Prospect 4K Blu-ray im Test: Außergewöhnlich in allen Belangen

Inhalt (80%)


Chris Caldwell und Zeek Earl lernten sich in der Uni während ihres Studiums kennen. Für beide war irgendwie klar, dass sie Filmemacher werden wollten. Und so begannen sie, Werbespots und Kurzfilme zu drehen. Einer von diesen lautete 2014 auf den Namen Prospect und sollte damals schon die Vorlage für einen Langfilm sein. Vier Jahre später hatten sie das Budget zusammen gekratzt, um diese Idee in die Tat umzusetzen. Mit 3,9 Mio. zur Verfügung stehender Dollar mieteten sie sich in eine alte Werfthalle ein, versammelten kreative Freunde und Bekannte um sich und bauten sieben Monate lang am Set- und Produktionsdesign. Als man damit fertig war, diente die gleiche Halle als Soundstage für die Innenaufnahmen. Die Szenen, die in der Natur des fremden Planeten spielen, wurden in einem kleinen Regenwald-Gebiet zwischen Washington und Seattle gedreht. Herausgekommen ist ein Coming-of-Age-Film mit Thriller-Anleihen, der in ein SciFi-Gewand gekleidet wurde. Letzteres nimmt Anleihen bei den Genre-Vertretern der 60er/70er und kommt optisch ganz bewusst stilisiert daher. Auf dem fremden Mond sorgt das für einen unbequem kränklichen Eindruck, was die Stimmung intensiviert.

Cee weiß nicht, ob sie dem Fremden trauen kann

Das starke Hinzufügen von Schmutz- und Staubpartikeln (übrigens ein gefilmter, „echter“ Effekt) vermittelt ein unbehagliches Gefühl, das effektiv kaschiert, wo man drehte und die Gegend unwirtlich und feindlich darstellt. Es ist erstaunlich, mit welchen geringen Mitteln Prospect auskommt und diese so effektiv nutzt, dass er gerade aufgrund der günstigen Produktion und des kreativen Designs funktioniert. Caldwell und Earl setzten dabei vor allem auf praktische Effekte und die ohnehin schon beeindruckende Oberfläche des Waldgebiets. Visuelle Effekte existieren zwar, ergänzen aber nur im Mindestmaß das Geschehen und beschränken sich meist auf sichtbare Planeten oder Monde. Wenn man hier also keinen visuellen Overkill mit 90% digitaler Effekte erwartet, diesen Gedanken erst gar nicht entstehen lässt, kann man sich voll und ganz auf die Spannung und Atmosphäre einlassen – und die ist einzigartig. Alleine die Szenen im Wald wirken durch ihre Farbgebung und die herausragende Kameraarbeit inklusive natürlicher (und hier passender) Lens-Flare-Effekte als wären sie nicht von dieser Welt.

Ezra in der Bredouille

Unterstützt mit passender Filmmusik und einem unheilvollen Score entfaltet sich im Zusammenspiel mit dem einzigartigen Look ein fesselndes Kammerspiel, das seinen Fokus ganz klar auf die Figur der Cee setzt. Früh alleine muss die Teenagerin sich durchkämpfen und schwere Entscheidungen treffen. Sophie Thatcher spielt diese Cee in ihrer ersten Langfilm-Rolle mit beeindruckender Präsenz. Ihr Gegenpart ist der prominenteste Darsteller des Films, Pedro Pascal. Als Ezra bringt er seine ganze Erfahrung in den Film und bildet ein hervorragendes Gleichgewicht zur jungen Thatcher. Selbst wenn Prospect zum Finale hin etwas konventionell wird und ein bisschen zu sehr auf einen handelsüblichen Actionverlauf setzt, schadet das der Gesamt-Atmosphäre nicht. Vor allem, weil das Schlussbild dafür wieder etwas entschädigt und den Tenor des Films wieder aufnimmt.

