Samsung Cinema LED – Teil 2: Die Technik der digitalen Kinoleinwand

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Teil 2: Die Technik des
Teil 2: Die Technik des "Samsung Cinema LED"-Displays

Im zweiten Teil unseres „Samsung Cinema LED“-Specials möchten wir uns der Bild- und Audiotechnik widmen. Wir durchleuchten die technischen Spezifikationen und die damit verbunenen Vorteile der digitalen Kinoleinwand.

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Die Debüt-Installation im Traumpalast Esslingen am Neckar misst genau 10.3 x 5.4 Meter und bietet somit eine Fläche von 55,62 Quadratmeter. Es sind aber auch noch andere Größen in Planung (5.2 x 2.6 Meter und 13,6 x 6,8 Meter). Diese müssen aber noch von der DCI (Digital Cinema Initiatives) geprüft und zertifiziert werden. Die Auflösung des Displays entspricht der genormten Cinema-4K-Auflösung von 4.096 x 2.160 Bildpunkten. Daraus lässt sich auch errechnen, dass die einzelnen Pixel mit einem Abstand von rund 2.5mm voneinander entfernt angeordnet sind. Und wir können gleich beruhigen: Bereits aus der ersten Reihe, die vielleicht nur 3 Meter entfernt vom Display war, konnte man die Pixelstruktur nicht ausmachen.

Selbstleuchtende LED-Bildpunkte

Ein LED-Modul des Samsung Cinema LED aus der nähe
Ein LED-Modul des Samsung Cinema LED aus der nähe

Doch bevor wir weiter über das Display berichten, müssen wir „LED“ nochmals gesondert „durchleuchten“. Die Bezeichnung LED hat im TV-Segment fast schon einen etwas negativen Beigeschmack bekommen. Man verbindet damit die Beleuchtungstechnik von LCD-Displays, die am Rand oder direkt hinter den Dimming Zonen angebracht ist. Die LED dient eigentlich nur als Helligkeitslieferant für die Farbfilter und die LC-Schicht. Nachteile sind Lichthöfe, Blooming Effekte sowie schlechte Kontrast- und Schwarzwerte. Diese negativen Effekte treffen treten bei Samsungs Cinema LED Display nicht auf!

Jeder Bildpunkt der Leinwand besteht aus einem eigenen LED-Pixel. Dieser ist wiederum aus drei Subpixeln (Rot, Grün, Blau) zusammengesetzt. Es kommt auch kein weißer Hilfspixel zum Einsatz. Ähnlich wie bei einem OLED-Display, kann jeder Bildpunkt des „Cinema LED“-Displays einzeln angesteuert werden. Die Pixel sind selbstleuchtend und lassen sich auch komplett ausschalten um echtes Schwarz darzustellen. Über den Pixeln befinden sich zudem keine weiteren Schichten. So gibt es auch keine störenden Reflexionen oder Lichteinflüsse. Es darf gerne ein Vergleich zur MicroLED-Technik angestellt werden, die im Grunde gleich aufgebaut ist, jedoch eine höhere Pixeldichte aufweist.

Spätestens bei solchen Szenen kann man erahnen, was für ein Potential in der neuen Technik steckt. 4K/HDR Präsentation von "Jurassic World: Das gefallene Köngireich"
Spätestens bei solchen Szenen kann man erahnen, was für ein Potential in der neuen Technik steckt. 4K/HDR Präsentation von „Jurassic World: Das gefallene Köngireich“

Die LED-Pixel sind auf kleineren Panels angeordnet, die ungefähr 15 x 15 cm messen. Die Quadrate sind wiederum in größeren Panel-Verbänden untergebracht. Der LED-Bildschirm besteht so aus 96 einzelnen Modulen. Wer ganz nah an das Cinema LED Display herantritt, kann die Übergänge erkennen, jedoch verschwinden diese sofort wenn man sich etwas von der Leinwand entfernt.

HDR und 500 nits Helligkeit

Doch was bedeutet die Struktur und Aufbau der Displays eigentlich für die Bildqualität? Dem Zuschauer wird es sicherlich nur interessieren, ob das vorgeführte Material gut oder schlecht aussieht. Es sei angemerkt, dass das Display die Vorgaben der DCI nicht nur erfüllt, sondern sogar übersteigt. Das Display kann 100 Prozent des DCI-P3 Farbraumes darstellen und dank High Dynamic Range (HDR) natürlichere Farbverläufe darstellen. Auch das gesamte Farbvolumen (unterschiedliche Helligkeitsstufen einer Farbe) nimmt drastisch zu. Der Kontrast ist fast unendlich, da die Pixel komplett abgeschalten werden können, was in einer echten Schwarzdarstellung resultiert. Projektionssysteme schaffen kein perfekten Schwarzwert, da die Helligkeit von der Leinwand auch dunkle Bildbereiche erhellt. Schwarz driftet somit oft ins dunkelgraue ab. Und spätestens jetzt denken eingefleischte Kinogänger an Filme im Cinemascope Format. Endlich tiefschwarze Balken über und unter dem „Streifen“.

