Creed 2 – Rockys Legacy 4K Blu-ray im Test: Voll auf die Zwölf

Inhalt (75%)


Nachdem Sylvester Stallone das von ihm kreierte Rocky-Franchise mit dem fünften Teil grandios vor die Mauer gefahren hatte, mit Rocky Balboa aber wieder auferstehen ließ, lebte der Mythos mit dem 2015er Spin-off Creed weiter. Drei Jahre später kommt nun das Sequel zum Spin-off. Und dieses präsentiert ein Story-Gerüst, das sich ebenso aufdrängte wie es vorhersehbar war: Das Aufeinandertreffen mit dem alten Rivalen Ivan Drago. Schon Creed schien eher ein Remake der ersten drei Filme mit umgekehrten Vorzeichen zu sein. Creed 2 – Rocky’s Legacy ist nun praktisch eine Neuerzählung von Teil IV, ohne es zu verleugnen – freilich mit einer jüngeren Generation und an die heutige Zeit angepasst.

Die Fortsetzung des Spin-offs arbeitet sich dabei ausgiebig an Rocky IV ab – und das in einigen Teilen wirklich gut. Dennoch sei an dieser Stelle ein wenig Kritik vorangestellt: Denn Creed 2 verpasst in all seiner Ehre-/Rache-/Männlichkeitswahn-Thematik die Chance, den ultrareaktionären Nebengeschmack des vierten Rocky-Films zu egalisieren. Dieser hatte seinerzeit drastisch unter dem Einfluss des Kalten Kriegs und des Wettrüstens zwischen den USA und Russland gestanden. Schön schwarz-weiß gemalt mit einem Underdog-Boxer, der sich an Schweineschinken hochtrainiert und einem Kampfroboter, der mit neuester Technik (der allgemeine Dopingvorwurf gegenüber Russland war offensichtlich) auf den Sieg „programmiert“ wird.

Creed ist mittlerweile ein erfolgreicher Boxer | Bildquelle: Warner Home Video

Ivan Drago zeigt sich nun aber auch nach 33 Jahren nicht geläutert und will endlich Wiedergutmachung für die Schmach der damaligen Niederlage. Denn natürlich hatte die UdSSR (wie sie Mitte der 80er noch hieß) ihre Kampfmaschine nach dem verlorenen Kampf gegen Rocky ausgestoßen. Nun will er seine Ehre wieder herstellen und wenn er dafür seinen Sohn über die Klinge springen lässt. Erst spät holt Regisseur Caple dann praktisch vollkommen aus der Luft gegriffen die größte Überraschung des Films aus der Zaubertüte.
Aber eine Aussprache mit Rocky oder gar Creeds Familie? Man hat nie wirklich das Gefühl, er würde Verantwortung für den Tod an Apollo übernehmen. Gerade im Hinblick darauf, dass auch in Creed 2 wieder der Amerikaner die Identifikationsfigur ist, hat man hier Potenzial verschenkt, um die Story etwas progressiver und der allgemeinen Politik gegenüber ausgewogener zu gestalten. Denn auch wenn das nicht jeder Fan der Reihe hören mag: Rocky-Filme waren immer auch (gesellschafts)politisch.

Unter Rockys Training wächst in Adonis ein echter Fighter heran | Bildquelle: Warner Home Video

Davon aber mal abgesehen hat das Rocky-Franchise eins drauf, wie kaum eine andere Filmreihe: Die packende Gefühlsaktivierung ihrer Geschichten. Obwohl hier alles komplett vorhersehbar bleibt, ist es natürlich ein höchst emotionalisierendes Moment, ausgerechnet die beiden Söhne der ehemaligen Ring-Konkurrenten aufeinander treffen zu lassen. Ja, das ist klischeehaft. Ja, das ist purer Machoismus. Aber es packt. Und weil fast alle Figuren ihre benötigte Zeit der Charakterisierung erhalten, fiebert man entsprechend mit – zumal wenigstens die jüngeren Rivalen nicht ganz so stereotyp aufeinander losgehen wie ihre einstigen Väter. Apropos Losgehen:

Im Ring geht es ab. Denn wo die Fightszenen in Rocky V wirklich zum Gähnen waren, langen Michael B. Jordan und Florian Munteanu (ein deutsch-rumänischer Boxer aus Bayern) richtig hin. Und die Kamera inszeniert das fiebrig und absolut packend. Schon der erste Kampf zwischen Creed und Wheeler ist fetzig inszeniert. Und aufgrund der schnellen und zackigen Kameraführung hat man heute wirklich kaum mehr das Gefühl, dass die Darsteller daneben schlagen, um sich nicht zu verletzten.

