„Dunkirk“ auf 4K Blu-ray im Test – Nolans Kriegs-Drama

0
Dunkirk auf 4K UHD Blu-ray im Test. Wieso Nolans Kriegs-Epos nicht komplett überzeugen konnte lest ihr hier!
Dunkirk auf 4K UHD Blu-ray im Test. Wieso Nolans Kriegs-Epos nicht komplett überzeugen konnte lest ihr hier!

Lange haben wir uns auf Christopher Nolans Kriegs-Drama „Dunkirk“ gefreut. Umso ernüchterner ist es, dass „Dunkirk“ in unserem 4K Blu-ray Test nur in zwei von drei Hauptkategorien vollends überzeugen kann. Wieso sich ein „Blick“ trotzdem lohnt lest ihr hier.

Dunkirk (4K Ultra HD + 2D Blu-ray) [Blu-ray]

Preis: EUR 24,99

(0 Kundenrezensionen)

27 neu & gebraucht erhältlich ab EUR 17,45

Inhalt (90%)

Ultra-HDTV.net 300 x 250Anzeige

Drei Jahre nach Interstellar knüpft sich Regie-Wunderknabe Christopher Nolan erstmalig historische Ereignisse vor und schildert aus drei verschiedenen Perspektiven die Belagerung der nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen durch die Deutschen sowie die spektakuläre Rettung der Alliierten Soldaten durch die Briten.Nolan nutzt all seine Erfahrung und immerhin rund 100 Mio. Dollar, um seinem Credo, möglichst alles praktisch und vor allem an Originalschauplätzen zu drehen, zu folgen. Die Aufnahmen an der Küste fanden in der an der Côte d’Opale gelegenen Hafenstadt Dünkirchen selbst statt. Für die Szenen mit den Flugzeugen nutzte man tatsächlich Museums-Flugzeuge sowie einige eines privaten Sammlers und filmte gute zwei Wochen mit ihnen. Lediglich wenn es um Zerstörung der Maschinen ging, kam auch er natürlich nicht an Trickeffekten vorbei.

Dennoch: Was man hier ausknobelte und technisch umsetzte, um ohne jeden Computereffekt praktisch die Sichtweise des Piloten nachvollziehen zu können, ist absolut atemberaubend. Denn noch eins kennt der Nolan-Fan unter den Heimkino-Freunden: Die Freude des Regisseurs an der Arbeit mit den IMAX-Kameras. In Dunkirk trieb er es auf die Spitze und ließ ganze 70% auf 70mm IMAX-Material drehen. Die restlichen 30% lieferten reguläre 65mm-Filmkameras – digital sind hier nur die wenigen CGI-Effekte. Selbst während der Luftgefechte, also in den schwierigsten aller Filmsituationen, kommen IMAX-Geräte zum Einsatz. Diese Akribie und Authentizität sieht man dem Film in jeder dieser Einstellungen an. Gelungen sind Nolan auf diese Weise wirklich grandios gefilmte Sequenzen. Mindestens ebenso wichtig wie die Bilder ist aber auch die Filmmusik, bzw. der Score. Den ließ Nolan erneut von Hans Zimmer komponieren. Weil Dunkirk sehr dialogarm ist, liefert Zimmer den nötigen Hintergrund, um die Story vorwärts zu bringen. Dabei experimentierte er mit unterschiedlichen Geräuschen wie dem Ticken einer Taschenuhr. Gerade dieses Element sorgt für eine schier atemlose Spannung. Wenn man die Soldaten auf der Mole in einer Mischung aus Angst und Hoffnung sieht und das Ticken der Uhr schneller wird, schnürt es dem Zuschauer schier die Kehle zu. Aber schon der Beginn ist akustisch wegweisend, wenn die kleine Gruppe Soldaten durch die Straßen verfolgt und nur ein unheilvoll heulender Sound unter dem Geschehen liegt. Ein Klangteppich, der dann abrupt von Gewehrschüssen durchpflügt wird.

