Netflix Tudum: Plattform ist wohl vorerst gescheitert

Netflix wollte mit der Website Tudum sozusagen die erste Anlaufstelle für Fans schaffen. Doch das Projekt ist offenbar am eigenen Anspruch (vorerst) gescheitert.

Die englischsprachige Website soll es Fans der Netflix Originals erlauben, exklusive Zusatzinhalte zu genießen: Interviews, Blicke hinter die Kulissen und auch den ersten Blick auf Serien-Verlängerungen oder neue Filme. Kürzlich hat Netflix aber nun erhebliche Teile der Belegschaft entlassen. Ehemalige und noch verbliebende Mitarbeiter kritisieren den Streaming-Anbieter anonym. So habe Netflix seine Ziele für die Website laufend angepasst. Es habe an einem klaren Konzept gefehlt. Und auch das Marketing sei diffus geblieben.

Beispielsweise sei ein Problem gewesen, dass Tudum exklusive Interviews habe bieten sollen, doch oft sei man mit entsprechenden Stars, Regisseuren oder Produzenten nicht vernetzt worden. Das habe dazu geführt, dass andere Redaktionen die Inhalte bieten konnten, die eigentlich bei Tudum hätten zu finden sein sollen. Laut einem ehemaligen Redakteur sei das Ergebnis gewesen, dass Tudum nicht etwa exklusiven Zugang zu Stars gehabt habe, sondern schlechtere Kontakte an der Tagesordnung gewesen seien, als bei unabhängigen Magazinen.

Einige Autoren kritisierten auch, dass sie Gespräche mit Kreativen und Berichte über Netflix-Produktionen im Grunde als reine PR-Artikel aufziehen mussten. Das machte es schwer, Glaubwürdigkeit zu erreichen. Jegliche Kontroversen galt es wohl zu vermeiden. Zudem wurden stets neue Prioritäten gesetzt, sodass es kaum möglich war, Besucher mit einer einheitlichen Strategie und einem Marken-Image zu binden.

Netflix Tudum: Website fristet ein Nischendasein

Tudum hatte anfangs auch keine eigenen Social-Media-Kanäle und ist deswegen vielen Menschen noch unbekannt. Statt zur ersten Anlaufstelle für Fans zu werden, ist die Website aktuell eher ein wenig wirksames SEO- und Marketing-Tool. Dass Netflix so in der Strategie schwankt, dürfte aber auch auf die jüngsten Geschäftsergebnisse bzw. den Abonnentenschwund beim Streamer zurückzuführen sein. Der hat sicherlich intern eine gewisse Panik ausgelöst. Schließlich fiel Netflix Aktienwert zeitweise um 30 %.

Ein ehemaliger Autor rät Netflix ein Erfolgsrezept: „Stellt nicht mehr jede Serie ein, die den Zuschauern gefällt, gebt nicht mehr grünes Licht für so viele alberne Serien, die sich niemand ansehen möchte und hört auf, die Preise zu erhöhen.“ Netflix zeige hier seiner Ansicht nach aber keine Besserung.

QuelleThe Verge
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

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