Training für den großen Kampf | Bildquelle: Warner Home Video

Dazu sind es die stillen und leisen Szenen, die eine Balance herstellen. Ob das Adonis‘ unbeholfener Heiratsantrag ist oder ein Teig knetender Rocky. Momente wie der Letztere reflektieren das Franchise und all seine Entwicklungen mehr als jede Kampfszene im Ring. Dazu gibt’s einige knackige Einzeiler von Sly, teilweise wirklich intelligente Dialoge und zahlreiche versteckte Zitate an Stallones Filmkarriere. Kleiner Hinweis am Rande, für diejenigen, die es nicht mitbekommen hatten. Thomas Danneberg, langjähriger Synchronsprecher von Stallone, stand für die Arbeiten an Creed 2 aufgrund einer schweren Erkrankung nicht zur Verfügung. Für ihn kommt nun Jürgen Prochnow zum Einsatz. Der hatte Stallone immerhin schon in Rocky und Rocky II seine Stimme geliehen – also durchaus eine nachvollziehbare Wahl im Sinne eines „back to the roots“. Ungewohnt ist es natürlich dennoch.

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(Stand von: 27. June 2022 15:09 - Details
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Bildqualität (75%)

Creed 2 wurde mit vollkommen digital aufgezeichnet. Am Ausgang lagen 2.8K an. Zwar war nicht gesichert herauszubekommen, ob davon ein 2K- oder ein 4K-Master erstellt wurde, die meisten Quellen sprechen allerdings von einem 2K. Aufgrund der relativ niedrigen Ursprungsauflösung ist das auch wahrscheinlicher. Die UHD ist also nur eine hochskalierte 4K-Scheibe. Integriert wurden indes ein erweiterter Farbraum im Rahmen von Rec.2020 sowie die höhere Kontrastdynamik – und zwar in HDR10 und Dolby Vision.
Im laufenden Film stellt sich leider ein arg dunkles Bild ein, was dem in vielen Szenen ohnehin relativ dunklen Film nicht gut tut. Zumal die ganz düsteren Nachtszenen deutlich flacher und weniger dynamisch wirken als über die Blu-ray. Hier legt sich bisweilen ein sichtbarer Grauschleier über das Bild, was der BD nahezu fremd ist. Besser erscheinen immerhin die Hautfarben, die etwas mehr Kraft haben. So haben die afroamerikanischen Darsteller über die UHD einen weniger gelblichen Teint und erscheinen natürlicher. In den besser ausgeleuchteten Tageslichtszenen (bspw. bei den atmosphärisch kühlen Trainings-Szenen von Viktor) dunkelt HDR10 ebenfalls ziemlich ab. Auch wenn hier die Durchzeichnung noch besser ist und der Kontrast nicht abflacht, wirkt das Bild leider etwas schmuddeliger.

In den dunklen Bereichen kann HDR10 nicht die Dynamik der Blu-ray halten | Bildquelle: Warner Home Video

Ein deutlich anderes Bild ergibt sich mit Dolby Vision. Wo in den dunklen Szenen (bspw. beim Gespräch zwischen Creed und Rocky nach einer halben Stunde) HDR10 fast keine Differenzierung zwischen Stallones Gesicht und dem grauen Hintergrund zuließ, strahlt sein Gesicht per Dolby Vision wieder hervor. Der grünlich-kontrastschwache Teint weicht einem gesünderen, rosigeren Hautbild. In Sachen Auflösung fällt eine Differenzierung extrem schwer. Zum einen, weil viele Halbtotale nicht wirklich extrem scharf sind, zum anderen, weil die BD in den wenigen guten Shots auch recht knackig ist.

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Tonqualität (75%)

Leider geht Anbieter Warner hier wieder den Weg, den man zwischendurch bei MEG und The Nun mal verfolgte. Während die meisten Highlights des Anbieters mit deutschem und englischem Atmos ausgerüstet sind, reduzierte man für Creed 2 unverständlicherweise wieder auf Dolby Digital – und zwar für die BD UND für die UHD. Wo also der Originalton schon über die Blu-ray mit Atmos kommt, gibt’s für hiesige Zuhörer nur antiquiertes DD 5.1. Und das auch noch in der praktisch geringstmöglichen Datenrate mit 448 kBit/s anstelle der sonst üblichen 640 kBit/s.

In der Praxis bedeutet das aber glücklicherweise nicht zwingend, dass man die Tonspur ähnlich verdammen muss, wie jene komprimierten Fassungen von Disney. Beinahe erstaunlich ist es, wie druckvoll der Subwoofer schiebt, wenn Creed vor dem ersten Kampf mit Drago zu Hip-Hop-Beats einläuft. So viel Bass hätte man einer derart komprimierten Spur gar nicht zugetraut. Das kann der O-Ton zwar noch besser (und erreicht hier schon fast beängstigende Kickbässe), dennoch Respekt vor der DD-Fassung. Wechselt die Szenerie in den Ring und damit zum offenen Schlagabtausch, bleiben die Fausthiebe etwas flacher. Auch Stimmen klingen etwas dünner. Die Gesamt-Dynamik ist aber innerhalb einer Dolby-Digital-Spur mit derart geringer Datenrate sehr gut – selbst wenn das nicht davon ablenken soll, dass man hier arg sparsam mit dem deutschen Käufer umgeht.

