Operation Overlord 4K Blu-ray im Test: Nazi-Zombies ohne Biss

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Die 4K Blu-ray zu "Operation Overlord" kann audiovisuell überzeugen. Inhaltlich sollte man auf Durchzug schalten können.
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Bisher war das Subgenre des Nazi-Zombie-Kriegs-Horrorfilms ja praktisch fest in skandinavischer Hand: „Dead Snow“ aus Norwegen und demnächst ein Zombie-Hitler im zweiten Teil zu Iron Sky des finnischen Timo Vuorensola. Doch jetzt schlagen die USA zurück. Kein Geringerer als Produzenten- und Regie-Wunderkind J.J. Abrams finanzierte unter seinem Bad-Robots-Label den von Regisseur Julius Avery inszenierten Operation Overlord. Wer sich in der Kriegshistorie auskennt, weiß, dass mit der Operation Overlord eben jene militärische Aktion im Zweiten Weltkrieg gemeint ist, in der ab dem 06. Juni (D-Day) die westlichen Alliierten in Nordfrankreich anlandeten, um eine zweite Front gegen das Deutsche Reich zu errichten. Vor diesem Hintergrund erzählt Averys Film nun einen teils beinharten Kriegs- und Zombie-Horrorfilm, dessen Story Abrams tatsächlich selbst auf den Weg brachte. In Anbetracht der doch eher trashigen Story nimmt es fast Wunder, dass Paramount sich für eine Kinoauswertung entschloss und nicht – wie bspw. bei Cloverfield Paradox – ein Angebot von Netflix einholte. Immerhin lief der Film dann mit einem weltweiten Einspiel von ~42 Mio. Dollar knapp kostendeckend. Denn mit einem Budget von 38 Mio. Dollar ist Operation Overlord mitnichten billig. Selbst wenn seine Geschichte klingt, als käme sie aus den Niederungen des B-Movie.

Ist doch eigentlich ganz schön hier in Frankreich
Ist doch eigentlich ganz schön hier in Frankreich

Rein optisch gehört der Zombiehorrorkriegsdrama-Film aber rein gar nicht in die Kategorie „B“. Ganz im Gegenteil: Schon die Eröffnungsszene ist extrem aufwändig produziert und schildert den Abwurf der Soldaten auf nervenzerrende Weise. Wie sie schon in der Luft beschossen und (größtenteils) getroffen/dezimiert werden – das hätte auch einem Soldat James Ryan gut gestanden. In der Folge nimmt der Film mehr und mehr Züge eines Kriegsdramas an, das in dramatischen Momenten vor allem das Zwangsverhältnis zwischen Wafner und der Französin Chloe beschreibt. Pilou Asbaek, der den Nazi Wafner spielt, erfüllt seine Rolle mit einer Bösartigkeit, die fast ein wenig an Ralph Fiennes in Schindlers Liste erinnert. Erst in der zweiten Hälfte steigert sich Operation Overlord dann ins Horror-Zombie-Subgenre, wenn die zuvor nur angesprochenen Untoten-Soldaten, die das Tausendjährige Reich sichern sollen, auch wirklich auftauchen. Und dann fühlen sich nicht Wenige der Generation Gamepad an die Castle-Wolfenstein-Videospiele erinnert. Denn Fans der Serie erleben hier gleich zahlreiche Déjà-vu-Situationen. Von da an zieht auch das Gewaltlevel noch mal deutlich an. Die praktischen Masken lassen das dem B-Movie überlegene Budget deutlich erkennen, wenn Köpfe zertrampelt oder Löcher in Gesichter geschossen werden. Auch extrahierte Wirbelsäulen gibt es zu bestaunen und die Exekutionen sind auch nicht gerade zimperlicher Natur.

