Jungle Book 4K Blu-ray im Test: Kontrastreicher Klassiker im neuen Gewand

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Großartig inszeniert: The Jungle Book auf 4K Blu-ray
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Aus heutiger Sicht kaum zu glauben: Aber als Das Dschungelbuch 1967 veröffentlicht wurde, war man keineswegs einhelliger Meinung, es hier mit einem Meisterwerk zu tun zu haben. Der letzte Trickfilm unter der Ägide des kurz vor Veröffentlichung des Films verstorbenen Walt Disney fiel bei zahlreichen Kritikern durch. Auch bei Fans der Buchvorlage von Rudyard Kipling stieß Disneys Variante teilweise auf wenig Gegenliebe. Zu heiter und vergnügt erschien den Anhängern des Buchs der Film, den Disney höchstpersönlich noch „entdüstern“ ließ. Vielleicht war es also an der Zeit, die Story wieder etwas stärker am Roman entlang zu hangeln – und zwar als Realfilmversion. Disney wollte nun wieder näher an die Figur des Mogli und das Dschungelsetting heran, gleichzeitig aber auch der Romanvorlage etwas enger verbunden bleiben. Mit Iron-Man-Regisseur Jon Favreau angelte man sich dafür einen zwar durch die Marvel-Verbindung mit dem Disney-Konzern verbandelten Filmemacher, setzte aber gleichzeitig auf dessen neutrale Herangehensweise an den Stoff. Immerhin kommt Favreau eher aus dem SciFi-Fantasy und Komödienfach.

Doch genau dieser frische Wind tut der Realverfilmung gut. Moment, Realverfilmung? Wenn man’s genau nimmt, besteht The Jungle Book zu vermutlich gut über 90% aus computergenerierten Bildern. Von „Real“ kann also eigentlich keine Rede sein, wenn man bedenkt, dass einzig Mogli-Darsteller Neel Sethi und ein paar Wasser-/Schlammszenen wirklich echt sind. Doch solange es 3D animiert ist und irgendwie echt aussieht, wird die Begrifflichkeit entsprechend schwammig. Wirklich echt sahen die Tieranimationen 2016 dann aber wirklich aus. Jedenfalls so echt, dass viele Rezipienten und Kritiker sie ausdrücklich lobten und als so positiv bewerteten, dass gerade diese Animationen dazu führten, dass man sich in der Geschichte verlieren konnte.

Mogli wuchs bei den Wölfen auf

Tatsächlich sind vor allem die Sprechanimationen wirklich sehr gut gelungen und bewirken eine erstaunlich natürliche Dynamik, die nicht von der eigentlichen Handlung ablenkt. Gegenüber dem drei Jahre später realisierten „Realfilm“-Remake von Der König der Löwen stören hier auch die Songs nicht über die Maßen, da es am Ende nur zwei echte Gesangstitel in den fertigen Film geschafft haben und diese auch eher kurz ausfallen. Favreau inszenierte The Jungle Book 2016 allerdings noch mit mehr Freiheiten als drei Jahre später die Löwenkönig-Neuverfilmung. Etwas näher am Buch ist beispielsweise die düstere und ernsthaftere Stimmung. Gerade die Figur des Shir Khan kommt ziemlich fies rüber – und das nicht nur, weil Ben Becker den bösen Tiger mit einer immensen Wucht und Leidenschaft spricht. Auch potenziell lebensbedrohliche Situationen für Mogli wirken durch die Realfilm-Umgebung packender, spannender und gefährlicher.

Gekontert wird das mit einem zeitgemäßen Humor und teils herrlich sarkastischen Sprüchen, die der Zeichentrickfilm von 1967 nicht kennt. Ein bisschen bekommt sogar die Geschichte selbst ihr Fett weg. So beispielsweise, wenn Balu das Gesetz der Wölfe als Propaganda bezeichnet. Im gleichen Atemzug lernt Mogli bei Balu das Prinzip der Toleranz und der Individualität. Während die Wölfe den Tricks des kleinen Menschenjungen immer skeptisch gegenüber standen, weil es eben nicht die „Wolfsart“ ist, fördert Balu sie – okay, natürlich nicht, ohne selbst davon zu profitieren.

Baghira hält seine schützende Pfote über den Menschenjungen

Gleichzeitig gibt’s natürlich auch hier ein bisschen Ökokritik an der Zerstörungswut der Menschen, die schon mal verbrannte Erde hinter sich zurücklassen. Die Motive Shir Khans sind deshalb ja emotional durchaus nachvollziehbar. Trotz aller Neuinterpretation ist Favreau aber natürlich ein schlauer Fuchs. Legendäre Szenen wie das gemeinsame Singen von „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ auf dem Fluss werden selbstredend nicht ausgelassen, sondern charmant integriert. Die Action, die es zwischendurch zu bewundern gibt, ist für den erwachsenen Zuschauer außerdem wirklich packend. Ob das der erste Angriff Shir Khans ist, die Eröffnung des Films selbst oder auch die spektakuläre Sequenz beim Affentempel – das ist schon klasse inszeniert.

Was für die älteren Fans richtig fesselnd gerät, könnte die kleineren 6-12-jährigen aber etwas überfordern. Der finale Kampf mit und gegen Shir Khan ist dramatisch, düster und in Bezug auf dessen Aggression gegen die anderen Tiere auch ziemlich erschreckend. Dass die kleinen Kids aber nicht verstört zurückbleiben werden, liegt am starken Identifikationspotenzial der Hauptfigur: Großes Kompliment deshalb an den damals 13-jährigen Neel Sethi. Der junge Darsteller, der seinerzeit lediglich in Kurzfilmen mitgespielt hatte, befand sich während der Dreharbeiten stets in Studios vor Bluescreen-Wänden und agierte entweder mit Lifesize- oder Handpuppen. Letztere bewegte dann meist Regisseur Favreau selbst. Das gleichzeitig so authentisch und emotional zu spielen, auf dass auch der jüngere Zuschauer wirklich in der Story aufgehen kann, hätte vermutlich nicht mal jeder erwachsene Profi-Schauspieler geschafft. Etwas schade ist, dass die Episode mit der Schlange Kaa ziemlich kurz geraten ist – gerade, weil sie eine entscheidende Nachricht für Mogli hat.

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1 KOMMENTAR

  1. „Doch mittlerweile muss man dankbar sein, wenn das eben nicht zu einer hörbaren Einschränkung führt – abgesehen eben von der notwendigen Anhebung der Lautstärke.“

    Dem stimme ich persönlich nicht zu.
    Es sollte eigentlich eine absolute Selbstverständlichkeit sein, dass man tontechnisch auf der UHD BluRay das best mögliche Erlebnis bekommt. Das heißt für mich primär: Lossless Codec, ordentliche Abmischung (auch im 3D Sound), keine Beschneidung in Sachen Dynamik/Lautstärke etc.. Schließlich zahlt man schon einen satten Premium Aufschlag. Selbst auf einer normalen BluRay erwarte ich ordentlichen Ton. Letztere wird ja aber mittlerweile, in vielen Fällen, künstlich noch stärker beschnitten, damit man noch mehr Leute zur UHD Scheibe treibt. Was auch ein ziemlich trauriges Verhalten ist.

    Andere Studios schaffen es auch immer wieder ordentliche Tonspuren abzuliefern (zumindest auf der 2D Ebene). Guter Atmos Sound ist da zwar generell seltener. Gibt es aber ja auch (bspw. Godzilla II). Disney sticht seit langem einfach nur noch negativ heraus.

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