Netflix-CEO geht vom Ende des linearen Fernsehens innerhalb der nächsten Dekade aus

Netflix steckt selbst in der Krise, sagt sie zeitgleich aber auch dem linearen Fernsehen nach. Dem klassischen TV-Programm gibt man nicht mehr lange Zeit bis zum Exitus.


So hat der Ko-CEO von Netfix, Reed Hastings, prognostiziert, dass das lineare Fernsehen innerhalb der nächsten Dekade vor dem Aus stehen werde. Ob Netflix mit diesen gewagten Vorhersagen davon ablenken möchte, dass man gerade selbst Abonnenten einbüßt? Zumal die Kunden laut Umfragen aktuell häufig unzufrieden mit dem Streaming-Anbieter sind. Netflix wird da unter anderem dadurch unter Druck gesetzt, dass große Hollywood-Studios wie Warner Bros, NBCUniversal, Paramount und Co. lieber eigene Streaming-Angebote hochziehen, als weiter ihre Kataloge an Netflix zu lizenzieren.

Netflix versucht sich nun an neuen Strategien: Einerseits will man einen vergünstigten, werbefinanzierten Tarif im Jahr 2023 einführen. Andererseits will man strenger gegen das Account-Sharing vorgehen und das Teilen von Nutzerkonten über einen Haushalt hinaus nur noch gegen einen zusätzlichen Aufpreis ermöglichen. Logisch ist zumindest: Wenn immer mehr Streaming-Anbieter auf Werbung setzen, dann werden viele Unternehmen und Marken sich überlegen, wo sie besser ihre Zielgruppen erreichen. Und personalisierte Werbung bei Streaming-Anbietern könnte da attraktiver sein, als Sports im linearen Programm.

Netflix will das Account-Sharing zwar erlauben, es soll aber etwas kosten.
Netflix will das Account-Sharing zwar erlauben, es soll aber etwas kosten.

Als Todesstoß für das klassische Fernsehen bewertet Hastings auch, dass Streaming-Angebote nicht so sehr an bestimmte Hardware gebunden seien. Man könne sie am Fernseher, am Notebook und sogar am Smartphone und Tablet genießen. Allerdings gibt es natürlich auch entsprechende TV-Apps mittlerweile. Dennoch kommt der Netflix-Manager zu der Prognose, dass lineares Fernsehen innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre aussterben werde.

Streaming-Anbieter greifen TV-Sendern wohl bald die Werbekunden ab

Tatsächlich gibt es kein unendliches Werbebudget bei den Konzernen. Sollten die Streaming-Anbieter hier also immer aggressiver werden, dürfte die Rolle des linearen Fernsehens zumindest für die Werbeindustrie abnehmen. Die voraussichtlich sinkenden Einnahmen werden dann für viele Privatsender schwer abzufedern sein. Hastings wirft da ein, dass die Unternehmen und Marken bei etwa Netflix hochgradig personalisierte und damit effizientere Werbung schalten können. Das sei im linearen Fernsehen nicht möglich.

QuelleIndieWire
André Westphal
André Westphal
Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen.

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14 Kommentare
  1. Hat der ceo von netflix die glaskugel befragt oder hat er s7ch auf dem Jahrmarkt die Karten legen lassen? Ich sehe auch kaum noch normales tv aber aussterben wird es wohl nicht.

  2. Ich hätte nichts dagegen, wenn wenigstens RTL und seine Lakaikanäle verschwinden würden. Das Unglück, ARD und ZDF bis zum Ende des Universums bezahlen zu müssen ist schon schlimm genug. Aber selbst Netflix wird wohl die nächste Dekade gar nicht erst erleben.

  3. Ich glaube nicht, dass das so schnell gehen wird. Kann schon sein, dass das lineare Fernsehen in den nächsten paar Jahrzehnten verschwindet, (laut Star Trek bis 2040 😉 ) aber wahrscheinlich nur, indem die linearen Fernsehgucker wortwörtlich aussterben. Zu viele Menschen hängen zu sehr an ihren Gewohnheiten.
    Und ich sehe es auch so, dass Nerflix in Gefahr ist, zu verschwinden, wenn die weiter versuchen, ihre wichtigen Entscheidungsprozesse mit Algorithmen zu automatisieren.

    • Hätte ich nichts dagegen, ich zahle GEZ ohne ein einziges Angebot direkt zu nutzen.
      Dass auch internationale Film- und Serienproduktionen, die hier in Deutschland gedreht werden, durch die Rundfunkgebühren mitfinanziert werden ist mir übrigens bewusst.
      Dennoch rechtfertigt das keine fast 20 Euro monatlich.
      Kein Gerät im Haushalt ist für lineares Fernsehen überhaupt eingerichtet.
      An allen Fernsehern und AV-Receivern hängt ein AppleTV dran über den alles was nicht von Discs kommt, läuft.

  4. Wegen Netflix hatte ich übrigens Watchever gekündigt…so im Rückblick wars ein Fehler
    und watchever (ich glaube die saßen in Berlin und hatten zuletzt nur noch 20 Abonnenten)
    Mittlerweile ist aber auch Netflix bei uns Geschichte (ärgerlich, dass die eine eigene Taste auf der FB haben )

  5. Da hoffe ich tatsächlich sehr, dass Netflix recht behalten wird.

    Nächstes Jahr kann ich endlich Kabel aus meiner Miete raus streichen, gucke eh seit 10 Jahren kein liebtest Fernsehen mehr.
    Dank Internet und Smartphone bin ich über die Weltlage trotzdem um einiges besser informiert als reine Tagesschau Zuschauer.

    Und RTL2 und Co braucht erst recht niemand!

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