4K-Video selbstgemacht: Diese Möglichkeiten habt ihr

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Panasonic Lumix G81
Panasonic Lumix G81: 4K-Kamera aus der Mittelklasse

Es ist erstaunlich: Viele Hollywood-Produktionen liegen leider nicht nativ in 4K vor. Das liegt vor allem an der Post-Production-Kette. Anwender daheim können allerdings mit zahlreichen Optionen native 4K-Videos aufzeichnen. In diesem Beitrag stellen wir kurz einige der Möglichkeiten vor. Dabei äußern wir uns auch zur Qualität und Alltagstauglichkeit.


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Klar ist freilich, dass ein privat gedrehtes 4K-Video in der Qualität schwerlich an eine professionelle Filmproduktion herankommen wird. Das gilt selbst dann, wenn der jeweilige Blockbuster nur in 2K bearbeitet wurde. Denn schließlich ist die Auflösung nur einer von vielen Faktoren, welcher das Endergebnis bestimmt.

Zu Anfang sei dabei ein kleiner Hinweis gegeben, da sich der ein oder andere vielleicht fragt: Mit welcher Software soll man überhaupt 4K-Videos bearbeiten? Da gibt es mittlerweile viele Optionen. Sie reichen von extrem günstigen Video-Editoren wie den Programmen von Movavi bis hin zu professioneller Software wie Adobe Premiere. Letzteres kostet als Teil der Creative Cloud eine monatliche Abonnement-Gebühr.

Wir selbst können zur Bearbeitung aus persönlicher Erfahrung Magix Vegas Pro, ehemals Sony Vegas, empfehlen. Ältere Versionen der machtvollen Software gab es sogar bereits über das Humble Bundle zu Schnäppchenpreisen. Vegas Pro ist unserer Ansicht nach deutlich leichter zu bedienen als Adobe Premiere, bietet aber ähnliche Möglichkeiten. Zumal die Möglichkeit zur Erweiterung über viele kostenlose und kostenpflichtige Plugins bei beiden Anwendungen gegeben ist.

Die einfache Lösung: 4K-Videos über das Smartphone erstellen

Kommen wir nun zu den Hardware-Optionen, welche für 4K-Videos zur Verfügung stehen. Die für viele Leser sicher naheliegendste Variante: Einfach die Hardware benutzen, die man ohnehin bereits besitzt. Fast jeder verfügt heutzutage über ein Smartphone. Und ab der oberen Mittelklasse beherrschen so gut wie alle Smartphones mittlerweile auch die 4K-Videoaufnahme. LG hat sogar das V30 speziell mit dessen Videofähigkeiten beworben und den Vergleich zu professionellen Kameras nicht gescheut.

Freilich ist es aber nicht so simpel, als dass man einfach sein Smartphone hernehmen könnte und kinofreife Ergebnisse erzielte. Für das obige Promovideo etwa wurde umfangreiche Nachbearbeitung vorgenommen und allerlei professionelle Accessoires eingespannt. Die Nachteile liegen auf der Hand. So arbeiten Smartphones mit sehr kleinen Kamerasensoren und tatkräftiger Software-Nachbearbeitung.

Im Ergebnis lässt sich bei 4K-Videos, die mit Smartphones gefilmt wurden, in der Regel beobachten, dass ruhige Aufnahmen mit wenig Bewegung oft beeindruckend wirken. Sobald aber Bewegung oder sogar Schwenks ins Bild kommen, bemerkt man die Eingriffe der Kamera-Software oder Probleme mit der Kompression.

Wer zudem ansehbare Aufnahmen mit dem Smartphone hinbekommen will, ist auf ein Stativ oder einen Gimbal angewiesen. Aus freier Hand erzielt man nur verwackelte Aufnahmen, da hilft in der Regel auch der optische oder elektronische Bildstabilisator bei den kompakten mobilen Endgeräten nur marginal.

Samsung Galaxy S9 schwarz
Samsung Galaxy S9 in der Farbe Schwarz

Außerdem ist die Beleuchtung bei den kleinen Kamerasensoren noch entscheidender als bei anderen 4K-Kameras. Bei wenig Licht bricht die Qualität extrem ein. Dann mag auf der Datei noch „4K“ draufstehen, das Ergebnis lässt das jedoch nicht mehr erahnen. Zumal bei Smartphones auch ein Problem ist, dass für eine erträgliche Audio-Aufzeichnung natürlich externe Mikrofone notwendig sind. Der Kauf zusätzlicher Mikrofone ist quasi ein Muss.