Prospect - 3-Disc Limited Collector's Edition im Mediabook (4K Ultra HD/UHD) (+ Blu-ray) (+ DVD)
Preis: 24,95 €
(Stand von: 10. August 2022 11:19 - Details
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Bildqualität (70%)

Prospect wurde mit RED-Kameras aufgenommen, die am Ausgang 6K bzw. 8K lieferten. Das Ganze gelang über ein 4K DI auf die UHD, was vor allem deshalb zusätzlich herausragend ist, da die VFX ebenfalls in 4K gerendert wurden. Die Disk ist also durchgängig 4K-basiert und gehört damit zu den wenigen, die wirklich zu 100% nativ in 4K vorliegen.

Betrachtet man Close-ups aber genauer, kann man die 6-8K-Herkunft kaum verleugnen Denn die wirklich scharfen Aufnahmen sind vorzüglich detailliert. Von der Auflösung abgesehen wurde dem Film natürlich auch ein im Rahmen von Rec.2020 erweiterter Farbraum zuteil sowie die höhere Bilddynamik nach statischem HDR10. Das laufende Bild gehört dann zu den am stärksten von der Blu-ray unterscheidbaren überhaupt. Sofort wird deutlich, um wie viel besser der Schwarzwert ist. Auch wenn er hier immer noch nicht Spitzenniveau erreicht, ist das dunklere und sattere Bild der UHD der hellen und kontrastarmen, fast ausgeblichenen BD überlegen. Sämtliche Szenen im Wald profitieren von der UHD, wenn es rein um das objektive Kontrastvermögen und die Farbintensität geht.

Das Bild der UHD kommt mit einem eigenwilligen und speziellen grünlichen Look

Natürlich verändert das auch den Look des Films an sich ein Stück weit. Zwar sieht die UHD technisch-objektiv erst einmal besser aus, aber wenn man die Atmosphäre gerade aufgrund des blassen, ausgewaschenen Bildes der Blu-ray gefühlt hat, wirkt das zunächst etwas unpassend. Eventuell wäre das natürlich anders herum, wenn man zuerst die UHD anschaut und im Nachgang die BD. Was leider aber auch zu beobachten ist: Die drastische Stilisierung in der Postproduktion führt bei der UHD durch die Kontrastanhebung zu heftig überkontrastierenden hellen Flächen. Wenn in den Waldszenen die Sonne durch die Bäume und über Pflanzenwuchs herein scheint, reißen die hellen Bereiche aus und das eigentlich grüne Laub wird gelblich und grell.
Dagegen sind starke und sehr helle Spitzlichter in dunklen Szenen sehr gut gelungen – beispielsweise das Funkeln in den Augen. Und so ist die UHD ein zweischneidiges Schwert: Zum einen wesentlich satter und kontrastreicher in den gleichmäßigen Szenen im Wald und im Shuttle, dazu sichtbar besser aufgelöst. Zum anderen aber deutlich überstrahlend auf den sehr hellen Bereichen.

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Tonqualität (80%)

Ist Prospect in Sachen Bild noch gewöhnungsbedürftig und oldschool, kann man das vom Ton zu keiner Zeit behaupten. Die beiden dts-HD-Master-Spuren liefern von Beginn an eine hervorragende Performance ab. Vor allem in Sachen dedizierter Räumlichkeit ragen sie heraus. Lautsprecher-Durchsagen kommen weiträumig aus allen Speakern, jedes Rumpeln, Glucksen, Dampfen und Dröhnen des Schiffs wird zum Greifen nahe platziert und der LFE-Kanal weiß ebenfalls Akzente zu setzen. Spätestens, wenn die beiden bruchlanden, setzt es auch im Tieffrequenz-Bereich mal entsprechende Signale.

