Star Trek: Der Film auf 4K Blu-ray im Test: Goodbye Wachsfigurenkabinett!

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Ein muss für Trekkies: "Star Trek: Der Film" auf 4K UHD Blu-ray im Test

Inhalt (60%)

„Hey, bist du Trekkie oder Star-Warsianer?“ – Die Frage, die die Film, bzw. SciFi-Welt spaltet. In etwa so wie jene, ob man Hosen- oder Ärzte-Fan ist; ob man aus Köln oder Düsseldorf kommt. Beide Lager haben unzählige Argumente, warum ihr Kosmos der spannendere, tiefgründigere … ja, einfach der bessere ist. Es soll aber auch Leute geben, die stehen auf keiner der beiden Seiten. Oder auf beiden – je nachdem, wie man es sehen möchte. Dazu gehört der Autor dieser Zeilen. Ohne in beide Universen bis ins Tiefste eingedrungen zu sein, sind mir Figuren wie Spock (oder später) Data, Picard und der Holo-Doc sehr ans Herz gewachsen. Genauso wie Han Solo, Obi Wan oder Yoda.

Abseits des heutigen Kultstatus der Original-Star-Trek-Serie war sie zum Zeitpunkt ihrer Erstausstrahlung zunächst gar nicht so erfolgreich. Abgesehen von der etwas holprigen Startphase, in der Gene Roddenberry ein etwas anderes Drehbuch mit anderer Crew verwirklichen wollte, lief die erste Staffel bei NBC nicht wirklich gut. Es ist den Fans und ihrem vehementen Briefeschreiben zu verdanken, dass eine zweite Staffel überhaupt produziert wurde. Das geschah dann doch, allerdings lief auch diese nicht sonderlich gut. Was auch daran liegen könnte, dass der Sendeplatz nach hinten gerückt wurde. Nur etwas widerwillig ließ NBC eine dritte Staffel produzieren, nach der dann endgültig Schluss war. Der Erfolg kam erst im Nachgang, als mehrere lokale Sender die Show einkauften und zu besseren Zeiten ausstrahlte. Gleichzeitig pushte Roddenberry mit der Veröffentlichung eines Buchs das Universum rund um die eigentliche Serie. Das Buch rissen ihm die Fans aus den Händen – der Star-Trek-Kult war geboren.

Vom TV-Bildschirm ins Kino: Kirk und seine Crew

Nach dem Ende der Serie, 1969, trat Roddenberry zudem an Paramount heran, um das Franchise eventuell im Kino weiter zu führen. Während Paramount zunächst Interesse bekundete, cancelte man die Idee 1975 und wollte mit Star Trek Phase II eine neue Serie innerhalb des Kosmos etablieren. Ein Grund für die vorläufige Beerdigung der Kinofilm-Idee lag auch darin, dass (wer hätte es gedacht) Star Wars die Messlatte für SciFi im Kino weit nach oben gelegt hatte und man in dessen Fahrwasser einen Flop fürchtete. Erst als mit Unheimliche Begegnung der dritten Art ein SciFi-Film abseits von Star Wars Erfolg hatte, machte man auf dem Absatz kehrt.

Paramount begrub die „Phase II“ wieder und gab das Budget für einen Kinofilm frei. Dass dieser mit 40 Mio. Dollar weit teurer als zunächst geplant wurde, lag auch an massiven Nacharbeiten am Drehbuch und vor allem an den Special Effects. Gerade einmal 15 Mio. Dollar Budget waren ursprünglich geplant. Dass am Ende mit einem weltweiten Einspiel von etwas über 150 Mio. Dollar auch ein bescheidener Erfolg dabei rum kam, ist umso erstaunlicher, weil Star Trek: Der Film auch noch mit zahlreichen negativen Kritiken zu kämpfen hatte. Vor allem die Lauflänge mit dem Fehlen an entsprechenden Actionszenen lastete man Regisseur Robert Wise an.

Da geht sogar dem alten Haudegen Kirk kurz mal die Sprache verloren: Die majestätische Enterprise im „Trockendock“

Tatsächlich geriet der erste Kinoausflug verhältnismäßig zäh. Bis heute gibt es berechtigte Kritik am Drehbuch, das (ehrlichweise) nicht sonderlich filmisch geriet und auch in einer 45-minütigen Serienfolge hätte abgehandelt werden können. Das Fehlen eines echten Antagonisten – immerhin ist der „Gegner“ hier eine Wolke – trug ebenfalls zu leisem Spott bei. Dass trotz des hohen Budgets (seinerzeit eine Rekordsumme) nur wenig Spektakuläres passiert und man hauptsächlich Schauspielern in Uniformen dabei zusieht, wie sie Dingen zusehen, die auf Monitoren passieren, wirkt dann doch etwas ungelenk.

