„Avengers: Infinity War“ 4K Blu-ray im Test: Blockbuster mit Tonschwächen

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"Avengers: Infinity War" steht für bestes Hollywood-Kino. Die 4K Blu-ray ist leider kein perfekter Transfer der Kinoversion

„Avengers: Infinity War“ ist auf Platz 4 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und so waren wir mehr als gespannt auf die 4K Blu-ray! „Avengers: Infinity War“ wird seinem Blockbuster-Ruf gerecht, unser Test deckt aber auch Schwächen auf!

Inhalt (90%)


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Avengers – Infinity War treibt das MCU erstmals auf die größtmögliche Spitze und es sollte vor allem eins im Vordergrund stehen: Der Anspruch, den bisher spannendsten, dramatischsten und rasantesten Film des Universums verwirklichen. Um das zu bewerkstelligen, setzte man bei Marvel nicht mehr auf Joss Whedon, der die Vorgänger, realisierte, sondern inthronisierte die Brüder Anthony und Joe Russo. Die hatten sich schon mit The Return of the First Avenger und First Avenger: Civil War ihre MCU-Sporen verdient und schienen perfekt, um das vollkommen unübersichtliche Ensemble möglichst homogen zusammen zu führen. Man verrät nicht zuviel, wenn man sagt: Experiment geglückt. Und das vor allem, weil der Film nicht den Fehler begeht, alle Charaktere auf einem Haufen zu „verheizen“. Vielmehr teilen sich die Avengers auf, um die verschiedenen Steine zu beschützen. Es tun sich also mehrere Schauplätze auf, die jeweils mit den entsprechenden Rächern aufwarten. Das ist flüssig und emotional geschickt gemacht. Und es ist visuell atemberaubend. Schon alleine das Setdesign der galaktischen Schmiede Nidavellir ist großartig und hätte fast einen eigenen Film verdient.

Dr. Strange und Iron Man sind mit von der Partie
Dr. Strange und Iron Man sind mit von der Partie

Fast noch wichtiger aber als die Verzahnung der zahlreichen Superhelden und die Erschaffung visueller Überwältigung war der Auftrag, einen furchteinflößenden Schurken zu etablieren – mithin der größte Schwachpunkt des Vorgängers. Es braucht nur wenige Momente mit Thanos, um zu wissen, dass die Russos diesen Fehler nicht noch einmal begangen haben. Josh Brolin verkörpert diesen Fels vom Titan mit einer Charaktertiefe, die eine Motion-Capturing-Figur seit Gollum aus Der Herr der Ringe nicht mehr besaß. Und er lässt aber auch absolut keinen Zweifel daran, dass er praktisch unbesiegbar ist. Mit riesigen Pranken hält er Thors Kopf in einer Hand und müsste nur zudrücken. Den Hulk besiegt er als wäre es eine Frühsport-Übung und zwei weitere Götter erledigt er im Vorbeigehen – nein, dieser Thanos ist nicht nur IRGENDEIN Gegner, er ist DER Gegner. Außerdem wird dieser Antagonist vor allem deshalb so stark, weil er eben nicht nur ein tumber Haudrauf-Typ ist, sondern einer, dessen Ziel man durchaus nachvollziehen kann.

Die Bedrohung war nie größer
Das „Team Thanos“ in Vollbesetzung, kurz bevor sie sich mit dem Raumstein wegteleportieren

Eine weitere große Herausforderung für Infinity War bestand darin, die ganzen bisher bereits gesponnenen Story-Fädennzusammen zu führen. So war die Rede von den Infinity-Steinen zuvor bereits in First Avenger, Thor – Dark Kingdom, Age of Ultron, Dr. Strange und Guardians of the Galaxy. Es fehlte erzählerisch also nur noch ein Stein, um dem Kinn-Monster vom Planeten Titan am Ende die größtmögliche Macht zu verleihen. Gleichzeitig ist Infinity War eine indirekte Fortsetzung zu First Avenger: Civil War. Denn die „Rächer“ sind nach wie vor gesplittet und zerstritten. Ihre Differenzen müssen sie für den gemeinsamen Kampf gegen den ultimativen Bösewicht nun bündeln und für den Moment begraben.

