Netflix testet Zusatzgebühren für Account-Sharing

Verlangt Netflix bald Zusatzgebühren, sobald man seinen Netflix-Account an Dritte weitergibt? Der Streaminganbieter verlangt bereits entsprechende Zusatzgebühren von Account-Sharern in Chile, Costa Rica und Peru.

Netflix ist besorgt, dass es nicht genug Geld von uns bekommt, um seine Aktionäre zufriedenzustellen – oh Pardon – ich meinte natürlich, um in sein Programm investieren zu können. Die Zeiten, in denen Netflix das Teilen des Login-Passworts mit Dritten gutgeheißen hat, sind wohl vorbei. Ein Umsatzwachstum wird sich in den nächsten Jahren nur schwer über neue Abonnenten generieren lassen und so greift der Streaminganbieter seinen „anonymen Bestandskunden“ in die Tasche.

Vom Trittbrettfahrer zum vollwertigen Mitglied?

Die Aufmerksamkeit gilt jetzt Personen, die ihre Login-Daten für den Dienst teilen. Nicht unter Familienmitgliedern, sondern mit Freunden, Kollegen oder vielleicht sogar völlig Fremden, die nicht dem eigenen Haushalt angehören. Die Anzahl derjenigen, die das Passwort weitergeben, ist sicherlich auch nicht unerheblich. Die Frage, die sich jetzt stellt, könnte Netflix die Personen, die keinen eigenen Account besitzen, zu einem vollwertigen Mitglied umwandeln, oder würden sich diese aufgrund immer weiter steigenden Preise eher vom Streamingdienst entfernen?

Netflix testet Zusatzgebühr für Account-Sharing

Das Unternehmen hat jetzt einen Feldversuch in Costa Rica, Chile und Peru gestartet, wobei es eine zusätzliche Gebühr für diejenigen erhebt, die ihre Anmeldeinformationen teilen. Die Kosten bewegen sich umgerechnet im Bereich zwischen 2.00 und 2.50 Euro. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Monatslohn in diesen Ländern bei 480-700 Euro liegt. Übertragen auf den europäischen Markt kann man davon ausgehen, dass man für jedes zusätzliche Mitglied gut 5 Euro oder mehr zahlen „darf“.

Ob auch wirklich alle Profile dieses Netflix-Accounts aus einem Haushalt stammen? Oder wird hier das Passwort mit Dritten geteilt?
Ob auch wirklich alle Profile dieses Netflix-Accounts aus einem Haushalt stammen? Oder wird hier das Passwort mit Dritten geteilt?

Dritten wird zudem die Möglichkeit eingeräumt, einen komplett eigenen Account anzulegen. Dabei können alle Nutzerdaten eines bestimmten Profils, wie die Watchlist, personalisierte Empfehlungen und Erinnerungen an einen neuen Account übertragen werden. Das alles kommuniziert Netflix auf deren Webseite unter der Kategorie „Innovationen“. Netflix handelt laut eigener Aussage nur so, damit nicht deren „Fähigkeiten beeinträchtigt werden, in großartige neue Fernsehsendungen und Filme für unsere Mitglieder zu investieren.“. Man möchte glauben, dass ein Jahresumsatz von rund 25 Milliarden US-Dollar (in 2020) ausreichen sollte, um genug Content zu produzieren bzw. einzukaufen. Dem ist aber anscheinend nicht so, wie man an der jüngsten Preiserhöhungen in Europa sieht.

Abonnentenwachstum gerät ins Stocken

Netflix hat seinen Sättigungspunkt mit rund 210 Millionen Abonnenten erreicht. Es wird spekuliert, dass die Zahl der Abonnenten durch die immer weiter steigenden Preise und den Konkurrenzdruck in Kürze rückläufig werden könnte. Und in ein Unternehmen, das nicht weiter wächst, möchte man an der Börse sicherlich auch nicht investieren.

Wie lange wird es dauern, bis Netflix entsprechende Vorgehensweisen in Deutschland und anderen europäischen Ländern implementiert? „Wir werden daran arbeiten, den Nutzen dieser beiden Funktionen für Mitglieder in diesen drei Ländern zu verstehen, bevor wir irgendwo anders auf der Welt Änderungen vornehmen“, so Netflix. Bedeutet, lassen sich damit ein paar zusätzliche Dollar erwirtschaften, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Account-Sharing bei Netflix der Vergangenheit angehört.