Die britischen Soldaten sitzen am Strand von Dünkirchen in der Falle
Die britischen Soldaten sitzen am Strand von Dünkirchen in der Falle

Was gerade solchen Szenen wie jener auf der Mole ein Höchstmaß an Authentizität verleiht, ist die Tatsache, dass man bei den Soldaten an Land eben nicht auf etablierte, ältere Schauspieler setzte, sondern vornehmlich unbekannte und sehr junge Gesichter engagierte. Das gibt Dunkirk eine Unmittelbarkeit, die nicht auf prominente Darsteller reduziert wird, sondern sehr realistisch darstellt, dass die Soldaten junge Kerle aus der Nachbarschaft waren. Jeden hätte es treffen können. Unsterbliche Superhelden sucht man hier vergeblich.

Gerade Fionn Whitehead und Barry Keoghan in den Rollen von Tommy und George überzeugen. Whitehead gibt als Soldat seinen Langfilm-Einstand und wird zur Identifikationsfigur, obwohl (oder vielleicht gerade weil) er zunächst so gar nicht zum Held taugt. Wenn er sich durch einen nicht ganz fairen Coup vordrängelt, könnte man ihn als Feigling bezeichnen, merkt aber eben auch, dass er nachvollziehbar menschlich handelt, weil er schlicht Angst vor dem Tod hat. UBekannte Darsteller sieht man dann teilweise in der Führungsriege und natürlich in Person von Nolans altem Bekannten Tom Hardy, der den Piloten Farrier gibt. Dessen Antlitz sieht man allerdings erst ganz zum Schluss. Zuvor bleibt es stets hinter der Fliegermaske verborgen.

Bildqualität „Dunkirk“ (75%)

Mittlerweile weiß man um die Vorliebe Nolans, seine Filme nicht nur analog, sondern vor allem auch teilweise im IMAX-Format zu drehen. Gefilmt wurde auf 70mm-IMAX- und 65mm-Filmmaterial. Die Aufnahmen wurden dann in 4K gescannt und über ein 4K Digital Intermediate gemastert. Ebenso ungewöhnlich wie löblich: Während für die meisten Filme heutzutage die CGI-Effekte nur in 2K vorliegen, wurden hier sämtliche CGIs in 6K (6144×3072) gerendert.

Gerade in Sachen Detailschärfe und -tiefe kann die Ultra-HD an der Blu-ray dann auch noch mal vorbeiziehen. Ist die BD aufgrund der hohen Auflösung des Filmscans bereits sehr gut, hat die UHD insgesamt das etwas klarere Bild mit den feineren Strukturen. Gut zu erkennen bei den Instrumenten im Flugzeug. Aber auch in Totalen kann man den Auflösungsvorsprung wahrnehmen. Selbstverständlich ist auch die UHD machtlos gegenüber den Vibrationen, die während der Flugzeugszenen auftreten – auch hier sieht man das ganz dezente „Wackeln“ der Details und Gesichter, das wie ein Schärfeproblem wirkt, aber keins ist.

Bildgewaltig. Nolans "Handschrift" ist klar zu erkennen
Bildgewaltig. Nolans „Handschrift“ ist klar zu erkennen

Geschmacksache ist allerdings das Mastering von HDR10 und dem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum. War es bisher oft so, dass UHDs hier mit satteren Kontrasten, besserem Schwarz und helleren Spitzlichtern punkten konnten, so ist es bei Dunkirk beinahe anders herum. Das Bild der UHD wirkt durch die Bank etwas gräulicher, weil Schwarz nicht ganz so kräftig rüberkommt. Dazu hat man die Farben einen Hauch ins Grün eingefärbt, was vielleicht noch zur Authentizität der schmuddeligen Bilder beiträgt, aber technisch gegenüber der Blu-ray etwas schwächer aussieht. Man muss sich hier also entscheiden zwischen normgerechterer Darstellung der Blu-ray oder stärker stilisierter und damit authentischer wirkender Wiedergabe der UHD.

