James Bond: Keine Zeit zu sterben auf 4K Blu-ray im Test: Gelungener Abschluss?


Inhalt (75%)

Jeder ist käuflich. Was als etwas provokante Formulierung dieses Review einleitet, hat durchaus einen nicht ganz von der Hand zu weisenden Hintergrund. Denn wenn man Daniel Craigs Aussage von 2015 seinerzeit wörtlich nahm, wollte er “lieber dieses Glas hier zerbrechen und sich die Pulsadern aufschneiden.” Außerdem war ihm seinerzeit auch ziemlich egal, wer den nächsten Geheimagenten geben würde. Zwei Jahre später kümmerte ihn sein “Geschwätz” von gestern wenig. Kein Wunder, immerhin bot man ihm satte 50! Mio. Pfund an, die Rolle noch mal zu spielen – immerhin ein Fünftel der Produktionskosten.

Und Craig sagte zu. Wer kann’s ihm verdenken. Dass es dann der wohl prominenteste Film würde, der im Zuge der weltweiten Covid-19-Pandemie ein ums andere ums nächste Mal verschoben wurde, bis Gerüchte laut wurden, ein Streaminganbieter würde sich die Rechte an Keine Zeit zu sterben sichern – damit hatte während der Produktion vermutlich auch noch niemand gerechnet. Es kam nicht dazu, der Kinostart konnte doch noch stattfinden und mit rund 760 Mio. Dollar ist er die erfolgreichste westliche Kinoproduktion, die während der Pandemie in den Kinos lauf. So viel zu den Randbedingungen. Wie schlägt sich aber der Film?

Eigentlich wollte sich Bond ja aufs Altenteil zurückziehen

“Du siehst mich nie wieder” – was Daniel Craig als James Bond nach 23 Minuten zu Madeleine sagt, kann auch als Motto für den 25. Ausflug des Agenten ihrer Majestät gesehen werden. Denn es ist nun mal Craigs letzte Mission und die soll zum Abschluss bringen, was vor 15 Jahren mit Casino Royale begann. Die fünf Filme kann man rückwirkend als Pentalogie bezeichnen, die sich stets auch um Spectre drehten – auch wenn das bei den ersten drei Filmen zunächst nicht offenbart wurde. In Keine Zeit zu sterben wird Blofelds Geheimorganisation allerdings selbst zum Opfer, weil ein ganz neuer Bösewicht auftaucht. Der wird von Rami Malek verkörpert, der spätestens seit Bohemian Rhapsody für Größeres bereit war. Allerdings krankt gerade seine Figur an erzählerischer Tiefe. Was noch in der Intro-Szene gut klappt und eine gewisse Diabolik hervorruft (den dämlichen Mit-der-Faust-aufs-Auge-Vornamen hätte man sich da locker sparen können), entkräftet das Drehbuch mit dessen folgenden Auftritten.

Nicht nur ist bspw. sein Auftauchen in den Wäldern nach etwa 110 Minuten ziemlich unlogisch, sondern verdreht der Film am Ende alles, was man bisher über seine Motivation wusste. Geht man vom Ursprungsmotiv aus, wäre der Film nach Blofelds Verhör zu Ende gewesen. Doch wenn Bond und Nomi in Safins Inselversteck eindringen, geht’s plötzlich noch um etwas größeres. Um was genau? Wird nicht offenbart und bleibt diffus. Die Motivation Safins spielt hier keine Rolle mehr. Die Frage ist dann, warum man dieses Szenario überhaupt noch mal eröffnet. Es gab doch schon genug Bond-Antagonisten, die die Welt auslöschen wollten. Und so ist rein vom Spannungsbogen her das Treffen zwischen Bond und Blofeld – respektive zwischen Craig und Waltz – der Höhepunkt des Films, nachdem es erzählerisch abwärts geht. Immerhin mit ein paar auch später noch sehr beeindruckenden Actionmomenten.

… tauchte da nicht plötzlich dieser Lyutsifer auf

Denn obwohl sich Keine Zeit zu sterben mit der ersten Actionszene mehr Zeit lässt als sonst (schlicht, weil es nicht die übliche Vorspann-Bond-Actionszene gibt), setzt Fukunaga dem Geheimagenten nach etwa einer Viertelstunde mit einer denkwürdigen Sequenz ein Denkmal. Schon die kurze Szene, in der Bond noch zu Fuß unterwegs ist, gerät rasant, wird aber von der Verfolgungsjagd im DB5 getoppt. Der Dreh in den engen Gassen und Sträßchen der süditalienischen Stadt Martera muss exakte Planung vorausgesetzt haben. Mal abgesehen davon, dass man in dieser Kulturhauptstadt Europas von 2019 sicherlich keine Zerstörung anrichten durfte, sieht man den spektakulären Aufnahmen an, dass man trotz der Enge richtig Vollgas gegeben hat. Auch die Kuba-Sequenz oder die Sprengung des Boots überzeugen. Das Finale erinnert gar an große Momente der Bond-Historie.