Choe (Mathilde Ollivie) und Boyce (Jovan Adepo) sind ganz schön tief in der S*****
Choe (Mathilde Ollivie) und Boyce (Jovan Adepo) sind ganz schön tief in der S*****

Dass das Cast dabei etwas untergeht, liegt sicherlich auch an den ziemlich klischeehaften Figuren und deren mangelnder Charakterisierung. Dennoch gelingt vor allem das Kameradschafts-Thema gut und weil die Darsteller miteinander harmonieren, funktioniert auch die Bindung an die Charaktere. Das wiederum macht das spätere Gemetzel emotionaler. Die Figuren wirken eben nicht komplett austauschbar und zumindest Boyce‘ Schicksal ist einem auch nicht egal. Doch persönliche Hintergründe und Figurentiefe sind nach 80 Minuten eh ohne Belang, wenn der Terrorfilm plötzlich die Kontrolle übernimmt – und das aufgrund der äußerst gelungenen Masken erstaunlich effektiv. Schon der glatzköpfige Zombie mit Unterarm-Fraktur funktioniert sensationell. Die irren Bewegungen des Darstellers, seine völlig instinktive Verfolgung von Chloe – das hat schon fast Horrorfilm-Charakter. Außerdem gerät die Atmosphäre in den unterirdischen Labors ziemlich packend, was am stimmigen Setdesign, der vortrefflichen Beleuchtung und den passenden Kamera-Einstellungen liegt. Klar, Operation Overlord ist trotz aufwändiger Produktion und hohem Budget dann doch kein Mainstream. Also nichts für jedermann. Aber für Freunde blutigerer und actionlastigerer Gangart ist der Film ein Fest. Regisseur Avery jedenfalls hat sich hiermit für Größeres empfohlen, ist er doch für das Remake von Flash Gordon gebucht.

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11 KOMMENTARE

  1. @Nightmare: „Flacher Humor ist Humor, der nicht besonders geistreich oder raffiniert ist. Meistens fehlt eine richtige Pointe und kaum einer lacht über flache Witze.“
    Du scheinst flachen Humor als das Gegenteil von schwarzem Humor anzusehen. Kann ich so nicht nachvollziehen.

  2. Richtig. Ich kann Empfehlungen aber nur auf der Basis meiner Meinung aussprechen und ich finde beide Iron Sky Filme alles Andere als flach.

      • Wir stehen da eher so auf grotesken, überspitzten Humor ala Southpark, Rick & Morty, Brickleberry, Preacher
        Wilfred, Super: Shut Up Crime oder Kickass.
        Dagegen sind die Iron Sky Filme schon ziemlich Flach.
        Aber wie gesagt: Geschmäcker sind Verschieden 🙂

        • Ah, das meinst Du mit „flach“: nicht extrem genug. Southpark finde ich zu übertrieben und selbstzweckhaft eklig. Meine Definition von flach. Preacher und Kick-Ass finde ich auch sehr gut. Die anderen kenne ich nicht. Ansonsten mag ich auch Satiren à la Robocop, The Running Man und Starship Troopers.

          • Jop genau, meine Definition wäre:
            https://www.gutefrage.net/frage/was-versteht-man-unter-flachem-humor

            Gemeinhin unterscheidet sich die wissenschaftliche Definition von Humor in der Regel von der alltagsgebräuchlichen. Denn: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ gilt hier als wegweisend.Schwarzer Humor wird in der Regel als die Fähigkeit betrachtet, mit heiterem Blick auf die Beschwerlichkeiten und Tragödien des Lebens zu reagieren. 
            Ich lache auch über groteske Sachen 😉

  3. Ähm, der zweite Iron Sky Film ist bzw. war schon im Kino und der Hitler darin ist kein Zombie. Ich möchte hier nicht spoilen, was er ist, aber ich kann Euch Allen den Film nur wärmstens empfehlen — es sei denn, Ihr seid gläubige Jobsisten. 😉
    Jedenfalls haben wir im Kino gut darüber gelacht. 🙂

    • Wir waren auch im Kino.
      Fanden ihn alle durch die Bank bestenfalls unterdurchschnittlich.
      Da war selbst der erste Teil besser.
      Bin ein Fan von schwarzen Humor aber IS2 war einfach nur Flach.
      Geschmäcker sind verschieden. 😉

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