Zugute halten kann man Star Trek: Der Film jedoch seine philosophischen Ansätze über das Spannungsverhältnis der Grenze zwischen Mensch und Maschine. Wie sehr die fortschreitende Technologie dazu führt oder führen kann, dass die Menschen ihr Wesen verändern; dass die Maschinen uns in Wissenskraft und Intelligenz bald weit voraus sein könnten. Gleichzeitig stellt der Film die Frage, was uns Menschen denn überhaupt noch ausmacht, wenn die Maschine in ihrer Entwicklung derjenigen des Menschen gleicht. Wenn V’Ger mit den Worten beschrieben wird, er „verhalte sich wie ein Baby“ und habe Wutanfälle, verschwimmen diese Grenzen immer mehr. Und wenn V’Ger sich am Ende nach Emotionen sehnt, droht der Mensch endgültig, sein Monopol zu verlieren.

Und dabei müssen wir uns vor Augen halten: Star Trek: Der Film stammt aus dem Jahr 1979! Man muss sich auf die langsame Erzählstruktur einlassen und die philosophischen Subtexte umarmen, um den Film schätzen zu können. Und um darüber hinwegzusehen, dass die einst so augenzwinkernd agierenden Schauspieler der klassischen Star-Trek-Serie müde und desinteressiert wirken. Vor allem Shatners Kirk ist kaum wiederzuerkennen. Wie ein Möchtegern-Diktator reißt er das Kommando der Enterprise wieder an sich und agiert auch ansonsten bierernst. Ironischerweise hat Stephen Collins als von Kirk geschasster Captain Decker die Sympathien (und den Humor) auf seiner Seite – was leider auch nicht kaschieren kann, dass die zweite (eigentlich interessante) „neue“ Figur, Ilia, von einer Persis Khambatta gespielt wird, die arg hölzern agiert.

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Bildqualität (80%)

Vorabinfo: Wer gehofft hatte, auch der erste Star-Trek-Film würde im Director’s Cut auf die 4K-Scheibe kommen, der wurde im Vorfeld leider enttäuscht. Offenbar hat sich dessen Restauration deutlich länger hingezogen (bisher gab es ihn meines Wissens nach lediglich in SD-Qualität), sodass man lediglich in den Genuss der Kinofassung kommt. Paramount hat den Dir. Cut aber in 4K angekündigt – mit dem bitteren Beigeschmack, ihn möglicherweise lediglich auf dem hauseigenen Streamingkanal anzubieten, der hierzulande noch nicht mal gestartet ist. Natürlich kann es aber sein, dass man den Film noch mal einzeln auf 4K-Disk nachschieben wird.

Nun aber zur Kinofassung: Star Trek: Der Film wurde damals natürlich analog auf 35 mm Film aufgenommen. Zum Einsatz kamen Kameras vom Typ Panavision Panaflex sowie eine Panavision PSR R-200. Für die neuen Blu-rays und 4K UHD Blu-rays wurde nun ein neuer 4K-Scan des Filmmaterials vorgenommen, um die Scheibe im Nachgang mit erweitertem Farbraum im Rahmen von Rec.2020 sowie mit HDR10 und Dolby Vision zu versehen. Spannend war für einige sicher die Frage, ob man der Kinofassung auch eine digitale Bearbeitung der Tricks hat angedeihen lassen. Die Antwort lautet „nein“. Jene CGI-Elemente des Dir. Cut sind hier nicht zu sehen. Auch die teils deutlich zu erkennenden Trickeffekte wurden nicht kaschiert. Traditionalisten dürfen also aufatmen.

Die 4K Blu-ray macht Schluss mit den alten Rauschfiltern und ist farblich oft viel intensiver

Was man für die 4K-Disk ebenfalls nicht (mehr) gemacht hat, ist eine flächendeckende Rauschfilterung einzusetzen. Das macht aus unscharfen Shots wie jenem bei 6’52 zwar immer noch keine toll aufgelösten Bilder, aber man erkennt die Körnung wieder, was subjektiv schon mal für etwas mehr Schärfe sorgt. Ein Glück, dass man hier das ursprüngliche Filmkorn wieder erkennen kann und nicht mehr auf die teils extrem wachsigen Gesichter der bisherigen Blu-ray schauen muss. In jeder Einstellung mit den Darstellern wird das augenblicklich erkennbar und man erfreut sich an einer viel höheren Lebendigkeit des Gezeigten. Plötzlich wirkt alles wieder organisch und nicht wie eine billige Videoproduktion mit schlechtem Make-up.

Herausragend sind HDR-Grading und erweiterter Farbraum, die den Planeten Vulkan nun mit roter Lava von höchster Intensität beglücken, was über die alte Blu-ray eher aussah wie ein blasses Rostrot. Auch die Nebelschwaden, die hier emporsteigen, wirken nun authentischer. Schon alleine dadurch, dass sie nicht mehr unter dem Rauschfilter leiden und dadurch viel mehr Nuancen bieten. Dazu kommt eine durchweg wärmere Bildgestaltung, die dem Film besser steht als das Kühle der alten Blu-ray. Optisch liegen Galaxien zwischen der alten BD und der UHD Blu-ray. In puncto Spitzenhelligkeit hätte man aber noch ein wenig mehr Punch bieten können. Zwar kommen Sterne nun etwas intensiver und vor allem nicht mehr farblich verfälscht rüber (über die alte BD wirkten sie im Vergleich etwas grünlich), aber es verschwinden auch einige weniger hell leuchtende im Schwarz. Davon ab ist das Bild der UHD Blu-ray aber viel schöner anzuschauen und ein ziemlich deutlicher Sprung gegenüber der bisherigen Blu-ray. Dolby Vision kann sich gegenüber HDR10 hier kaum absetzen – selbst bei Grenzsituationen im Kontrast nicht.