Leider sind zwei Stunden und vierzig Minuten Laufzeit dann aber doch eine ziemliche Menge. Hier und da dehnt sich das dann schon mal ein wenig und erfordert ein bisschen Sitzfleisch. Zumal sich der geneigte Bond-Fan auch damit abfinden muss, dass Craig dem Agenten in der letzten Darbietung noch ein paar weichere Seiten mehr verpasst. Vor allem in der Beziehung zu Madeleine und einer kleinen Überraschung ihrerseits wird das deutlich. Einerseits ist das sicherlich gewöhnungsbedürftig, andererseits wäre ein Connery-Bond, der die Frauen erst Mal aufs Bett wirft, bevor er fragt, warum sie überhaupt da sind, heute schlicht anachronistisch und auch ziemlich daneben. Und so sind es neben Bond vier außergewöhnlich starke und überzeugend dargebotene Frauenfiguren, die ihre jeweiligen Auftritte dafür nutzen, dem Franchise auch eine gewisse Neuausrichtung zu verpassen.

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Bildqualität (90%)

James Bond: Keine Zeit zu sterben wurde mit insgesamt acht unterschiedlichen Kameras aufgenommen. Von der kleineren Arriflex 235, die für die meisten schnelleren Actionszenen genutzt wurde, bis zu IMAX- und weiteren 65-mm-Kameras. Insgesamt rund 40 Minuten wurden im IMAX-Format gedreht, was sich über die UHD Blu-ray allerdings (ebenso wie über die Blu-ray) nicht in einer Öffnung des Bildformats widerspiegelt – der gesamte Film läuft im Widescreen von 2,39:1. Dass man hier nach dem volldigital gefilmten Skyfall und dem Mix aus Analog und Digital in Spectre. wieder auf eine komplett analoge Ausrüstung zurück griff, liegt an Regisseur Fukunaga, der es genauso haben wollte. Ausgehend von dem 35- und 65-mm-Filmmaterial wurde ein 4K-Master erstellt, das als Basis für diese UHD BD dient und zusätzlich mit HDR10 und Dolby Vision sowie einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum ausgestattet.

Die UHD Blu-ray präsentiert die warmen und erdigen Töne noch dynamischer

In der Praxis schlägt die UHD-BD die Blu-ray dann doch sichtbar – und das vor allem in der dargestellten Dynamik. Während Oberflächen über die Blu-ray im direkten Vergleich sichtbar überstrahlen (bspw. die Reflexionen auf dem Wasser bei 7’00), fängt die 4K-Scheibe das deutlich harmonischer ein. Auch zu Beginn von Kapitel drei gibt’s mehr Dynamik auf dem braunen Beton im Vordergrund und dem Steinfelsen im Hintergrund. Noch dazu kommen die Wolken plastischer durch. Auch in puncto Auflösung schlägt die UHD-BD die reguläre Blu-ray. So ist nicht nur die Körnung feiner; sind nicht nur Hautoberflächen realistischer und weniger soft, sondern auch Details in der Tiefe besser erkennbar.

In Kombination mit satten Spitzlichtern sieht man bspw. nur über die 4K-Scheibe, dass das obere rote Positionslicht am Schiff bei 57’52 aus zwei Lichtquellen besteht und nicht nur aus einer. Die UHD Blu-ray zeigt überdies die satteren Farben, was auch für betontere Hauttöne gilt, die schön kräftig braun erscheinen. Da auch das Encoding sauberer erscheint, gibt’s hier kaum etwas zu kritisieren – selbst wenn die Körnung des analogen Materials über die 4K-Scheibe nun mal etwas deutlicher (und damit echter) wird. Dolby Vision kann HDR10 noch einmal etwas abhängen und wirkt kräftiger und dynamischer.

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Tonqualität (80%)

Universal ist großzügig und spendiert Keine Zeit zu sterben für beide Sprachen eine True-HD-kodierte Dolby-Atmos-Spur. Diese ist natürlich auch gleichsam Ausstattung der UHD Blu-ray Disk. Auf der regulären Ebene gibt’s schon mal ordentlich Kawumm, wenn nach 14 Minuten die erste Explosion den Raum erfüllt, Kurz darauf, beim Sprung die Brücke hinab gibt’s sogar einen netten Bass-Sweep. Die einzelnen Schüsse auf den panzerverglasten Aston Martin werden ebenso wuchtig vertont wie die MG-Salven kurz darauf. Und die erneuten Explosionen nach einer halben Stunde sind ebenfalls satt, wobei es knapp eine Minute bei der großen Sprengung dann durchaus mal zum Beben des Bodens reicht.

Währenddessen ist Hans Zimmers Score stets räumlich und allgegenwärtig. Und wenn die Maschinenpistolen und ähnliche Waffen sprechen, wird’s auch mit zischenden Querschlägern und Einschlägen effektvoll. Sehr authentisch gelingen die Szenen in den Wäldern nach gut 110 Minuten. Wie dort Schüsse verhallen und das Knattern der Motorräder umgesetzt wird – das macht schon Spaß. Die Dialoge kommen dauerhaft gut verständlich und bisweilen sogar sehr satt aus dem Center.

