Zhiyun Play taugt leider weiterhin wenig

Es ist dabei übrigens keine Pflicht die offizielle App zu verwenden. Wenn es euch im Wesentlichen auf die Stabilisierung ankommt, verrichtet der Gimbal natürlich auch einfach so seinen Dienst und lässt sich beim Filmen über die Bedienfelder steuern. Falls ihr aber eben die erwähnten Zusatzfeatures verwenden wollt, dann benötigt ihr für den Zhiyun Smooth Q2 auch die offizielle App ZY Play.

Das interessanteste Feature ist dabei wohl der Dolly Zoom, auch Vertigo-Effekt genannt, der durch den gleichnamigen Film von Alfred Hitchcock berühmt geworden ist. Dabei bewegt ihr euch von einer Person oder einem Objekt langsam weg, zoomt aber während euerer Bewegung ins Bild hinein. Das führt dazu, dass die Person / das Objekt gleich groß im Bild bleibt, während sich die Umgebung verschiebt. Dieser Effekt kann extrem cool aussehen, wenn er gelingt.

Die App Zhiyun Play ist spartanisch
Die App Zhiyun Play begeistert uns nicht

Wir haben allerdings abermals einige Male mit der App Herumprobiert, so wie wir es auch schon beim Zhiyun Smooth 4 taten, und konnten den Dolly Zoom nicht brauchbar mit der App nachstellen. Immerhin hat Zhiyun es jedoch geschafft das nervige Fokus-Pumpen, welches für uns das Filmen mit ZY Play letztes Jahr im Grunde komplett unmöglich machte, auszumerzen. Dennoch ist die Bildqualität mit dieser App nach unserem Eindruck merklich schlechter als mit der Standard-App von Xiaomi an unserem Mi Note 10. Von Filmic Pro wollen wir hier erst gar nicht anfangen, denn die kostenpflichtige App ermöglicht nochmals höhere Bitraten und mehr Einstellungsmöglichkeiten.

Unser Fazit zu ZY Play bleibt daher: Es ist schön, dass der Hersteller sich bemüht mit der eigenen App Mehrwerte zu schaffen. In der Praxis gelingt das aber nur mäßig und wir empfehlen einfach bei der gewohnten Kamera-App zu verbleiben. Da die Verwendung von ZY Play kein Muß ist, wollen wir mit Zhiyun auch nicht zu hart ins Gericht gehen. Denn direkt am Gimbal lässt sich ebenfalls einiges einstellen.

Zhiyun Smooth Q2 Modi
Zhiyun Smooth Q2: Da sind die Bedien-Modi

So könnt ihr direkt am Gimbal zwischen folgenden Modi wählen:

  • Pan-Follow (Standard): Der Gimbal bewegt die Kamera langsam nach Links / Rechts, wenn man den Griff entsprechend bewegt.
  • Lock: Die Kamera bleibt auch bei Bewegungen immer in die gleiche Richtung ausgerichtet.
  • Follow: Ähnlich Pan-Follow, aber der Gimbal lässt die Kamera auch nach Oben / Unten folgen.
  • POV: Wie der Follow-Modus, aber die Kamera wird auch geneigt, wenn der Griff geneigt wird.
  • Vortex: Das Smartphone wird nun wie eine Taschenlampe gehalten und kann mit dem Joystick gedreht werden. Lässt sich als Stilmittel einsetzen.
    Passt also von der Bedienung her und liefert das, was man von einem Gimbal erwartet.

Video-Beispiele und weitere Anmerkungen:

Wir haben den Zhiyun Smooth Q2 in Verbindung mit einem Xiaomi Mi Note 10 getestet – dem neuen Penta-Kamera-Smartphone mit 108 Megapixeln von Xiaomi. Ein Problem gibt es dabei: Das Smartphone verfügt auch über eine Ultra-Weitwinkel-Linse, die auch bei Videos zum Einsatz kommen kann. Dann hat man aber einen Teil des Motors im Bild. Zhiyun ist dieses Problem bekannt, so dass man dafür in der offiziellen App einen bestimmten Modus (dreifacher Klick auf die Aufnahme in ZY Play) aktivieren kann. Alternativ kann man auch den Winkel etwas manuell anpassen: im Klartext also den Gimbal etwas schräg halten. Das Problem ergibt sich durch das sehr kompakte Design des Q2. Mit der Hauptlinse des Xiaomi Mi Note 10 hatten wir aber keine Probleme.

Die Ergebnisse, die wir mit dem Zhiyun Snooth Q2 erreicht haben, sind dabei sehr gut mit dem Smooth 4 des Unternehmens vergleichbar. Tatsächlich erzielten wir sogar noch ruhigere Aufnahmen, was aber auch unserem Smartphone-Wechsel geschuldet ist: Das Xiaomi Mi Note 10, welches wir eingesetzt haben, bringt von Haus aus nämlich auch bereits eine gute optische Stabilisation mit. So nutzten wir beim Test des Smooth 4 noch das Xiaomi Mi 8.

