Rambo: Last Blood auf 4K Blu-ray im Test: Ein würdiger Abschluss?

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Test Rambo Last Blood 4K Blu-ray
Im Test: "Rambo - Last Blood" auf 4K Blu-ray "begräbt" die Legende
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Mit Rambo schrieb sich Sylvester Stallone (nach der Buchvorlage von David Morrell) die Geschichte eines Kriegsveteranen, der nach der Heimkehr aus Vietnam von den Verantwortlichen für den Krieg allein gelassen und der Gesellschaft ausgestoßen wird, auf den Leib. Und das lange bevor Tom Cruise in Born on the 4th of July genau dieses Thema noch einmal etwas größer aufzog. Nach Rock und F.I.S.T. – ein Mann geht seinen Weg lieferte er mit Rambo erneut ein kleines Meisterwerk innerhalb des jeweiligen Genres ab. Schade, dass Stallone die Qualität seiner Skripts nicht konstant auf hohem Niveau gehalten hat.

Rambo II machte aus dem verdienten Kriegsveteran mit nachvollziehbarer posttraumatischer Belastungsstörung plötzlich eine Ein-Mann-Kampfmaschine, die im Alleingang doch noch den Vietnamkrieg gewinnt. Als hätte es Apocalypse Now nie gegeben, betreiben Stallone und Drehbuch-Ko-Autor James Cameron mit dem zweiten Part historischen Revisionismus erster Güte. Noch schlimmer wurde es mit Rambo III, der zwar immerhin noch einen der (wenn nicht DEN) coolsten Spruch der Filmgeschichte bietet (ihr wisst schon, den mit dem blauen Licht), ansonsten aber ein bisweilen ärgerlich reaktionärer und Klischees badender Film war. Hatte Stallone mit dem ersten Teil noch einen nachvollziehbar-systemkritischen Film geschrieben, der die Politik der USA und den Umgang mit den Kriegsheimkehrern zu Recht kritisierte, mutierte Sly mit dem Skript zum dritten Teil zum verlängerten Arm der Reagan-Doktrin

Rambo wird von den Dämonen seiner Vergangenheit gejagt

Auf den finanziell eher mauen Erfolg von Rambo III folgte dann bis zum Jahr 2008 eine 20-jährige Pause. Zeit genug, dass der Titelheld der Serie der Gewalt abschwört und sich an einem schönen Fleck der Erde friedlich niederlässt. Als Zivilist lebt er in Thailand, wird aber durch eine humanitäre Mission einer US-Gruppe in Burma wieder von der Vergangenheit eingeholt. Für das Skript zu John Rambo hatte Stallone sich Hilfe von Art Monterastelli geholt und wandelte damit auf sicheren Pfaden. Auch wenn hier Gewalt erneut auf Gegengewalt trifft, war der vierte Teil viel mehr Actionfilm als politischer Kommentar.

Und brutal war er, der gute John Rambo. Nicht ganz umsonst liegen die Heimkino-Veröffentlichungen der ungeschnittenen Fassungen seit September 2008 auf der Liste A der indizierten Filme. Auch wenn die Reihe allgemein nie zimperlich gewesen ist, nahm das Finale des vierten Teils mit platzenden Köpfen und abreißenden Gliedmaßen doch neue Formen an. Nun dachte man eigentlich, dass Rambo nach den Erlebnissen in Burma tatsächlich genug von all der Gewalt hat. Zumal Stallone im Jahr 2010 wirklich mit der Figur fertig war und ausgeschlossen hatte, dass noch ein fünfter Teil kommen würde. Doch die Fans waren beharrlich und Stallone immer noch in guter physischer Form. Warum also nicht den Kosmos mit einem (nun wirklich) letzten Abenteuer zu Ende bringen? Schon rein vom Titel her war früh klar, dass man nun den Bogen von Teil I, Rambo: First Blood zu Teil V, Rambo: Last Blood spannen wollte. David Morrell, der Autor der Buchvorlage des ersten Films, war ab 2015 zunächst mit von der Partie. Doch als man die gemeinsam mit Stallone entwickelte Idee dem Studio vorlag, lehnte es ab. Morrell war von diesem Moment an raus.