Leidenschaftliche Logikfehler-Sucher oder Goofs-Spotter werden sicher Kritik finden – aber als halbwegs objektiver Betrachter muss man vor den Russos wirklich den Hut ziehen. Selbst wenn man sich zwischendurch fragt, warum die unfassbare Macht, die Dr. Strange mit den Portalen erzeugen kann, nicht genutzt wird, um … na gut, lassen wir das. Trotz der vielleicht bisher düstersten Geschichte gibt es natürlich auch wieder den typischen Humor. Und der ist so gelungen wie eh und je. Wenn sich Star-Lord durch Thors Anwesenheit immer wieder in Eifersüchteleien und Hahnenkämpfen verliert oder Rocket am liebsten sämtliche coolen Gadgets aller Helden kaufen würde; wenn Dr. Strange Thanos‘ Reden mit sarkastischen Kommentaren begegnet oder wenn Stark Peter Parker per Ritterschlag zum Avenger macht. Dann macht das durchweg Spaß und unterscheidet sich eben typisch von den Kollegen aus dem DC-Universum.

Avengers: Infinity War 4K Ultra HD [Blu-ray]

Preis: EUR 29,99

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29 Neu & Gebraucht erhältlich ab EUR 24,85

Bildqualität (90%)

Avengers: Infinity War wurde volldigital aufgenommen und größtenteils mit 6,5K am Ausgang gedreht. Allerdings wurde das Ergebnis nach mehrfach widersprüchlichen Aussagen fürs Digital Intermediate nun doch auf 2K runterskaliert, womit man es für die 4K-Scheibe wieder hochrechnen musste. Wer zudem gehofft hatte, dass die Vollformat-IMAX-Szenen im Film enthalten sind, wird enttäuscht – hier gibt’s durchgängig Breitbild in 2,39:1. Leider geht Disney auch in Sachen HDR einen Schritt zurück, nachdem zuletzt Black Panther oder auch Star Wars: Die letzten Jedi mit Dolby Vision ausgestattet wurden, gibt’s für Infinity War nur das übliche HDR10.

Das Bild lässt nur wenig beanstanden. Die CGI Effekte sind klasse. Plastizität und Detailgrad sind gut
Das Bild lässt nur wenig beanstanden. Die CGI Effekte sind klasse. Plastizität und Detailgrad sind gut

Ebenfalls enthalten ist natürlich ein erweiterter Farbraum im Rahmen von Rec.2020. In der Praxis setzt es zunächst mal eine Überraschung. Denn HDR10 sorgt zwar für das (typischerweise) etwas dunklere Bild und satteres Schwarz, doch gerade die Farben-Vielfalt im All ähnelt jener der Blu-ray durchaus. Selbst Rot und Grün zeigen sich nur minimal intensiver. Aufgrund der höheren Dynamik werden allerdings viele Spitzlichter differenzierter dargestellt und überstrahlen nicht im selben Maße. Bei den Hautfarben profitiert die UHD von einer etwas neutraleren Note bei den hellhäutigen Darstellern. Schauspieler mit afroamerikanischem Hintergrund wirken noch dunkler und haben nicht den auf der Blu-ray zu beobachtenden, leichten Rotanteil. Insgesamt aber bewegt sich die UHD mit nur ganz leichten Kontrastvorteilen auf dem Niveau der Blu-ray.

Bei der Auflösung allerdings sieht man sogar bei Komplettbildern Vorteile auf Seiten der UHD. Manchmal bezweifelt man hier, ob es sich (nach langem hin und her in den Daten-Aufzeichnungen) tatsächlich um ein 2K-Upscale oder doch um eine native 4K-Scheibe handelt. Denn für ein 2K-Upscale sieht die UHD wirklich vorzüglich aufgelöst aus.

Avengers: Infinity War 4K Ultra HD [Blu-ray]

Preis: EUR 29,99

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Tonqualität (80%)

Beim Ton von Avengers: Infinity War geht Disney leider den zuletzt beständig beschrittenen Weg, die deutsche Fassung nur mit einem Dolby-Digital-Plus zu beliefern. Doch zunächst mal das Positive: Während der großen Schlachtszenen darf man durchaus erfreut sein über die zahlreichen direktionalen Effekte. Allerdings gibt’s hier schon die erste Kritik. Denn viele Effektsituationen sind erstaunlich vordergründig und spielen sich oft vornehmlich auf der Front ab. Ebenfalls nur mittelmäßig ist die Einbettung der deutschen Stimmen. Gerade während der lauten Kampfszenen wirken sie dumpf und alles andere als klar und akzentuiert. Noch ärgerlicher ist aber die wie bei Black Panther erneut zu Wünschen übrig lassende Dynamik sowie der unterforderte LFE.