Auch wenn der 3D-Sound etwas schwächelt – Tiefbass können die Atmos-Spuren

Werfen wir ein Ohr auf die Höhen-Ebene, die per Atmos-Kodierung ebenfalls bedient wird, so hört man nach etwas über acht Minuten mit ein bisschen Vogelgezwitscher erstmals so etwas wie einen Nachweis, dass die Heights überhaupt bedient werden. Nach etwas über 14 Minuten hört man dann das Säuseln, das für die Taubheit Bonds stellvertretend ist, von den Höhenspeakern. Was aber grundsätzlich fehlt, sind 3D-Sounds während der zahlreichen Explosionen. Wo halbe Stockwerke abgerissen werden oder dicke Betonmauern explodieren, darf man ruhig mal ein bisschen Information von oben bekommen. Vor allem auch, wenn nach etwas über 44 Minuten zwar Meeresrauschen zu hören ist, nicht aber das Flugzeug, das über die Kamera fliegt.

Im Funkkontakt zwischen Bond und Paloma werden die jeweils nicht im Bild zu sehenden dann plötzlich derart direktional auf die Heights gelegt, dass man ungläubig schaut, ob das jetzt wirklich passiert ist. Und man fragt sich schon ein bisschen, warum es nicht wenigstens ein paar Signale in der ersten Dreiviertelstunde so schick in die Höhe gelegt wurden. In der folgenden Actionszenen gibt’s dann wenigstens auch mal authentisch splitterndes Glas sowie ein paar flitzende Geschosse von oben. Bei 111’33 darf ein Heli mal ausgiebiger über die Heights fliegen. Cooler ist allerdings der Zug, der nach etwas über zwei Stunden über die Köpfe rollt, während Bond in den Untergrundgängen unterwegs ist. Dort gibt’s kurze Zeit später auch noch mal schöne Signale von oben, wenn’s zu Schießereien kommt. Insgesamt wäre aber durchaus etwas mehr drin gewesen.

  • Deutsch/Englisch: Dolby Atmos (85%) 2D-Betrachtung
  • Deutsch/Englisch: Dolby Atmos (40%) 3D-Betrachtung (Quantität)
  • Deutsch/Englisch: Dolby Atmos (75%) 3D-Betrachtung (Qualität)

Bonus (70%)

Das Bonusmaterial von Keine Zeit zu sterben rekrutiert sich aus vier Featurettes, die auch die Blu-ray enthält. In “Anatomie einer Szene” nimmt man recht eindrucksvoll auseinander, wie die Stunts mit dem DB5 und dem Motorrad in der italienischen Hügelstadt realisiert wurden. Durchaus beeindruckend, was man hier real drehen konnte, ohne auf CGIs zu setzen. In “Bei der Wahrheit bleiben” geht’s dann sechs Minuten noch einmal um diverse Actionszenen rund um den Globus. “Eine globale Reise” besucht dann noch mal die Drehorte, die das 25. Bond-Abenteuer besuchte. Angefangen beim Norwegen-Setting über das süditalienische Dorf Matera und die schottischen Highlands bis hin zu Jamaika. “Das Design” zeigt dann untere anderem, wie man eine kubanische Kulisse aus dem Nichts erschuf. Exklusiv für die 4K-Scheibe vorbehalten ist die 45-minütige Retrospektive “Das Wesen von James Bond”, das sich komplett auf die fünf Bonds von Daniel Craig konzentriert und den Darsteller in den Mittelpunkt stellt.

Gesamtbewertung Keine Zeit zu sterben (82%)

Keine Zeit zu sterben ist ein Bond-Film, ohne Zweifel. Er bringt auch die Daniel-Craig-Zeitleiste als Geheimagent ihrer Majestät zu einem befriedigenden und konsequenten Abschluss. Allerdings krankt der Film leider an seiner Story, die den Antagonisten am Ende auf einen zornigen kleinen Mann reduziert, dessen Motivation nicht klar wird. Herausragend sind die starken Frauenrollen an Bonds Seite und die ebenso elegant wie (weitgehend) praktisch umgesetzten Actionszenen.

Die Blu-ray liefert dazu ein sehr authentisches filmisches Bild, das von den jeweiligen Schauplätzen farblich geprägt wird. Der Ton ist über die reguläre Ebene dynamisch und räumlich, hätte in Sachen 3D-Sound aber noch etwas mehr Informationen liefern können. Die UHD Blu-ray ist dabei in allen Belangen die bessere Wahl. Zwar ist die Blu-ray für sich genommen sehr ordentlich, doch die 4K-Scheibe ist auf allen Parametern besser und liefert das dynamischere Bild.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 16. Dezember 2021 Review am: 23. Dezember 2021
Erscheinungsjahr Film: 2021 Laufzeit: 163 Minuten
Filmstudio: Universal FSK: ab 12 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat:
2.39:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch Dolby Atmos
Englisch Dolby Atmos
High Dynamic Range:
HDR 10
Dolby Vision
Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D Testgerät Player: Panasonic UB9004

Keine Zeit zu sterben Trailer:

 

Timo Wolters
Timo Wolters
Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

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