Die Luminanzen eines Objektes werden in sogenannten Blenden oder Stops (Verdoppelung des Kontrasts) gemessen. Das menschliche Auge kann ca. 13 Blenden, also ein Kontrast von 1:10.000 innerhalb von hunderstel Sekunden wahrnehmen. Über einen längeren Zeitraum bis zu 35 Stops (z.B. Auge passt sich im dunklen Schlafzimmer an)
Die Luminanzen eines Objektes werden in sogenannten Blenden oder Stops (Verdoppelung des Kontrasts) gemessen. Das menschliche Auge kann ca. 13 Blenden, also ein Kontrast von 1:10.000 innerhalb von hunderstel Sekunden wahrnehmen. Über einen längeren Zeitraum bis zu 35 Stops (z.B. Auge passt sich im dunklen Schlafzimmer an)

Die maximale Helligkeit wird mit 146 fL (Foot Lambert) bzw. 500 nits angegeben. Eine Projektion schafft es gerade einmal auf 48 nits. Das Display ist also um den Faktor 10 heller! In dieser breiten Luminanz können HDR-Inhalte erst so richtig zur Geltung kommen. Die digitale Kinoleinwand zieht auch endlich wieder mit modernen TV-Geräten gleich, die bislang einen besseren Kontrast (unterschied zwischen hellstem und dunkelstem Bereich eines Bildes) darstellen konnten. Die Bildwiederholungsrate des Bildschirms beträgt 24 Vollbilder pro Sekunde, damit wird aber das technische Limit nicht ausgereizt. „Weit über 100 Vollbilder“ können lt. Samsung dargestellt werden wodurch sich wieder neue Einsatzmöglichkeiten ergeben (Darauf gehen wir in Teil 3 unseres Specials ein)

Passiv gekühlt mit 100.000 Stunden Laufzeit

Für die Kinobetreiber stellt sich natürlich auch die Frage nach der langfristigen Wirtschaftlichkeit. Dazu gehören auch die laufenden Kosten. Genaue Erfahrungswerte kann hier nur die Zeit liefern, es gibt aber bereits jetzt mehrere Argumente die für die „Samsung Cinema LED“-Lösung sprechen. Die LED-Technik von Samsung wird bereits seit längerer Zeit in Konferenzräumen oder Sinage-Lösungen eingesetzt. Samsung garantiert Laufzeiten von 100.000 Stunden im 24/7-Betrieb. Das entspricht einem non-stop Einsatz von 11 Jahren. Es kam auch die Frage auf, wie viel Strom die komplette Anlage verbraucht. Das kann pauschal nicht beantwortet werden, das der Stromverbrauch maßgeblich von den dargestellten Inhalten abhängt. Eine weiße Powerpoint-Präsentation wird hier mehr Strom verbrauchen, als ein dunkler Horrorfilm.

Die Displays sind passiv gekühlt und sind auch nach längerer Zeit im Einsatz „kalt“. Das haben wir nach dem Abspann des Kinofilms selbst getestet. Die Module strahlen schon einmal keine zusätzliche Wärme in den Kinosaal ab und teure Lüftungsanlagen, wie sie bei großen Projektoren zum Einsatz kommen, werden nicht mehr benötigt. Es fällt sogar ein kompletter Raum für das Projektor-Equipment weg. Bedeutet: Die Kinosäle können nach hinten mit zusätzlichen Sitzplätzen erweitert werden.

Die Sitzreihen lassen sich auch steiler anlegen und bieten dem Zuschauer damit ein größeres Sichtfeld. Bei klassischen Kinosälen ist die Bauweise sehr flach, damit Zuschauer nicht aus versehen in den Lichtstrahl des Projektors treten. In Zukunft ist es womöglich auch kein Problem mehr, wenn sich ein Zuschauer mit gefühlten 2.50 Meter direkt vor einen setzt.

Mit einem Samsung Cinema Display können mehr Sitzreihen eingebaut werden. Ein steilerer Aufbau bedeutet auch ein größeres Sichtfeld für die Zuschauer.
Mit einem Samsung Cinema Display können mehr Sitzreihen eingebaut werden. Ein steilerer Aufbau bedeutet auch ein größeres Sichtfeld für die Zuschauer.

3D kann nachgerüstet werden

Die Frage nach 3D darf im Kontext mit Kino natürlich nicht fehlen. Ja, das Samsung Cinema LED-Kino kann 3D-Inhalte wiedergeben, jedoch bedarf es einer Nachrüstung. Am Display selbst müssen keine Änderungen vorgenommen werden. Zusätzliche Emitter sind Voraussetzung für den 3D-Betrieb. Wenn wir von Emittern sprechen, ist den meisten auch bereits klar, dass die dreidimensionale Darstellung mit aktiven Shutter-Brillen realisiert wird. Die Helligkeit ist dabei nicht das Problem, eher das Handling mit den Besuchern (Rückgabe der Shutterbrillen – Laden der Akkus – Pfand?)

