Ihr wollt die Raumakustik in eurem Wohnzimmer oder Heimkino verbessern? Mit diesen 5 Tipps könnt ihr euren Heimkino-Sound zum größten Teil selbst optimieren.
Das Thema Raumakustik, egal ob im Studio, im Wohnzimmer oder im Heimkino ist umfangreich und zum Teil recht komplex. Es gibt jedoch einige Regeln, die einfach beachtet gehören, um der Soundanlage einen guten Klang zu entlocken. Dabei ist es egal, ob man nur ein Stereo-Setup, eine Surround-Sound-Anlage oder gar ein vollwertiges 3D-Soundsystem für Dolby Atmos, DTS:X und/oder Auro-3D sein Eigen nennt. Es gibt sogar Unterschiede, welche akustischen Signale man verarbeiten möchte. Für Musik gelten z.B. bei der Nachhallzeit andere Regeln, als bei Kinosound. Wir möchten Anfängern, aber auch fortgeschrittenen Nutzern, eine kleine Hilfestellung geben und zählen die in unseren Augen (oder besser gesagt Ohren) fünf besten Tipps auf, um die Raumakustik im Wohnzimmer oder Heimkino zu verbessern.
0. Wir kaufen einen Teppich

Wir müssen gestehen, eigentlich haben wir 6 Tipps für euch. Diesen ersten Basic-Tipp haben wir erst nachträglich hinzugefügt, da wir diesen Schlichtweg nicht auf dem Schirm hatten bzw. ihn vielleicht als selbstverständlich betrachten. Dabei ist dieser erste Tipp wirklich einfach umzusetzen. Denn der Boden in unserem Heimkino trägt viel zu unserer Raumakustik bei. Viele fühlen sich jetzt vielleicht ertappt, dass sie auch nur in vertikalen Ebenen denken und sehr viel Zeit in die akustische Optimierung der Wände und Decken gesteckt haben, den Boden aber außen vor lassen.
Ein Teppichboden ist ideal, um den Raum vorzubereiten, da dieser nicht nur Schritte dämpft, sondern auch Schall schluckt, der sonst zu ungewollten Reflexionen führt. Zudem sorgt ein Teppich für ein wohliges Ambiente im Heimkino, was in den meisten Fällen sicherlich weitaus einladender wirkt, als ein Boden mit Fliesen, Laminat, Parkett oder Holz. Bereits ein kleiner Teppich positioniert zwischen Zuhörer und Lautsprecher kann hier Wunder wirken.
1. Wir starten mit dem Bass (Subwoofer)
Bereits beim ersten Schritt scheiden sich ggf. die Geister. Viele würden nämlich als Erstes sicherlich erst einmal die Lautsprecher im Stereo-Dreieck (später dazu mehr) ausrichten. Wir finden jedoch, man sollte auf jeden Fall mit dem Subwoofer/Bass beginnen, da sich damit das „akustische Spielfeld“ für weitere Schritte optimieren lässt.

Wer keinen Subwoofer hat, sollte darüber nachdenken, sich einen anzuschaffen und in sein Lautsprecher-Setup zu integrieren. Wer bereits einen Subwoofer besitzt, sollte sich ggf. noch einen zweiten oder dritten Sub anzuschaffen. Und keine Angst, das hat nichts mit „schau mal, wie krass das hier scheppert“ zu tun. Denn je mehr Chassis im Tieftonbereich (Subwoofer) im Einsatz sind, desto gleichmäßiger lässt sich der Raum „anregen“. So können Überlagerungen von Schallwellen, auch Raummoden genannt, reduziert werden. Überhöhungen am Hörplatz, die im extremen Fall bis zu 20 Dezibel betragen können, sollten mit einem, zwei oder gar drei Subwoofern nicht mehr auftreten.
Wer jetzt sagt, diese Überhöhungen kann ich doch auch über einen Equalizer herausrechnen, dem können wir nur zustimmen. Wir persönlich sind jedoch der Meinung, dass eine physikalische Lösung in diesem Fall einer elektronischen Behebung vorzuziehen ist. Bei einer Behebung mit dem Equalizer bleibt uns z.B. immer noch die Nachhallzeit bestehen, welche sich mit der physikalischen Lösung bereits etwas optimieren lässt.
1.1 Stellt euren Bass in ein Minima
Als untergeordneten Hinweis (sozusagen ein „Sub-Tipp“) möchten wir euch noch folgendes mitgeben. Stellt euren Bass/Subwoofer im Raum immer in ein Minima und nicht in ein Maxima des Raumes. Im Maxima hat der Bass die meiste Kraft und im Minima die geringste. Das bedeutet nicht, dass wir im Minima von unserem Subwoofer nichts mehr mitbekommen, sondern, dass alle Personen im Raum die gleiche Bass-Intensität erfahren.