Entsprechend sind moderne Smartphones unter optimalen Bedingungen und mit zusätzlicher Ausrüstung zwar für 4K-Aufzeichnungen geeignet, zu hoch gesteckte Erwartungen sollte man aber nicht haben. Für ein kleines Familienvideo, Aufnahmen vom Konzert oder vielleicht sogar ein einfaches VLog sind mobile Endgeräte wie die Apple iPhone X, Samsung Galaxy S9 oder Huawei P20 Pro aber durchaus eine brauchbare Lösung.

Die sportliche Lösung: 4K-Videos per Actioncam

Auch Action-Kameras können schon seit einiger Zeit 4K-Videos aufzeichnen. Vorteil: Diese Kameras sind auf schnelle Bewegungen ausgelegt und leicht zu bedienen. Im Wesentlichen knipst man die Aufnahme an und das war es auch schon. Nachteil: Alle Actionkameras arbeiten mit einem extremen Weitwinkel. also bekommt man viel aufs Bild, erspäht aber deftige Verzerrungen an den Seiten. Natürlich lassen sich jene über die Nachbearbeitung teilweise ausgleichen. Ein Faktor bleiben sie aber stets.

Außerdem lässt sich hier manuell noch weniger beeinflussen, als an Smartphones. Letztere bieten immerhin die Möglichkeit zu Zoomen oder an der Belichtung und dem Fokus zu arbeiten. Darauf sind Action-Kameras aber nicht ausgelegt. Wer also abwägt seine Actionkamera mal auf einem Stativ für eine Moderationsszene einzuspannen, erlebt schnell Ernüchterung.

Doch das ist eben auch nicht der Sinn einer Action-Kamera. Wie der Name schon andeutet, soll eine Action-Kamera eben, na ja, Action einfangen. Und um damit etwa beim Sport 4K-Aufnahmen anzufertigen, wenn man selbst keine Zeit für Herumgefrickel hat, sind Actionkameras eine feine Sache. Allerdings sind sie vielmehr eine Ergänzung des eigenen 4K-Equipments, aber nicht als Hauptkamera gedacht.

Eine 4K-Action-Kamera kann jedoch fantastisch sein, um 4K-Videos mit speziellen Aufnahmen zu bereichern. Aufgrund der Weitwinkel-Aufnahmen und der geringen Möglichkeit während des Filmens manuell einzugreifen, ist der Spielraum allerdings begrenzt.

Die Allround-Lösung: 4K-Videos mit der Systemkamera

Eine besonders beliebte Option für 4K-Aufnahmen sind aktuell Systemkameras. Tatsächlich ist die Variante auch aus unserer Sicht für viele Privatanwender die womöglich geeignetste. Zum einen sind Systemkameras mit verhältnismäßig großen Sensoren ausgestattet, verfügen über auswechselbare Objektive und bieten oft ein sehr attraktives Preis- / Leistungsverhältnis. Zum anderen erhält man hier eine Kombination aus Foto- und Videokamera, welche gerade im Preissegment von weniger als 1.000 Euro sozusagen das Beste aus beiden Welten offeriert.

Hersteller wie Panasonic, Sony oder Fujifilm haben attraktive Systemkameras mit MFT- (Micro Four Thirds) bzw. APS-C-Sensoren im Portfolio, die qualitativ hochwertige 4K-Aufzeichnungen ermöglichen. Die Vielseitigkeit ist hier ein enormer Vorteil: Da man die Möglichkeit hat die Objektive zu wechseln, externe Mikrofone und Blitzgeräte anzukoppeln, sind Systemkameras für viele Szenarien geeignet.

Ein Nachteil? Erst sehr hochpreisige Modelle nutzen den vollen Sensor für die 4K-Videoaufzeichnung. Das kann man also im Preisbereich bis 1.500 Euro, welcher für die meisten Privatkunden nunmal am interessantesten ist, nicht erwarten. Dennoch liefern Kameras wie etwa die Panasonic Lumix GX9 4K-Videoaufnahmen, die zu beeindrucken wissen und jedes Smartphone locker ausstechen.

