Creed 2 – Rockys Legacy 4K Blu-ray im Test: Voll auf die Zwölf

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'Creed 2 - Rockys Legacy' 4K Blu-ray im Test. Der Film kann einige Treffer landen, leider gibt es auch böse Nierenhaken!
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Nachdem Sylvester Stallone das von ihm kreierte Rocky-Franchise mit dem fünften Teil grandios vor die Mauer gefahren hatte, mit Rocky Balboa aber wieder auferstehen ließ, lebte der Mythos mit dem 2015er Spin-off Creed weiter. Drei Jahre später kommt nun das Sequel zum Spin-off. Und dieses präsentiert ein Story-Gerüst, das sich ebenso aufdrängte wie es vorhersehbar war: Das Aufeinandertreffen mit dem alten Rivalen Ivan Drago. Schon Creed schien eher ein Remake der ersten drei Filme mit umgekehrten Vorzeichen zu sein. Creed 2 – Rocky’s Legacy ist nun praktisch eine Neuerzählung von Teil IV, ohne es zu verleugnen – freilich mit einer jüngeren Generation und an die heutige Zeit angepasst.

Die Fortsetzung des Spin-offs arbeitet sich dabei ausgiebig an Rocky IV ab – und das in einigen Teilen wirklich gut. Dennoch sei an dieser Stelle ein wenig Kritik vorangestellt: Denn Creed 2 verpasst in all seiner Ehre-/Rache-/Männlichkeitswahn-Thematik die Chance, den ultrareaktionären Nebengeschmack des vierten Rocky-Films zu egalisieren. Dieser hatte seinerzeit drastisch unter dem Einfluss des Kalten Kriegs und des Wettrüstens zwischen den USA und Russland gestanden. Schön schwarz-weiß gemalt mit einem Underdog-Boxer, der sich an Schweineschinken hochtrainiert und einem Kampfroboter, der mit neuester Technik (der allgemeine Dopingvorwurf gegenüber Russland war offensichtlich) auf den Sieg „programmiert“ wird.

Creed ist mittlerweile ein erfolgreicher Boxer | Bildquelle: Warner Home Video

Ivan Drago zeigt sich nun aber auch nach 33 Jahren nicht geläutert und will endlich Wiedergutmachung für die Schmach der damaligen Niederlage. Denn natürlich hatte die UdSSR (wie sie Mitte der 80er noch hieß) ihre Kampfmaschine nach dem verlorenen Kampf gegen Rocky ausgestoßen. Nun will er seine Ehre wieder herstellen und wenn er dafür seinen Sohn über die Klinge springen lässt. Erst spät holt Regisseur Caple dann praktisch vollkommen aus der Luft gegriffen die größte Überraschung des Films aus der Zaubertüte.
Aber eine Aussprache mit Rocky oder gar Creeds Familie? Man hat nie wirklich das Gefühl, er würde Verantwortung für den Tod an Apollo übernehmen. Gerade im Hinblick darauf, dass auch in Creed 2 wieder der Amerikaner die Identifikationsfigur ist, hat man hier Potenzial verschenkt, um die Story etwas progressiver und der allgemeinen Politik gegenüber ausgewogener zu gestalten. Denn auch wenn das nicht jeder Fan der Reihe hören mag: Rocky-Filme waren immer auch (gesellschafts)politisch.

Unter Rockys Training wächst in Adonis ein echter Fighter heran | Bildquelle: Warner Home Video

Davon aber mal abgesehen hat das Rocky-Franchise eins drauf, wie kaum eine andere Filmreihe: Die packende Gefühlsaktivierung ihrer Geschichten. Obwohl hier alles komplett vorhersehbar bleibt, ist es natürlich ein höchst emotionalisierendes Moment, ausgerechnet die beiden Söhne der ehemaligen Ring-Konkurrenten aufeinander treffen zu lassen. Ja, das ist klischeehaft. Ja, das ist purer Machoismus. Aber es packt. Und weil fast alle Figuren ihre benötigte Zeit der Charakterisierung erhalten, fiebert man entsprechend mit – zumal wenigstens die jüngeren Rivalen nicht ganz so stereotyp aufeinander losgehen wie ihre einstigen Väter. Apropos Losgehen:

Im Ring geht es ab. Denn wo die Fightszenen in Rocky V wirklich zum Gähnen waren, langen Michael B. Jordan und Florian Munteanu (ein deutsch-rumänischer Boxer aus Bayern) richtig hin. Und die Kamera inszeniert das fiebrig und absolut packend. Schon der erste Kampf zwischen Creed und Wheeler ist fetzig inszeniert. Und aufgrund der schnellen und zackigen Kameraführung hat man heute wirklich kaum mehr das Gefühl, dass die Darsteller daneben schlagen, um sich nicht zu verletzten.

Training für den großen Kampf | Bildquelle: Warner Home Video

Dazu sind es die stillen und leisen Szenen, die eine Balance herstellen. Ob das Adonis‘ unbeholfener Heiratsantrag ist oder ein Teig knetender Rocky. Momente wie der Letztere reflektieren das Franchise und all seine Entwicklungen mehr als jede Kampfszene im Ring. Dazu gibt’s einige knackige Einzeiler von Sly, teilweise wirklich intelligente Dialoge und zahlreiche versteckte Zitate an Stallones Filmkarriere. Kleiner Hinweis am Rande, für diejenigen, die es nicht mitbekommen hatten. Thomas Danneberg, langjähriger Synchronsprecher von Stallone, stand für die Arbeiten an Creed 2 aufgrund einer schweren Erkrankung nicht zur Verfügung. Für ihn kommt nun Jürgen Prochnow zum Einsatz. Der hatte Stallone immerhin schon in Rocky und Rocky II seine Stimme geliehen – also durchaus eine nachvollziehbare Wahl im Sinne eines „back to the roots“. Ungewohnt ist es natürlich dennoch.

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Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

4 KOMMENTARE

  1. Also erstmal…. Creed 1 find ich echt Großartig gemacht. So einen tollen Film hat es schon lange nicht mehr gegeben. Und auch der Rocky Film von 2006 kommt jetzt dadurch besser rüber. Funktioniert jetzt super als Lücken Füller der insgesamten Reihe. Creed 2 ist so Ansich auch gut gemacht nur die andere Syncro macht dem ganzen Film leider kaputt. Es wirkt leider wie ein Fehler im Film. Weil die beiden Teile einfach auch extrem zusammen gehören. Klar in Rocky 1 und 2 funktionierte das ja. Aber da geht’s gar nicht. Ich verstehe auch immer nicht warum man das für die DVD und Blu-ray nicht noch mal nachlegen kann. Wenn sowas mal passiert. Den gäbe es ebend beide Versionen. Einmal mit der Stimme und einmal mit der anderen. 😉

  2. Schade sag ich nur. Ich bezeichne mich als riesigen Sly Fan. Ich gucke sämtliche Rambo und Rocky Teile ungelogen 5 mal im Jahr.. Over the Top nicht mitgezählt haha 🙂
    Aber dieser Film ist für mich leider durchgefallen, auf Grund der Syncro. Hab ihm Kino fast geheult als Sly aus dem Dunkel kam.. Da dachte ich nur nein.. das ist doch nicht.. das hab ich dem Film nicht verziehen und werde ihn deshalb auch nicht nochmal gucken. Da bleib ich lieber bei Teil 1 wenn es denn Creed sein muss!

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