Schon das landende Raumschiff von Ebony Maw und Cull Obsidian lässt den Subwoofer seltsam unbeschäftigt. Noch schlimmer wird’s dann im Kampf zwischen Stark und Dr. Strange auf der einen und den beiden „Botschaftern“ auf der anderen Seite. Wenn Iron Man seine neue Nanotechnologie einsetzt und den Cull wegschleudert, kracht es mehr oder weniger auf einem Frequenzbereich ohne große Höhen und Tiefen. Da darf man sich schon mal fragen, was die Soundmix-Abteilung bei Disney/Marvel reitet, ihre Filme derart undifferenziert und ohne dynamische Spreizung zu mastern. Positiv sei hervorzuheben, dass – wenn man die Lautstärke deutlich anhebt – die wenigen Szenen mit relativ gutem Bassvolumen dann recht eindrucksvoll klingen. Beispielsweise, wenn sich Thanos den Infinity-Stein aus dem Tesserakt einverleibt oder zuvor dem Hulk zeigt, wer die Hosen anhat. Immer wieder gibt es vereinzelte Szenen, die entsprechend wuchtig erscheinen.

Explosionen und Bässe gibt es zu Hauf. Wenn man etwas an diesem Film auszusetzen hat, dann der Sound, der hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt
Explosionen und Bässe gibt es zu Hauf. Wenn man etwas an diesem Film auszusetzen hat, dann der Sound, der hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt

Insgesamt ist Avengers: Infinity War also durchaus etwas besser als Black Panther – dennoch: Gerade in den großen Schlachten im Finale bleibt der Sound seltsam einheitsbreiig und lässt echte Spitzen im Frequenzband vermissen. Die UHD enthält zudem eine Atmos-Fassung fürs Original. Die klingt auf der regulären Ebene kaum anders als ihr dts-HD-MA-Pendant, also auch nicht sonderlich dynamisch oder differenziert. Natürlich addiert sie aber eine Höhen-Ebene hinzu. Der erste direktionale Effekt ist das Knarzen und Krachen im Raumschiff, nachdem Thanos den Stein aus dem Tesserakt eingesetzt hat. Auch der Hulk bricht effektvoll durchs Dach und der kurze Zeit später fallende Baum landet beinahe auf dem Zuschauer. Nett auch, wenn sich Peter von oben auf den Zuschauer herabspinnt und das mit einem schicken Soundeffekt begleitet wird.

Während die Filmmusik in den dramatischeren Szenen fast pausenlos von oben mitspielt, sind es aber vor allem die Wusch-Effekte des Energiestrahls, der Protagonisten in die Raumschiffe des Feindes hochzieht. Ansonsten muss man leider attestieren, dass viele Möglichkeiten ungenutzt bleiben. Da hört man hier mal ein kurzes Klicken, wenn Peter sein Netz oberhalb des Zuhörers spinnt oder der Iron Man saust mal über den Köpfen vorbei. Viele optisch sehr eindrucksvolle Effekte, die auf einer höheren Ebene stattfinden wie bspw. der Angriff auf Gamoras Heimatplaneten durch die organischen Raumschiffe oder auch die zentrifugalen Geräusche bei der Reaktivierung der Schmiede hätten durchaus auch auf die Heigths gehört. Da ist es dann schon fast überraschend, wenn Falcon und War Machine mal von hinten über die Köpfe hinwegfegen. Fallen dann aber (fast direkt) im Anschluss die Aliens aus den Raumschiffen direkt von oben auf die Kamera … bleibt’s still. Trotz einiger (weniger) cooler Effekte – hier passiert für einen solchen Film schlicht zu wenig in Sachen 3D-Sound.