Der deutsche Sound liefert leider nur Dolby Digital | Bildquelle: Warner Home Video

Hören wir uns nun aber mal ein bisschen an, was aus der Höhen-Ebene kommt, wenn man die englische Fassung anwählt. Zu Beginn wabert der fiebrige Score schon etwas von oben mit, wenn die Szenen in Kiev beschrieben werden. Auch das Schwingen der Fäuste nach etwas über zwei Minuten hört man oberhalb der regulären Ebene. Außerdem nutzt man die Heights dann gerne mal für abrupte KO-Schläge, die den Zuhörer fast aus dem Sattel befördern.Im weiteren Verlauf dominieren die ruhigen Dialogszenen, die natürlich keine 3D-Soundaktivität aufweisen. Und so bleibt es längere Zeit still. Bis dann im ersten Kampf mit Viktor schon mal ein Faustschlag und das Raunen der Menge zu hören ist. Ähnlich geht es dann im finalen Fight zu, wenn gerade die Zeitlupen-Szenen mit 3D-Sounds unterlegt werden.

Das ist in Summe nicht wirklich viel, was von den Heights kommt, dafür ist der Atmos-Sound aber auf der regulären Ebene ein Muster an Feinzeichnung, Druck und Dynamik.

  • Deutsch: Dolby Digital Plus 5.1 (75%) 2D-Betrachtung
  • Englisch: Dolby Atmos (80%) 2D-Betrachtung
  • Englisch: Dolby Atmos (40%) 3D-Betrachtung (Quantität)
  • Englisch: Dolby Atmos (65%) 3D-Betrachtung (Qualität)

Bonus (60%)

Das Bonusmaterial von Robin Hood enthält neben dem Trailer zunächst einmal sechs geschnittene Szenen sowie eine Gag Reel mit witzigen Szenen vom Dreh. Das Featurette „Robin Hood Reloaded“ ist Kern der Extras und läuft satte 64 Minuten. Von der Arbeit an den aufwändig erstellten Sets über die Neuinterpretation der Geschichte bis hin zur Besetzung und der Charakterisierung des bösen Sheriff Notthingham sowie der Filmmusik wird praktisch die komplette Produktion ausgiebig beleuchtet.

Gesamtbewertung Creed 2 – Rocky’s Legacy  (75%)

Creed 2 – Rocky’s Legacy ist ein emotional packender Film, der seinen Figuren viel Raum lässt. Die Fight-Szenen sind sensationell und Florian Munteanu ist eine Naturgewalt als Widersacher. In Kombination mit dem Wiedersehen alter Bekannter (unter anderem auch Brigitte Nielsen) ist das trotz des ungenutzt gelassenen Themas von Schuld und Vergebung ein würdiger Nachfolger zum Spin-off. Die UHD liefert dazu ein besseres Bild – allerdings nur über Dolby Vision. HDR10 geht leider im flauen Kontrast und der sehr starken Abdunklung unter.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 29. Mai 2019 Review am: 04. Juni 2019
Erscheinungsjahr Film: 2018 Laufzeit: 130 Minuten
Filmstudio: Warner FSK: ab 12 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat:
2.35:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch Dolby Digital Plus 5.1
Englisch Dolby Atmos
High Dynamic Range:
HDR 10
Dolby Vision
Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D Testgerät Player: Panasonic UB9004

Creed 2 Trailer:

Timo Wolters
Timo Wolters
Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

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5 Kommentare

  1. Also erstmal…. Creed 1 find ich echt Großartig gemacht. So einen tollen Film hat es schon lange nicht mehr gegeben. Und auch der Rocky Film von 2006 kommt jetzt dadurch besser rüber. Funktioniert jetzt super als Lücken Füller der insgesamten Reihe. Creed 2 ist so Ansich auch gut gemacht nur die andere Syncro macht dem ganzen Film leider kaputt. Es wirkt leider wie ein Fehler im Film. Weil die beiden Teile einfach auch extrem zusammen gehören. Klar in Rocky 1 und 2 funktionierte das ja. Aber da geht’s gar nicht. Ich verstehe auch immer nicht warum man das für die DVD und Blu-ray nicht noch mal nachlegen kann. Wenn sowas mal passiert. Den gäbe es ebend beide Versionen. Einmal mit der Stimme und einmal mit der anderen. 😉

  2. Schade sag ich nur. Ich bezeichne mich als riesigen Sly Fan. Ich gucke sämtliche Rambo und Rocky Teile ungelogen 5 mal im Jahr.. Over the Top nicht mitgezählt haha 🙂
    Aber dieser Film ist für mich leider durchgefallen, auf Grund der Syncro. Hab ihm Kino fast geheult als Sly aus dem Dunkel kam.. Da dachte ich nur nein.. das ist doch nicht.. das hab ich dem Film nicht verziehen und werde ihn deshalb auch nicht nochmal gucken. Da bleib ich lieber bei Teil 1 wenn es denn Creed sein muss!

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