Aladdin 4K Blu-ray im Test: Ein blaues Wunder

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Test Aladdin 4K Blu-ray
Die Realverfilmung des beliebten Disney-Klassikers Aladdin auf 4K Blu-ray im Test
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Wie man sich doch täuschen kann: Als vor einem halben die ersten Trailer zur (Real)-Neuverfilmung von Disneys Aladdin über die sozialen Netzwerke flimmerten, dachten Viele (Der Autor dieser Zeilen eingeschlossen): Das wird der nächste große Flop von Disney nach „John Carter“ oder „Lone Ranger“. Als dann noch klar war, dass Guy Ritchie die Regie übernahm, untermauerte das die Vermutungen. Zwar hatte der Regisseur mit „Bube, Dame, König, GrAs“ sowie „Snatch“ Kultwerke geschaffen, aber für große Studios halt eben auch schon  lustlose bis trashige Filme abgeliefert. Doch, um es zu wiederholen: So kann man sich täuschen. Aladdin feierte einen Rekord nach dem nächsten, nachdem man ihn in den US-Kinos gestartet hatte. Und da war ja noch etwas: Will Smith. Man musste schon ein bisschen Vorstellungsvermögen mitbringen, um den (in der Regel) gestählt trainierten Schauspieler in der Rolle des blauen Dschinni zu sehen. Doch das war nicht einmal die sensibelste Personalie.

Aladdin hilft Jasmine aus der Klemme

Zwar gibt es auch heute noch herzhafte Diskussionen darüber, in welcher Gegend der Welt Aladdin verortet ist, doch als man hörte, es würden einige weiße Schauspieler für die Rollen gecastet, kam das weniger gut an. Man fürchtete das sogenannte „Whitewashing“ und ging vorsichtshalber schon mal auf die Barrikaden. In Teilen kam es jedoch anders. Denn in Hauptdarsteller Mena Massoud, einem Kanadier mit ägyptischen Wurzeln, fand man durchaus einen talentierten Schauspieler und Sänger und Will Smith als Geist aus der Flasche ist ja ohnehin irgendwie staatenlos, wenn man seine blaue Hautfarbe betrachtet. Für Naomi Scott allerdings sammelte man Kritik. Denn in den Augen der ganz Korrekten war es ein Faux-pas, eine indischstämmige Darstellerin als Sultans-Tochter zu besetzen. Schaut man sich den fertigen Film nur an, kann man nur sagen: Viel Lärm um Nichts. Denn die Besetzung funktioniert. Und zwar in allen Belangen. Sämtliche Kritiker Will Smiths (mich eingenommen) werden verstummen, wenn sie sehen, wie viel Spielfreude der Schauspieler/Sänger hier an den Tag legt. Seine Darstellung der Animationsfigur des 1992er Originalfilms ist so witzig und lebhaft, dass es eine wahre Freude ist.

Beim Balzen um die Prinzessin stellt sich der Fake-Prinz schrecklich dämlich an

Auch Mena Massoud und Naomi Scott schlagen sich prächtig und bilden ein echtes Traumpaar. Und natürlich gibt’s auch noch eine Moral von der Geschichte – immerhin erzählt der Fischer sie seinen Kindern auf dem Schiff ja als Gleichnis auf Schein vs. Sein, auf Reichtum vs. Zufriedenheit. Und das tut er auf humorvolle und zeitgemäße Weise. Und auch nicht ganz ohne sarkastische Spitzen auf die Original-Geschichte, die ziemlich weit weg war von weiblicher Emanzipation oder bescheidener Zurückhaltung. Wenn Aladdin als frisch-gewünschter Prinz vor Jasmin steht und sich um Kopf und Kragen redet, kann man das durchaus als Kritik an der Ur-Vorlage verstehen. Amüsant führt uns Guy Ritchie vor, wie dümmlich vermeintliche Stereotypen sind, die man in den alten Geschichten vorgeführt bekam. Während die Message also durchaus zum Betrachter kommt, aber dabei unaufdringlich und charmant vermittelt wird, hebt vor allem ein Detail den Realfilm von der Animationsvorlage aus den 90ern ab: Das Verhältnis von Aladdin und dem Dschinni. Die beiden agieren auf einem Level. Sie entwickeln eine Beziehung und ein freundschaftliches Verhältnis. Man gönnt ihnen mehr Screentime und gemeinsame Dialoge oder Diskurse. Das mag zunächst noch nicht als Motiv erkennbar sein, führt aber dazu, dass man den finalen dritten Wunsch viel emotionaler begleiten kann. Man merkt und spürt, dass es Aladdin eine Herzensangelegenheit ist und nicht die bloße Erfüllung eines Versprechens. Inhaltlich ist die Realfilm-Adaption deshalb ganz objektiv der bessere Film.
Natürlich muss man auch hier damit klar kommen, dass Aladdin (vielleicht noch mehr als die bisherigen Real-Verfilmungen) Disneys ein Musical ist. Es wird also viel gesungen – sehr viel. Wer das nicht mag, ist hier fehl am Platze.

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2 KOMMENTARE

  1. Ich habe den Film in der deutschen Synchro begonnen und war so dermaßen von der unsynchronen Wiedergabe der mittelmäßigen Gesangseinlagen
    enttäuschtt, dass ich nach 30 Minuten fast ausgemacht habe.
    Mich dann aber doch dazu entschieden, mir das ganze von vorn in OV anzuschauen und gefühlt einen völlig anderen Film zu sehen.

    Nicht nur die Musical-Teile des Films passten plötzlich zu den Lippenbewegungen (und hörten sich wirklich gut und nicht mehr so aufgesetzt an) auch Will Smith’s Interpretation, des blauen Geistes aus der Lampe, war plötzlich nicht mehr unentschlossen, gewollt aber nicht gekonnt sondern differenziert und dadurch auch lustig.

    Voluminösität und was von oben kommt, ist bei Filmen eben nicht alles… Ich bin ansonsten ein Fan der deutschen Synchronisation weil die Qualität i.d.R. extrem hoch ist aber diesem Film hat sie jeden Charme geraubt und mir das Vergnügen daran.
    Die OV Fassung des Films hat mir ziemlich gut gefallen auch wenn die Story gerade zum Ende hin etwas unrund wirkt –
    und ich dem Remake des König der Löwen jederzeit den Vorzug geben würde.

    • Bis auf den letzten Satz (Lion King hat mir nur mitttelmäßig gefallen) kann ich das so unterschreiben: Die deutsche Syncro ist leider schlecht, aber der Film per se super. Im Originalton ein Meisterwerk!
      Schade, weil sonst Disney-Filme eigentlich davon leben, dass ihre Synchronisation sehr gut ist. Beispielsweise das Original schaue ich mir sowohl in Englisch wie auch Deutsch gerne an (und das gilt für viele Disney & Pixar Filme).

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