Also vermeiden wir die Maxima, die sich in den Ecken des Raumes und jeweils an den Mitten der Seitenwände befinden. Und ja, ein Subwoofer sieht in der Ecke stehend ganz gut und aufgeräumt aus, mit einer dreifachen Stärkung des Reflexionsschalls (zwei Seitenwände + Boden) ist diese Position aber einfach nur suboptimal.
Die Minima lasst sich ganz einfach ermitteln. Hierzu wird einfach ein Viertel der Raumbreite/-länge genommen. In einem rechteckigen Raum mit 5 x 3 Metern würde der Subwoofer mit 0.75 x 1.25 Meter von einer Ecke entfernt optimal stehen.
2. Lautsprecher korrekt ausrichten (Stereodreieck)
Wenn ihr den Begriff „Stereodreieck“ noch nicht gehört habt, dann habt ihr womöglich eines der größten Potenziale für eine optimale Raumakustik noch nicht ausgeschöpft. Denn die korrekte Ausrichtung der Haupt-Lautsprecher, also der linken und rechten Stereo-Treiber, gehört neben dem Subwoofer wohl zu den wichtigsten Regeln in der Raumakustik. So lenken wir den Direktschall der Lautsprecher auf den Sweetspot, also der Position, an der am Ende der Zuschauer sitzt. Dabei ist es wichtig, dass die Klangwellen der Stereo-Lautsprecher zum gleichen Zeitpunkt beim Zuschauer ankommen – Stichwort symmetrische Abstände.

Markiert euch als Erstes, wo eure Sitzposition liegt. Hier ist wichtig, dass ihr wirklich den Punkt „markiert“, an dem sich am Ende euer Kopf befindet, wenn ihr Musik, Filme oder Serien genießt. Von dort aus könnt ihr mit einem Maßband ausmessen, ob die Abstände zu den Lautsprechern gleich sind. Dieser Abstand, in unserem Beispiel 3 Meter, sollte dann auch zwischen den beiden Lautsprechern liegen. Die Lautsprecher sollten auch direkt auf die Sitzposition ausgerichtet sein. Am Ende ergibt sich daraus ein gleichschenkliges Dreieck.
Wer jetzt einen Schritt weitergehen möchte, sucht sich die Vorgaben für die Platzierungen der Lautsprecher von Dolby, DTS bzw. Auro-3D raus (je nachdem, auf welches Setup man optimieren möchte) und versucht die anderen Lautsprecher anhand der Ausgangsposition der Stereo-Lautsprecher anzugleichen. Alle Möglichkeiten hier aufzulisten, würde leider den Rahmen des Beitrags sprengen. Aber mit den korrekt positionierten Stereo-Lautsprechern, ist die Positionierung des Centers, der Surround- und Rear-Lautsprecher definitiv einfacher.