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Tonqualität (75%)

Gegenüber der alten Blu-ray hat die UHD-BD zwar immer noch einen 2.0-Sound, dieser liegt nun allerdings in Dolby-True-HD-Kodierung vor, nicht mehr nur in 2.0 Dolby Surround. Jetzt könnte man meinen, dass der True-HD-kodierte 2.0-Sound „nur“ etwas unkomprimierter klingt und sich ansonsten nicht vom alten 2.0-Surround-Ton unterscheidet. Doch damit liegt man daneben. Klar ist: Auch mit True-HD-Codec wird’s kein Surroundspektakel. Aber schon die ersten Töne des Orchesters nach der kurzen Ouvertüre klingen so deutlich anders, dass man erstaunt aufmerkt. Während der DD-2.0-Sound der alten BD im Vergleich 50 Meter weiter entfernt spielt, baut der True-HD-Ton der UHD Blu-ray die Bühne viel näher und direkter auf. Und das liegt nicht nur an einer Anhebung der Lautstärke, sondern durchaus einer besseren Klarheit und an mehr Dynamik. Die Instrumente scheinen nun Luft zum Atmen zu haben, wo man vorher eine Decke über ihnen wähnte.

Der 2.0-Sound bleibt zwar weitgehend ohne räumliche Effekte oder Dynamik, klingt aber wesentlich besser als über die alte Blu-ray

Das Gleiche gilt auch für die Dialoge, deren Muffigkeit nun zu den Akten gelegt werden kann. Sämtliche Synchronstimmen sind nun klarer, fester und kräftiger. Sie haben mehr Hochtonanteile und klingen ausgewogener. Das mag zwar immer noch kein Highlight-Sound sein und es fehlt ihm schlicht auch etwas an Druck, aber im Gegensatz zur alten Blu-ray liegen hier durchaus „unendliche Weiten“ dazwischen. Während der englische Ton bei True HD in 7.1 bleibt und von der reinen Abmischung her nicht anders klingt, ist er einen Hauch leiser eingepegelt als bei der alten Blu-ray. Zirka 2 dB spuckt das Messgerät während der Dynamikspitzen vom Score weniger raus als über die alte Blu-ray. Aber, wie gesagt: Das betrifft rein die Lautstärke, nicht die generelle Dynamik und Atmosphäre, die hier nicht anders klingt als über die bisherige Blu-ray. Die UHD-BD hält überdies noch eine isolierte Tonspur des Jerry-Goldsmith-Soundtracks parat, die allerdings nur in DD 2.0 vorliegt und ziemlich dünn klingt.

  • Deutsch: Dolby True HD 2.0 (75%)
  • Englisch: Dolby True HD 7.1 (85%)

Bonus (–)

Bis auf den Audiokommentar von Michael & Denise Okuda, Judith & Garfield Reeves-Stevens und Daren Dochterman liegen alle anderen (zumeist bekannten Extras) auf der Blu-ray. Da uns diese nicht zur Verfügung gestellt wurde, entfallen weitere Beschreibungen an dieser Stelle.

Gesamtbewertung Star Trek: Der Film  (72%)

Star Trek: Der Film ist wahrlich nicht das beste Kinowerk innerhalb der Kultreihe. Eines jedoch muss man ihm lassen: Ohne ihn wäre das Franchise nicht wiederbelebt worden und ohne ihn gäbe es auch nicht weitere zwölf Filme, von denen einige wirklich großartig sind. Seine Fans hat der Erstling natürlich dennoch und die philosophischen Töne im Subtext sind für ihre Zeit ziemlich aktuell gewesen.

Die 4K UHD-BD liefert den Film nun in seiner bisher höchstwertigen Präsentation ab. Vor allem die Wiederherstellung der analogen Körnung sorgt bei Filmfans für Freudestrahlen, denn die vorherige Blu-ray war eine totgefilterte Matschkatastrophe. Davon ab ist die Farbgebung authentisch-wärmer und Vulcan war noch nie so kräftig rot. Schön, dass auch der deutsche Ton deutlich besser geworden ist – selbst wenn er immer noch bei 2.0 verharrt.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 09. September 2021 Review am: 13. September 2021
Erscheinungsjahr Film: 1979 Laufzeit: 132 Minuten
Filmstudio: Paramount FSK: ab 12 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat:
2,39:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch Dolby True HD 2.0
Englisch DolbyTrue HD 7.1
High Dynamic Range:
HDR 10
Dolby Vision
Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray

Star Trek: Der Film Trailer:

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