Gabrielle möchte ihren leiblichen Vater in Mexiko besuchen

Dennoch sollte es eine ganz persönliche Geschichte werden. Wieder eine, die eher auf einen kleinen Kosmos reduziert wird und keine groß angelegte Hatz auf das Welten-Unrecht zelebriert. Deutlich wird das schon in den ersten Minuten von Rambo: Last Blood, wenn man John Rambo als gebrochenen Charakter sieht. Als einen, der seine Dämonen dadurch zu vertreiben sucht, dass er sich um Gabrielle, die Tochter seiner Haushälterin Maria, wie ein Vater kümmert, gleichzeitig die physischen und psychischen Leiden aber mit starken Medikamenten in den Griff zu kriegen sucht. Traumatisiert ist er, dieser John Rambo, was auch dadurch symbolisiert wird, dass er sich ein unterirdisches Höhlensystem baut – das Erlebte gibt keine Ruhe und die Erinnerungen lassen ihn ständig auf der Hut sein. Für John Rambo scheint der Krieg – zumindest im Kopf – einfach noch nicht vorbei zu sein.

Doch auch die Welt hat noch nicht mit ihm abgeschlossen. Und so werden seine außerordentlichen Fähigkeiten noch einmal gebraucht, wenn er seine Ziehtochter aus den Händen von brutalen Mädchenhändlern befreien muss. Dieses Mal bekommen also die Mexikaner ihr Fett weg – ein Punkt, der Last Blood weltweit den Vorwurf der Xenophobie einbrachte. Und tatsächlich könnte man dem Film Böses, wenn man das transportierte Bild der Mexikaner betrachtet. Offenbar gibt es jenseits der Grenze zu Mexiko nur kriminelle Vergewaltiger, Drogendealer und Menschenhändler – selbstredend sind sie noch korrupt und verräterisch dazu. in Zeiten, in denen der US-Präsident eine Mauer an der Grenze zu Mexiko ziehen möchte, ist das zumindest keine Story, die sich um die Aussöhnung der beiden Länder bemüht – um es mal milde auszudrücken.

Wie Vater und Tochter

Doch am Ende ist Rambo: Last Blood vielleicht einfach nur ein Rachedrama – ein passables, aber leider nicht wirklich sonderlich originelles Rachedrama. Das hat man in Taken – 96 Hours schon zackiger gesehen. Zumal Stallone dann doch seinem Alter etwas Tribut zollen muss. Seine Gegner jedenfalls schaltet er fast ausnahmslos lieber aus der Distanz und nicht im Zweikampf aus. Das allerdings durchweg brutal – wenn es denn zu Auseinandersetzungen kommt. Denn abgesehen von zwei kurzen Szenen konzentrieren sich Action und Handgreiflichkeiten komplett auf die abschließenden knapp zehn Minuten. Die fallen zwar durchweg blutrünstig aus (leider nicht ganz ohne den Einsatz von CGI) und geraten aufgrund der Tunnel-Atmosphäre packend, doch zwischendurch gibt’s eben auch eine ganze Menge Leerlauf. Zu nennen sind da beispielsweise die Szenen mit dem mexikanischen „Engel“ Carmen Delgado. Die lässt das Drehbuch völlig aus dem Nichts auftauchen und sie lediglich als notwendigen Story-Haken ohne jeden Hintergrund fungieren.

An der zwischenzeitlichen Langatmigkeit ist übrigens nicht die ungekürzte Fassung schuld, die bereits im Kino lief und zehn Minuten länger andauert als die US-Fassung. Der größte Anteil konzentriert sich auf die komplette Anfangssequenz und ein paar wenige, hinzugefügte Momente (die meist wiederum auf den Anfang des Unwetters Bezug nehmen). Mehr Gewalt bekommt man in der längeren Fassung indes auch nicht zu sehen und ob es die anfängliche Sequenz wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt. Schade, dass man sich doch für eine so einfache Geschichte entschieden hat, die noch dazu von Get-the-Gringo-Regisseur Adrian Grunberg nicht wirklich gelungen umgesetzt wurde. Gerade während der Anfangsszenen zwischen Rambo und Gabrielle lässt Last Blood ja durchaus aufblitzen, was man aus dem Grundgerüst des traumatisierten Vietnam-Veteranen hätte machen können, wenn man sich mehr mit seinen Dämonen und denjenigen befasst hätte, die ihm Ausgleich bieten. Es bleibt ein halbwegs kurzweiliges Action-Drama, das aber auch unabhängig von John Rambo auf ähnliche Weise funktioniert hätte. Der Original-Spirit fehlt dem Film leider über weite Strecken.

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