Wir wissen, dass es nicht in allen Wohnsituationen möglich ist, das Stereodreieck perfekt einzuhalten. Manchmal sitzt man mit der Couch einfach zu weit weg, als dass man die Lautsprecher optimal ausrichten könnte, oder die Lautsprecher lassen sich einfach nicht im gleichen Abstand zum Zuhörer aufstellen. Trotzdem sollte man versuchen, diese Faustregel so gut wie möglich umzusetzen. Es gilt, jeder Zentimeter kann das Hörerlebnis verbessern. Am Ende ist es dringend, auf die Symmetrie zu achten.
2.1 Die Couch gehört weg von der Wand!
Ein weiterer Tipp, der viel für die Raumakustik leistet, ist die Bestimmung des Sitzplatzes. Im Heimkino werden die Sitzmöglichkeiten meist auf 1/3 der Gesamtlänge des Raumes gelegt. Bedeutet bei einem Heimkino mit 6 Metern Länge, ist hinter den Kinosesseln rund 2 Meter Platz. Nach vorn zur Leinwand/TV-Gerät sind es dann um die 4 Meter Entfernung. Das macht man natürlich nicht, um hinter den Sesseln oder Sofas besser staubsaugen zu können (obwohl das natürlich hilft), sondern um eine „verzerrte Akustik“ durch Reflexionen zu vermeiden. Zudem lassen sich so Surround-Lautsprecher und ggf. Rear-Lautsprecher definitiv besser um die Zuschauer platzieren.
3. (Erst-) Reflexionspunkte ausmachen
Wir haben den Raum mit unserem Subwoofer angeregt und unser Stereodreieck optimal ausgerichtet. Nun gilt es, die akustischen Reflexionspunkte, primär die Erstreflexionspunkte auszumachen. Frühe Reflexionen (erste) haben eine hohe Schallenergie. Diese prallt dann von Wänden, Fenstern usw. ab und trifft verzögert zum ersten Akustikstrahl beim Zuhörer ein. Dieser verzögerte indirekte Schall kann vom Zuschauer wahrgenommen werden, viele haben sich jedoch nie um das Thema Reflexionspunkte gekümmert und kennen daher womöglich nur diesen verzerrten Klangeindruck. Erst nach einer Bereinigung mit Absorbern, die den Schall so gut wie möglich schlucken wird erst klar, was für eine Klangleistung die heimische Audioanlage wirklich leisten kann.

Um die Reflexionspunkte zu ermitteln, ist es am besten, man erstellt von seinen Räumlichkeiten einen exakten Plan, auf der ihr Wände, Säulen, Lautsprecher und die bevorzugte Sitzposition (ggf. mehrere Sitzpositionen) einträgt. Und jetzt versetzen wir uns zurück in unsere Schulzeit und berechnen die Punkte mit der Spiegelmethode. Hierbei gilt, Einfallswinkel = Ausfallswinkel.
Reißbrett, Geodreieck und Lineal
Optimal wäre es, wenn man auf einem schön großen Plan mit zwei Geodreiecken arbeitet. Es gibt auch Programme, zum Teil sogar kostenlos und online, mit denen sich Reflexionspunkte berechnen lassen. Selbst in unserem Grafikprogramm, haben wir es relativ gut hinbekommen, die Erstreflexionspunkte (Rot) und die weiteren Reflexionspunkte (Gelb) festzulegen. Man erkennt schnell, wo man mit Absorbern arbeiten sollte. Reflexionspunkte im Wohnzimmer, die z. B. auf Fenster oder Fenstertüren treffen, sollten mit Vorhängen abgeschwächt werden.

Die Berechnung aller Reflexionspunkte kann gut und gerne mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Hierbei sollte man Reflexionen, die hinter dem Zuhörer auftreten sowie Deckenreflexionen nicht vergessen. Es gilt, je genauer die Vorarbeit, desto einfacher und präziser lassen sich am Ende die Absorber positionieren.
Absorber oder Diffusor?

Wer sich fragt, soll ich einen Absorber (schluckt den Schall) oder lieber einen Diffusor (verteilt den Schall) einsetzen, dem sei ganz klar der Absorber empfohlen. Diese sind weitaus günstiger und man kann damit einfacher arbeiten und auch mit weniger Fachwissen gute Ergebnisse erzielen.
4. Nachhallzeit messen
Wenn wir jetzt unser Wohnzimmer oder Heimkino mit absorbierenden Materialien optimiert haben, können wir anhand der Nachhallzeit messen, ob unsere Maßnahmen und Berechnungen einen Effekt hatten. Die Nachhallzeit ist die Zeit, in der die Schallenergie nach Abschalten der Schallquelle auf ein Millionstel (um 60dB) abfällt.