Die spannenden Szenen auf dem Planeten werden über die Tonspuren effektvoll wiedergegeben

Aber auch auf dem Planeten selbst leben die Speaker auf. Die Geräusche, die man dort wahrnimmt, kommen raumfüllend und die Dialoge durch die Helme sind atmosphärisch perfekt eingefangen. Werden Schüsse aus den Waffen abgefeuert, werden diese recht dynamisch wiedergegeben und Stimmen sind gut verständlich. Zwar gibt’s hier keine Dolby-Atmos-Spur, aber ansonsten macht der Sound alles richtig.

  • Deutsch: DTS HD-Master (80%)
  • Englisch: DTS HD-Master (80%)

Bonus (60%)

Das schicke Mediabook der UHD enthält die BD, DVD und UHD des Films. Dazu gibt’s ein 24-seitiges Booklet mit einem ausführlichen Interview vom deadline-Magazin mit den beiden Regisseuren. Ein paar Concept-Art-Zeichnungen ergänzen das Buch. Auf der Disk selbst warten dann ein Audiokommentar mit dem Regie-Duo sowie zwei entfallenen Szenen, einem kurzen Behind the Scenes, das sich damit beschäftigt, wie man den Film mit so einem geringen Budget realisieren konnte. Obendrauf gibt es noch zwei Featurettes. In „Inside Prospect“ gibt es Infos über das Helmdesign und das Raumschiff. Auch hier ist einfach unglaublich, mit welcher Leidenschaft die Crew an die Arbeit ging, ihre eigentlichen Jobs vernachlässigte und Filmrequisiten baute. In „Gestaltung von Prospect“ geht es dann in vier Teilen knapp 20 Minuten lang um einige VFX oder auch hier wieder etwas intensiver um das Setdesign, die Ausstattung und das Kostümdesign.

Gesamtbewertung Prospect  (77%)

Faszinierender Independent-Sci-Fi-Film, der seine Sogwirkung über den visuellen Stil und seine sorgsam entwickelte Charakterzeichnung bewirkt. Wer keine Weltraumschlacht erwartet, sondern eher einen Mix aus Auslöschung und Solaris, wird hier fündig und mit einem (ob des geringen Budgets) grandiosen Setdesign belohnt. Die UHD wird jene erfreuen, denen das Bild der Blu-ray zu milchig und kontrastschwach ist. Allerdings muss man über die ausreißenden hellen Bereiche hinwegsehen.

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Technische Details & Ausstattung:

Erscheinungstermin: 26. Juli 2019 Review am: 10. August 2019
Erscheinungsjahr Film: 2018 Laufzeit: 100 Minuten
Filmstudio: Capelight Pictures FSK: ab 12 Jahre
Auflösung / Bildfrequenz:
2160p @ 24p Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat:
1,85:1 / 16:9 Tonspur:
Deutsch DTS HD-Master 5.1
Englisch DTS HD-Master 5.1
High Dynamic Range:
HDR 10 Ausstattung:
4K Blu-ray
HD Blu-ray
Testgerät TV: LG OLED55B7D Testgerät Player: Panasonic UB9004

Prospect Trailer:

Timo Wolters
Timo Wolters
Der echte Filmfan bleibt im Heimkino: Das Bild ist besser, der Sound unmittelbarer und die Sitznachbarn angenehmer - Timo rezensiert seit 2002 mit Leidenschaft (fast) durch alle Genres. Aktuelle Rezensionen findest du auf blu-ray-rezensionen.net

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4 Kommentare
  1. Habe mal bei Blu-ray.com nachgelesen. Demnach soll die UHD einen deutlich besseren, natürlicheren Schwarzwert haben als die Blu-ray, bei der schwarz eher dunkelgrau ist.

    Und nicht schlecht, dass man den Hauptdarsteller von THE MANDALORIAN hier schon mal live in Action erleben kann, freilich ohne mandaloreanische Boba Fett-Rüstung…

  2. Danke für die tolle Film Beschreibung,höhrt sich ziemlich spannend an,werde ich mir mal anschauen,ich stehe voll auf Sci-Fi

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