  • Deutsch: Dolby Digital Plus 7.1 – 80% (2D-Betrachtung)
  • Englisch: Dolby Atmos – 80% (2D-Betrachtung)
  • Englisch: Dolby Atmos – 65% (3D-Betrachtung)

Bonus (70%)

Das Bonusmaterial liegt bis auf den Audiokommentar zum Film, der auch auf der UHD zu finden ist, komplett auf der Blu-ray. Zunächst gibt’s optional ein Intro der Regisseure Joe und Anthony Russo vor dem Start des Films. Die unvermeidlichen Pannen vom Dreh eröffnen dann den Featurette-Bereich und gehen über insgesamt vier zusätzliche Szenen weiter zu insgesamt vier echten Hintergrundberichten. In „Neue Teams“ geht’s fünf Minuten lang um die Zusammenführung aller Charaktere aus den bisherigen Filmen des MCU; wie man sie kollaborieren und in eine gemeinsame Schlacht ziehen ließ. „Der wahnsinnige Titan“ kümmert sich dann etwa sieben Minuten um den Antagonisten Thanos und um dessen Motivation. Dazu gibt es dann noch zwei Featurettes über die Schlacht auf Titan und in Wakanda. Hier wird vor allem die Planung und die Arbeit an den CGIs sowie am Setdesign herausgestellt.

Gesamtbewertung Avengers: Infinity War 4K Blu-ray (87%)

Ja, Avengers: Infinity War hat in der Überlegenheit von Thanos und der Macht der Infinity-Steine durchaus Logiklöcher. Lässt man das aber beiseite, ist den Russo-Brüdern ein unglaublich unterhaltsamer, rasanter, visuell fantastischer MCU-Beitrag gelungen, der vor allem in puncto Bösewicht und dessen Schergen überzeugen kann. Die Dramatik des Finales ist bisher einzigartig im Marvel-Universum und macht extrem viel Lust auf den abschließenden vierten Avengers-Film.

Typisch Starlord... das Aufgebot an Superhelden war nie größer. Der Film ist einfach große Klasse
Typisch Starlord… das Aufgebot an Superhelden war nie größer. Der Film ist einfach große Klasse

Die UHD bringt das Geschehen gegenüber der Blu-ray noch etwas plastischer und schärfer rüber, muss sich innerhalb einer UHD-Bewertung aber mit einer etwas geringen Prozentzahl zufrieden geben als ihr BD-Pendant. Denn das liefert innerhalb vergleichbarer Blu-rays fast optische Perfektion ab. Leider ist erneut ein Disney-/Marvel-Titel mit einem zwar sehr effektvollen, aber wenig differenzierten Ton ausgestattet. Den Bombast der Bilder kann er nicht in dem Maße wiedergeben, wie man es sich wünschen würde. Auch die Atmos-Fassung der Originalsprache auf der UHD lässt Potenzial liegen und dürfte deutlich öfter ins Geschehen eingreifen.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 06. September 2018 Review am: 04. September 2018
Erscheinungsjahr Film: 2018 Laufzeit: 149 Minuten
Filmstudio: Disney FSK: Ab 12 Jahren
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Bildformat:
2.35:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch Dolby Digital Plus 7.1
Englisch Dolby Atmos
High Dynamic Range:
HDR 10 Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D
Testgerät Player: Sony UBP-X700

„Avengers: Infinity War“ Trailer:

„Avengers: Infinity War“ 4K Blu-ray im Test: Blockbuster mit Tonschwächen
4.5 (90%) 4 Bewertung[en]

6 KOMMENTARE

  1. Die Englische Tonspur in Atmos soll laut Information auf der Hülle in 7.1.4 sein. Ich habe diese Konfiguration zuhause befeuert von einem Denon X6400. Jedoch trotz Pure Direct oder Pure Auto kommt nur ein 7.1.2 raus?

    • Es gibt keine 7.1.2 oder 7.1.4 Tonspuren, es ist Atmos und hat eine Höhenebene oder es ist kein Atmos, also TrueHD bzw. DD+, und nur auf die unteren Ebene beschränkt. Schau mal im AVR, dass du auch Top Height und Rear Height bzw. Top Front und Top Rear eingestellt hast, je nachdem was du daheim hängen hast.

  2. Gesamtbewertung Ready Player One 4K Blu-ray (87%)
    Da hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen 😉

    Sonst ein super Bericht und schade wie Disney erneut mit ihren UHDs umgeht 🙁

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