Bedeutet, wir haben den direkten Schall vom Lautsprecher zum Zuhörer, einzelne Reflexionen, die im Bestfall bereits durch Absorber deutlich abgeschwächt sind und dann den Nachhall, der nur bei unoptimierten Räumen groß ins Gewicht fallen dürfte. Zwischen Direktschall und dem Ende der Nachhallzeit, also wenn der Schall um 60dB abgefallen ist, sollten bei für Musik optimierten Räumen (abhängig von deren Volumen) zwischen 300 und 400ms vergehen. Bei Filmen und Serien sollten es nur 200-250ms sein, da sonst der Nachhall negativ auffällt, da Klangeffekte asynchron zum Bild vom Zuschauer wahrgenommen werden.
So weit, so gut. Jedoch ist eine Messung für Laien sicherlich nicht einfach und in den meisten Fällen mit einem Geldaufwand verbunden. Optimal, wenn man einen Freund hat, der bereits entsprechendes Messequipment besitzt und für ein Bier und eine Pizza entsprechende Messungen anstellen kann. Alle anderen dürfen sich natürlich gerne in die Thematik des Messvorgangs einlesen oder man behilft sich wirklich mit einem Profi, der für einen festgelegten Betrag die Messungen vornimmt. So bekommt ihr vielleicht auch gleich noch den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag, sollte etwas im Rahmen der Messung auffallen.
5. Heimkinoraum nach dem LEDE-Prinzip optimieren
Der letzte und wohl am aufwendigsten umzusetzende Tipp ist, den Heimkinoraum nach dem LEDE-Prinzip zu optimieren. Hier sei gleich gesagt, dass dies im Wohnzimmer einfach nicht funktionieren kann und ist somit nur eine Empfehlung für Enthusiasten.
LEDE steht für „Live End Dead End“. Der vordere Bereich des Raumes, wo die meisten Lautsprecher stehen, wird so gut wie „schalltot“ gemacht und im hinteren Bereich des Raumes werden die Schallwellen mit Diffusoren verworfen. So kann man die sogenannte Schallglocke verbessern und Reflexionen deutlich reduzieren. Der Direktschall kann so am besten wahrgenommen werden, da der indirekte Schall im hinteren Teil des Raumes nicht auf einen Punkt gebündelt trifft, sondern durch die Diffusoren auf so viele Punkte aufgeteilt werden.

Wer sich jetzt die Frage stellt, wieso nicht den Raum komplett mit Absorbern ausstatten und schalltot machen, dem sei gesagt, dass sich so ein Raum ohne jegliche Schallreflexionen unwirklich anfühlt und sicherlich nicht zu einem behaglichen Kinoabend einlädt. Wir waren schon einmal in einem fast schalltoten Raum, als wir das „Labor“ von Samsung Audio besucht haben. Faszinierend, aber auf längere Zeit sicherlich nicht angenehm.

Auch hier gilt, wer möchte, kann statt Diffusoren auch erst einmal zu einzelnen Absorbern im hinteren Teil des Raumes greifen. Wieso? Weil Absorber weitaus günstiger sind als Diffusoren, auch die Anbringung ist ggf. einfacher. Und der akustische „Gewinn“ zwischen Diffusor und Absorber steht ggf. nicht im Verhältnis zum Preis. Man sollte es jedoch nicht übertreiben (schalltoter Raum)! Wir verstehen jedoch, wenn jemand das letzte Quäntchen an Akustikleistung aus seiner Anlage holen und lieber mit Diffusoren arbeiten möchte.
In Kürze: 5 Tipps zur Optimierung der Raumakustik
Das waren unsere 5 Tipps, um die Raumakustik im Heimkino oder Wohnzimmer zu verbessern. Anbei nochmals in Kürze:
- Sorgt für ausreichend Bass-Leistung / Subwoofer, um den Raum zu „beleben“
- Richtet eure Lautsprecher so gut wie möglich aus und denkt an das Stereodreieck
- Findet die Reflexionspunkte der Lautsprecher und versorgt diese mit Absorbern, Akustikvorhängen etc.
- Messt die Nachhallzeit und erkennt so Schwachstellen in eurem Lautsprecher-Absorber-Setup
- Heimkinoräume können nach dem LEDE-Prinzip (Live End – Dead End) optimiert und für eine gute Klangperformance optimiert werden.
Vielen Dank an Nils Hitschke von FM-Audio für die Inspiration und Zusammenarbeit!