Panasonic Lumix GX9
Panasonic Lumix GX9: MFT-Kamera mit 4K-Videomodus

Gegenüber Camcordern muss man bei Systemkameras damit leben, dass Autofokus und Bildstabilisatoren meistens nicht auf dem gleichen Niveau spielen. Zumindest gilt das, wenn man sich in der identischen Preisklasse umschaut. Am Ende ist die Videofunktion bei Systemkameras eben eigentlich ein Zusatz-Feature. Fotos stehen im Mittelpunkt. Als Allround-Lösung sind viele Systemkameras mittlerweile eine erstklassige Wahl. Es hat seine Gründe, dass viele YouTuber auf Systemkameras setzen, um damit Moderationen, VLogs und Co. zu erstellen.

Panasonic Lumix DC-GX9KEG-K Systemkamera (20 MP, Dual I.S., Klappsucher, 4K, Touchscreen, 12-32 mm Objektiv, schwarz)

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4.0 von 5 Sternen (14 Rezensionen)

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Die komfortable Lösung: 4K-Camcorder

Eine weitere und gebräuchliche Methode 4K-Videos anzufertigen, sind natürlich schlichtweg Camcorder. Gegenüber Systemkameras haben sie den Nachteil, dass die Objektive nicht auswechselbar sind und kleinere Sensoren zum Einsatz kommen. Allerdings  sind Camcorder eben in erster Linie aufs Filmen ausgelegt und bieten hier gerade bei Schwenks und Bewegungen wieder Vorteile. Auch die Grundschärfe ist in der Regel höher anzusiedeln bzw. hängt bei Systemkameras stark vom verwendeten Objektiv ab.

Wer also viele Aufnahmen mit reichlich Bewegung erstellt, etwa Sportveranstaltungen oder Kinder filmt, ist mit einem klassischen Camcorder in der Regel besser beraten als mit einer Systemkamera. Denn dass letzte so gerne von YouTubern genutzt werden, hat seine Ursache natürlich auch darin, dass jene häufig vorwiegend sich selbst in festen Kameraperspektiven bei künstlicher Beleuchtung aufnehmen. Für jene Szenarien sind Systemkameras ideal. Für Außenaufnahmen mit Schwenks, viel Aktivität und spontane Videoaufzeichnungen sind Camcorder aber weiterhin im Vorteil.

Auch sind Systemkameras, aufgrund ihres Fokus auf Fotografie, in der Regel deutlich komplizierter in der Bedienung als Camcorder. Wer also mit möglichst geringem Aufwand benutzerfreundlich ins Filmen einsteigen möchte, wir es zum Start mit einem Camcorder sicherlich deutlich einfacher haben als mit einer Systemkamera. Wer einfach Point-and-Shoot-Aufnahmen erstellen will, sollte daher zu einem 4K-Camcorder greifen.

Zumal bei Camcordern keine zusätzlichen Objektive erstanden werden müssen. Wer also mit einem engen Budget arbeitet, greift hier einmal zu. Dann verzichtet man zwar auf die Erweiterungsmöglichkeiten, welche eine Systemkamera offeriert, kann aber mit einer niedrigeren Einstiegshürde schneller loslegen.

Sony FDR-AX53 4K Ultra HD Camcorder (20-Fach optischer Zoom, 5-Achsen Boss Bildstabilisation, NFC) schwarz

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4.3 von 5 Sternen (86 Rezensionen)

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Ein Fazit (?)

Am Ende hängt vieles davon ab, was man aufzeichnen möchte. Für einige Anwendungsgebiete reicht mittlerweile ein Smartphone oder eine Actiocam aus. Wer viel statische Inhalte filmt und große physische Pixel wünscht, um weniger auf das Licht achten zu müssen, ist mit einer Systemkamera mit lichtstarkem Objektiv bestens bedient. Wer wiederum bei Autofokus, Stabilisation und Schwenks sowie viel Bewegung ohne Gefrickel draufhalten will, dürfte mit einem Camcorder glücklicher werden. Allerdings gibt es freilich zwischen den Modellen eklatante Unterschiede.