Dominic Jahn
Dominic Jahn
Couch-Streamer, TV-Umschalter & Genuss-Cineast. Am liebsten im Originalton, gerne auch in 3D! Paypal-Spende für die 4KFilme-Kaffeekasse

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21 Kommentare
  1. Wenn Netflix einfach kein 4K Single Angebot anbietet ist es kein Wunder, dass die Meisten sich ein ACC teilen insbesondere hat Netflix das auch sehr hart beworben, dass man sein ACC doch mit sein Freunden teilen soll.
    Wenn sie Gebühren erheben wollen sollten sie das auf Neukunden machen und nicht auf Bestandskunden. Das Vorgehen von Netflix wird mir immer negativer und viele Serien sind bereits entfernt worden somit überlege ob ich das vlt abmelde, es is mittlerweile zu teuer vor allem für ein Haushalt.
    Netflix könnte auch ein ShareACC Model anbieten mit 4k usw das direkt etwas mehr kostet aber nicht 2,50. Bei 2Euro würde ich sagen ist das OK, bei 4 zahlenden sind es pro Person dann 5Euro.

  2. Kann man dann da nicht tricksen, wenn man immer wieder neue Accounts mit den Netflix-Prepaid-Karten von der Supermarktkasse eröffnet, wenn man denn dann doch irgendwann gesperrt wird?

  3. Wie immer: Jeder möchte die beste Bild und Tonqualität, möglichts viele und gute Inhalte aber zahlen dafür keiner. Oh 20€ im Monat sind mir zu viel. Leute, Netflix ist Luxus den man sich gönnt oder nicht. Sprechen mich die Inhalte an oder nicht. Es ist kein muss, jeder kann selbst entscheiden. Wenn es einem nicht passt, kündigt man nach einem Monat und gut ist.
    Netflix muss auch Serverkosten bezahlen: Strom, Wartung dann kommen noch die eigen produzierten Inhalte. Da kommt einiges an Kosten hinzu.
    Aber wahrscheinlich Arbeiten die meisten die jetzt wieder herum heulen umsonst und möchten nicht für ihre Arbeit entlohnt werden. Es nervt nur noch….

    • Wie jeder zu Netflix steht und es für sich betrachtet, das bleibt erstmal jedem selbst überlassen.
      Fakt ist aber, dass Netflix nicht zum persönlichen Überleben notwendig ist, wie mittlerweile so Vieles in unserer Gesellschaft. Man hat keinen gesellschaftlichen Nachteil, wenn man Netflix nicht konsumiert. Das sieht bei Brot, sozialen Kontakten und mittlerweile Internet definitiv anders aus.
      Netflix ist ein privates, profitorientiertes Unternehmen und hat keinen gesellschaftlichen Auftrag, im Gegensatz dazu der ÖR schon.
      Die Bezeichnung von „Propagandafernsehen“ im Zusammenhang mit dem ÖR unter der aktuellen politischen Situation zeigt mir, dass Viele mit Scheuklappen rumlaufen und gar nicht sehen wollen, was da Draußen eigentlich passiert. Soviel zum Tunnelblick.
      Gefällt einem etwas nicht, dann ist es Gehirnwäsche, Propaganda oder irgendeine andere Ausrede.
      Aber zurück zu Netflix: wir reden immer noch Preisen, die in der allgemeinen Medienlandschaft doch noch mehr als erträglich sind.
      In der Tat sind die angeboteten Modelle nicht mehr zeitgemäß, aber das wird die Zeit schon noch regeln.

  4. Das Geschäftsmodell von Netflix sieht Accountsharing über einen Haushalt hinaus nicht vor. Ergo geht Netflix bei jedem dieser Fälle Geld flöten und wer sind dann die Leidtragenden? Diejenigen die sich dran halten und letztlich für die Abopakete immer mehr zahlen müssen, weil das Ganze ja irgendwie kompensiert werden muss.

    HH-übergreifendes Account-Sharing ist daher schlicht nicht fair!