Zhiyun Smooth Q2 Testvideo mit Xiaomi Mi Note 10 (4K/60p)

Im ersten Schritt oben eimmal der Link zum kompletten Video, aufgenommen mit dem Xiaomi Mi Note 10. Der Clip beginnt ohne die Hilfe des Gimbals. Wir haben also jeweils eimmal ohne und einmal mit der eigenen Stabilisation des Geräts gedreht – wie man sieht, ist bereits jene gar nicht so schlecht, bietet aber natürlich noch Luft nach oben, denn Bewegungen sind sehr wohl zu erkennen.

Hier folgen ab ca. 1:48 Minuten wiederum zwei Videos mit dem aktiven Zhiyun Smooth Q2 im Modus „Lock“  und anschließend „Pan Follow“ beim Gehen. Letzterer Modus dürfte für die meisten Anwender der Standard sein. Hier hat man guten Spielraum, da der Gimbal sich nach links und rechts mitbewegt. Beim Lock-Modus verbleibt der Gimbal stets gleich ausgerichtet, so dass man quasi eine Art Kamerfahrt erreicht, ähnlich wie bei der Verwendung eines Sliders oder eines Dollys.

Anschließend (ab ca. 3:12 Minuten) haben wir die Beine in die Hand genommen – der erste Videoausschnitt zeigt, wie sich das Xiaomi Mi Note 10 dann mit und ohne Stabilisator bei einer Videoaufnahme beim Laufen schlägt. Da wackelt das Bild also allzu deftig – kann man in beiden Fällen eher als unbrauchbar bezeichnen, wenn man nicht absoluter Shaky-Cam-Fan ist.

Laufen wir hingegen mit dem Zhiyun Smooth Q2 (ab ca. 4:21 Minuten) los, dann verhält es sich sowohl im Lock- als auch im Pan-Follow-Modus schon anders. Das Bild ist deutlich ruhiger und man erhält eine sehr flüssige und stabile Bewegung – klasse! Der „Dreher“ jedoch beim ersten Versuch einmal am Ende zu sehen ist, wurde von uns extra belassen, da er zeigt, dass der Gimbal auch durcheinander kommen kann, wenn man zu rasant läuft und er versucht zu korrigiren.

Welche Art der Verwendung euch am besten gefällt, ist Geschmackssache und steht dem Nutzer natürlich frei. Uns geht es vor allem darum zu zeigen, dass die Kameraführung durch den Einsatz des Zhiyun Smooth Q2 deutlich ruhiger wird.

Das Filmen mit dem Smooth Q2 lief für uns im Übrigen sehr intuitiv ab, denn es ist stark vergleichbar mit dem Smooth 4. Viel falsch machen kann man ohnehin nicht: Anschalten, gewünschten Modus auswählen und loslegen – so einfach ist das.

Fazit

Der Zhiyun Smooth Q2 verzichtet auf den rückseitigen Button des Smooth 4, der bei schnellen Schwenks für noch flüssigere Ergebnisse sorgen soll bzw. die Empfindlichkeit erhöhen kann. Dafür ist das neue Modell deutlich (!) kompakter und deswegen aus unserer Sicht im Alltag ein wesentlich praktischerer Begleiter. Denn mal ehrlich: Die Größe ist bei so einem Gimbal für viele Nutzer ein sehr wichtiger Faktor. Denn wenn man, um mit dem Smartphone zu filmen, eine riesige Tasche für einen Gimbal einstecken muss, dann könnte man auch direkt eine Kameratasche samt Systemkamera einstecken.

Zhiyun Smooth Q2 Griff
Der Zhiyun Smooth Q2 bekommt von uns eine Empfehlung

Der Zhiyun Smooth Q2 ist leichter verstaut und bietet ähnlich gute Ergebnisse wie der Smooth 4. Nun fällt das Gerät sonst nicht irgendwie besonders aus dem Rahmen und böte Bahnbrechendes. Und die offizielle App, ZY Play, ist immer noch relativ unbrauchbar. Dafür ist das Niveau der Verarbeitung deutlich gesteigert worden, denn der Smooth Q2 besteht größtenteils aus Metall und die Gummierung am Griff verbessert die Haptik spürbar.

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Wir bewerten den Smooth Q2 daher als perfekten Gimbal für Reisen, den man ohne großes Nachdenken immer locker mit einstecken kann, weil er wenig Platz braucht. Erfahrene Filmemacher mögen manche Bedienmöglichkeiten direkt am Griff vermissen, denn da gibt sich der Smooth Q2 eher reduziert. Das ist wiederum für Anfänger aber eher ein Vorteil, denn das Design ist schlicht-elegant statt überladen. Klar, der Smooth 4 bietet da mehr Möglichkeiten, wir denken aber, dass die meisten Gelegenheits-Videomacher mit dem kleineren und portableren Smooth Q2 das bessere Geschäft machen.

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

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