Tonqualität „Dunkirk“ (90%)

Beim Sound von Dunkirk herrscht Gleichstand bei der deutschen Fassung und der Originalversion. Sie liegen beide in dts-HD-Master vor. Und die liefern ab. Schon während der ersten drei Minuten verfolgt die Kamera Tommy und der Feind bleibt unsichtbar. Er schießt von hinten auf die Kamera (und damit den Protagonisten). Die Salven treffen unvermittelt ins Herz des Zuschauers, wo zuvor nur ein sanfter Soundteppich war. Läuft er dann zum Strand, wird das vom dumpfen Pumpen des Scores begleitet – nur selten sind Filmmusik, Surroundeffekte und Geschehen so eng beieinander und wirken gleichermaßen erschreckend wie überwältigend. Wenn die deutschen Bomber nach knapp sieben Minuten auf die Soldaten am Strand zufliegen und die Bomben nacheinander einschlagen, geht man wirklich unwillkürlich in Deckung. Auch die britischen Flieger sind sensationell vertont. Man sitzt praktisch drin und wenn sie zu Dritt über den Bildschirm fliegen, hat der Subwoofer richtig was zu tun. Ebenso wie nach gut 38 Minuten, wenn der Torpedo im Schiff einschlägt oder die Schrauben unter Wasser arbeiten.

Einzig schade ist, dass dieser schlicht sensationelle Tonsektor weder auf der Blu-ray noch auf der UHD einen 3D-Sound spendiert bekam. Was WÄRE hier alles möglich gewesen, da so viel von oben auf die Soldaten und das Geschehen am Strand oder im Wasser einwirkt.

  • Deutsch DTS-HD MA 5.1 (90%)
  • Englisch DTS-HD MA 5.1 (90%)

Bonus (80%)

Das Bonusmaterial liegt komplett auf der dritten Disk des Sets vor. Selbst die reguläre Blu-ray ist völlig frei von Extramaterial. Die Bonus-Scheibe gliedert sich in fünf Teile auf. Während „Die Entstehung“ und „Abschluss“ den Rahmen bieten, gehen die drei mittleren Teile „Das Land“, „Die Luft“ und „Die See“ auf eben jene Bereiche ein, die auch den Film stilistisch aufteilen. Jedes der fünf Featurettes besteht dann aus weiteren Teilbereichen, was die Gesamtlaufzeit auf gut 110 Minuten anschwellen lässt. Zu sehen bekommt man Schilderungen der Macher und Schauspieler, wie sie zu den damaligen Ereignissen stehen, was schon mal Gänsehaut bewirken kann. Aber natürlich geht man auch auf die technischen Aspekte ein. So sind die Ausführungen und Bilder über die Installation der IMAX-Kameras auf den alten Kriegsflugzeugen wirklich atemberaubend. Erst nach so einem Featurette weiß man zu schätzen, was alle Beteiligten hier geleistet haben.

Gesamtbewertung Dunkirk 4K Blu-ray (85%)

Dunkirk ist inszenatorisch genau das Meisterwerk, das man sich von Nolan erwartet hatte, wenn er sich des Themas annimmt. Er vermeidet gängige Regie-Klischees, erzählt keine Schicksale, sondern schmeißt den Zuschauer hinein in ein Kriegsszenario, das er durch einen sensationellen Soundtrack und atemberaubende Luft- und Wasseraufnahmen erfahrbar macht.

Technisch gesehen überzeugen Blu-ray und UHD mit sehr authentischem Filmlook, der zwar nicht jedermanns Geschmack ist, aber korrekt wiedergegeben wird. Der dts-HD-MA-Sound ist schlicht sensationell, wenngleich an ihm und dem Thema ein toller 3D-Sound verloren gegangen ist.

Dunkirk (4K Ultra HD + 2D Blu-ray) [Blu-ray]

Preis: EUR 24,99

(0 Kundenrezensionen)

27 neu & gebraucht erhältlich ab EUR 17,45


Dunkirk als Steelbook (Limited Edition) [Blu-ray]

Preis: EUR 41,99

(0 Kundenrezensionen)

16 neu & gebraucht erhältlich ab EUR 17,50

Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 14. Dezember 2017 Review am: 12. Dezember 2017
Erscheinungsjahr Film: 2017 Laufzeit: 107 Minuten
Filmstudio: Warner Home Video FSK: Ab 12 Jahren
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch
Bildformat:
2.35:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch DTS MA 5.1
Englisch DTS MA 5.1
High Dynamic Range:
HDR 10 Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55C6D
Testgerät Player: Panasonic DMP-UB900EGK

Dunkirk Trailer:

„Dunkirk“ auf 4K Blu-ray im Test – Nolans Kriegs-Drama
3.3 (66.67%) 3 Bewertung[en]

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here