In einem Folgebeitrag werden wir deswegen subjektiv ein wenig vorstellen, mit welcher Hardware wir bereits 4K-Aufnahmen erstellt haben und wie unsere persönlichen Erfahrungen ausgefallen sind. Dabei sollen dann auch etwas spezifischere Empfehlungen ihren Platz haben.

4K-Video selbstgemacht: Diese Möglichkeiten habt ihr
5 (100%) 5 Bewertung[en]
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

10 KOMMENTARE

  1. Die grosse Peinlichkeit beginnt erst nach dem Dreh, denn was soll man mit den Aufnahmen machen ?

    Wo bleibt das Schnittprogramm, mit dem sich UHD-Blu-Ray erstellen lassen ?

    Liebe Industrie, aufwachen !

  2. Zitat:
    Klar ist freilich, dass ein privat gedrehtes 4K-Video in der Qualität schwerlich an eine professionelle Filmproduktion herankommen wird.
    Zitat Ende

    Jetzt darf ich aber mal laut lachen. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Und obwohl im Post eingangs auf das nicht vorliegend 4k-Material während der Postproduction hingwiesen wird, kommt dann anschließend solch ein Satz. Das ist doch ein Widerspruch insich. Und das ist der Grund warum ich mir keine 4K-BDs mehr kaufe. Jede 2K-BD, welche dann vom TV in 4K hochskaliert wird, sieht mindest genauso gut aus, wie diese Fake-4K-BDs. Ich produziere selber private 4K/UHD-Videos. Ich filme mit der oben im Video genannten Sony FDR-AX100 und teilweise auch mit der Sony RX100 Mark V. Die Postproduktion mache ich mittels Magix Pro X. Und diese Bilder sehen alle fantastisch aus. Da kann, bis auf „Planet Erde“ nicht eine einzige Fake-4K-BD, welche ich gesehen habe (und das waren einige) auch nur anstzweise mithalten. Hinzu kommt dieses grässliche HDR. Die geben dem Bild den letzten Gnadenstoß.

    Liebe Leute, ich finde die Site hier wirklich sehr gut, nur leider sind mir manche Berichte mit zu viel Sponsoring und Marketing-Geblubber unterlegt. 4K, sogar mit HDR könnte super aussehen. das beweisen die Trailer. Da sieht alles richtig geil aus. Aber die ganzen Fake-4K-BDs kann man in die Tonne klopfen.

  3. Toller Artikel.
    Mir ist auch letztens aufgefallen das mein iPhone X nur sehr schlechten Mono Ton mit einer sehr niedrigen Bitrate aufnimmt. Glaube es waren nur 80 kbit (da sind ja meine mp3‘s aus den 90ern qualitativ besser) sehr schade was Apple da bei so einem high End Smartphone geliefert hat. Hat jemand eine Empfehlung für ein gutes externes Micro?

    • Suche mal nach Alternativen Video-Apps. Vielleicht können die schon einen besseren Ton aufzeichnen. Manche lutschen allerdings den Akku schnell leer oder lassen das Gerät ziemlich heiß werden.

    • Wenn es um Sprache einer einzelnen Person geht, kann ich das Rode SmartLav + aus der eigenen Erfahrung sehr empfehlen. Ist aber eben ein Lavalier-Mikrofon, also nicht für Umgebungsgeräusche geeignet.

    • Meines Wissens unterstützen die meisten Camcorder mit HDR-Funktion das „Hybrid-Log-Gamma“-Format (HLG). Da es sich bei HDR10 um einen statischen Wert handelt ist es schwer diesen bei Videoaufnahmen in Echtzeit anzuwenden. Wenn du z.B. im Haus anfängst zu Filmen (dunkel) und dann raus gehst in den hellen Garten, woher weiß die Cam welchen Helligkeitwert sie ansetzen muss. Ich glaube HDR10 und Dolby Vision bei Aufnahmegeräten dauert noch etwas.

      • Bist du dir sicher mit HLG? HDR10 ist doch die Basis, worauf HLG aufsetzt oder nicht?

        Außerdem habe ich bisher bei Consumer-(Foto)Kameras in den Videospecs ausschließlich 8 Bit Farbprofile (von HD übernommen) finden können, welche jedoch manchmal für eine erweiterte Farbsteuerung mit dem Format V-log2 bzw. 3 erweitert werden können.

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