Wenig „gehört“ vom Sound

Nicht falsch interpretieren. Bei der Trailer- & Filmpräsentation hat es mächtig gekracht. Der Klang kommt beim Samsung Cinema LED somit nicht zu kurz. Aufgrund des engen Zeitplans wurden im offiziellen Teil keine Worte über die Klanglösung verloren. Hr. Martin Groß gab uns nach dem Event noch ein paar Informationen mit auf den Weg.

Das Sound-Setup stammt von JBL und wird in Kombination mit dem Samsung Cinema LED-Display angeboten. JBL gehört wie viele wissen zu Harman, was wiederum in 2016 von Samsung akquiriert wurde – also doch „hausgemacht“. Während der Vorstellung kam ein reguläres 7.1 System zum Einsatz, die Lautsprecher hätten aber auch mehr zugelassen. Auch Höhenlautsprecher wurden bereits installiert. Die Front-Lautsprecher, die sich normalerweise hinter einer akustisch-transparenten Leinwand befinden, sind bei Samsungs Kinolösung um das Display herum angeordnet. Mit einem speziellen Sound Processing, soll dem Zuschauer trotzdem vermittelt werden, der Klang (Soundeffekte und Stimmen) kommen direkt von vorne.

Im 3. Teil unseres Specials möchten wir euch noch unseren subjektiven Eindruck der Bild- & Tonqualität vermitteln. Zudem geben wir euch einen Einblick in die Planung von Samsung und erörtern die Einsatzmöglichkeiten dieser außergewöhnlichen Technik.

Samsung Cinema LED – Teil 2: Die Technik der digitalen Kinoleinwand
3.9 (77.78%) 9 Bewertung[en]

8 KOMMENTARE

  1. Immer wieder erstaunlich wie Samsung sich die eigene Technik schönredet – „Der Kontrast ist fast unendlich, da die Pixel komplett abgeschalten werden können, was in einer echten Schwarzdarstellung resultiert.“ Tja – dann sind Oled-Fernseher von LG und Co. folglich deutlich besser als Samsung-Qleds, denn die können somit kein echtes schwarz. Auch bei Smartphones argumentiert Samsung mit der Überlegenheit seiner Oled-Panels mit echtem schwarz und bester Kontraste im Vergleich zu LCD-Displays. Nur bei Fernsehern sind Oleds den Qleds laut Samsung-Sprech deutlich unterlegen, weil Oleds „im Schwarz absaufen“, „sich einbrennen“, „schneller kaputt gehen“. Um das zu „belegen“ werden dann noch reihenweise für viel Geld Influencer auf Youtube etc. bezahlt. Gaaanz miese Kundenverarsche! Samsung kann kein Oled im TV-Bereich, hat seit 2016 massiv Marktanteile verloren, wurde im Premium-Segment von LG rasiert, und jetzt bauen sie heimlich eine Oled-Fabrik, die Ende 2019 an den Start gehen soll – wie peinlich und armselig ist das denn?!

  2. Projektion schafft nicht mehr als 48 nits? Das ist heftig. Wird Dolby Vision in Kinos wenigstens von Samsung als HDR-Standard unterstützt?

    • Dazu gab es leider keine Angaben CJuser. Ist die Frage ob sich Samsung im Cinema-Segment für Dolby Vision ausspricht, im TV-Segment aber mit HDR10+ dagegen hält. Wir beobachten weiter!

  3. Das Kino „Filmwelt“ bei mir im Ort hier hat ebenfalls mal mir gegenüber verlauten lassen, dass man schon interessiert an dieser Technik ist, aber diese auch sehr teuer ist. Die haben vor kurzem zwei neue Sony Projektoren mit 4K bekommen, was meiner Meinung nach auch ein sehr ruhiges, klares und kontrastreicheres Bild vermittelte, als noch zuvor und mit 3D natürlich.

    • Es gibt ja auch schon neue Laser-Projektions-Lösungen, die sicherlich ein besseres Bild abliefern. Der Bereicht Projektion stagniert natürlich nicht, sondern entwickelt sich weiter. Jedoch investiert ein Kino nicht alle 2 Jahre in die neuste Technik. Auch Samsungs Cinema LED ist auf mehrere Jahre ausgelegt (11 Jahre Betrieb garantiert). Und ja die Kosten sind sicherlich ein Faktor. Nachdem das Presse-Event vorbei war, gab es noch eine zweite Vorführung, diesmal aber für Kinobesitzer. Und diese war wohl auch sehr gut besucht!

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