    Dass die unterschiedlichen Abomodelle von Netflix (mit SD, HD und UHD und unterschiedlicher Geräteanzahl) aber inzwischen weit an der Realität vorbeigehen und ziemlich bekloppt sind, steht auf einem anderen Blatt.

    Full HD ist inzwischen Standard und dass es kein Paket für die Nutzung von UHD auf nur einem Gerät gibt ist Nonsens. Das macht Disney+ mit seinem „Ein Preis für die beste Ton-/Bildqualität“ deutlich besser!

  5. Keine Ahnung warum man das (dauerhaft) abbonieren sollte.

    Einfach alles gucken was einen interessiert dann kündigen und dann paar Mnate später wieder anmelden.

    Weiß nicht warum man immer konstant ein Abo haben muss.

    • Wenn man seinen Netflix Account shared, kann man sehr schwer zwischendurch kündigen.
      Jeder Nutzer sieht sich ja andere Dinge an ..
      Wenn die das Sharen abdrehen, werden sehr viele den Account komplett kündigen, weil es erstens zu teuer für einen allein ist und zweitens, keiner Netflix die ganzen 12 Monate eines Jahres benötigt….
      3 bis 4 Monate in der kalten Jahreszeit reichen durchaus…

  6. Ich schau so wenig Netflix, wenn Account sharen nicht mehr geht, verzichte ich halt oder hol mir einmal im Jahr einen Monat und hol dann alles wichtige an Eigenproduktionen nach.
    Und da alle in unserer Netflix-Abo-Gruppe so denken, bekommt Netflix halt nichts mehr von uns.
    Alleine zahl ich auf jedenfall nicht den Familienpreis um 4K Qualität zu bekommen, die über Beamer noch immer als minderwertig zu bezeichnen ist.

  7. Zumindest in D ist Netflix nicht an der Spitze – sondern Amazon

    https://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN//4kfilme-21

    Wenn die Preise iwann zu hoch werden , bzw zu unattraktiv , muß Netflix aufpassen , irgrendwann mal nicht auch ein nischendasein als Luxusstreamer zu fristen.

    Höhere Kosten sind sicherlich nicht zuträglich , um daran etwas zu ändern. Die technischen und betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten zu Accountsharing müssen bestimmt auch ausgetestet werden, bevor die Abo-Struktur angepasst wird.

    Alles zu seiner Zeit.

  8. Ich bin auch von einem eigenen Account auf einen mit mehreren Leuten umgestiegen. Allein wegen 4k und weil es einfach unverschämt teuer geworden ist. Vielleicht sollte man sich bei Netflix auch mal überlegen hochwertigen Content anzubieten, anstatt 100 unterirdische Filme mit Ryan Reynolds und The Rock zu drehen und allein für die Gage so viel auszugeben, wie andere in eine komplette Serie mit 3 Staffeln stecken.

    Für mich ist Netflix zum MTV der 2000er geworden. Fehlt nur noch die bescheuerte Jamba Werbung und der Crazy Frog der einem den letzten Nerv raubt.

  9. Netflix soll endlich mal das 4K HDR Abo für Single User anbieten. Dann sehen wir mal wieviele wirklich das Sharing betreiben wollen.

    • … dann bitte zum selben Preis wie das Standard-Abo. Kein anderer Anbieter ist so frech und bietet nur DVD-Qualität fürs Geld. Selbst bei Sky ist HD inzwischen Standard! Alternativ können die aber auch gerne über einen Kontotyp mit nur Netflix-(Ko)Produktionen nachdanken… vorausgesetzt es würde finanziell wirklich etwas bringen.

  10. Wie wollen die denn herausfinden, dass „Fremdnutzer“ in einem Konto aktiv sind? Könnten ja auch die Eltern + mehrere Kinder im Studium an verschiedenen Orten sein?! Ich frage mich nur, wie weit es noch kommen muss, dass eine große Kündigungswelle stattfindet.

      • Die IP ändert sich bei DSL doch jeden Tag. Außerdem ist man bereits davon betroffen, wenn man auch unterwegs streamt. Funktioniert also eher schlecht als Kriterium.

    • Kinder nicht mehr im eigenen Haushalt wohnen, sollten offiziell schon eigene Abonnements abschließen. Offiziell ist das Sharing nur innerhalb eines Haushalts vorgesehen, was ergo auch den selben Wohnort bedingt.

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